Bistum

Muttergottes kehrt heim

Redaktion am 06.12.2025

Dr. Robert Klugsedermit der Original-Kupferplatte der Muttergottes von Weng und Rudolf Drasch mit einem Abdruck davon. Info Icon Foto: De Pauli
Dr. Robert Klugsedermit der Original-Kupferplatte der Muttergottes von Weng und Rudolf Drasch mit einem Abdruck davon.

Längst aus dem Gedächtnis der Bevölkerung verschwunden, ist die einst bedeutende Zisterzienserwallfahrt zu Weng bei Aldersbach. Die Säkularisation 1803 und die damit verbundene Aufhebung des Klosters setzte auch der Wallfahrt ein Ende.

Die 1456 errich­te­te Wall­fahrts­kir­che wur­de vom baye­ri­schen Staat ver­stei­gert, kam in pri­va­te Hän­de und wur­de kurz dar­auf abge­ris­sen. In unmit­tel­ba­rer Nähe des Kir­chen­stand­or­tes hat­te man 1869 eine schlich­te Hof­ka­pel­le zu Ehren der Seligs­ten Jung­frau Maria errichtet.

Im Archiv des Prä­mons­tra­ten­ser-Chor­her­ren-Stifts Schlägl im Mühl­vier­tel hat sich als Erin­ne­rung an die Wall­fahrts­tra­di­ti­on im Wei­ler Weng eine ori­gi­na­le druck­fä­hi­ge Kup­fer­plat­te mit der Abbil­dung des Gna­den­bil­des als ein­zi­ges Lebens­zei­chen der ver­ges­se­nen Wall­fahrt von Weng erhal­ten. Die Kup­fer­plat­te war ein Geschenk für den 1745 gewähl­ten Abt Theo­bald II. Der Augs­bur­ger Kup­fer­ste­cher Jakob Fri­d­rich der Älte­re (1694 – 1751) hat­te sie um 1746 nach einem Gemäl­de eines unbe­kann­ten Malers ange­fer­tigt. Es soll, so die Über­lie­fe­rung, den Haupt­al­tar der Wen­ger Kir­che als Altar­blatt geschmückt haben.

Wie und war­um fand die Kup­fer­plat­te den Weg von Alders­bach in das fer­ne Stift Schlägl? Nach For­scher­mei­nung könn­te sie als Spo­li­um“ (lat. Beu­te) nach der Auf­he­bung des Klos­ters Alders­bach nach Schlägl gekom­men sein. Oder die Kup­fer­plat­te war ein Geschenk an einen befreun­de­ten Bru­der und kam so in den Besitz des Schläg­ler Archivs.

Die Original-Kupferplatte der Muttergottes von Weng. Info Icon Foto: Rudolf Drasch
Die Original-Kupferplatte der Muttergottes von Weng.

Den Lokal­his­to­ri­kern Dr. Robert Klug­s­eder und Kreis­hei­mat­pfle­ger Rudolf Drasch ließ es kei­ne Ruhe, nach die­ser Kup­fer­plat­te zu suchen, und sie wur­den tat­säch­lich fün­dig. Dank des Ent­ge­gen­kom­mens des ört­li­chen Pri­o­rs und Biblio­thek­lei­ters Pater Petrus ließ sich die Ori­gi­nal­druck­plat­te tat­säch­lich aus­he­ben, aber ohne ein dazu­ge­hö­ri­ges Druckexemplar.

Da kei­ne Abzü­ge mehr von der Kup­fer­plat­te exis­tier­ten, kam den Prot­ago­nis­ten die Idee für einen Nach­druck des 157 mal 111 mm gro­ßen Mari­en­bil­des. Nach­dem sich kei­ne geeig­ne­te Druck­werk­statt im baye­ri­schen Raum fand, führ­te der Weg der his­to­ri­schen Rari­tät nach Wien. Mit Unter­stüt­zung der dor­ti­gen Höhe­ren Gra­phi­schen Bun­des­lehr- und Ver­suchs­an­stalt wur­den kürz­lich fach­män­nisch zwan­zig Ori­gi­nal-Abzü­ge erstellt und vom Kurier“ Robert Klug­s­eder nach Alders­bach gebracht. Die Druck­kos­ten über­nahm dan­kes­wer­ter­wei­se die Gemein­de Aldersbach.

Im Zen­trum des Kup­fer­sti­ches fin­den wir Maria ganz­fi­gür­lich dar­ge­stellt, die Hän­de zur Oran­ten­stel­lung (Kör­per­hal­tung beim Gebet) aus­ge­brei­tet und auf einem Wol­ken­so­ckel ste­hend. Auf ihrem Haupt trägt sie eine gra­nat­ap­fel­ar­ti­ge baro­cke Kro­ne, drü­ber schwebt die Hei­lig­geist­tau­be. Dar­über ist Gott­va­ter mit Zep­ter und Welt­ku­gel im Drei­ecks­strah­len­nim­bus dargestellt.

Am unte­ren Plat­ten­rand weist die Beschrif­tung auf die Her­kunft hin: Das Gna­den­rei­che bild der Mut­ter Got­tes zu Weng im Hertzog­t­hum Bay­ern nacher Clos­ter Alder­spach Ord: Cis­terc. gehö­rig, wel­ches bey nahe vor 600 Jah­ren sei­nen anfang geno­men. Iac. Andrr: Fri­d­rich. Sc. Augustae“.

Im Rah­men einer Fei­er­stun­de an der Hof­ka­pel­le zu Weng soll nächs­tes Jahr ein Exem­plar des Kup­fer­sti­ches wie­der einen wür­di­gen Platz im Kirch­lein fin­den. Der Rest der streng limi­tier­ten Auf­la­ge wird an inter­es­sier­te Kunst­lieb­ha­ber bzw. Gläu­bi­ge abgegeben.

Text: Rudolf Drasch

Die Hofkapelle in Weng. Info Icon Foto: Rudolf Drasch
Die Hofkapelle in Weng.

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