Kirche vor Ort

Eine Perle des Vorwalds erstrahlt in neuem Glanz

Redaktion am 01.12.2025

Lallinger Pfarrkirche von oben. Info Icon Foto: Bernhard Süß
Schön ist sie geworden, die Lallinger Pfarrkirche nach abgeschlossener Turm-, Dach- und Außenrenovierung.

Die Pfarrei Lalling schultert ein Mammutprojekt: die Renovierung der Pfarrkirche St. Stephanus. Außen erstrahlt das Gotteshaus nach vielen Monaten intensiver Arbeit bereits wieder als Schmuckstück. Nun steht noch die Innenrenovierung an.

Nach jah­re­lan­ger Vor­pla­nung und umfang­rei­chen Bestands­auf­nah­men stand im Som­mer 2021 für die Ver­ant­wort­li­chen fest: Die umfas­sen­de Reno­vie­rung der Lal­lin­ger Pfarr­kir­che St. Ste­pha­nus ist unauf­schieb­bar, wenn man nicht noch mehr Schä­den, ins­be­son­de­re im Bereich der Dach­kon­struk­ti­on des Lang­hau­ses, des Pres­by­te­ri­ums und des Turm­helm-Auf­la­ger­be­rei­ches, in Kauf neh­men will. Feuch­tig­keits­ein­trit­te und zuneh­men­de Zer­stö­rung wich­ti­ger tra­gen­der Bau­tei­le wären die Fol­ge gewesen.

Im Dezem­ber 2021 began­nen mit den Dekon­ta­mi­nie­rungs­ar­bei­ten in Lal­lings höchst gele­ge­nem Fle­der­maus­ho­tel“ die Arbei­ten für den ers­ten Bau­ab­schnitt, die Turm­sa­nie­rung; im Früh­jahr 2022 wur­de der Turm voll­stän­dig ein­ge­rüs­tet und ein­ge­haust. Aber wie so oft bei der Sanie­rung alter Bau­sub­stanz war nicht vor­her­zu­se­hen, dass es schließ­lich anders kom­men wür­de als im Zeit­plan ursprüng­lich ange­dacht: Bei der Bau­tei­l­öff­nung im Trauf­be­reich der Turm­zwie­bel stell­te sich her­aus, dass nicht nur – wie geplant – die Trauf­scha­lung zu erneu­ern ist, son­dern dass auch die Abfang­kon­struk­ti­on des Turm­helms gro­ße Schä­den auf­weist. Außer­dem wur­de fest­ge­stellt, dass für die Turm­zwie­bel kei­ne Sog­ver­an­ke­rung vor­han­den war, die sta­tisch zwin­gend erfor­der­lich ist. Zudem stell­te sich her­aus, dass die im Mau­er­werk des Auf­la­ger­be­rei­ches des Turm­helms ein­ge­bun­de­ne Holz­kon­struk­ti­on mit dem ech­ten Haus­schwamm“ befal­len war. Die­se Berei­che konn­ten bei der Vor­pla­nung nicht ein­ge­se­hen wer­den, wes­halb die nun zusätz­lich erfor­der­li­chen Arbei­ten auch nicht im Leis­tungs­um­fang der Bau­fir­men ent­hal­ten waren. Das Gesims über den Zif­fer­blät­tern der Turm­uhr war des­halb vor­über­ge­hend mit einer auf­wen­di­gen Holz­kon­struk­ti­on zu sichern, um ein Weg­bre­chen und Abstür­zen zu ver­mei­den. Die nun erfor­der­li­chen Pla­nun­gen mit Zim­me­rern, Mau­rern, Sta­ti­kern, der Denk­mal­schutz­be­hör­de, der Regie­rung von Nie­der­bay­ern und der Fle­der­maus­be­auf­trag­ten nah­men gerau­me Zeit in Anspruch, wes­halb schließ­lich ein Bau­stopp nicht mehr zu ver­mei­den war: Die Fort­set­zung der Arbei­ten wäre nun in einen Zeit­raum gefal­len, in dem zum Schutz der Fle­der­mäu­se kei­ne Bau­ar­bei­ten mehr durch­ge­führt wer­den durf­ten. Denn Arten­schutz­ge­set­ze sind auch bei Kir­chen­re­no­vie­run­gen zu beach­ten. Mehr­kos­ten für Gerüst­stand­zei­ten und Auf­wen­dun­gen zum Fle­der­maus­schutz waren unan­ge­neh­me Fol­gen für die Finan­zie­rung. Letzt­end­lich schlug die Fle­der­maus­pro­ble­ma­tik allein mit rund 100.000 Euro zu Buche!

