Wallfahrt

Ein wahres Pfingstfest

Redaktion am 22.05.2024

2024 05 18 pb alb wallfahrtsmosaike regensburg12 Foto: Roswitha Dorfner
Zu Maria, für Maria: Tausende Regensburger Fußwallfahrer zogen am Pfingstsamstag zur Gnadenkapelle, allen voran 26 Schülerinnen aus Amberg mit dem großen Friedenkreuz. Auf dem Bild in der Mitte mit dem Gnadenbild: Wallfahrtsrektor Prälat Klaus Metzl; links im Bild: Bischof Rudolf Voderholzer.

Fast 30 angemeldete Pilgergruppen mit etwa 20.000 Teilnehmern ließen den Heiligen Geist am Pfingstwochenende kräftig durch den Gnadenort Altötting wehen. Eine der größten Gruppen waren erneut die Fußwallfahrer aus Regensburg.

Sel­ten waren Alt­öt­ting und Regens­burg so ver­eint wie an die­sem Pfingst­sams­tag, als rund 4500 Wall­fah­rer nach drei­tä­gi­gem Fuß­marsch im Her­zen Bay­erns ein­zie­hen – begrüßt durch Bischof Rudolf Voder­hol­zer und die Gna­den­mut­ter selbst. 

Ver­eint sind bei­de Städ­te in die­sem Jahr nicht nur im Glau­ben und in der Ver­eh­rung der Got­tes­mut­ter: Die Regens­bur­ger führ­ten ein Reli­qui­ar ihres Bis­tums­pa­trons, des hei­li­gen Wolf­gangs mit sich, der vor 1100 Jah­ren gebo­ren wur­de. Für die Wall­fahrt selbst war es übri­gens ein halb­run­des Jubi­lä­um: zum 195. Mal zogen die Pil­ger nach Alt­öt­ting. Und durch den Gna­den­ort führt nicht nur einer der Wolf­gang­we­ge, von hier machen sich jähr­lich auch eine Alt­öt­tin­ger Pil­ger­grup­pe auf den Fuß­weg nach St. Wolf­gang im Salz­kam­mer­gut. So schließt sich der Kreis am Pfingstsamstag.

Fast 45 Minu­ten lang strö­men die Regens­bur­ger – jung und alt – vor­über am Gna­den­bild, das Admi­nis­tra­tor Klaus Metzl eigens aus der Kapel­le ins Freie über­tra­gen hat­te (sie­he auch Sei­te 13). Um die Gna­den­ka­pel­le hin­un­ter ging es zur Basi­li­ka St. Anna. Ein son­nen­war­mer weiß-blau­er Him­mel leuch­te­te über erschöpf­ten, ergrif­fe­nen, glück­li­chen Pil­gern, von denen alle Stra­pa­zen eines 111 Kilo­me­ter lan­gen Fuß­mar­sches abfie­len, oft genug mit Trä­nen in den Augen. Das unab­läs­si­ge Läu­ten der Kir­chen­glo­cken, das Auf­ein­an­der­tref­fen mit den vie­len wei­te­ren Pil­ger­grup­pen, die stets am Pfingst­sams­tag zur Got­tes­mut­ter zie­hen – all das schafft immer wie­der eine ein­zig­ar­ti­ge Atmosphäre. 

Groß­ar­tig“, bestä­tigt Kon­rad, zum fünf­ten Mal dabei – und zieht sei­nen Stroh­hut vor dem Betre­ten der Basi­li­ka. Bis auf die Regen­pha­se am zwei­ten Tag sei es gut gelau­fen: Bes­ser als erwar­tet“. Erstaun­lich beschwingt wirkt der jun­ge Mann, als er wei­ter­eilt, hin­ein in das gro­ße Gotteshaus.

Bis es alle geschafft haben, ist für Pil­ger­lei­ter Bern­hard Mei­ler Zeit, den zahl­rei­chen Hel­fern zu dan­ken, ohne die eine sol­che Wall­fahrt nicht zu stem­men sei. Dann begrüßt er noch beson­ders eine Pil­ger­grup­pe der gro­ßen Telg­ter Wall­fahrt aus dem Bis­tum Osna­brück, die gemein­sam mit den Regens­bur­gern unter­wegs waren. Schließ­lich, kein Platz ist mehr frei im Kir­chen­schiff und auf den Empo­ren, zieht Bischof Voder­hol­zer mit Kon­ze­le­bran­ten und lit­ur­gi­schem Dienst unter Jubel­ru­fen und Schwen­ken von Pil­ger­tü­chern ein, um den Got­tes­dienst zu feiern.

