Liebe Leserinnen und Leser des Passauer Bistumsblatts, liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
In diesen Tagen dürfen wir das Weihnachtsfest, die Feier der Geburt unseres Herrn Jesus Christus, feiern. Auf dieses Fest haben wir uns im Advent vorbereitet – im Grunde aber ist unser ganzes Leben ein Advent: Ein geduldiges, frohes Zugehen auf die Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus. Ein Leben mit unserem Herrn und Erlöser, von dem wir schon berührt sind – und der sich danach sehnt, dass wir ihn immer besser verstehen, mit einem liebenden Herzen und wachem Verstand.
Und genau in diese Zeit fiel die Veröffentlichung der Studie zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt an Minderjährigen. Und sie berichtet von Missbrauch, der ein Leiden verursachen kann, das oft lebenslange schlimmste Auswirkungen hat, das oft nicht gesehen werden konnte oder gesehen werden wollte – ein Befund, der mich persönlich zutiefst erschüttert. Vor diesem Hintergrund können – und müssen wir – fragen: Ist unser Herr trotz allem da, geht er all unsere Wege mit uns?
Liebe Schwestern und Brüder, die Texte, mit denen wir auf Weihnachten zugegangen sind, die sagen uns: Ja, es stimmt. Ja, Gott kommt und er ist da, mitten unter uns. Aber tatsächlich ist er so ganz anders da, als wir es uns oft wünschen oder vorstellen. Denn Jesus kommt tatsächlich zu uns. Aber er kommt, indem er sich selbst ohnmächtig macht. Er kommt in den Dreck und Staub der Welt, und er kommt auch in die gebrochenen und verwundeten Herzen von uns Menschen. Er kommt als der Mitleidende und als der, der jeden und jede von uns heiler machen will – von innen her.
Dies kann geschehen, wenn wir uns ehrlich und treu für Gott öffnen, wenn wir uns danach sehnen, mit unserem Leben wirklich auf seine erlösende Liebe zu antworten – demütig und ehrlich.
Vertrauen wir darauf: der rettende Gott kommt genau in die Dunkelheit der Nacht, die dadurch zur Weihnacht werden kann.
Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen und Ihren Lieben eine gnadenvolle und gesegnete Feier der Ankunft des göttlichen Kindes unter uns Menschen. Kommen Sie auch gut und gesund ins Neue Jahr 2026 und möge Sie der Segen unseres Herrn allezeit begleiten.
Mit den besten Segenswünschen
Dr.
Stefan
Oster
SDB
Bischof



