Foto: De Pauli
Längst aus dem Gedächtnis der Bevölkerung verschwunden, ist die einst bedeutende Zisterzienserwallfahrt zu Weng bei Aldersbach. Die Säkularisation 1803 und die damit verbundene Aufhebung des Klosters setzte auch der Wallfahrt ein Ende.
Die 1456 errichtete Wallfahrtskirche wurde vom bayerischen Staat versteigert, kam in private Hände und wurde kurz darauf abgerissen. In unmittelbarer Nähe des Kirchenstandortes hatte man 1869 eine schlichte Hofkapelle zu Ehren der Seligsten Jungfrau Maria errichtet.
Im Archiv des Prämonstratenser-Chorherren-Stifts Schlägl im Mühlviertel hat sich als Erinnerung an die Wallfahrtstradition im Weiler Weng eine originale druckfähige Kupferplatte mit der Abbildung des Gnadenbildes als einziges Lebenszeichen der vergessenen Wallfahrt von Weng erhalten. Die Kupferplatte war ein Geschenk für den 1745 gewählten Abt Theobald II. Der Augsburger Kupferstecher Jakob Fridrich der Ältere (1694 – 1751) hatte sie um 1746 nach einem Gemälde eines unbekannten Malers angefertigt. Es soll, so die Überlieferung, den Hauptaltar der Wenger Kirche als Altarblatt geschmückt haben.
Wie und warum fand die Kupferplatte den Weg von Aldersbach in das ferne Stift Schlägl? Nach Forschermeinung könnte sie als „Spolium“ (lat. Beute) nach der Aufhebung des Klosters Aldersbach nach Schlägl gekommen sein. Oder die Kupferplatte war ein Geschenk an einen befreundeten Bruder und kam so in den Besitz des Schlägler Archivs.
Foto: Rudolf Drasch
Den Lokalhistorikern Dr. Robert Klugseder und Kreisheimatpfleger Rudolf Drasch ließ es keine Ruhe, nach dieser Kupferplatte zu suchen, und sie wurden tatsächlich fündig. Dank des Entgegenkommens des örtlichen Priors und Bibliothekleiters Pater Petrus ließ sich die Originaldruckplatte tatsächlich ausheben, aber ohne ein dazugehöriges Druckexemplar.
Da keine Abzüge mehr von der Kupferplatte existierten, kam den Protagonisten die Idee für einen Nachdruck des 157 mal 111 mm großen Marienbildes. Nachdem sich keine geeignete Druckwerkstatt im bayerischen Raum fand, führte der Weg der historischen Rarität nach Wien. Mit Unterstützung der dortigen Höheren Graphischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt wurden kürzlich fachmännisch zwanzig Original-Abzüge erstellt und vom „Kurier“ Robert Klugseder nach Aldersbach gebracht. Die Druckkosten übernahm dankeswerterweise die Gemeinde Aldersbach.
Im Zentrum des Kupferstiches finden wir Maria ganzfigürlich dargestellt, die Hände zur Orantenstellung (Körperhaltung beim Gebet) ausgebreitet und auf einem Wolkensockel stehend. Auf ihrem Haupt trägt sie eine granatapfelartige barocke Krone, drüber schwebt die Heiliggeisttaube. Darüber ist Gottvater mit Zepter und Weltkugel im Dreiecksstrahlennimbus dargestellt.
Am unteren Plattenrand weist die Beschriftung auf die Herkunft hin: „Das Gnadenreiche bild der Mutter Gottes zu Weng im Hertzogthum Bayern nacher Closter Alderspach Ord: Cisterc. gehörig, welches bey nahe vor 600 Jahren seinen anfang genomen. Iac. Andrr: Fridrich. Sc. Augustae“.
Im Rahmen einer Feierstunde an der Hofkapelle zu Weng soll nächstes Jahr ein Exemplar des Kupferstiches wieder einen würdigen Platz im Kirchlein finden. Der Rest der streng limitierten Auflage wird an interessierte Kunstliebhaber bzw. Gläubige abgegeben.
Text: Rudolf Drasch
Foto: Rudolf Drasch



