Bischof

„Wir sind immer zur Achtung von jedem Menschen berufen“

Redaktion am 16.08.2026

Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Mariä Himmelfahrt in Altötting . Über 2000 Besucher kamen sowohl am 14. August zur Vorabendmesse in der Basilika mit anschließender Lichterprozession, zelebriert von Wallfahrtsrektor Prälat Klaus Metzl, als auch zur Festmesse in der Basilika am 15. August mit Bischof Stefan Oster SDB. Bild: Bischof Oster begrüßt Besucher vor der Gnadenkapelle.

Die Bedeutung der Menschenwürde hat Bischof Stefan Oster SDB am Festtag Mariä Himmelfahrt in Altötting betont. In einer programmatischen Predigt erklärte er, wie der oberste Grundwert der deutschen Verfassung mithilfe des christlichen Glaubens verstanden werden und wie er unsere Gesellschaft voranbringen kann.

Im Her­zen Bay­erns“ war auch die­ses Jahr eigent­lich alles so wie fast immer am 14. und 15. August: Über 2000 Besu­cher von über­all­her; fest­li­che Musik; ein Bischof, der Kräu­ter­bu­schen seg­net, sich über den strah­len­den Som­mer­tag“ freut, und der betont: Der Him­mel ist offen für uns alle.“ Bei­na­he zur Tra­di­ti­on gehört es mitt­ler­wei­le auch, dass Pas­saus Bischof Oster zur Fei­er des Patro­zi­ni­ums der Gna­den­ka­pel­le mit schwe­ren The­men“ im Gepäck nach Alt­öt­ting kommt – ähn­lich wie Wall­fah­rer, die nicht sel­ten mit ihren Sor­gen zu Unse­rer Lie­ben Frau“ pil­gern. War es ver­gan­ge­nes Jahr die Künst­li­che Intel­li­genz, über die Bischof Oster gepre­digt hat­te, sprach er heu­er über das Ver­hält­nis von Staat und Reli­gi­on“ – eine Bezie­hung, die nicht sel­ten kom­pli­ziert ist, aber nicht erst seit Beginn der Bun­des­re­pu­blik besteht und auch das deut­sche Grund­ge­setz beein­flusst hat, wie Oster aus­führ­te; und ein Ver­hält­nis, das gera­de jetzt ange­sichts der vie­len Umbrü­che, Ver­än­de­run­gen und Kri­sen“ sehr frucht­bar und gewinn­brin­gend sein kön­ne. Bischof Oster jeden­falls rief die Besu­cher am Ende des Got­tes­diens­tes dazu auf, für das Gelin­gen unse­rer Demo­kra­tie“ einen Bei­trag zu leisten.

Dass Bischof Oster die­sen Auf­ruf weni­ger als For­de­rung, son­dern eher als Auf­mun­te­rung ver­steht, zeig­ten sei­ne Aus­füh­run­gen über Arti­kel 1 des Grund­ge­set­zes: Die Wür­de des Men­schen ist unan­tast­bar.“ Die­ser Grund­satz, nach den Schre­cken des II. Welt­kriegs geschrie­ben von christ­lich gepräg­ten Autoren, sei nicht nur Kon­struk­ti­ons­punkt für alle fol­gen­den Punk­te“ des Grund­ge­set­zes, son­dern müss­te für Chris­ten eigent­lich eine Selbst­ver­ständ­lich­keit sein: Denn nach christ­li­cher Auf­fas­sung sind Men­schen in ein­zig­ar­ti­ger Wei­se als Got­tes Eben­bil­der geschaf­fen“ wor­den; eine Eben­bild­lich­keit Got­tes als Quel­le unse­rer Wür­de“, die wir Men­schen zwar durch eige­nes Ver­schul­den ver­dun­keln“ könn­ten, die uns aber nie­mand weg­neh­men kön­ne. Dem christ­li­chen Glau­ben nach habe Gott den Men­schen Wür­de geschenkt. Dem­nach sei jeder Ein­zel­ne dazu in der Lage, so zu leben, wie es auch in der Prä­am­bel des Grund­ge­set­zes steht: Im Bewusst­sein sei­ner Ver­ant­wor­tung vor Gott und den Menschen“.

