Hinterm Horizont...

Redaktion am 22.01.2024

2024 01 22 pb alb heino falcke foto schwarzes loch Foto: Boris Breuer
Heino Falcke vor dem berühmten Foto: es zeigt die erste Aufnahme des Schattens eines Schwarzen Lochs.

Vor und fünf Jahren ging ein berühmtes Foto um die Welt: die erste Aufnahme des Schattens eines Schwarzen Lochs. Im Thema der Woche der aktuellen Ausgabe spricht der Astrophysiker Heino Falcke über das Foto, das Universum – und über seinen Glauben. Auch im Editorial macht sich der Autor darüber Gedanken.

Unter Phy­si­kern gibt es einen Witz: Dem­nach liest Gott mit Vor­lie­be phy­si­ka­li­sche Fach­zeit­schrif­ten, nur um die dar­in ent­hal­te­nen Theo­rien mal schnell Wirk­lich­keit wer­den zu las­sen. Ja, könn­te schon sein, dass der lie­be Gott mit einem ver­schmitz­ten Lächeln auf uns her­ab­blickt, wäh­rend wir uns die Haa­re rau­fen, weil wir uns die­ses total ver­rück­te Uni­ver­sum par­tout nicht erklä­ren können.

Das geht ja schließ­lich nicht nur uns Lai­en so, von denen sich nicht weni­ge nur sehr dun­kel an den Phy­sik­un­ter­richt in der Schu­le zurück­er­in­nern. Sogar die Voll­pro­fis auf die­sem Fach­ge­biet wis­sen oft nicht mehr wei­ter: Wir müs­sen uns damit abfin­den, dass das Uni­ver­sum fun­da­men­tal unvor­her­seh­bar und chao­tisch ist“, schreibt Hei­no Falcke in sei­nem Buch Licht im Dun­keln – Schwar­ze Löcher, das Uni­ver­sum und wir“. In unse­rem The­ma der Woche“ fin­den Sie ein Inter­view mit dem Astro­phy­si­ker und gläu­bi­gen Chris­ten, der vor rund fünf Jah­ren einer ver­blüff­ten Welt­öf­fent­lich­keit das ers­te Bild von einem Schwar­zen Loch“ prä­sen­tiert hat. Sie wis­sen schon: Schwar­ze Löcher, das sind die­se Din­ger im All, die alles Licht schlu­cken und an des­sen Hori­zont der Raum zer­reißt und die Zeit still­steht. Alles klar?

Naja, also streng genom­men stimmt das mit dem Foto eigent­lich gar nicht. Denn das Loch ist ja wie gesagt schwarz – sehen kön­nen wir ja nur das Licht an des­sen Hori­zont. Und dann ist Schluss. Hin­ter dem Hori­zont geht es für uns nicht wei­ter und wir kön­nen nur rät­seln, was in die­sen Schwar­zen Löchern tat­säch­lich pas­siert. Und eigent­lich könn­te auch die­ser Text an die­ser Stel­le enden – wenn das The­ma nicht so furcht­bar span­nend wäre!

Las­sen wir uns vom All inspi­rie­ren, ohne dabei den Men­schen zu übersehen.”

Der Astrophysiker Heino Falcke in seinem Buch „Licht im Dunkeln“

Mal Hand aufs Herz: Wer wür­de nicht mal ger­ne mit James T. Kirk und der gan­zen Raum­schiff Enter­pri­se-Crew durch die Wei­ten des Alls flie­gen? Und dann bei die­ser Gele­gen­heit eines die­ser Schwar­zen Löcher erkun­den, die Gott offen­bar mal so neben­bei im Uni­ver­sum ver­teilt hat? Hin­e­inflie­gen, Hal­lo sagen, stau­nen, erfor­schen … Das wäre doch was! Da dies aber nicht mög­lich ist, machen wir halt Fotos: Von Schwar­zen Löchern, von Blit­zen (Sei­te 3), von Regen­bö­gen (Sei­te 32). Auch auf die­se Art lässt sich Bezie­hung und Kon­takt aufbauen …

Denn viel­leicht ist es genau das, wor­um es eigent­lich geht: um Bezie­hung. Viel­leicht ist sie der eigent­li­che Grund, wes­halb wir so fas­zi­niert sind vom Uni­ver­sum und den gan­zen Rest. Weil wir mit­ten­drin ste­cken, weil wir, die wir aus ins All gebla­se­ner Mate­rie, qua­si aus Ster­nen­staub“, bestehen, von all den unge­klär­ten Fra­gen ange­zo­gen wer­den wie Licht und Mate­rie von Schwar­zen Löchern. Weil wir gar nicht anders kön­nen, als neu­gie­rig zu sein und Fra­gen zu stel­len, wer oder was wir eigent­lich sind und wo wir her­kom­men. Wer das Buch von Hei­no Falcke liest, der erfährt jeden­falls nicht nur viel über Astro­phy­sik und dar­über, wie die­ses berühm­te Foto ent­stan­den ist, son­dern der liest auch vie­le sehr nach­denk­li­che Sät­ze über Gott, Welt und Mensch wie etwa die­sen: Wenn Mate­rie (wie wir Men­schen) denkt und fühlt, war­um soll dann nicht auch ein Schöp­fer­gott, die ers­te Ursa­che, eine Per­sön­lich­keit mit Geist, Sinn und Ver­stand haben können?“

Ach­so, eines noch: die theo­re­ti­sche Phy­sik spe­ku­liert der­zeit übri­gens auch über Wei­ße Löcher“, die Gegen­stü­cke zu Schwar­zen Löchern“: wäh­rend aus letz­te­ren alles in ihrer Nähe ein­ge­saugt wird und nicht mehr her­aus­kom­men kann, kann in ers­te­re nichts hin­ein und alles fliegt hin­aus. Angeb­lich schwe­ben die­se Wei­ßen Löcher“ wie unsicht­ba­re klei­ne Här­chen durchs All – und sind daher schwer zu foto­gra­fie­ren. Sofern sie über­haupt exis­tie­ren. Aber wer weiß: Falls Gott das gera­de liest und der Phy­si­ker-Witz von oben tat­säch­lich stim­men soll­te, dann glei­ten die Wei­ßen Löcher viel­leicht bald sanft (und sicht­bar?) über unse­ren Himmel …

Michael Glass

Michael Glaß

Redakteur

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