Glaube und Tradition

Kopf an Kopf

Redaktion am 16.06.2025

Alban-Schädel in Taubenbach. Info Icon Foto: Dieter Hochriegl
Patron der Bauern sowie gegen Hals- und Kopfschmerzen. Der heilige Alban von Mainz. Im Bild: Alban-Schädel in Taubenbach.

Heiliger mit besonderer Beziehung zu Bayern: Sankt Alban von Mainz – Gedenktag am 21. Juni

Nur vier­zig Mal tru­gen in den letz­ten zehn Jah­ren deut­sche Stan­des­be­am­te in eine Geburts­ur­kun­de den Vor­na­men Alban ein. Wie vie­le die­ser Buben dann auch noch auf ihren Namens­pa­tron getauft wur­den – und auf wel­chen der bei­den Alba­ni, das ist nicht über­lie­fert. Ja, denn es sind ihrer Zwei: der hei­li­ge Alban von Mainz und sein bri­ti­scher Namens­vet­ter Alban von Eng­land. Noch dazu begeht man an zwei Tagen hin­ter­ein­an­der ihre Gedenk­ta­ge – der Main­zer, Pries­ter, Mis­sio­nar und Mär­ty­rer und über vie­le Jahr­hun­der­te in Ober- und Nie­der­bay­ern popu­lä­rer Patron der Bau­ern am 21. Juni; der ande­re als ers­ter christ­li­cher Mär­ty­rer Bri­tan­ni­ens seit dem 6. Jahr­hun­dert bis heu­te dort hoch ver­ehrt, am 22. Juni. Dass bei die­sen Koin­zi­den­zen etwas von Anfang an durch­ein­an­der­ge­ra­ten kann, bio­gra­phisch, iko­no­gra­phisch und auch reli­gi­ös, nimmt nicht Wunder.

Der heilige Alban von Mainz auf einem Votivbild in Taubenbach. Info Icon Foto: Germanisches Nationalmuseum, Annette Kradisch
Patron der Bauern sowie gegen Hals- und Kopfschmerzen. Der heilige Alban von Mainz auf einem Votivbild in Taubenbach, das heute zur Sammlung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg gehört.

Der Legen­de nach soll der hei­li­ge Alban von Mainz bei sei­nen Mis­si­ons­rei­sen, die ihn im Auf­trag des hei­li­gen Ambro­si­us, von der Lom­bar­dei über das heu­ti­ge Frank­reich bis nach Augs­burg und schließ­lich nach Mainz führ­ten, wo er um 406 ent­haup­tet wur­de, an der wil­den, kaum besie­del­ten Land­schaft in Bay­ern beson­de­ren Gefal­len gefun­den haben. Und in der Tat lie­gen die in Schwa­ben, Ober- und Nie­der­bay­ern erhal­te­nen Alba­nikir­chen und ‑kapel­len meist ein­sam abge­le­gen, ger­ne an Quel­len, Bächen oder Flüs­sen, fern­ab grö­ße­rer mensch­li­cher Ansied­lun­gen, aber an wich­ti­gen Stra­ßen oder Kreu­zun­gen wie etwa in Eisen­ho­fen, im Land­kreis Dach­au, wo sich die Via Julia, von Salz­burg kom­mend, mit der Via Clau­dia Augus­ta, die von Ita­li­en über den Fern­pass bis Augs­burg führ­te, kreuz­te. Hör­gerts­hau­sen in der süd­li­chen Hal­ler­tau, das sich dar­auf beruft, der tat­säch­li­che Bestat­tungs­ort des Hei­li­gen zu sein, soll er doch mit sei­nem Kopf unter dem Arm vom Rhein bis ins Frei­sin­ger Hin­ter­land gelau­fen sei, liegt eben­falls an dem seit dem 9. Jahr­hun­dert wich­ti­gen Pil­ger­weg zum hei­li­gen Kas­tu­lus nach Moos­burg und auf der Stre­cke der gegen Ende des 15. Jahr­hun­derts ein­set­zen­den Wall­fahrt zur Gna­den­mut­ter nach Alt­öt­ting. Die Ver­eh­rung des hei­li­gen Alban spielt dort bis heu­te eine gro­ße Rol­le. Seit dem 14. Jahr­hun­dert ist die Hoi­wa­ga­na, wie die Alb­ans­wall­fahrt nach St. Alban, einem Orts­teil von Hör­gerts­hau­sen, dort im Dia­lekt genannt wird, bezeugt.