Hier können Sie sich die Predigt ansehen:

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Mariä Himmelfahrt in Altötting – Impressionen

Für Bischof Oster ist die­ser deskrip­ti­ve“, also beschrei­ben­de“ Cha­rak­ter der Wür­de – Die Wür­de ist unan­tast­bar“ –, wie ihn Chris­ten ver­ste­hen, ein kla­rer Vor­teil gegen­über jenen, die die Unan­tast­bar­keit der Wür­de des Men­schen vor allem phi­lo­so­phisch erklä­ren und nor­ma­tiv“ begrün­den, also qua­si vor­schrei­ben – Die Wür­de darf nicht ange­tas­tet wer­den“. Ein­fach aus­ge­drückt: Wer von einer Idee bereits über­zeugt ist, der will auch danach han­deln. Wer Regeln ein­fach nur vor­ge­setzt bekommt, der fragt irgend­wann nach guten Grün­den, die eine aus­ein­an­der­drif­ten­de Gesell­schaft aber immer weni­ger nen­nen kann.

Auch eben jenes Aus­ein­an­der­drif­ten, das zuneh­men­de Gegen­ein­an­der in der Gesell­schaft sprach Bischof Oster an – eine Ent­wick­lung, die zugleich den Ruf nach der ein­fa­chen und schnel­len Lösung durch eine star­ke Auto­ri­tät an der Spit­ze“ för­de­re, und die den Rechts­staat und die Demo­kra­tie gefähr­de. Ein Umbruch, der laut Bischof Oster ins­be­son­de­re auch mit einer zuneh­men­den Ver­duns­tung des Glau­bens“ zusammenhängt.

Die gesamte Festmesse im Video

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Bischof Oster nann­te meh­re­re Punk­te, von denen ich anneh­me, dass die aller­meis­ten Müt­ter und Väter unse­res Grund­ge­set­zes dar­an noch nicht ein­mal im Ent­fern­tes­ten gedacht haben, als sie den Satz von der unan­tast­ba­ren Wür­de ins Grund­ge­setz hin­ein for­mu­liert hat­ten“, dar­un­ter: Die Dis­kus­si­on um Abtrei­bung als Men­schen­recht; die Bei­hil­fe zum Sui­zid als Geschäfts­mo­dell; die Nut­zung der Mög­lich­keit einer Leih­mut­ter­schaft im Aus­land. Er beklag­te außer­dem die Zur­schau­stel­lung von Lebens­wei­sen, sexu­el­len Prä­fe­ren­zen und ange­eig­ne­ten Iden­ti­tä­ten“ beim Chris­to­pher Street Day (CSD), die deut­lich mache, wie fun­da­men­tal sich Gesell­schaft ver­än­dert hat“. Zwar sei­en auch die Teil­neh­mer am CSD gelieb­te Kin­der Got­tes mit unver­lier­ba­rer Wür­de, die wir in ihrer Frei­heit zu ach­ten haben“; was dort inhalt­lich ver­tre­ten wer­de, dür­fe aus­ge­hend vom christ­li­chen Men­schen­bild jedoch auch kri­ti­siert wer­den. Bischof Oster wand­te sich schließ­lich der „(poli­tisch) ande­ren Sei­te“ zu und ver­tei­dig­te mit Nach­druck die Wür­de der Men­schen auf der Flucht“ und jener aus ande­ren Kul­tu­ren, Eth­ni­en und mit ande­ren Glau­bens­vor­stel­lun­gen“. Bischof Oster beton­te: Wir Chris­ten sind immer zur Ach­tung von jedem Men­schen beru­fen und vor allem: nie zur Gewalt.“

Für Bischof Oster war christ­li­cher Glau­be nicht nur bei der Ent­ste­hung des Grund­ge­set­zes von wesent­li­cher Bedeu­tung, son­dern er bie­te der Gesell­schaft auch heu­te eine Zukunfts­per­spek­ti­ve. Unse­re Visi­on für die­se Zeit ist: Wir hal­ten den Him­mel offen – und die­ser Him­mel ist nicht nur ein Gedan­ke, nicht nur eine lei­se Ahnung. Der Him­mel beginnt jetzt schon in unse­rem Her­zen und er öff­net sich beson­ders an Fes­ten und Tagen wie die­sen. Weil wir Kin­der der Mut­ter sind, die unser Herr schon in den Him­mel auf­ge­nom­men hat.“

Unse­re Visi­on für die­se Zeit ist: Wir hal­ten den Him­mel offen.”

