Kirche vor Ort

Wahre Hoffnung statt Künstlicher Intelligenz

Redaktion am 18.08.2025

Bischof Stefan Oster bei der Weihe der Kräuterbuschen in der Basilika. Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Festtag Mariä Himmelfahrt 2025. Bischof Stefan Oster bei der Weihe der Kräuterbuschen in der Basilika.

Künstliche Intelligenz kann sehr hilfreich sein – und ist uns Menschen zum Teil jetzt schon weit überlegen. Eines aber kann sie nicht: lieben zu lernen. Am Festtag Mariä Himmelfahrt in Altötting rief daher Passaus Bischof Stefan Oster SDB dazu auf, sich in Zeiten tiefgreifender Umwälzungen an Maria, „unsere Mutter, unsere Hoffnung“, zu orientieren.

Bischof Oster hat­te sich für den Fest­tag bei schweiß­trei­ben­den Tem­pe­ra­tu­ren kein leich­tes The­ma für sei­ne Pre­digt aus­ge­sucht. Über 2000 Besu­cher waren sowohl zum Got­tes­dienst am Vor­abend und zur anschlie­ßen­den Lich­ter­pro­zes­si­on als auch zum Fest­got­tes­dienst am 15. August in die Wall­fahrts­stadt gekom­men – und nicht weni­ge hat­ten an die­sen bei­den Tagen lie­ber einen Strauß Kräu­ter­bu­schen in der Hand und das Smart­phone in der (Hosen-)Tasche. Ein Fest für die Got­tes­mut­ter Maria und moder­ne Tech­nik – das passt auf den ers­ten Blick irgend­wie nicht so recht zusammen.

Ande­rer­seits dürf­te auch die Got­tes­mut­ter zu schät­zen wis­sen, dass Künst­li­che Intel­li­genz (KI) dabei hel­fen kann, Krank­hei­ten zu ent­de­cken, zu dia­gnos­ti­zie­ren und zu hei­len – dies war einer der Vor­tei­le und Seg­nun­gen moder­ner Tech­nik, die Bischof Ste­fan Oster in sei­ner Pre­digt nann­te. Ein wei­te­rer, Ver­kehrs­strö­me zu steu­ern und dadurch Unfäl­le und Staus zu ver­mei­den, dürf­te auch dem einen oder ande­ren Pil­ger an die­sem Fest­tag genutzt haben. Doch KI hat eben auch die vie­len nega­ti­ven Sei­ten: dass sie hilft, tota­li­tä­re Über­wa­chungs­staa­ten wie in Chi­na wach­sen zu las­sen; oder dass sie Droh­nen flie­gen lässt, die Men­schen töten, sodass sich am Ende kein Mensch mehr ver­ant­wort­lich füh­len muss. Zwei Aspek­te, mit denen Bischof Oster die Gefah­ren der aktu­ell statt­fin­den­den tech­no­lo­gi­schen Umwäl­zun­gen ver­deut­lich­te. Ver­än­de­run­gen, die der­art tief­grei­fend sind, dass Papst Leo XIV. bei sei­ner Namens­wahl auch ganz bewusst an sei­nen Vor­gän­ger Leo XIII. dach­te, des­sen Pon­ti­fi­kat im 19. Jahr­hun­dert wäh­rend dra­ma­ti­scher gesell­schaft­li­cher, poli­ti­scher und wirt­schaft­li­cher Umwäl­zun­gen im Zuge der Indus­tri­el­len Revo­lu­ti­on in die Geschich­te ein­ging. Auch dar­auf mach­te Bischof Oster aufmerksam.

Die Predigt von Bischof Stefan Oster im Video

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Vor allem aber schau­te er in sei­ner Pre­digt auf die Got­tes­mut­ter Maria. Weil die Mut­ter des Herrn, die auch unse­re Mut­ter ist, die Lie­be ver­kör­pe­re, und weil auch wir wie Maria dar­auf hof­fen dür­fen, in den Him­mel auf­ge­nom­men zu wer­den, sei sie spes nos­t­ra – unse­re Hoff­nung“. Wie die Got­tes­mut­ter sei­en auch wir Men­schen dazu beru­fen, lie­ben zu ler­nen. Eben dies sei es, was uns Men­schen aus­macht: dass wir Per­so­nen sind – Per­so­nen, aus­ge­stat­tet mit Wür­de und von Gott geliebt; Men­schen, die beru­fen sind zur Lie­be – zu Gott, zu ande­ren Men­schen, zu sich selbst.

Wis­sen hin­ge­gen sei nur pro­du­zier­te Infor­ma­ti­on“; eine ange­häuf­te Infor­ma­ti­on, die sich benut­zen lässt – und die den Men­schen auch die­nen kann, erklär­te Bischof Oster. Bei eben die­sem die­nen“ müs­se es aber auch blei­ben, beton­te er und warn­te mit Bezug auf die Tages­le­sung aus dem Buch der Offen­ba­rung: Das Bild des Dra­chen ver­kör­pe­re das rei­ne Wis­sen, rei­nen Geist, rei­ne Intel­li­genz“, aber eben ohne Lie­be. Außer­dem stell­te der Bischof fest: Der größ­te Theo­lo­ge ist der Teu­fel – er weiß alles, aber er liebt nicht.“

Bischof Stefan Oster SDB während seiner Predigt. Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Mariä Himmelfahrt 2025. Bischof Stefan Oster SDB während seiner Predigt.

