Bistum

Sich von Gott berühren lassen

Redaktion am 13.04.2026

Info Icon Foto: Caritas
Der Diplomtheologe Andreas Kindermann ist überzeugt: Die Caritas hat mit ihrer Theologie der Gesellschaft viel zu geben.

Theologie ist in der Caritas kein Fremdwort: Doch wie kommen „Jesus-Haltungen“ in den Alltag des Caritasverbands Passau? Andreas Kindermann kennt Antworten.

Cari­tas – das ist der gro­ße Wohl­fahrts­ver­band der katho­li­schen Kir­che. Was unter­schei­det ihn von ande­ren Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen? Pfle­gen die Mit­ar­bei­ten­den mit dem Rosen­kranz in der Hand? Oder beten sie lie­ber statt die Bett­pfan­ne zu lee­ren? Rund um Fra­gen des Glau­bens und der per­sön­li­chen Spi­ri­tua­li­tät gibt es beim Diö­ze­san-Cari­tas­ver­band die Stabs­stel­le ​„Theo­lo­gie und Seel­sor­ge“. Im Inter­view erklärt der Diplom­theo­lo­ge Andre­as Kin­der­mann, war­um Theo­lo­gie im All­tag der Cari­tas-Ein­rich­tun­gen eine Rol­le spielt.

Ist Theo­lo­gie über­haupt etwas für die Cari­tas und muss man gleich eine Stabs­stel­le ​„Theo­lo­gie und Seel­sor­ge“ ein­rich­ten?
Andre­as Kin­der­mann: Unein­ge­schränkt Ja! In den Cari­tas-Ein­rich­tun­gen wird tag­täg­lich ​„Theo­lo­gie“ gelebt. Men­schen leben im Arbeits­all­tag ​„Jesus-Hal­tun­gen“, Mit­ar­bei­ten­de set­zen sich mit ethi­schen Fra­gen aus­ein­an­der, Anver­trau­te kom­men in Grenz­si­tua­tio­nen und dür­fen viel­leicht ein Stück Him­mel erle­ben. Alle die­se Hal­tun­gen und Erfah­run­gen sol­len in der Stabs­stel­le ​„Theo­lo­gie und Seel­sor­ge“ gesam­melt, gebün­delt und beschrie­ben wer­den. Mit einer Theo­lo­gie der Cari­tas haben wir durch­aus der Gesell­schaft etwas zu sagen.

Es geht dann ja auch um die per­sön­li­che Seel­sor­ge bei rund 4500 Mitarbeiter:innen.
Andre­as Kin­der­mann: Das ist die ande­re Sei­te der Medail­le: Seel­sor­ge für Mit­ar­bei­ten­de und für die Men­schen in den Ein­rich­tun­gen. Beglei­tung in schwie­ri­gen Zei­ten, Team­ta­ge, Kri­sen­in­ter­ven­ti­on, Trau­er­ge­sprä­che, aber auch spi­ri­tu­el­le Ange­bo­te, die wir in unse­rer ​„Atem­pau­se“ (Anm. der Red.: Heft mit allen Ter­mi­nen) zusam­men­ge­fasst haben, kenn­zeich­nen die­se Arbeit. 

Heu­te ist immer mehr von ​„Orten der Kir­che“ die Rede.
Andre­as Kin­der­mann: Orte der Cari­tas sind kirch­li­che Orte. Kin­der, Schü­le­rin­nen und Schü­ler, Betreu­te, Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner sowie Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen erle­ben hier die Wer­te und Inhal­te des Evan­ge­li­ums, ange­passt an ihre jewei­li­ge Lebens­si­tua­ti­on. Die Cari­tas spricht die Spra­che der Men­schen. Ihre Mit­ar­bei­ten­den gehen mit Men­schen durch die Höhen und Tie­fen ihres Lebens, sie emp­fan­gen das Klein­kind in der Krip­pe, sie fei­ern den schu­li­schen und beruf­li­chen Erfolg bei Her­an­wach­sen­den, ste­hen mit Rat und Bera­tung bereit und sit­zen am Ster­be­bett im Pflegeheim.

