Kirche vor Ort

Tief und eindringlich

Redaktion am 28.07.2025

Lucie K. Filimonova neben ihrem Bild „Letzte Worte zwischen Jesus und Judas“, neben der Kanzel das dort hängende Bild von der heiligen Kümmernis. Info Icon Foto: Helmuth Rücker
Lucie K. Filimonova neben ihrem Bild „Letzte Worte zwischen Jesus und Judas“, neben der Kanzel das stets dort hängende Bild von der heiligen Kümmernis, darunter Kurator Christian Zeitler und Dr. Herbert Wurster (r.).

Wie zwei Gemälde in der Rundkirche von Hausbach bei Vilshofen eine besondere Spannung erzeugen.

Wenn Dr. Her­bert Wurs­ter, der­einst Diö­ze­san­ar­chi­var in Pas­sau, die unge­wöhn­li­che Rund­kir­che von Haus­bach in der Nähe sei­nes Wohn­orts Sand­bach (Stadt Vils­ho­fen) Besu­chern erklärt, kommt er nicht umhin, auf ein neben der Kan­zel hän­gen­des Bild näher ein­zu­ge­hen. Oft hat er einen Halo­gen-Strah­ler dabei, um das Bild bes­ser ins Licht zu rücken. Es ist ein Ölge­mäl­de von der hei­li­gen Küm­mer­nis. Es ist knapp 300 Jah­re alt. Sie wird als Gekreu­zig­te im lan­gen (Frauen-)Gewand, bär­tig und gekrönt dargestellt.

Doch heu­te lenkt er die Auf­merk­sam­keit der Besu­cher auf ein wei­te­res, nicht immer dort hän­gen­des Bild: Jesus in sei­nem letz­ten Gespräch mit Judas, sei­nem Ver­rä­ter. Die Span­nung zwi­schen die­sen bei­den Bil­dern ist spür­bar, ja greif­bar. Dort Jesus am Kreuz – anders als in sons­ti­gen Dar­stel­lun­gen – gewan­det. Das Opfer. Der Sohn Got­tes, der sich zum Opfer macht, um die Mensch­heit zu ret­ten. Und das ande­re Bild, Jahr­hun­der­te spä­ter gemalt, zeigt einen Jesus, der mit kla­rem, aber auch fra­gen­dem Blick sei­nen Ver­rä­ter Judas anschaut. Die­ser hält dem Blick nicht stand, er schaut zu Boden.

Wer die hei­li­ge Küm­mer­nis gemalt hat, ist nicht bekannt. Das moder­ne, dyna­mi­sche Bild aus dem Jahr 2025 stammt von der tsche­chi­schen Künst­le­rin Lucie K. Fili­mo­no­va. Auf Ver­mitt­lung von Chris­ti­an Zeit­ler, Kul­tur­preis­trä­ger des Land­krei­ses Pas­sau, stellt die 45-Jäh­ri­ge zehn Por­träts der Men­schen um Jesus aus. Die spät­ro­ma­ni­sche, goti­sche Kir­che, rund 800 Jah­re alt, ist ein idea­ler Raum dafür. Sie ist karg aus­ge­stat­tet, umso stär­ker wir­ken die Bil­der Fili­mo­no­vas. Die Künst­le­rin bedient sich leben­der Model­le. Sie schafft eine gro­ße Tie­fe. Der Betrach­ter meint, die Gedan­ken des Por­trä­tier­ten lesen zu kön­nen. Die­se Kir­che – oft ver­schlos­sen – zu besu­chen, lohnt dop­pelt: Die unge­wöhn­li­che Archi­tek­tur und dann die­se Aus­stel­lung! (bis 17. August).

Text und Foto: Hel­muth Rücker

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