Kreuzkugel und Personen. Info Icon Foto: Bernhard Süß
Neben der neu vergoldeten Kreuzkugel, auf der das Turmkreuz montiert wurde, stellten sich Bürgermeister Michael Reitberger (v.l.), Pfarrer Philipp Höppler, Kirchenpfleger Michael Klampfl, Architekt Franz Heubl und Ingrid Angerer, Gebietsreferentin des Baureferats im Bistum Passau, zum Erinnerungsfoto.

Im Juli 2023 war es dann nach den umfang­rei­chen Sanie­rungs­ar­bei­ten am Turm­helm und sei­ner Auf­la­ge so weit: Das mit 24 Karat Blatt­gold als Dop­pel­gold neu ver­gol­de­te, drei Meter hohe Turm­kreuz samt dar­un­ter lie­gen­der Kreuz­ku­gel konn­te auf die reno­vier­te Metall­un­ter­kon­struk­ti­on über einem gut fünf Meter hohen ver­ti­ka­len Bal­ken, dem sog. Kai­ser­stiel“, auf­ge­setzt wer­den. Zuvor war eine sog. Zeit­kap­sel in die Kreuz­ku­gel ein­ge­scho­ben wor­den, eine Kup­fer­kar­tu­sche mit den Unter­schrif­ten der betei­lig­ten Zeit­zeu­gen und der aktu­el­len Deg­gen­dor­fer Zei­tung“. Alle für die Reno­vie­rungs­ar­bei­ten Ver­ant­wort­li­chen, allen vor­an als Bau­herrn­ver­tre­ter Pfar­rer Phil­ipp Höpp­ler, Kir­chen­pfle­ger Micha­el Klampfl, Ingrid Ange­rer, die Gebiets­re­fe­ren­tin im Bau­re­fe­rat des Bis­tums Pas­sau, Archi­tekt Franz Heubl sowie Bür­ger­meis­ter Micha­el Reit­ber­ger waren erfreut über den Abschluss der Reno­vie­rungs­ar­bei­ten an der Kirch­turm­spit­ze. Die Kos­ten allein für die Kreuz­re­no­vie­rung samt Erneue­rung der tra­gen­den Unter­kon­struk­ti­on belie­fen sich auf rund 10.000 Euro.

Nach rund ein­ein­halb Jah­ren konn­te die Turm­re­no­vie­rung end­lich abge­schlos­sen wer­den: Neben den bereits genann­ten Arbei­ten wur­den auch die Schall­lä­den an den Glo­cken­öff­nun­gen mit geöl­tem Eichen­holz erneu­et, auch Ein­flug­öff­nun­gen für die Fle­der­mäu­se wur­den ein­ge­ar­bei­tet. Der Auf­la­ge­be­reich des Turm­helms wur­de sta­tisch ertüch­tigt, die schad­haf­te Ver­blechung aus­ge­bes­sert, die feh­len­de Helm­sog­ver­an­ke­rung nach­ge­rüs­tet, Mau­er­werks­kro­ne und Trauf­pro­fil aus­ge­bes­sert. Auch die Zif­fer­blät­ter der Turm­uhr wur­den reno­viert und die Zei­ger neu ver­gol­det. Schad­haf­te Stel­len im Ver­putz des Tur­mes wur­den aus­ge­bes­sert und der gesam­te Turm mit einem neu­en Sili­kat­an­strich in gol­do­cker“ mit wei­ßen Lisen­en nach Denk­mal­schutz­vor­ga­ben ver­se­hen. 
2024 konn­te dann bereits im Febru­ar mit dem nächs­ten Bau­ab­schnitt begon­nen wer­den: Die Sanie­rung des Dach­stuhls, die kom­plet­te Neu­ein­de­ckung und die Erneue­rung der Kir­chen­fas­sa­de samt Sockel­ab­dich­tung stan­den auf dem Pro­gramm. Mit der Gerüst­auf­stel­lung und Ein­hau­sung des Lang­hau­ses und des Pres­by­te­ri­ums sah die Kir­che aus, als ob Ver­pa­ckungs­künst­ler Chris­to am Werk gewe­sen wäre.

Zifferblätter der Turmuhr. Info Icon Foto: Bernhard Süß
Renovierung der Lallinger Pfarrkirche: Die Zifferblätter der Turmuhr wurden ebenfalls restauriert, die Zeiger neu vergoldet und von Stefan Gruber (hinten) und Alexander Lang montiert.

Meh­re­re Spar­ren­auf­la­ger­punk­te waren durch Feuch­tig­keits­ein­tritt morsch und konn­ten sta­tisch kei­ne Kräf­te mehr abtra­gen. Noch intak­te Bal­ken wur­den erhal­ten, schad­haf­te, auch mit Haus­schwamm befal­le­ne Kon­struk­ti­ons­tei­le aus­ge­bes­sert. Das Dach wur­de kom­plett mit einer neu­en Lat­tung und einer neu­en Biber­schwanz­de­ckung samt Sturm­klam­mern ver­se­hen. Die alte Dach­ein­de­ckung saug­te bereits Was­ser und fror im Win­ter auf. Auch bei der Sanie­rung des Dach­be­rei­ches schlug die Fle­der­maus­pro­ble­ma­tik finan­zi­ell zu Buche: Die Arbeits­be­rei­che muss­ten in zwei Abschnit­te unter­teilt wer­den, um den Fle­der­mäu­sen eine Rück­zugs­mög­lich­keit zu bie­ten. Dazu wur­de eine ver­ti­ka­le Trenn­wand mit Ein­flug­mög­lich­kei­ten und abge­dun­kel­ten Nist­be­rei­chen im Dach­bo­den ein­ge­baut, die beim Wech­sel der Bau­ab­schnit­te auch ver­setzt wer­den musste.

Der Dach­stuhl über der Vor­hal­le des Haupt­por­tals muss­te wegen Haus­bock­be­falls kom­plett erneu­ert wer­den. Die Kir­chen­fens­ter wur­den Zug um Zug aus­ge­baut, die Ver­for­mun­gen besei­tigt und nach der Sanie­rung wie­der ein­ge­setzt. Auch der Blitz­schutz wur­de kom­plett erneu­ert, wozu auch der Ein­bau eines neu­en Erdungs­ban­des erfor­der­lich war.

Der Außen­putz wur­de in beschä­dig­ten Berei­chen erneu­ert und die kom­plet­te Fas­sa­de neu gestri­chen. Zur Abdich­tung gegen Feuch­tig­keit wur­de der Sockel­be­reich mit einem Lehm­schlag ver­se­hen, für die­se Arbei­ten waren auch eini­ge Grab­stei­ne vor­über­ge­hend abzubauen.

Im nächs­ten Jahr steht die Innen­re­no­vie­rung auf dem Plan: Wegen der Kos­ten­stei­ge­run­gen in den ers­ten bei­den Bau­ab­schnit­ten müs­sen hier Abstri­che gemacht wer­den, Wün­schens­wer­tes ist von Erfor­der­li­chem zu tren­nen. Dar­über zer­bre­chen sich der­zeit Pfar­rer Phil­ipp Höpp­ler, die Kir­chen­ver­wal­tung, Ingrid Ange­rer vom Bis­tum und Archi­tekt Franz Heubl den Kopf. Die Hei­zung muss erneu­ert, schad­haf­ter Innen­putz saniert, Altä­re und Sta­tu­en müs­sen gerei­nigt und der vor Jah­ren pro­vi­so­risch erwei­ter­te Altar­raum muss neu­ge­stal­tet werden.

