Der November ist angesichts des nasskalten Wetters kein so beliebter Monat für lange Fußwallfahrten. Einige Pilger kommen dennoch gerne, und spätestens wenn der Altöttinger Christkindlmarkt öffnet, kommen auch etliche (Bus-)Wallfahrer. Eine kleine Auswahl:
Bischof mit „Radieschen“
Am Festtag des heiligen Leonhard, 6. November, feierte Bischof Andreas Siemieniewski aus Legnica/Polen mit polnischen Priestern und einer Schwestern-Delegation eine heilige Messe in der Gnadenkapelle. Als Pilger der Hoffnung im Heiligen Jahr 2025 verwies Bischof Andreas auf die Muttergottes als unsere „Pforte der Hoffnung“. Es waren Ordensfrauen aus Aufhausen, Dienerinnen vom Heiligen Blut (SAS), die der Bischof dieser Tage im niederbayerischen Aufhausen besuchte und die einen Altötting-Besuch als „Muss“ empfahlen. Die Ordensfrauen übernahmen auch die musikalische Gestaltung der Messe im Oktogon der Gnadenkapelle. Der Bischof wurde von Msgr. Leopold mit dem lustigen Nachnamen Rzodkiewicz (auf Deutsch: „Radieschen“) begleitet. Dieser erzählte von einer persönlichen Begegnung als damals 34-jähriger Priester mit Papst Johannes Paul II., der zu ihm sagte: „Du bist noch so jung, aber wir werden jeden Tag älter.“
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Die langen Bärte ab
Es war im Heiligen Jahr 2025 die 412. Auflage der Passionsspiele in Erl/Tirol mit insgesamt 34 Aufführungen (von Mai bis Oktober), mit über 400 Laiendarstellern und 40.000 Zuschauern. „Vor fünf Wochen war die letzte Vorstellung“, wie Pfarrer Thomas Schwarzenberger berichtete. Das bedeutete für die männlichen Laiendarsteller: „Erst mal die Bärte ab“, wie es der Pfarrer schmunzelnd formulierte. Wieder ansehnlich herausgeputzt stand der versprochenen Dankwallfahrt nach Altötting nichts im Wege. Mit etwa 80 Teilnehmern des Passionsspielvereins – mit dabei waren u.a. (1. Bild v.l.) Regisseur Martin Leutgeb, Spielleiter Peter Esterl sowie Obmann Karl Anker und Pfarrer Schwarzenberger – fand in der Bruder-Konrad-Kirche am 8. November eine Dankmesse für die gelungene „Spielsaison“ statt. Alle sechs Jahre werden diese aufwändigen Passionsspiele durchgeführt. Letztendlich gehe es dabei um „die gute Botschaft der Verkündigung, die Herz und Seele berührt“, stellte Pfarrer Schwarzenberger fest. Für ihn ist das Passionsspiel ein gemeinsamer Dienst im Herrn.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Für Gottes Schöpfung
Der Jagd- und Naturschutzverein Altötting mit erstem Vorsitzenden Dr. Herbert Dietl hat am 8. November zum feierlichen Gottesdienst zu Ehren des „Jägerpatrons“, des hl. Hubertus, eingeladen. Er dankte allen, die gekommen waren und die zur festlichen Gestaltung der traditionellen Hubertusmesse in der St. Anna-Basilika beigetragen haben – so etwa die Jagdhornbläser der Kreisgruppe Altötting unter Leitung von Andreas Roßmüller, die wieder auf gekonnte Weise für die musikalische Gestaltung sorgten, der Hegegemeinschaft 6 für die waidmännische „Jagd-Deko“ am Volksaltar und Heidi Niedermeier für die perfekte Organisation. Pfarrer Hermann Schächner vom Pfarrverband Unterneukirchen, der in Konzelebration mit Pfarrer Peter Obermeier aus Zell bei Falkenberg den Gottesdienst leitete, stellte fest: Nicht nur Jägerinnen und Jäger sollten respektvoll miteinander leben und Gottes Schöpfung im Blick haben – dazu seien wir alle aufgefordert. „Gott macht alles neu“, sagte er in Bezug auf das Johannesevangelium über die „Tempelreinigung“ (Joh 2,13−22).
