Foto: Bernhard Süß
Die Pfarrei Lalling schultert ein Mammutprojekt: die Renovierung der Pfarrkirche St. Stephanus. Außen erstrahlt das Gotteshaus nach vielen Monaten intensiver Arbeit bereits wieder als Schmuckstück. Nun steht noch die Innenrenovierung an.
Nach jahrelanger Vorplanung und umfangreichen Bestandsaufnahmen stand im Sommer 2021 für die Verantwortlichen fest: Die umfassende Renovierung der Lallinger Pfarrkirche St. Stephanus ist unaufschiebbar, wenn man nicht noch mehr Schäden, insbesondere im Bereich der Dachkonstruktion des Langhauses, des Presbyteriums und des Turmhelm-Auflagerbereiches, in Kauf nehmen will. Feuchtigkeitseintritte und zunehmende Zerstörung wichtiger tragender Bauteile wären die Folge gewesen.
Im Dezember 2021 begannen mit den Dekontaminierungsarbeiten in Lallings „höchst gelegenem Fledermaushotel“ die Arbeiten für den ersten Bauabschnitt, die Turmsanierung; im Frühjahr 2022 wurde der Turm vollständig eingerüstet und eingehaust. Aber wie so oft bei der Sanierung alter Bausubstanz war nicht vorherzusehen, dass es schließlich anders kommen würde als im Zeitplan ursprünglich angedacht: Bei der Bauteilöffnung im Traufbereich der Turmzwiebel stellte sich heraus, dass nicht nur – wie geplant – die Traufschalung zu erneuern ist, sondern dass auch die Abfangkonstruktion des Turmhelms große Schäden aufweist. Außerdem wurde festgestellt, dass für die Turmzwiebel keine Sogverankerung vorhanden war, die statisch zwingend erforderlich ist. Zudem stellte sich heraus, dass die im Mauerwerk des Auflagerbereiches des Turmhelms eingebundene Holzkonstruktion mit dem „echten Hausschwamm“ befallen war. Diese Bereiche konnten bei der Vorplanung nicht eingesehen werden, weshalb die nun zusätzlich erforderlichen Arbeiten auch nicht im Leistungsumfang der Baufirmen enthalten waren. Das Gesims über den Zifferblättern der Turmuhr war deshalb vorübergehend mit einer aufwendigen Holzkonstruktion zu sichern, um ein Wegbrechen und Abstürzen zu vermeiden. Die nun erforderlichen Planungen mit Zimmerern, Maurern, Statikern, der Denkmalschutzbehörde, der Regierung von Niederbayern und der Fledermausbeauftragten nahmen geraume Zeit in Anspruch, weshalb schließlich ein Baustopp nicht mehr zu vermeiden war: Die Fortsetzung der Arbeiten wäre nun in einen Zeitraum gefallen, in dem zum Schutz der Fledermäuse keine Bauarbeiten mehr durchgeführt werden durften. Denn Artenschutzgesetze sind auch bei Kirchenrenovierungen zu beachten. Mehrkosten für Gerüststandzeiten und Aufwendungen zum Fledermausschutz waren unangenehme Folgen für die Finanzierung. Letztendlich schlug die Fledermausproblematik allein mit rund 100.000 Euro zu Buche!
Foto: Bernhard Süß
Im Juli 2023 war es dann nach den umfangreichen Sanierungsarbeiten am Turmhelm und seiner Auflage so weit: Das mit 24 Karat Blattgold als Doppelgold neu vergoldete, drei Meter hohe Turmkreuz samt darunter liegender Kreuzkugel konnte auf die renovierte Metallunterkonstruktion über einem gut fünf Meter hohen vertikalen Balken, dem sog. „Kaiserstiel“, aufgesetzt werden. Zuvor war eine sog. Zeitkapsel in die Kreuzkugel eingeschoben worden, eine Kupferkartusche mit den Unterschriften der beteiligten Zeitzeugen und der aktuellen „Deggendorfer Zeitung“. Alle für die Renovierungsarbeiten Verantwortlichen, allen voran als Bauherrnvertreter Pfarrer Philipp Höppler, Kirchenpfleger Michael Klampfl, Ingrid Angerer, die Gebietsreferentin im Baureferat des Bistums Passau, Architekt Franz Heubl sowie Bürgermeister Michael Reitberger waren erfreut über den Abschluss der Renovierungsarbeiten an der Kirchturmspitze. Die Kosten allein für die Kreuzrenovierung samt Erneuerung der tragenden Unterkonstruktion beliefen sich auf rund 10.000 Euro.
Nach rund eineinhalb Jahren konnte die Turmrenovierung endlich abgeschlossen werden: Neben den bereits genannten Arbeiten wurden auch die Schallläden an den Glockenöffnungen mit geöltem Eichenholz erneuet, auch Einflugöffnungen für die Fledermäuse wurden eingearbeitet. Der Auflagebereich des Turmhelms wurde statisch ertüchtigt, die schadhafte Verblechung ausgebessert, die fehlende Helmsogverankerung nachgerüstet, Mauerwerkskrone und Traufprofil ausgebessert. Auch die Zifferblätter der Turmuhr wurden renoviert und die Zeiger neu vergoldet. Schadhafte Stellen im Verputz des Turmes wurden ausgebessert und der gesamte Turm mit einem neuen Silikatanstrich in „goldocker“ mit weißen Lisenen nach Denkmalschutzvorgaben versehen.