Bischof Stefan Oster SDB

Die Got­tes­mut­ter Maria als Vor­bild eben­so wie die Bedeu­tung des Mit­ein­an­ders hob Wall­fahrts­rek­tor Prä­lat Klaus Metzl in sei­ner Pre­digt beim Got­tes­dienst am Vor­abend des Fest­ta­ges her­vor. Maria sei eine Mit­glau­ben­de“ gewe­sen, und auch wir kön­nen nur glau­ben im Mit­glau­ben mit der einen Kir­che, die unser aller Mut­ter ist“, beton­te er. Deut­lich zei­ge das Gna­den­bild in Alt­öt­ting den Weg: Schaut auf Jesus. Seid Glau­ben­de und wer­det es immer neu (…)“. (Marien-)Wallfahrtsorte hät­ten im Lau­fe der Zeit eine Art Geo­gra­fie des Glau­bens‘ ein­ge­zeich­net“ und för­der­ten dadurch auch das Mit­ein­an­der. Prä­lat Metzl zitier­te Aus­sa­gen Papst Bene­dikts XVI. zur Bedeu­tung des Wall­fah­rens: Nun, das Ers­te ist dies, wir gehen zuein­an­der und wir gehen mit­ein­an­der. Und dies ist schon etwas Wich­ti­ges, (…) dass wir in der Tat in der vor­an­ge­hen­den Zeit Pil­gern­de sind, und es nur im Mit­ein­an­der sein kön­nen. Und die­ses Mit­ein­an­der-Gehen schenkt uns dann auch, dass wir den Him­mel wie­der sehen, dass wir trotz aller Kri­sen, die gera­de das Land bedrän­gen, doch auch wie­der des Segens inne­wer­den, der noch immer über unse­rem baye­ri­schen Lan­de liegt.“

Beein­dru­ckend war auch die­ses Jahr die musi­ka­li­sche Gestal­tung. Bei der Fest­mes­se erklang Wolf­gang Ama­de­us Mozarts Mis­sa in C („Krö­nungs­mes­se“), auf­ge­führt von Kapell­chor und ‑orches­ter unter Lei­tung von Kapell­meis­ter Ste­phan Thin­nes – und kräf­tig unter­stützt von ins­ge­samt 16 Sän­ge­rin­nen und Sän­gern von außer­halb, die Thin­nes‘ Ein­la­dung zu der Mit­singmes­se“ gefolgt waren. Den Vor­abend­got­tes­dienst gestal­te­te die Alt­öt­tin­ger Hof­mu­sik; die anschlie­ßen­de Lich­ter­pro­zes­si­on die Alt­öt­tin­ger Musik­ka­pel­le; die Scho­la Autin­gen­sis gestal­te­te die Mari­en­ves­per in der Stift­s­pfarr­kir­che am Nach­mit­tag des Fest­ta­ges mit anschlie­ßen­dem Ave am Gna­den­al­tar, zele­briert von Prä­lat Metzl.

Den Vor­abend­got­tes­dienst und die Lich­ter­pro­zes­si­on besuch­ten u.a. Innen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann, MdL und CSU-Gene­ral­se­kre­tär Mar­tin Huber, MdB Ste­phan May­er, Bezirks­rä­tin Gise­la Kriegl, Alt­öt­tings Land­rat Tobi­as Wind­horst und Alt­öt­tings Drit­ter Bür­ger­meis­ter Hubert Roth­may­er; Alt­öt­tings Ers­ter Bür­ger­meis­ter Ste­phan Ant­wer­pen und Zwei­te Bür­ger­meis­te­rin Chris­ti­ne Burg­hart nah­men sowohl am Vor­abend­got­tes­dienst als auch an der Fest­mes­se teil.

Michael
Glaß

Redakteur

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