Kirche vor Ort

Hinaus ins Licht, zum Licht

Redaktion am 15.12.2025

Heilige Familie. Info Icon Foto: Wolfgang Terhörst
Heilige Familie. Die Krippe des Seraphischen Liebeswerks Altötting während der Burgweihnacht 2025 in Burghausen.

Weihnachtliche Geheimnisse förderte die Entdeckung unserer Autorin zutage: Eine ungewöhnliche Krippe aus dem Bestand des Seraphischen Liebeswerks Altötting, die nun erstmals öffentlich ausgestellt wurde.

Es gibt die­se klei­nen, fei­nen, lei­sen Geschich­ten, die unser advent­lich gestimm­tes Herz wär­men, die unse­re jetzt offe­ne­re Sin­ne emp­fäng­lich machen – und die bleiben.

Eine sol­che erzählt eine Krip­pe aus Alt­öt­ting, deren Figu­ren lan­ge Zeit unbe­ach­tet im Neben­raum eines Archivs ihr Dasein fris­te­ten – ver­teilt auf eine roy­al­blaue Kunst­stoff­wan­ne, alten mit Geschenk­pa­pier bekleb­ten Schach­teln und einem recht­ecki­gen, in braun-bei­gem Hah­nen­tritt gemus­ter­ten Kar­ton. Zunächst ein­mal weck­te die Plas­tik­wan­ne mein Inter­es­se, weil sie mir im Weg stand – an die­ser Stel­le wer­de ich per­sön­lich und blei­be es im Fort­lauf der Geschich­te, denn die Krip­pe, über die ich ein biss­chen erzäh­len möch­te, war mir mehr als ein Jahr­zehnt als Archi­va­rin qua­si anver­traut. In besag­ter Wan­ne also lagen auf einem Pols­ter aus Geschenk­pa­pier deso­lat aus­se­hen­de römi­sche Legio­nä­re – klei­ne beklei­de­te Krip­pen­fi­gu­ren mit eher grob geschnitz­ten Gesichts­zü­gen und Papp­ma­che­kör­pern, die auf grün bemal­ten klei­nen Sperr­holz­recht­ecken mon­tiert waren, zusam­men mit einem präch­ti­gen Holz­ele­fan­ten und ver­schie­de­nen, eben­falls kunst­voll geschnitz­ten Scha­fen und zwei grau­en Wöl­fen, die sich sti­lis­tisch stark von der Kampf­trup­pe“ des römi­schen Impe­ra­tors unter­schie­den. Auf Nach­fra­ge erfuhr ich dann, dass es in den Nie­de­run­gen mei­nes Archivs ein gan­zes Krip­pen­sam­mel­su­ri­um geben soll – in ver­schie­de­nen Kar­tons und deut­lich erkenn­bar aus ver­schie­de­nen Quel­len zusammengetragen.

Die Heiligen Drei Könige. Info Icon Foto: Wolfgang Terhörst
Krippe aus dem Bestand des Seraphischen Liebeswerks Altötting: Die Heiligen Drei Könige der „SLW-Krippe“ sind besonders kunstvoll geschnitzt und ausgestattet.

Und tat­säch­lich: die grau­en Stahl­schrän­ke des Archivs bar­gen noch wei­te­re Kost­bar­kei­ten. Klas­si­sche Hir­ten­fi­gu­ren tauch­ten auf in unter­schied­li­cher Grö­ße und künst­le­ri­scher Aus­ar­bei­tung, sowie Kame­le, Pfer­de, Ochs und Esel, die eben­falls deut­lich erkenn­bar von ver­schie­de­nen Schnit­zern stam­men muss­ten. Joseph, Maria und das neu­ge­bo­re­ne Jesus­kind, auf Stroh gebet­tet, lagen in einem Käst­chen – inter­es­san­ter­wei­se mit einer Mut­ter Jesu rechts vom Betrach­ter aus ange­ord­net (fast immer ist es sonst Josef, der dort steht).

Pferde in der Krippenszene. Info Icon Foto: Wolfgang Terhörst
Krippe aus dem Bestand des Seraphischen Liebeswerks Altötting: Die beiden Pferde zeigen deutliche künstlerische Eigenheiten; die einzelnen Krippenfiguren stammen von unterschiedlichen Schnitzern.