Da ist Kir­che ja wirk­lich gefragt und prä­sent.
Andre­as Kin­der­mann: Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil beschreibt es so: ​„Freu­de und Hoff­nung, Trau­er und Angst der Men­schen von heu­te, beson­ders der Armen und Bedräng­ten aller Art, sind auch Freu­de und Hoff­nung, Trau­er und Angst der Jün­ger Chris­ti. Und es gibt nichts wahr­haft Mensch­li­ches, das nicht in ihren Her­zen sei­nen Wider­hall fän­de“ (Gau­di­um et spes, Nr. 1). In die­sem Sin­ne ist die Cari­tas tat­säch­lich ein star­kes Stück Kirche.

Wo sind Sie denn inner­halb der Cari­tas momen­tan ver­or­tet?
Andre­as Kin­der­mann: Aktu­ell arbei­te ich mit dem Vor­stand und dem Fach­be­reich Gemein­de­ca­ri­tas an der Vor­be­rei­tung eines pas­to­ra­len Kon­zepts. Zusam­men mit den Füh­rungs­kräf­ten und den Men­schen in den Ein­rich­tun­gen wol­len wir Qua­li­täts­stan­dards suchen, was die seel­sorg­li­che und spi­ri­tu­el­le Beglei­tung betrifft. Dabei sol­len auch gewis­se Leer­stel­len gefun­den wer­den: Wo brau­chen Mit­ar­bei­ten­de Hil­fe und Rat? Wie kann man seel­sorg­lich prä­sent sein? Mit wel­chen Koope­ra­ti­ons­part­nern kann dies ver­wirk­licht werden?

Und dazu kom­men Ihre Ange­bo­te, die ​„Atem­pau­sen“. Gibt es über­haupt noch Plät­ze?
Andre­as Kin­der­mann: Also wir machen uns gemein­sam auf den Weg bei Exer­zi­ti­en, Wall­fahr­ten, Oasen­ta­gen. Da den­ken wir nach über Gott und die Welt und uns selbst. Wir beten und sin­gen zusam­men. Wir pfle­gen sozu­sa­gen den Draht zur Ewig­keit und las­sen uns von Gott berüh­ren. Und ja. Der Som­mer 2026 lädt ein, für ein paar Tage die Arbeit ruhen zu las­sen und zusam­men mit Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus ande­ren Ein­rich­tun­gen gemein­sa­me Tage zu ver­brin­gen. Wir sind gut gebucht. Es gibt noch Rest­plät­ze für Exer­zi­ti­en Ende Juni, die Ruck­sack-Wan­de­rung nach Alt­öt­ting Anfang Juli und für die Rad-Wall­fahrt Ende Juli sowie für die Klos­ter-Tage Ende Oktober.

Inter­view: Wolf­gang Duschl 

Weitere Nachrichten

Bistum
19.10.2026

Neue Wege gehen

Der Auftaktgottesdienst zum „Pastoralen Raum Osterhofen“ in der Pfarrkirche Kurzenisarhofen bot eine…

Nachricht
19.10.2026

Mit der Kraft der Sonne

Das Bistum Passau nimmt seine Schöpfungsverantwortung ernst:  Auf den Dächern rund um den Domplatz sind in…

Wallfahrt
19.10.2026

Gemeinsam durchs Wallfahrtsjahr

Der neue „Wallfahrtskalender Unserer Lieben Frau von Altötting“ ist ab sofort erhältlich

Wallfahrt
19.10.2026

Ein Tag „für die wichtigsten Mitarbeiter der Muttergottes“

Bei der Pilgerleitertagung am 17. Oktober stellte Wallfahrtsrektor Prälat Klaus Metzl das Motto für die…