Sie war noch bis in die 1960er-Jah­re die bedeu­tends­te der gesam­ten Regi­on mit Pro­zes­si­ons­zü­gen aus allen Ecken der Hal­ler­tau. Sie erstreck­te sich vom fünf­ten Sonn­tag nach Ostern bis zum Mon­tag. Zeit­gleich fand an drei Tagen der Albi­ga­ner Markt‘“ statt, ein Vieh- und Arbeits­markt, auf dem sich sogar All­gäu­er Bau­ern Sai­son­ar­beits­kräf­te hol­ten. Das Markt­ge­sche­hen bot zudem Tanz­lust­bar­kei­ten, Komö­di­en­spiel, viel Speis und noch mehr Trank und man­chen Rauf- und Sauf­han­del. Die Exzes­se des Albi­ga­n­ers sind bis heu­te legendär.

In Peters­kir­chen im Land­kreis Traun­stein, eben­falls in einer sehr wald­rei­chen Gegend gele­gen, an einem alten Ver­bin­dung­weg von der Salz­ach an den Inn, lässt sich die Wall­fahrt zum hei­li­gen Alban bis ins 11. Jahr­hun­dert zurück­ver­fol­gen. Älte­re Doku­men­te sind einem Brand des Pfarr­hofs zum Opfer gefal­len. Wie in der Hal­ler­tau war auch die­ser Markt ein Vieh­markt mit Dult­cha­rak­ter und Tanz­ver­gnü­gen. 1860 wur­de wegen Rau­fe­rei­en zunächst die Musik ver­bo­ten, acht Jah­re spä­ter kann­te die Obrig­keit kei­ne Gna­de mehr und ver­bot das Kirch­weih­fest. Die Mes­ser­ste­che­rei­en und Rauf­han­del hat­ten For­men ange­nom­men, die das König­reich Bay­ern nicht mehr dul­den woll­te. Von der gro­ßen Zeit der Alba­ni­wall­fahrt kün­det heu­te nur mehr ein Pro­zes­s­tä­fel­chen aus dem Barock.

Die eins­ti­ge Bedeu­tung Alb­ans für die baye­ri­sche Land­be­völ­ke­rung bezeu­gen heu­te nur mehr weni­ge Votiv­ta­feln; die meis­ten wur­den in den Jah­ren der Säku­la­ri­sa­ti­on zer­stört. Zwei Bild­nis­se die­ser Volks­fröm­mig­keit aus Tau­ben­bach, dem Zen­trum der nie­der­baye­ri­schen Alb­ans­ver­eh­rung, besitzt das Ger­ma­ni­sche Natio­nal­mu­se­um in Nürn­berg. Im Depot des Burg­hau­ser Stadt­mu­se­ums fin­det sich das ein­zig exis­ten­te Exem­plar aus dem Jahr 1864 aus dem Sie­chen- und St. Alb­ans Got­tes­haus in der Au“ wie die Burg­hau­ser Kir­che Hei­lig­kreuz lan­ge Zeit hieß.

Bil­der von links nach rechts: Dar­stel­lung des hei­li­gen Alban von Mainz in der Kir­che Hei­lig­kreuz in Burg­hau­sen; dane­ben ein Alba­ni-Brun­nen in Burg­hau­sen. / Dar­stel­lung des hei­li­gen Alban von Mainz in der Pfarr- und Wall­fahrts­kir­che St. Alban in Tau­ben­bach, einem Orts­teil der Gemein­de Reut im Land­kreis Rot­tal-Inn; dane­ben der Alba­ni­brun­nen bei der Kir­che in Taubenbach.