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Singles bei Bruder Konrad
Für katholische Singles, die sich eine Partnerschaft wünschen, bei der auch der Glaube eine wichtige Rolle spielt, bestand dieses Jahr vom 29. Mai bis 1. Juni die Möglichkeit bei einer Padua-Fahrt. Zum 22. Mal fand diese Fahrt für Singles statt. Hier kann man beim heiligen Antonius in persönlichen Anliegen beten; er ist nicht nur Patron der „Schlampler“, die verlorengegangene Gegenstände wiederfinden wollen, sondern auch Patron der Liebenden und Eheleute. Auch heuer hatte Organisator Klaus Schaupp vom 7. bis 9. November zu einem Altötting-Treffen eingeladen – eine gute Gelegenheit, sich bei den Gottesdiensten und Vorträgen von Prälat Günther Mandl auszutauschen und sich gegenseitig zu ermutigen. Eine Katechese über Engel und das Leben und Wirken des Pfortenbruders Konrad von Parzham machte sich Prälat Mandl zum Predigt-Thema beim Gottesdienst in der Bruder-Konrad-Kirche. Was wir vom heiligen Bruder Konrad lernen können, gab er den 60 Teilnehmern beim Altötting-Treffen mit auf den Weg: das Gebet, die Demut und Kreuzesnachfolge.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Der Gottesmutter nah
Es ist immer wieder eine Freude, wenn am Wochenende zum ersten Adventssonntag und exakt zur Christkindlmarkt-Eröffnung am Kapellplatz die Buspilger aus der Diözese Würzburg nach Altötting kommen. Und es ist nicht selbstverständlich, dass eine Pilgergruppe ihre eigene Musikkapelle dabei hat. So dankte Altöttings Wallfahrtsrektor Prälat Klaus Metzl nicht nur den Pilgern aus Unterfranken fürs zahlreiche Kommen bei der insgesamt 43. Wallfahrt (früher kamen die Würzburger mit dem Zug), sondern vor allem auch Joachim Zobel. Er ist der Leiter der Musikkapelle „Edelweiß“ aus Straßbessenbach und zum sechsten Mal Organisator der Wallfahrt. Auch dessen beiden Söhne halfen tatkräftig mit.
Mit dem Frankenlied „O himmlische Frau Königin“ zogen die Würzburger unter der geistlichen Leitung von Pfarrer i.R. Wolfgang Senzel, Pfarrer Michael Prokschi und Diakon Stefan Gehringer am 28. November vom Basilika-Vorplatz über den Kapellplatz in die Stiftspfarrkirche ein zu einer Andacht. Prälat Metzl, der die Einbegleitung übernahm, war sich nicht zu schade, auf halbem Weg das schwere Pilgerkreuz der Buspilger voranzutragen.
Gerade hier in Altötting seien wir der Muttergottes, die ihren Sohn Jesus Christus bis zum Tod am Kreuz begleitet hat, in besonderer Weise nah, betonte Prälat Metzl. „Sie richtet uns immer wieder auf und hilft, mit Jesus als Wegbegleiter zur Tür zu finden, die hineinführt in die himmlische Herrlichkeit – denn Jesus ist für uns Weg und Tür zugleich“, stellte er fest.
Höhepunkt für die Würzburger Buspilger waren die beiden feierlichen Pilgergottesdienste am 29. und 30. November in der St. Anna-Basilika mit Weihbischof em. Ulrich Boom, der die Gottesmutter Maria als „Orientierungshilfe“ auf unserem Pilgerweg des Glaubens hervorhob. Auch wenn wir oftmals in unserem Lebensalltag unter den Wellen der Angst und Verzweiflung zu versinken drohten, so würden uns doch Trost und Stärkung geschenkt, „wenn wir, wie Maria, Ja sagen zu Gottes Wort und Auftrag. Dann tragen wir, wie Maria, Jesus Christus in die Welt als Licht der Hoffnung und Zuversicht“, erklärte der Weihbischof.
Begeistert zeigten sich die Pilger aus Unterfranken über das eigens für sie veranstaltete Adventskonzert der Altöttinger Kapellsingknaben und Mädchenkantorei in der Bruder-Konrad-Kirche und natürlich über den von den Zobels veranstalteten „legendären“ Nikolausabend im Begegnungszentrum.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner



