Das glauben wir

Im Kleinen ganz groß

Redaktion am 15.12.2025

Jesulein in der Krippe. Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Vom Kind zum „König“: Gott sandte seinen Sohn als kleines, hilfloses Kind, gebettet auf Stroh in einer Krippe, in die Welt. So hat der Schöpfer seiner Schöpfung weihnachtliche Hoffnung gebracht.

Das Findelkind Moses, von der Tochter des Pharaos in einem Binsenkörbchen aus dem Nil gerettet, wird zum Retter seines Volkes Israels – der Jesusknabe in der Strohkrippe von Bethlehem geboren, wird zum Retter der Menschheit. Weihnachtliche Gedanken.

Der fran­zö­si­sche Dich­ter Hono­ré de Bal­zac schrieb ein­mal: Wer sagt, es gibt sie­ben Wun­der auf die­ser Welt, hat noch nie die Geburt eines Kin­des erlebt. Wer sagt, Reich­tum ist alles, hat noch nie ein Kind lächeln gese­hen. Wer sagt, die­se Welt sei nicht mehr zu ret­ten, hat ver­ges­sen, dass Kin­der Hoff­nung bedeu­ten“. Der Säug­ling Moses am Nil und das Jesus­kind in Beth­le­hem haben die­se Hoff­nung erfüllt.

Der abge­bil­de­te Holz­schnitt des Künst­lers Niko­laus Schmitt aus Nen­nig (sie­he wei­ter unten) zeigt die Ret­tung eines männ­li­chen Säug­lings, der am Nil Fluss in einem Schilf­körb­chen lie­gend von einer herr­schaft­lich aus­se­hen­den jun­gen Frau, der Toch­ter des Pha­ra­os auf­ge­fun­den wird. Sie strei­chelt das Kind und unter­hält sich mit einer jun­gen Hebräe­rin mit einem punkt­för­mi­gen Stam­mes­zei­chen auf der Stirn, Mir­jam, die das Schilf­körb­chen hält. Vor rund 3000 Jah­ren wur­de die­ser klei­ne Moses in Ägyp­ten geboren.

Damals woll­te der ägyp­ti­sche Pha­rao Ram­ses II. die Israe­li­ten, Hebrä­er genannt, aus­rot­ten oder zumin­dest stark dezi­mie­ren. Er befürch­te­te näm­lich eine zu gro­ße Frucht­bar­keit die­ses Vol­kes, das er sich zu bil­li­gen Skla­ven gemacht hat­te und gab Anwei­sun­gen, alle neu gebo­re­nen Kin­der unter zwei Jah­ren in den Nil zu wer­fen. In die­se schreck­li­che Zeit hin­ein wur­de der klei­ne Moses gebo­ren. Sei­ne Mut­ter Josche­bed, eine Toch­ter aus dem Hebrä­er­stamm Levi, hat­te einen Bru­der namens Kehat. Die­ser hat­te spä­ter einen Sohn namens Amram. Josche­bed hei­ra­te­te die­sen Mann, also ihren Nef­fen, was zu die­ser Zeit noch nicht ver­bo­ten war. Sie beka­men drei Kin­der: Toch­ter Mir­jam und die Söh­ne Aaron und Moses. Die Mut­ter woll­te ihr jüngs­tes Kind Moses vor dem siche­ren Tod bewah­ren, ver­steck­te ihn zunächst, hat­te aber gro­ße Angst, ent­deckt zu wer­den. Sie leg­te das Kind dann in ein Schilf­körb­chen und stell­te es so am Nil ab, dass es auch ent­deckt wer­den konn­te. Das wur­de es tat­säch­lich bald, von der Toch­ter des Pha­ra­os und deren Die­ne­rin. Die Schwes­ter von Moses, Mir­jam, hat­te von ihrer Mut­ter die Order bekom­men, ver­steckt in der Nähe des Flus­ses auf das Kind im Körb­chen auf­zu­pas­sen. Sie lief dann sofort zur Toch­ter des Pha­ra­os, die das Kind gefun­den hat­te, und mach­te ihr den Vor­schlag, das Kind, so lan­ge es gestillt wer­den muss­te, einer hebräi­schen Amme zu über­ge­ben. Nach deren Ein­wil­li­gung brach­te Mir­jam Moses zurück zur leib­li­chen Mut­ter, wo er dann so lan­ge blieb, bis die Still­zeit zu Ende war. So über­leb­te Moses und konn­te doch noch vor­erst in sei­ner eige­nen Fami­lie auf­wach­sen, bevor er dann von der Toch­ter des Pha­ra­os adop­tiert wurde.

Holzschnitt: der Säugling Moses wird gerettet. Info Icon Foto: Stanislaus Klemm
Geschickter Schachzug: Seine Schwester Mirjam (r.) hat Moses als Säugling vermeintlich im Nil gefunden und mit Hilfe der ihn bedrohenden Machthaber selbst vor dem Tod gerettet, so dass er selbst zum Retter werden konnte.

Der Anblick des unschul­di­gen Kin­des im Schilf­käst­chen weckt spon­ta­ne Asso­zia­tio­nen. Die­ses mit Stroh gefüll­te Bin­sen­körb­chen lässt einen an ein klei­nes Schiff­chen erin­nern, gewis­ser­ma­ßen an eine klei­ne Arche“, ein Schiff, das Noah und den Sei­nen zur Ret­tung wur­de. Wir sehen aber auch gleich­zei­tig Jesus, das Kind in einer mit Stroh aus­ge­leg­ten Krip­pe, so wie Moses eben­falls aus­ge­setzt“, weil in der Her­ber­ge kein Platz war.“ (Lk 2,7). Bei­de Kin­der wer­den gleich zu Beginn ihres Lebens bedroht, aber auch geret­tet. Moses muss­te die Ver­fol­gung Pha­ra­os und Jesus die des Hero­des fürch­ten. Bei­de Macht­ha­ber hat­ten ent­schie­den, alle Babys unter zwei Jah­ren töten zu lassen.

Bei­de Kin­der wur­den geret­tet, Moses durch eine Adop­ti­on und Jesus, weil sei­ne Eltern mit ihm recht­zei­tig nach Ägyp­ten flie­hen konn­ten. Moses muss­te spä­ter aller­dings Ägyp­ten Ägyp­ten wie­der ver­las­sen, um ein zwei­tes Mal geret­tet zu wer­den, er ging ins Exil, als er im Anflug eines hei­li­gen“ Zorns einen ägyp­ti­schen Auf­se­her, der sei­ne Lands­leu­te quäl­te, erschla­gen hat­te und die Rache des Pha­ra­os fürch­ten muss­te. Die­ses Ägyp­ten“ bringt dem Moses nun das Exil, wird aber für Jesus zum Asyl, bedeu­tet Ver­trei­bung und Auf­nah­me zugleich.

Bei­de Kin­der, Moses und Jesus, bei­de Geret­te­te“, soll­ten zum Ret­ter“ wer­den. In bei­den wird die ret­ten­de Voll­macht Got­tes erschei­nen: wenn Moses in Jah­wes Namen das Rote Meer sich tei­len lässt, um sein Volk hin­durch­zie­hen zu las­sen und Jesus den Sturm auf dem See Gene­za­reth bän­digt, um uns allen unse­re Ängs­te zu nehmen.

Der Name Moses“ bedeu­tet: der aus dem Was­ser gezo­ge­ne“, der Geret­te­te“, er ret­tet spä­ter sein Volk Isra­el aus der Skla­ve­rei und führ­te sie ins gelob­te Land. Der Name Jesus“ lei­tet sich von der hebräi­schen Wur­zel jaša“ ab, was eben­falls ret­ten“ bedeu­tet, auch er wird zum erwar­te­ten Mes­si­as und zum Ret­ter der Mensch­heit. Was bei­de Kin­der, Moses und Jesus an Bot­schaft über­brin­gen, ist Hoffnung.

Am Anfang des Heils­we­ges sowohl des geknech­te­ten Hebrä­er­vol­kes als auch der übri­gen Mensch­heit steht Gott. Sein Erlö­sungs­werk fängt nicht an mit Grö­ße, Pomp, Macht, Gewalt, Über­rum­pe­lung und Kampf, son­dern mit der Ohn­macht, dem Lieb­reiz eines klei­nen Kin­des. Das ist sei­ne Hand­schrift, er will nicht sie­gen mit Gewalt. Natür­lich könn­te er das, nein er will von Anfang an mit Lie­be über­zeu­gen. In die­se buch­stäb­li­che Klein­heit und Arm­se­lig­keit von Schilf­körb­chen und Fut­ter­krip­pe legt Gott sei­ne Zusa­ge und sei­ne Lie­be zu uns Menschen.

Was am Leben Jesu und an sei­ner Leh­re wirk­lich fas­zi­niert, das sind nicht so sehr sei­ne gro­ßen spek­ta­ku­lä­ren Auf­trit­te oder Wun­der, es sind eher sei­ne lei­sen Töne“, sei­ne Auf­merk­sam­keit dem Klei­nen“, Beschei­de­nen und Schwa­chen gegen­über. Als ein Kind kam er in die­se Welt. Jesus stell­te ein­mal ein klei­nes Kind in sei­ne Mit­te, als es um gro­ße“ Maß­stä­be ging. Er droh­te Schreck­li­ches an, soll­te jemand einem die­ser Kleins­ten Ärger­nis geben. Er über­sah nie das stum­me Elend auf sei­nem Weg. Er bewun­der­te und lob­te die arme Wit­we, die ihr klei­nes Scherf­lein in den Opfer­kas­ten leg­te. Es rühr­te ihn an, wenn ein Hil­fe­su­chen­der ihn nur berühr­te. Er woll­te für die schwa­chen Men­schen immer eine Hoff­nung sein, das geknick­te Rohr nicht bre­chen“ und den glim­men­den Docht nicht aus­lö­schen“, wie bereits pro­phe­zeit wur­de. (Jes 42,3

Sei­ne eigent­li­che Leh­re sind kei­ne phi­lo­so­phi­schen, theo­lo­gi­schen oder psy­cho­lo­gi­schen Theo­rien oder Lehr­sät­ze. Jesus selbst ist es, der mit sei­nen eige­nen, ganz ein­fa­chen, für jeden ver­ständ­li­chen Wor­ten zei­gen woll­te, wor­auf wir ach­ten sol­len. Er selbst iden­ti­fi­zier­te sich mit den Men­schen, den Klei­nen“, die hun­gern, dürs­ten, die sich fremd, nackt, krank und gefan­gen füh­len, und er for­der­te uns auf, uns um sol­che Not­lei­den­de zu küm­mern. Gemeint sind die Wer­ke der Barm­her­zig­keit“ (Mt 25,3146). Hun­ger und Durst sind dabei nicht nur mit Brot und Was­ser zu stil­len. Auch Fremd­heit, Nackt­heit, Krank­heit und Gefan­gen­schaft gibt es in vie­len, oft nicht beach­te­ten Erschei­nungs­for­men. Sie alle gilt es zu ent­de­cken und sich um sie zu kümmern.

Text: Sta­nis­laus Klemm

Anm.: Unser Autor ist Theo­lo­ge und Psy­cho­lo­ge und ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter der Tele­fon­seel­sor­ge Saar sowie der Lebens­be­ra­tung des Bis­tums Trier in Neunkirchen.

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