Foto: Bernhard Brunner
Bedeutsame Gratulanten haben der Marktgemeinde Fürstenzell anlässlich des Dreifach-Jubiläums 950 Jahre Pfarrei, 750 Jahre Kloster und 50 Jahre Markterhebung die Ehre gegeben, darunter ein Weltmeister, ein Minister und ein Bischof.
Der Passauer Bischof Dr. Stefan Oster, Fußballweltmeister Klaus Augenthaler als gebürtiger Fürstenzeller und Staatsminister Christian Bernreiter waren zu den Feierlichkeiten in den Markt gekommen.
Sogar zusätzliche Bänke waren in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, dem „Dom des Rottals“, aufgestellt worden, damit nahezu alle Besucher des Festgottesdienstes einen Sitzplatz fanden. In seiner Begrüßung würdigte Pfarrer Wolfgang de Jong das gute Miteinander in Fürstenzell, auch mit der evangelischen Kirchengemeinde. Bischof Oster ging auf das Fest der Apostelfürsten Peter und Paul am Sonntag ein. In der Predigt beleuchtete er die Rolle des Simon Petrus, zu dem Christus gemäß dem Auszug aus dem Evangelium nach Matthäus gesagt hat, „Du bist Petrus, der Fels. Und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.“ Jesus sei in Caesarea Philippi mit mehreren heidnischen Tempeln ins Zentrum der weltlichen Macht gegangen, die sich selber überhöht habe, er sei „der Inbegriff eines wahrhaften Menschen“ gewesen, so Oster.
Der Bischof wies auf das schwere Schicksal des Paulus hin, der Furchtbares habe erleiden müssen, weil er die Botschaft verbreitet habe, „Kyrios ist Christus“, also der eigentliche Herr sei Christus. Dafür einzustehen, sei für Christinnen und Christen in der Welt immer noch gefährlich, sei diese Glaubensgruppe doch bis heute die meistverfolgte. „Nie war ein Mensch freier“, konstatierte Oster dennoch über Jesus, zumal Gehorsam in der Liebe zum Vater und Freiheit keine Widersprüche seien. In unseren heimischen Ortschaften gebe es nach wie vor die Kirche als Mitte, aber es sei spürbar, dass die Menschen sich zurückzögen, betonte der Bischof. Er verhehlte nicht, dass dieser Trend auch durch eigenes Versagen der Christen und der Kirche verursacht sei. „Wir bleiben weg“, skizzierte der Prediger unverblümt als Folge.
Die Predigt von Bischof Stefan Oster SDB zum Nachhören
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Doch die Menschen gehen aufgrund der Erfahrung, „woher wir kommen und wohin wir gehen“, in die Kirche, wie Oster hervorhob. Allerdings bröckelt es nach seinen Worten in der Gesellschaft. Umso bedeutsamer sei die Rolle Jesu für alle auf der Suche nach Liebe und Gerechtigkeit. „Er ist mein Herr – zuerst und vor allem“, unterstrich der Passauer Oberhirte. Am Ende des vom erweiterten Pfarrchor und einer Bläsergruppe unter der Leitung von Rudi Bürgermeister mit der „Missa Brixinensis“ aus der Feder des zeitgenössischen Komponisten Stefan Trenner festlich umrahmten Gottesdienstes dankte Pfarrer de Jong allen Gründern der Urpfarrei Irsham und des Klosters – allesamt Menschen, die angepackt und Aufbauarbeit geleistet hätten.
Ein Macher – wohlgemerkt auf dem Spielfeld – war auch Klaus Augenthaler zu seiner aktiven Zeit. Immer wieder war der Fußballweltmeister von 1990 in Fürstenzell von Autogrammjägern umlagert, bevor er bei einer Talkrunde auf dem Rathausvorplatz, moderiert von Passau-Black-Hawks-Eishockey-Stadionsprecher Oliver Czapko, aus dem Nähkästchen plauderte. Er sei seit 67 Jahren wieder mal da, gestand der im früheren Fürstenzeller Krankenhaus geborene Kicker (Jahrgang 1957), der schon als Kleinkind nach Vilshofen umgezogen und an der Fischerzeile aufgewachsen ist. Dort habe er als Jugendlicher mit den Nachbarbuben auf der Straße herumgekickt, ehe ihn dann jemand zum FC Vilshofen „hingeschleppt“ habe. Dank der damals super erfolgreichen A‑Jugend-Mannschaft sei er mit drei weiteren Nachwuchsspielern zum Probetraining beim FC Bayern München eingeladen worden – letztlich der Beginn einer Bilderbuchkarriere.
„Vergiss nie, wo du herkommst“, formulierte der heute mit Ehefrau und fünfjährigem Sohn am Ammersee lebende Augenthaler – immer noch in Diensten des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München stehend – seine persönliche Devise. Sichtlich erfreut war er über eine zugesicherte Spende zugunsten der von ihm unterstützten Leukämiehilfe Ostbayern.
Text und Foto: Bernhard Brunner


