Kunst

„Ich male, seit ich denken kann!“

Redaktion am 18.08.2025

Ruslana Halushko mit Domvikar Dr. Anton Morhard und Ortspfarrer Wolfgang Reincke. Info Icon Foto: Uschi Friedenberger
Ihrer Kunst verbunden ist Ruslana Halushko – auf dem Bild mit Domvikar Dr. Anton Morhard und Ortspfarrer Wolfgang Reincke (von rechts).

Ikonenmalerin aus Leidenschaft: Ruslana Halushko (51) aus Lwiw (Lemberg) in der Ukraine lebt derzeit in der Flüchtlingsunterkunft in Tann – Ihre Kunst begleitet sie auf ihrem Lebensweg

Ich male, seit ich den­ken kann!“ Rus­la­na Halush­ko gerät ins Schwär­men, wenn sie über ihre Beru­fung erzählt: Schon in der 1. Klas­se sag­te mei­ne Leh­re­rin zu mei­ner Mut­ter: Ihre Toch­ter hat eine beson­de­re Bega­bung zum Zeich­nen!‘“ Das ist nun schon vie­le Jah­re her und der Lebens­weg führ­te die heu­te 51-Jäh­ri­ge aus Lwiw (Lem­berg) in der west­li­chen Ukrai­ne nach Tann im Land­kreis Rot­tal-Inn. Hier bewohnt sie der­zeit ein Zim­mer in der Flücht­lings­un­ter­kunft. Kla­rer Fall, dass auch die Mal­uten­si­li­en dabei sind.

Ihre Mut­ter hat­te damals auf die Leh­re­rin gehört und so durf­te das Mäd­chen Kunst­stu­di­os und spä­ter die Kunst­schu­le in Lem­berg besu­chen. Schon wäh­rend der Schul­zeit berei­te­te Rus­la­na sich dar­auf vor, an das Staat­li­che Insti­tut für Ange­wand­te und Deko­ra­ti­ve Kunst zu gehen. Ihr Stu­di­um als Mode­de­si­gne­rin been­de­te sie 1999 mit Aus­zeich­nung. Eben­so schloss sie die Schu­le für Iko­nen­ma­le­rei erfolg­reich ab. Dane­ben arbei­te­te sie in der Werk­statt ihres Vaters für die Her­stel­lung von Grab­stei­nen als Gra­ve­u­rin auf Gra­nit mit. Dank mei­ner Arbeit konn­te ich mir alles Not­wen­di­ge für mein Leben und mei­ne künst­le­ri­sche Arbeit leis­ten“, so die Künst­le­rin. Seit 20 Jah­ren wid­met sie sich der Ikonenmalerei.

Ikonenmalerin Ruslana Halushko. Info Icon Foto: Uschi Friedenberger
Ikonenmalerin Ruslana Halushko.

Dann kam der Krieg und damit änder­te sich abrupt ihr Leben. Sie ver­ließ die Ukrai­ne. Am 21. Febru­ar ist Rus­la­na Halush­ko in Tann ange­kom­men und hat dies in äußerst guter Erin­ne­rung: Als ich mei­nen Fuß auf die­sen Boden setz­te, hat­te ich das Gefühl, ich bin zu Hau­se! Als ich zum ers­ten Mal die Kir­che in Tann betrat, dach­te ich: Oh, mei­ne lie­ben Hei­li­gen, ihr seid alle hier!“ Die Ukrai­ne­rin erzählt wei­ter Ich habe zwei ver­hei­ra­te­te Töch­ter, die in Lwiw geblie­ben sind.“ Nach Deutsch­land ist sie mit ihrem 17-jäh­ri­gen Sohn gekommen.“

Ich male und sti­cke auch hier“, sagt Rus­la­na. Iko­nen kann ich auch in dem Zim­mer malen, in dem ich jetzt lebe. Ich arbei­te­te bis­her in Ölma­le­rei oder in der Eitem­pe­ra-Tech­nik – genau so, wie es der Auf­trag­ge­ber wünsch­te, groß oder klein, auf Holz mit Blatt­gold oder auf Lein­wand, in ver­schie­de­nen Sti­len – byzan­ti­nisch, grie­chisch, west­eu­ro­pä­isch oder westukrainisch.“

Ihr Zuhau­se ist aktu­ell ein Zim­mer in der Flücht­lings­un­ter­kunft. Sie denkt zurück an ihr altes Leben in der schö­nen west­ukrai­ni­schen Stadt Lem­berg, die zum UNESCO-Welt­kul­tur­er­be zählt: In Lwiw hat­te ich mein eige­nes, gemüt­li­ches Ate­lier in der Nähe mei­nes Hau­ses. Dort habe ich vie­le Iko­nen für Bischö­fe und Lai­en ange­fer­tigt – auch eine für Papst Bene­dikt XVI. Ich glau­be vom Her­zen, dass er vom Him­mel aus dafür gesorgt hat, dass ich heu­te hier woh­nen darf – an einem Ort, an dem das Hei­ligs­te Herz Jesu so ehr­furchts­voll ver­ehrt wird.“

Die­se Beson­der­heit, von der Rus­la­na spricht, ist die Wall­fahrt Zum Herr­gott von Tann“, die es seit dem Jahr 1696 gibt. Die gläu­bi­ge Frau in ihrer herz­li­chen Art: Ich bin unend­lich dank­bar, dass die Kir­che St. Peter und Paul nur 180 Meter von mir ent­fernt ist und ich Jesus, die Hei­li­gen und die Got­tes­mut­ter jeden Tag besu­chen darf!“ Durch ihre Kir­chen­be­su­che mach­te sie die Bekannt­schaft von Orts­pfar­rer Wolf­gang Rein­cke und Dom­vi­kar Dr. Anton Mor­hard, der in sei­ner frü­he­ren Pfar­rei auch Got­tes­diens­te hält. Die bei­den Geist­li­chen schät­zen das Kön­nen von Rus­la­na Halush­ko und mei­nen, dass ihre Kunst media­le Auf­merk­sam­keit ver­dient. Dr. Anton Mor­hard: Der Stil ist sehr inter­es­sant, weil Frau Halush­ko auch Moti­ve hat, die die rus­sisch-ortho­do­xen Gläu­bi­gen nor­mal nicht ken­nen wie die Herz Jesu-Dar­stel­lung oder so typisch west­li­che Hei­li­ge wie Fran­zis­kus oder Anto­ni­us von Padua.“

Wer sich für die Iko­nen­ma­le­rei der Ukrai­ne­rin inter­es­siert, kann unter Tel. 0851/3931210 mit Dom­vi­kar Anton Mor­hard oder unter Tel. 08572/207 mit Pfar­rer Wolf­gang Rein­cke Kon­takt aufnehmen.

Ursula
Friedenberger

Redakteurin

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