2024 konnte dann bereits im Februar mit dem nächsten Bauabschnitt begonnen werden: Die Sanierung des Dachstuhls, die komplette Neueindeckung und die Erneuerung der Kirchenfassade samt Sockelabdichtung standen auf dem Programm. Mit der Gerüstaufstellung und Einhausung des Langhauses und des Presbyteriums sah die Kirche aus, als ob Verpackungskünstler Christo am Werk gewesen wäre.
Foto: Bernhard Süß
Mehrere Sparrenauflagerpunkte waren durch Feuchtigkeitseintritt morsch und konnten statisch keine Kräfte mehr abtragen. Noch intakte Balken wurden erhalten, schadhafte, auch mit Hausschwamm befallene Konstruktionsteile ausgebessert. Das Dach wurde komplett mit einer neuen Lattung und einer neuen Biberschwanzdeckung samt Sturmklammern versehen. Die alte Dacheindeckung saugte bereits Wasser und fror im Winter auf. Auch bei der Sanierung des Dachbereiches schlug die Fledermausproblematik finanziell zu Buche: Die Arbeitsbereiche mussten in zwei Abschnitte unterteilt werden, um den Fledermäusen eine Rückzugsmöglichkeit zu bieten. Dazu wurde eine vertikale Trennwand mit Einflugmöglichkeiten und abgedunkelten Nistbereichen im Dachboden eingebaut, die beim Wechsel der Bauabschnitte auch versetzt werden musste.
Der Dachstuhl über der Vorhalle des Hauptportals musste wegen Hausbockbefalls komplett erneuert werden. Die Kirchenfenster wurden Zug um Zug ausgebaut, die Verformungen beseitigt und nach der Sanierung wieder eingesetzt. Auch der Blitzschutz wurde komplett erneuert, wozu auch der Einbau eines neuen Erdungsbandes erforderlich war.
Der Außenputz wurde in beschädigten Bereichen erneuert und die komplette Fassade neu gestrichen. Zur Abdichtung gegen Feuchtigkeit wurde der Sockelbereich mit einem Lehmschlag versehen, für diese Arbeiten waren auch einige Grabsteine vorübergehend abzubauen.
Im nächsten Jahr steht die Innenrenovierung auf dem Plan: Wegen der Kostensteigerungen in den ersten beiden Bauabschnitten müssen hier Abstriche gemacht werden, Wünschenswertes ist von Erforderlichem zu trennen. Darüber zerbrechen sich derzeit Pfarrer Philipp Höppler, die Kirchenverwaltung, Ingrid Angerer vom Bistum und Architekt Franz Heubl den Kopf. Die Heizung muss erneuert, schadhafter Innenputz saniert, Altäre und Statuen müssen gereinigt und der vor Jahren provisorisch erweiterte Altarraum muss neugestaltet werden.
Foto: Bernhard Süß
Die Arbeiten hierfür werden den Winter über geplant und ausgeschrieben, damit man im nächsten Jahr nach Ostern mit den Arbeiten loslegen kann. Voraussichtlich wird die Kirche dann bis zur Adventszeit geschlossen bleiben, eine provisorische Ausweichmöglichkeit wird noch gesucht.
Die Kostenüberschreitungen bei den bisher ausgeführten Arbeiten führten dazu, dass von den ursprünglich veranschlagten Gesamtkosten in Höhe von 2.350.000 Euro für den Bereich Innenrenovierung nur noch rund 420.000 Euro zur Verfügung stehen. Mit einer beantragten Kostenerhöhung um 150.000 Euro versucht man derzeit, etwas mehr finanziellen Spielraum zu bekommen.
Die Gesamtbaumaßnahme kann von der Diözese Passau noch großzügig mit 80 Prozent gefördert werden, der Eigenanteil der Pfarrei beläuft sich auf rund 500.000 Euro. Die Maßnahme wird zusätzlich gefördert von der Bayerischen Landesstiftung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Fraktionsinitiative der Bayerischen Landesregierung, dem Landratsamt Deggendorf und den Gemeinden Lalling und Hunding.
Für die Bauausführung zeichnet Architekt Franz Heubl verantwortlich, der sich die letzten Jahre auf die Renovierung von Sakralbauten spezialisiert hat und bei dem die Fäden für die einzelnen Gewerke zusammenlaufen. Die Ausführung wird auch eng mit Ingrid Angerer, Gebietsreferentin des Baureferats der Diözese Passau und der Lallinger Kirchenverwaltung sowie Pfarrer Philipp Höppler koordiniert. Unisono wird die Qualität der Handwerksbetriebe gelobt, die bisher einwandfreie Arbeiten abgeliefert haben.
Die Verantwortlichen sind sich darüber im Klaren, dass wohl angesichts der finanziellen Mittelknappheit und des zunehmenden Schwundes der Kirchenbesucher auf lange Zeit keine Kirchenrenovierung in vergleichbarem Umfang mehr durchgeführt werden kann. Deshalb wird versucht, alle derzeit schadhaften Bereiche, soweit möglich, in einen zufriedenstellenden Zustand zu versetzen. Die letzte umfassende Renovierung der Lallinger Pfarrkirche wurde Anfang der 80er Jahre durchgeführt, also vor gut 40 Jahren.
Text und Fotos: Bernhard Süß