Regensburger Fußwallfahrt – Impressionen

Fotos: Ros­wi­tha Dorfner

Die­ser wird musi­ka­lisch wun­der­bar gestal­tet von der Aitrach­ta­ler Blas­ka­pel­le des Musik­ver­eins Meng­kofen, die bereits schwung­voll den Pil­ger­zug über den Kapell­platz ange­führt hat­te. Ganz vor­ne mit dabei waren die­ses Mal auch 26 Schü­le­rin­nen der Dr.-Johanna-Decker-Schulen in Amberg. Geplant habe er die Teil­nah­me schon vor Coro­na, berich­tet Orga­ni­sa­tor Oli­ver Weiß, Leh­rer für Deutsch und Reli­gi­on. Im ver­gan­ge­nen Jahr hät­te es dann erst­mals geklappt – mit acht Teil­neh­me­rin­nen. In die­sem Jahr sei­en bereits 26 mit auf den lan­gen Fuß­marsch gegan­gen, freut sich Weiß. Für die Schü­le­rin­nen sei es eine gro­ße Ehre und Freu­de gewe­sen, dass Frie­dens­kreuz der Regens­bur­ger Wall­fahrt auf der letz­ten Etap­pe bis zur Gna­den­ka­pel­le zu tragen.

Geht und ver­kün­det Got­tes Reich!“ Das Wall­fahrts­mot­to 2024 hät­ten die Pil­ger wahr­haf­tig gelebt, so Bischof Rudolf in sei­ner Pre­digt: Chris­tus, der Gott­mensch ist auch Mit­mensch, der unser Mit­wir­ken braucht, der zu allen Zei­ten Frau­en und Män­ner braucht, die sei­ne Bot­schaft unter die Men­schen tra­gen.“ Die Regens­bur­ger Fuß­wall­fahrt wer­de wahr­ge­nom­men, kein Medi­um kom­me dar­an vor­bei – denn es ist nicht selbst­ver­ständ­lich, dass sich Tau­sen­de auf den Weg machen, hin­ter dem Kreuz ver­sam­meln und ein öffent­li­ches Glau­bens­be­kennt­nis abge­ben!“ Auch Arbeits­platz, Kran­ken­bett und sogar der Stamm­tisch könn­ten Orte sein, um zum Glau­ben zu ste­hen, ein öffent­li­ches Zeug­nis abzu­ge­ben. Das sei nicht ein­fach, gesteht der Bischof ein – dazu brau­che es die Kraft des Hei­li­gen Geis­tes. Er sei es, der uns den Rücken stär­ke und uns hel­fe, auf die unter­schied­li­chen Her­aus­for­de­run­gen des Lebens im Sin­ne des Evan­ge­li­ums zu ant­wor­ten. Pfings­ten sei aber auch ein Fest der Gemein­schaft der Kir­che – und auch die wird uns geschenkt bei die­ser Wall­fahrt.“ Umge­kehrt sei­en die Pil­ger selbst ein Geschenk, ein Zei­chen der Stär­kung und Ermun­te­rung für die ande­ren: Ich dan­ke euch allen für die­ses Zeug­nis, das wir so drin­gend brau­chen!“ Pas­send zu den auf­rüt­teln­den Wor­ten des Bischofs erklingt nach der Gaben­aus­tei­lung das Lied Wer glaubt ist nicht allein“.

2024 05 18 pb alb wallfahrtsmosaike regensburg41 Foto: Roswitha Dorfner
Mit Friedenskreuz. Der Pilgerleiter der Regensburger Fußwallfahrer, Bernhard Meiler (2.v.l.) und Pilgerpfarrer Hannes Lorenz (3.v.l.) freuten sich über eine weitere gelungene Wallfahrt.

Anschlie­ßend ergreift Pil­ger­pfar­rer Han­nes Lorenz das Wort und dankt denen, die ges­tern alle Regen­trop­fen auf sich genom­men haben, damit uns heu­te die­ser Tag geschenkt ist!“ Lorenz selbst bekommt anschlie­ßend von Pil­ger­lei­ter Bern­hard Mei­ler anläss­lich sei­nes 30. Jubi­lä­ums eine Kopf­be­de­ckung über­reicht mit dem Auf­druck: Welt­bes­ter Pil­ger­pfar­rer“ – sehr zur Freu­de der Wall­fah­rer. Beson­ders geehrt wer­den eben­falls die Minis­tran­ten aus Irl­bach, die seit 50 Jah­ren den Altar­dienst in der Basi­li­ka ver­se­hen sowie Mari­an­ne Mirt­zer, die für eben­so lan­ge Mit­ar­beit in der Wall­fahrts­lei­tung den Ehren­pil­ger­stab erhält.

Mit den Wor­ten Fro­he, geseg­ne­te Pfings­ten – pfi­ad euch!“ ent­lässt Mei­ler die Wall­fah­rer dann in den Basi­li­ka-Gar­ten zum ers­ten Pil­ger­fest“, wie es Pfar­rer Lorenz nennt. In Erman­ge­lung von Ver­kös­ti­gungs­ka­pa­zi­tä­ten ört­li­cher Gast­wirt­schaf­ten hat­ten die Regens­bur­ger näm­lich kur­zer­hand selbst dafür gesorgt: Mit Frei­ge­trän­ken von Bischof Rudolf aus der bis­tums­ei­ge­nen Braue­rei sowie Wurst­sem­meln und Gulasch­sup­pe. Bei herr­li­chem Wet­ter, beglei­tet durch ein Stand­kon­zert der Aitrach­ta­ler Blas­ka­pel­le las­sen sich hun­der­te Pil­ger nicht zwei­mal bit­ten und fei­ern auch im welt­li­chen Sin­ne ein wah­res Pfingstfest.

Wolfgang Terhoerst

Wolfgang Terhörst

Redaktionsleiter

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