Foto: Helmuth Rücker
Wie zwei Gemälde in der Rundkirche von Hausbach bei Vilshofen eine besondere Spannung erzeugen.
Wenn Dr. Herbert Wurster, dereinst Diözesanarchivar in Passau, die ungewöhnliche Rundkirche von Hausbach in der Nähe seines Wohnorts Sandbach (Stadt Vilshofen) Besuchern erklärt, kommt er nicht umhin, auf ein neben der Kanzel hängendes Bild näher einzugehen. Oft hat er einen Halogen-Strahler dabei, um das Bild besser ins Licht zu rücken. Es ist ein Ölgemälde von der heiligen Kümmernis. Es ist knapp 300 Jahre alt. Sie wird als Gekreuzigte im langen (Frauen-)Gewand, bärtig und gekrönt dargestellt.
Doch heute lenkt er die Aufmerksamkeit der Besucher auf ein weiteres, nicht immer dort hängendes Bild: Jesus in seinem letzten Gespräch mit Judas, seinem Verräter. Die Spannung zwischen diesen beiden Bildern ist spürbar, ja greifbar. Dort Jesus am Kreuz – anders als in sonstigen Darstellungen – gewandet. Das Opfer. Der Sohn Gottes, der sich zum Opfer macht, um die Menschheit zu retten. Und das andere Bild, Jahrhunderte später gemalt, zeigt einen Jesus, der mit klarem, aber auch fragendem Blick seinen Verräter Judas anschaut. Dieser hält dem Blick nicht stand, er schaut zu Boden.
Wer die heilige Kümmernis gemalt hat, ist nicht bekannt. Das moderne, dynamische Bild aus dem Jahr 2025 stammt von der tschechischen Künstlerin Lucie K. Filimonova. Auf Vermittlung von Christian Zeitler, Kulturpreisträger des Landkreises Passau, stellt die 45-Jährige zehn Porträts der Menschen um Jesus aus. Die spätromanische, gotische Kirche, rund 800 Jahre alt, ist ein idealer Raum dafür. Sie ist karg ausgestattet, umso stärker wirken die Bilder Filimonovas. Die Künstlerin bedient sich lebender Modelle. Sie schafft eine große Tiefe. Der Betrachter meint, die Gedanken des Porträtierten lesen zu können. Diese Kirche – oft verschlossen – zu besuchen, lohnt doppelt: Die ungewöhnliche Architektur und dann diese Ausstellung! (bis 17. August).
Text und Foto: Helmuth Rücker


