Das glauben wir

Wie würde sich Jesus online verhalten?

Redaktion am 14.10.2025

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Die Kirche will Menschen zusammenführen, der Versöhnung und Gemeinschaft dienen. Doch wird ihre Botschaft in Zeiten des digitalen Umbruchs überhaupt noch gehört? Der Dogmatiker Prof. Dr. Markus Weißer von der Uni Passau erklärt, wie Glaubensvermittlung heute gelingen kann und was sicher nicht geht: salbungsvolle Phrasen, die keiner versteht.

Herr Pro­fes­sor Wei­ßer, vie­le Men­schen in unse­rer Leser­schaft sind mit dem Glau­ben in ana­lo­gen Zei­ten groß gewor­den. Was ver­än­dert sich für die Kir­che, wenn Glau­be immer mehr im digi­ta­len Raum kom­mu­ni­ziert wird?
Wei­ßer: Für die Kom­mu­ni­ka­ti­on des Glau­bens spielt die Digi­ta­li­tät heu­te eine gro­ße Rol­le und die Kir­che muss die­se Mög­lich­kei­ten nut­zen. Sie muss aber im Blick haben, dass sich nicht alles digi­ta­li­sie­ren lässt. Die kör­per­li­che Prä­senz für arme, kran­ke oder älte­re Men­schen lässt sich in Seel­sor­ge oder Pfle­ge nicht auf rei­ne Infor­ma­ti­ons­ver­mitt­lung redu­zie­ren. Dafür ste­hen immer schon die Sakra­men­te: Es geht um die leib­haf­tig spür­ba­re, gemein­schaft­li­che Begeg­nung mit der Lie­be Got­tes. Sie soll kon­kret greif­bar wer­den und uns unmit­tel­bar berühren.

Sie spre­chen von einer Kul­tur der Digi­ta­li­tät“. Was genau ist damit gemeint? Und war­um ist das auch für die Dog­ma­tik, also das Nach­den­ken über die Leh­re der Kir­che, bedeut­sam?
Wei­ßer: Der Aus­druck stammt von dem Schwei­zer Kul­tur­wis­sen­schaft­ler Felix Stal­der. Er zielt auf ein Set von Bezie­hun­gen, die heu­te auch auf digi­ta­len Netz­wer­ken und Medi­en basie­ren. Für den christ­li­chen Glau­ben ist das span­nend, weil der Mensch ein Bezie­hungs­we­sen ist: Er lebt von Bezie­hun­gen – zum Nächs­ten wie auch zu Gott, der selbst Lie­be und leben­di­ge Bezie­hung ist. Die Kir­che muss sich mit die­sen Ent­wick­lun­gen befas­sen, wenn sie auf Men­schen und ihr Leben im digi­ta­len Zeit­al­ter blickt.

Markus Weißer. Info Icon Foto: privat
Prof. Dr. Markus Weißer (*1986 in Weiden i. d. Opf.) ist seit 2024 Inhaber des Lehrstuhls für Dogmatische Theologie und theologische Gegenwartsfragen am Department für Katholische Theologie der Universität Passau. Zuvor wirkte er mehrere Jahre an der Universität Regensburg, wo er sich 2022 habilitierte und als Akademischer Oberrat a.Z. tätig war. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Glaubenskommunikation im digitalen Zeitalter, Dogmenhermeneutik und dogmatische Lehrentwicklung, Sakramentalität und Soteriologie sowie in der Rezeption von Karl Rahner.

Die digi­ta­len Medi­en eröff­nen neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge, aber ber­gen auch Gefah­ren. Wie kann die Kir­che sicher­stel­len, dass ihre Bot­schaft auch in sozia­len Netz­wer­ken ver­ständ­lich bleibt – und nicht ver­fälscht wird?
Wei­ßer: Sie muss selbst digi­tal prä­sent sein und ler­nen, wie man krea­tiv und kri­tisch damit umgeht. Digi­ta­le Medi­en sind Mit­tel zum Zweck – wie die Kir­che selbst auch. Sie will Men­schen zusam­men­füh­ren, der Ver­söh­nung und Gemein­schaft die­nen. Gera­de in den sozia­len“ Medi­en wer­den oft unge­fil­tert ver­meint­lich christ­li­che Ansich­ten ver­brei­tet, die weder im Inhalt noch im Stil christ­lich sind. Gegen Hass, Ver­ur­tei­lung und Mob­bing kann man aber posi­tiv ein Zei­chen set­zen. Und das ist die Auf­ga­be der gesam­ten Kir­che. Sie ver­steht sich als sicht­ba­res Zei­chen und Werk­zeug“ der uni­ver­sa­len Lie­be Got­tes, die uns in Jesus Chris­tus begeg­net. Wie wür­de Er sich wohl online verhalten?

Gera­de in digi­ta­len Medi­en geht vie­les schnell, emo­tio­nal und oft kurz­le­big zu. Wie kann unter sol­chen Bedin­gun­gen über­haupt noch tief­ge­hen­de Glau­bens­ver­mitt­lung gelin­gen?
Wei­ßer: Ich den­ke nicht, dass das unter ana­lo­gen Bedin­gun­gen kom­plett anders ist. Viel­leicht genügt es ja, sich zunächst auf das Wesent­li­che zu kon­zen­trie­ren und Men­schen neu­gie­rig zu machen. Sie ins Nach­den­ken zu brin­gen und mit der Bot­schaft einer bedin­gungs­lo­sen Lie­be zu kon­fron­tie­ren, die ihr Leben posi­tiv ver­än­dern kann. In Zei­ten der Selbst­op­ti­mie­rung und retu­schier­ter Schön­heits­idea­le kann das für jun­ge Men­schen eine ent­las­ten­de und befrei­en­de Bot­schaft sein:

Du musst nicht irgend­wel­chen Ansprü­chen oder Ide­al­bil­dern genü­gen. Du genügst, weil Du von Gott geliebt und ange­nom­men bist. Wer sich dafür inter­es­siert, war­um das so ist und was sich dar­aus ergibt, darf ger­ne nach­fra­gen. Er oder sie kann an der Uni­ver­si­tät Pas­sau sogar online Theo­lo­gie studieren.

Wel­che Rol­le spielt dabei die Spra­che der Kir­che? Muss sie sich ver­än­dern, um im digi­ta­len Raum über­haupt noch gehört zu wer­den?
Wei­ßer: Hier gilt das­sel­be wie in der Schu­le oder Seel­sor­ge: Kei­ne sal­bungs­vol­len Phra­sen, die vie­le selbst kaum ver­ste­hen. Lehr­for­meln kön­nen schnell zu Leer­for­meln wer­den, wie Joseph Ratz­in­ger ein­mal sag­te. Es braucht eine Spra­che, die ver­ständ­lich, authen­tisch und ein­la­dend ist. Das gilt aber auch für die Kör­per­spra­che im ana­lo­gen Bereich, wie Papst Fran­zis­kus betont hat. Form und Inhalt gehö­ren eben zusammen.

Susanne
Simperl

Bischöfliche Pressesprecherin

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