Foto: Uschi Friedenberger
Ikonenmalerin aus Leidenschaft: Ruslana Halushko (51) aus Lwiw (Lemberg) in der Ukraine lebt derzeit in der Flüchtlingsunterkunft in Tann – Ihre Kunst begleitet sie auf ihrem Lebensweg
Ich male, seit ich denken kann!“ Ruslana Halushko gerät ins Schwärmen, wenn sie über ihre Berufung erzählt: „Schon in der 1. Klasse sagte meine Lehrerin zu meiner Mutter: ‚Ihre Tochter hat eine besondere Begabung zum Zeichnen!‘“ Das ist nun schon viele Jahre her und der Lebensweg führte die heute 51-Jährige aus Lwiw (Lemberg) in der westlichen Ukraine nach Tann im Landkreis Rottal-Inn. Hier bewohnt sie derzeit ein Zimmer in der Flüchtlingsunterkunft. Klarer Fall, dass auch die Malutensilien dabei sind.
Ihre Mutter hatte damals auf die Lehrerin gehört und so durfte das Mädchen Kunststudios und später die Kunstschule in Lemberg besuchen. Schon während der Schulzeit bereitete Ruslana sich darauf vor, an das Staatliche Institut für Angewandte und Dekorative Kunst zu gehen. Ihr Studium als Modedesignerin beendete sie 1999 mit Auszeichnung. Ebenso schloss sie die Schule für Ikonenmalerei erfolgreich ab. Daneben arbeitete sie in der Werkstatt ihres Vaters für die Herstellung von Grabsteinen als Graveurin auf Granit mit. „Dank meiner Arbeit konnte ich mir alles Notwendige für mein Leben und meine künstlerische Arbeit leisten“, so die Künstlerin. Seit 20 Jahren widmet sie sich der Ikonenmalerei.
Foto: Uschi Friedenberger
Dann kam der Krieg und damit änderte sich abrupt ihr Leben. Sie verließ die Ukraine. Am 21. Februar ist Ruslana Halushko in Tann angekommen und hat dies in äußerst guter Erinnerung: „Als ich meinen Fuß auf diesen Boden setzte, hatte ich das Gefühl, ich bin zu Hause! Als ich zum ersten Mal die Kirche in Tann betrat, dachte ich: Oh, meine lieben Heiligen, ihr seid alle hier!“ Die Ukrainerin erzählt weiter „Ich habe zwei verheiratete Töchter, die in Lwiw geblieben sind.“ Nach Deutschland ist sie mit ihrem 17-jährigen Sohn gekommen.“
„Ich male und sticke auch hier“, sagt Ruslana. „Ikonen kann ich auch in dem Zimmer malen, in dem ich jetzt lebe. Ich arbeitete bisher in Ölmalerei oder in der Eitempera-Technik – genau so, wie es der Auftraggeber wünschte, groß oder klein, auf Holz mit Blattgold oder auf Leinwand, in verschiedenen Stilen – byzantinisch, griechisch, westeuropäisch oder westukrainisch.“
Ihr Zuhause ist aktuell ein Zimmer in der Flüchtlingsunterkunft. Sie denkt zurück an ihr altes Leben in der schönen westukrainischen Stadt Lemberg, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt: „In Lwiw hatte ich mein eigenes, gemütliches Atelier in der Nähe meines Hauses. Dort habe ich viele Ikonen für Bischöfe und Laien angefertigt – auch eine für Papst Benedikt XVI. Ich glaube vom Herzen, dass er vom Himmel aus dafür gesorgt hat, dass ich heute hier wohnen darf – an einem Ort, an dem das Heiligste Herz Jesu so ehrfurchtsvoll verehrt wird.“
Diese Besonderheit, von der Ruslana spricht, ist die Wallfahrt „Zum Herrgott von Tann“, die es seit dem Jahr 1696 gibt. Die gläubige Frau in ihrer herzlichen Art: „Ich bin unendlich dankbar, dass die Kirche St. Peter und Paul nur 180 Meter von mir entfernt ist und ich Jesus, die Heiligen und die Gottesmutter jeden Tag besuchen darf!“ Durch ihre Kirchenbesuche machte sie die Bekanntschaft von Ortspfarrer Wolfgang Reincke und Domvikar Dr. Anton Morhard, der in seiner früheren Pfarrei auch Gottesdienste hält. Die beiden Geistlichen schätzen das Können von Ruslana Halushko und meinen, dass ihre Kunst mediale Aufmerksamkeit verdient. Dr. Anton Morhard: „Der Stil ist sehr interessant, weil Frau Halushko auch Motive hat, die die russisch-orthodoxen Gläubigen normal nicht kennen wie die Herz Jesu-Darstellung oder so typisch westliche Heilige wie Franziskus oder Antonius von Padua.“
Wer sich für die Ikonenmalerei der Ukrainerin interessiert, kann unter Tel. 0851/3931210 mit Domvikar Anton Morhard oder unter Tel. 08572/207 mit Pfarrer Wolfgang Reincke Kontakt aufnehmen.
Ursula
Friedenberger
Redakteurin