Fotos: Maxi­mi­lia­ne Heigl-Saal­frank (1+2) / Die­ter Hoch­riegl (3+4)

Weit­aus älter und ver­mut­lich mit den römi­schen Gesichts­ur­nen ver­wandt, sind die, für Süd­ost­bay­ern und das angren­zen­de Salz­bur­ger Flach­gau typi­schen Ton­kopf­vo­ti­ve, die Alba­ni­schä­del“, frei geform­te oder aus Modeln gegos­se­ne Köp­fe aus Ton mit meist offe­ner Schä­del­de­cke. Bei man­chen lässt sich an der Mimik sogar das Krank­heits­bild able­sen wie an einem Kopf in Tau­ben­bach, der den Votan­ten mit einer halb­sei­ti­gen Gesichts­läh­mung zeigt. Die meis­ten der Köp­fe sind aller­dings aus­drucks­los mono­ton und mono­chrom in ihrer Farb­ge­stal­tung, sie reicht von Hell­braun über Dun­kel­grau bis Schwarz. Nur weni­ge Stü­cke sind grün lasiert. Sie ste­hen in den Alb­ans­kir­chen meist in klei­nen Nischen im Altar­raum. Den Vor­stel­lun­gen der Volks­fröm­mig­keit ent­sprach die­ses Votiv für Alban, der als Cepha­lo­phor, zu Deutsch Kopf­trä­ger“, gilt, per­fekt, soll­te er doch auf­grund sei­nes gewalt­vol­len Kopf­ver­lus­tes bei Kopf- und Hals­lei­den, Epi­lep­sie und Krampf­an­fäl­len, die soge­nann­ten Frai­sen, die größ­te Wirk­mäch­tig­keit ent­fal­ten kön­nen. Die Bitt­stel­ler befüll­ten die Köp­fe mit Getrei­de oder Eiern, umrun­de­ten die Kir­chen drei­mal und stell­ten ihre Opfer­ge­fä­ße dann auf dem Altar ab. Der Kopf wur­de zum Stell­ver­tre­ter­ob­jekt für die Krank­heit an sich.

Ein wei­te­res Ele­ment des Alba­ni­kults, das eben­falls in vor­christ­li­che Zei­ten führt, sind die soge­nann­ten Brünnl. Die Quel­len mit heil­kräf­ti­gem Was­ser spru­deln auf­fal­lend oft in enger räum­li­cher Nähe zu den Alb­ans­kir­chen. Alban wird ja auch als Patron bei Harn­wegs­er­kran­kun­gen ange­ru­fen. In Tau­ben­bach, dass der Alb­ans­le­gen­de nach einen beson­ders engen Bezug zum Hei­li­gen aus Mainz haben soll, heißt es, dass Alban zusam­men mit dem Hei­li­gen Wolf­gang und dem hei­li­gen Leon­hard bis in die ein­sa­men Wäl­der am Loh­bach gekom­men und dort auch geblie­ben sei. Im Mit­tel­al­ter gab es dort sogar zwei Quell­be­cken, aus denen sich die Wall­fah­rer Heil­was­ser schöpf­ten. Heu­te steht vor dem Ein­gang in die Wall­fahrts­ka­pel­le St. Alba­nus ein Holz­fäss­chen, um sich Was­ser aus dem Heil­brun­nen für zuhau­se abzu­fül­len. Ein baro­cker, rot­mar­mor­ner, lei­se vor sich hin­plät­schern­der Brun­nen gehört denn auch zu den letz­ten Zeug­nis­sen des Alba­ni­kults in Burghausen.

Text: Maxi­mi­lia­ne Heigl-Saalfrank

Weitere Nachrichten

13.02.2026

Und der Tag ist dein Freund

Im Alltag und dann, wenn es um Entscheidungen geht, fragen wir unseren "Kopf" – und immer häufiger das…

Kirche vor Ort
13.02.2026

Abwarten und Tee trinken

Seit Anfang des Jahres lebt Bruder Michael Wies im Altöttinger Kloster St. Konrad. Der junge Kapuziner bringt…

Bistum
13.02.2026

„Momo“ lehrt das Fürchten

Das Internet ist Fluch und Segen zugleich – besonders für Kinder und Jugendliche. Mitglieder des Diözesanrats…

Bistum
13.02.2026

„Sich mutig einbringen“

Die Klimafastenaktion 2026 unter dem Motto „Mutig sein!“ von Aschermittwoch bis Ostersonntag lädt auch dieses…