Blick vom Dachboden der Pfarrkirche Lalling. Info Icon Foto: Bernhard Süß
Renovierung der Pfarrkirche Lalling: Blick vom Dachboden auf die komplizierte Dachkonstruktion, deren irreparable und morsche Teile entfernt und durch neue Bauteile ersetzt wurden.

Die Arbei­ten hier­für wer­den den Win­ter über geplant und aus­ge­schrie­ben, damit man im nächs­ten Jahr nach Ostern mit den Arbei­ten los­le­gen kann. Vor­aus­sicht­lich wird die Kir­che dann bis zur Advents­zeit geschlos­sen blei­ben, eine pro­vi­so­ri­sche Aus­weich­mög­lich­keit wird noch gesucht.

Die Kos­ten­über­schrei­tun­gen bei den bis­her aus­ge­führ­ten Arbei­ten führ­ten dazu, dass von den ursprüng­lich ver­an­schlag­ten Gesamt­kos­ten in Höhe von 2.350.000 Euro für den Bereich Innen­re­no­vie­rung nur noch rund 420.000 Euro zur Ver­fü­gung ste­hen. Mit einer bean­trag­ten Kos­ten­er­hö­hung um 150.000 Euro ver­sucht man der­zeit, etwas mehr finan­zi­el­len Spiel­raum zu bekommen.

Die Gesamt­bau­maß­nah­me kann von der Diö­ze­se Pas­sau noch groß­zü­gig mit 80 Pro­zent geför­dert wer­den, der Eigen­an­teil der Pfar­rei beläuft sich auf rund 500.000 Euro. Die Maß­nah­me wird zusätz­lich geför­dert von der Baye­ri­schen Lan­des­stif­tung, der Deut­schen Stif­tung Denk­mal­schutz, der Frak­ti­ons­in­itia­ti­ve der Baye­ri­schen Lan­des­re­gie­rung, dem Land­rats­amt Deg­gen­dorf und den Gemein­den Lal­ling und Hunding.

Für die Bau­aus­füh­rung zeich­net Archi­tekt Franz Heubl ver­ant­wort­lich, der sich die letz­ten Jah­re auf die Reno­vie­rung von Sakral­bau­ten spe­zia­li­siert hat und bei dem die Fäden für die ein­zel­nen Gewer­ke zusam­men­lau­fen. Die Aus­füh­rung wird auch eng mit Ingrid Ange­rer, Gebiets­re­fe­ren­tin des Bau­re­fe­rats der Diö­ze­se Pas­sau und der Lal­lin­ger Kir­chen­ver­wal­tung sowie Pfar­rer Phil­ipp Höpp­ler koor­di­niert. Uni­so­no wird die Qua­li­tät der Hand­werks­be­trie­be gelobt, die bis­her ein­wand­freie Arbei­ten abge­lie­fert haben.

Die Ver­ant­wort­li­chen sind sich dar­über im Kla­ren, dass wohl ange­sichts der finan­zi­el­len Mit­tel­knapp­heit und des zuneh­men­den Schwun­des der Kir­chen­be­su­cher auf lan­ge Zeit kei­ne Kir­chen­re­no­vie­rung in ver­gleich­ba­rem Umfang mehr durch­ge­führt wer­den kann. Des­halb wird ver­sucht, alle der­zeit schad­haf­ten Berei­che, soweit mög­lich, in einen zufrie­den­stel­len­den Zustand zu ver­set­zen. Die letz­te umfas­sen­de Reno­vie­rung der Lal­lin­ger Pfarr­kir­che wur­de Anfang der 80er Jah­re durch­ge­führt, also vor gut 40 Jahren.

Text und Fotos: Bern­hard Süß

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