Bischof Oster führ­te aus: Wis­sen allein mache uns Men­schen nicht zu Per­so­nen; also zu Men­schen, die dazu in der Lage sind, einem ande­ren zu ver­trau­en; die sich von Herz zu Herz ver­ste­hen; die glau­ben und beten ler­nen; die Mit­leid haben, lei­den und ertra­gen kön­nen. Wir müs­sen Hüte­rin­nen und Hüter des Men­schen als Per­son sein“, beton­te Bischof Oster die Auf­ga­be der Kir­che und der Chris­ten gera­de in die­sen Zei­ten der dra­ma­ti­schen Umwäl­zun­gen“. Er nann­te zwei kon­kre­te Bei­spie­le aus der Seel­sor­ge: so kön­ne etwa auch in der kos­ten­lo­sen Tele­fon­seel­sor­ge der Bis­tü­mer die KI hilf­reich sein, aber nur Men­schen füll­ten die­se mit Lie­be und Empa­thie; auch Robo­ter könn­ten durch­aus dabei hel­fen, in der Pfle­ge die Arbeit zu erleich­tern, aber nur Men­schen sei­en dazu in der Lage zuzu­hö­ren, zärt­lich zu sein, Ver­trau­en zu schaf­fen, Bezie­hung zu fördern …

Bezie­hung und Ver­trau­en waren auch The­men der Pre­digt von Alt­öt­tings Wall­fahrts­rek­tor am Vor­abend­got­tes­dienst: Über­all dort, wo Men­schen der wirk­sa­men Gegen­wart Got­tes ver­trau­en, da fällt Segen auf sie zurück und berei­chert ihr Leben. Da wächst die Kraft, um an einer guten, men­schen­wür­di­gen, gerech­ten und fried­vol­len Zukunft zu bau­en“, sagt er in Bezug auf das Evan­ge­li­um über die Selig-Prei­sung der unbe­kann­ten Frau aus der Men­ge“ (vgl. Lk 11,2728). Außer­dem stell­te er fest: Die Pro­zes­si­on heu­te Abend über den Kapell­platz, wie auch die vie­len Wall­fahr­ten hier­her Zu Unse­rer Lie­ben Frau von Alt­öt­ting das gan­ze Jahr hin­durch, sind gleich­sam ein Bild für unse­re Lebens-Rei­se zu die­sem letz­ten gro­ßen Ziel: der Gemein­schaft mit Gott und allen Hei­li­gen im Himmel.“

Mariä Himmelfahrt 2025 – Impressionen

Zu Beginn des Pon­ti­fi­kal­got­tes­diens­tes am Fest­tag, den Kapell­chor und Orches­ter unter der Lei­tung von Stifts­ka­pell­meis­ter Ste­phan Thin­nes mit Wolf­gang Ama­de­us Mozarts Mis­sa in C Mis­sa solem­nis“ beein­dru­ckend gestal­te­ten, hat­te der stell­ver­tre­ten­de Wall­fahrts­rek­tor Kapu­zi­ner­pa­ter Mari­nus Par­zin­ger die zahl­rei­chen Besu­cher begrüßt, u.a. meh­re­re Wall­fahrts­grup­pen, Ver­ei­ne und Fah­nen­ab­ord­nun­gen sowie zahl­rei­che Pries­ter und Dia­ko­ne. Außer­dem begrüß­te Br. Mari­nus Gäs­te aus dem öffent­li­chen Leben, dar­un­ter Bezirks­rä­tin Gise­la Kriegl, Alt­öt­tings Bür­ger­meis­ter Ste­phan Ant­wer­pen und 2. Bür­ger­meis­te­rin Chris­ti­ne Burg­hart sowie Stadt­rä­te und Pfarr­ge­mein­de­rä­te und Pfarr­ge­mein­de­rats-Vor­sit­zen­de Lui­se Hell. Die Fest­mes­se am Vor­abend war mit Orgel und von der Alt­öt­tin­ger Hof­mu­sik musi­ka­lisch gestal­tet worden.

Vor dem Got­tes­dienst am Don­ners­tag­abend hat­te ein Rosen­kranz in der Gna­den­ka­pel­le und ein wei­te­rer in der Basi­li­ka statt­ge­fun­den. Wäh­rend der Gebe­te wur­de das Gna­den­bild fei­er­lich in die St. Anna Basi­li­ka über­tra­gen. Auch zum Got­tes­dienst am Fest­tag mit Bischof Oster wur­de das Gna­den­bild in die Basi­li­ka und anschlie­ßend wie­der fei­er­lich zurück über­tra­gen. Nach­mit­tags fand in der Stift­s­pfarr­kir­che mit Stadt­pfar­rer und Wall­fahrts­rek­tor Metzl eine Mari­en­ves­per mit anschlie­ßen­dem Ave am Gna­den­al­tar statt; für die musi­ka­li­sche Gestal­tung sorg­te die Scho­la Autingensis.

Michael
Glaß

Redakteur

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