Und dann erblick­ten jene das Licht der Welt wie­der, die so ganz anders aus­sa­hen als das bereits ent­deck­te Krip­pen­per­so­nal; lan­ge hat­ten sie ver­bor­gen in einem Schuh­kar­ton aus­ge­harrt, die drei Magi­er (Wei­se) aus dem Mor­gen­land − gestal­tet als drei Köni­ge in präch­ti­gen, mit Palet­ten bestick­ten boden­lan­gen Schlep­pen, in sei­de­nen Gewän­dern und Tur­ba­nen, auf jedem von ihnen prangt ein gol­de­nes Emblem ihrer pro­phe­ti­schen Fähig­kei­ten. Sie hal­ten gol­de­ne Stä­be in ihren Hän­den, Sinn­bil­der ihrer Macht und ihres Anse­hens und wer­den beglei­tet von eini­gen Die­nern, die ihren Her­ren in ihrer Pracht nur min­der nach­ste­hen. Die Wei­sen sind auf dem Weg zum gött­li­chen Kind, den ihnen ein Engel weist – eben­falls kunst­fer­tig fein aus­ge­ar­bei­tet in wei­ßem Sei­den­kleid, ihre Unter­kunft ist ein gel­bes ori­en­ta­li­sches Seidenzelt.

Die Schön­heit der Figu­ren und ihre Aus­stat­tung nimmt gefan­gen. Man will sofort mehr über sie wis­sen, denn es ist auch für den lai­en­haf­ten Betrach­ter schnell ersicht­lich, dass sie älter, präch­ti­ger und kunst­fer­ti­ger sind als die ande­ren. Die Hei­li­gen Drei Köni­ge ste­hen als Grup­pe für sich; nichts deu­tet dar­auf hin, dass sie ihr Ziel, das Neu­ge­bo­re­ne in Beth­le­hem, schon erreicht hät­ten. Im Schuh­kar­ton lagen auch noch ein sam­te­nes Prä­sen­ta­ti­ons­kis­sen mit einem klei­nen gül­de­nen Zep­ter, einem fei­nen Krön­chen, einem zin­ner­nen Känn­chen und einem Käst­chen aus rotem Samt, das auf sei­nem Deckel mit einer Schmuck­plat­te einer alten Kropf­ket­te abschließt, wie sie im baye­ri­schen Ober­land, im Inn­tal und im Chiem­gau, von den Frau­en und Mäd­chen seit alters her getra­gen wird.

„SLW-Krippe“ − Impressionen

Es ist auch das Inn­tal, aus der die Köni­ge ihren Weg nach Alt­öt­ting, ins Sera­phi­sche Lie­bes­werk (SLW), das Kin­der­hilfs­werk der Kapu­zi­ner fan­den. Es ist auch die Hei­mat des lang­jäh­ri­gen, die Stif­tung und den För­der­ver­ein bis heu­te prä­gen­den Prä­ses, P. Alt­mann Rei­mei­er, der 1903 in Kol­ber­moor das Licht der Welt erblick­te. Lud­wig Rei­mei­er, wie der Kapu­zi­ner­pa­ter mit bür­ger­li­chem Namen hieß, blieb sei­ner Hei­mat und den Men­schen an der Mang­fall zeit­le­bens immer beson­ders ver­bun­den. Die Köni­ge, ihr Gefol­ge, die wun­der­ba­ren Kame­le, Ele­fant und Pfer­de in ihrem unge­wöhn­lich präch­ti­gen ori­en­ta­li­schen Ambi­en­te waren denn auch ein per­sön­li­ches Geschenk von daheim, von einer ihm nahe­ste­hen­den Per­son in lebens­lan­ger Zuneigung.

Im Lau­fe der Jahr­zehn­te ergänz­ten die Mal­lers­dor­fer Schwes­tern, die sich der Figu­ren ange­nom­men hat­ten, die Sze­ne­rie mit klas­si­schem Krip­pen­in­ven­tar nach ihrem Geschmack. Die dazu gekauf­ten Scha­fe und ein Pferd schnitz­te Alfons Buch­leit­ner aus Tann. Das wei­te­re Per­so­nal der Krip­pe hat sei­nen Ursprung in den auf­ge­las­se­nen ehe­ma­li­gen Lie­bes­werk­hei­men in Sankt Ing­bert im Saar­land und in Bad Aib­ling. Die umfang­rei­che Figu­ren­samm­lung fris­te­te bis in den Advent 2025 ein Schat­ten­da­sein, eine Begut­ach­tung durch den ehe­ma­li­gen Samm­lungs­lei­ter des Baye­ri­schen Natio­nal­mu­se­ums ent­fiel coronabedingt.

Dan­kens­wer­ter­wei­se nah­men sich die Alt­öt­tin­ger Krip­pen­freun­de der Lie­bes­werkkrip­pe auf Ver­mitt­lung von Kapu­zi­ner­pa­ter Br. Mari­nus Par­zin­ger an. Sie wur­de fach­män­nisch etwas über­holt und zeig­te sich nun erst­mals öffent­lich in ihrer gan­zen Schön­heit im Burg­hau­ser Stadt­mu­se­um wäh­rend der Burg­weih­nacht. Zu wün­schen ist ihr, dass sie auch künf­tig immer wie­der zu betrach­ten ist und dass die Köni­ge als die gezeigt wer­den, die sie sind, selbst­be­wusst und neu­gie­rig auf der Suche nach dem Licht der Welt.

Text: Maxi­mi­lia­ne Heigl-Saalfrank

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