Foto: Tiefenböck
Mit der Einweihung der „Casa Inclusiva“ (Inklusives Haus) ist im Kinderdorf Guarabira wieder ein Baustein hinzugekommen. Vor 35 Jahren gegründet, ist das Kinderdorf im Bundesstaat Paraíba heute eine wichtige Anlaufstelle im Armenhaus Brasiliens.
„Nach 35 Jahren können wir immer noch mit frohem Herzen sagen, dass das Kinderdorf voller Leben ist und auch in eine gute Zukunft geht.“ Das betont Josef Tiefenböck, Pfarrer in Ruhstorf und Vorsitzender des „Gerd Brandstetter Kinderdorf Guarabira Vereins“. „Wir dürfen uns alle sehr glücklich schätzen, dass das Kinderdorf auf sehr gesunden Beinen steht“, ergänzt er. Heute werden im Kinderdorf 140 Kinder in der Schule unterrichtet, etwa 40 Kinder und Jugendliche wohnen im Dorf, 80 Kinder besuchen den Kindergarten. 60 werden als Tageskinder betreut und begleitet.
Nach der Übergangsphase mit Sebastian Haury, der viel geleistet habe, damit das von Brailienmissionar Gerd Brandstetter aus Neuötting gegründete Kinderdorf in eine gute Zukunft gehen konnte, sei es gelungen, dass das Kinderdorf heute in brasilianischen Händen liegt. „Die Calabrianer und die Verantwortlichen der AMECC (Associação Menores com Cristo – Vereinigung der Kleinen mit Christus) leisten in der Pädagogik, in der psychologischen Begleitung und im menschlichen Umgang hervorragende Arbeit“, ist Tiefenböck überzeugt. Das Kinderdorf habe nicht nur in Guarabira einen hervorragenden Ruf, sondern durch die Arbeit der Calabrianer in ganz Brasilien. Dieser Orden habe auf diesem Gebiet der Sozialarbeit nicht nur ein großes Charisma, sondern auch das Vertrauen der Politik.
Fotos Tiefenböck
Von diesem Vertrauen konnte sich eine Gruppe – bestehend aus dem Vereinsvorstand und weiteren Interessierten – bei einem Besuch im November überzeugen. Anlass dieser Reise war die Einweihung der „Casa Inclusiva“, ein Haus für behinderte Menschen. Das Inklusive Haus ist in seiner Art einzigartig in Paraíba. Es ermöglicht den Menschen ein Leben in Würde. Sie werden hier nicht nur versorgt, sondern sie werden begleitet und es wird ihnen Achtsamkeit und Wertschätzung geschenkt, so die Worte des Bischofs von Guarabira, Aldemiro Sena dos Santos, bei der Einweihungsfeier des Hauses.
Viele Gäste waren dabei. Die Spitze der Calabrianer aus Italien und Brasilien, Vertreter aus Kirche und Politik, die Bürgermeisterin und der Stadtrat und auch Verantwortliche des Bundesstaates für das Soziale. Fehlen durften natürlich nicht die Kinder und Jugendlichen, die Angestellten und Mitarbeiter des benachbarten Kinderdorfes.
In den Ansprachen wurde deutlich, wie wichtig das Kinderdorf und das Haus für Behinderte sind. Jedem Einzelnen wurde gedankt, der direkt oder indirekt mitgeholfen hat, diesen Traum zu verwirklichen.
Die Besuchergruppe aus Deutschland war begeistert vom Kinderdorf, von der Lebensfreude der Kinder und Jugendlichen, aber auch vom sehr guten Zustand des Dorfes und von der Art und Weise, wie das Dorf geführt und verwaltet wird. „Man spürt, dass es mit Leben gefüllt ist und die Freude an Gott auch die Kraftquelle für das Denken, Handeln und Fühlen ist“, so Tiefenböck. Von dieser Arbeit und Freude im Kinderdorf hätten sich auch Caritas International und das Kindermissionswerk (Sternsingeraktion) beeindruckt gezeigt. Padre Geraldo (Gerd Brandstetter), der am 10. Dezember seinen 90. Geburtstag feiern konnte, dürfe mit Stolz, Freude und Dankbarkeit auf sein Lebenswerk, das mit Höhen und auch Tiefen verbunden war, zurückschauen.
„Wir vom Kinderdorfverein waren sehr angetan und sind gleichzeitig motiviert, die Arbeit im Kinderdorf mit weiteren Aktionen in Deutschland und Spendenaufrufen zu unterstützen“, machte der Ruhstorfer Pfarrer deutlich. Den Teilnehmern der Reise, die jede und jeder selbst bezahlt habe, sei bewusst geworden, was das Wort von Papst Franziskus für eine Bedeutung bekommt: „Geht an die Ränder, zu den Armen!“ Pfarrer Gerd Brandstetter habe vielen geholfen, aus der Armut in ein selbstständiges Leben zu kommen. Tiefenböcks Appell: „Möge das gute Werk, das durch Gerd Brandstetter einst begonnen wurde, fortgesetzt werden!“
Text: red



