Foto: Roswitha Dorfner
Zweites Benedikt XVI. Forum vom 2. bis 6. Juli in Altötting forscht nach dem „Sinn für das Heilige“
In fünf Tagen dem Sinn für das Heilige, und damit einem der größten Geheimnisse und Anliegen des katholischen Glaubens auf die Spur kommen – kann das gelingen? Die Antwort kann nur „ja“ lauten im Hinblick auf das zweite „Benedikt XVI. Forum“ in Altötting. Das lag natürlich an den hochkarätigen Experten, die sich dem Thema aus der Sicht des Theologen Joseph Ratzinger in gut aufeinander abgestimmten Vorträgen aus unterschiedlichen Perspektiven widmeten.
Vor allem aber lag es auch am begleitenden geistlichen Programm des Forums mit täglichen heiligen Messen sowie Pontifikalämtern und einer Eucharistischen Stunde. Denn wo könnte man dem Sinn für das Heilige näherkommen als in der Begegnung mit dem Heiligen in der Eucharistie, mit Gott in der Gestalt Jesu Christi?
Nachdem der Kirchenrechtler Prof. Dr. Markus Graulich zu Beginn des Eröffnungsabends am Mittwoch, 2. Juli im Begegnungszentrum St. Christophorus ein Grußwort des langjährigen Privatsekretärs von Papst Benedikt XVI. und jetzigen Nuntius im Baltikum, Erzbischof Georg Gänswein verlesen sowie Stadtpfarrer Dr. Klaus Metzl als Gastgeber die Teilnehmerinnen und Teilnehmer herzlich begrüßt hatte, setzte Prof. Dr. Dr. Ralph Weimann im ersten Vortrag unmissverständlich das Leitmotiv der theologischen Diskussion in Altötting: „Heil entspringt aus der Quelle der Heiligkeit, aus Gott“. Das lasse sich nicht voneinander lösen, auch wenn es auf Seiten der Theologie vielfach versucht werde. Schlimmer noch, so Weimann, mache sich großflächig mangelnde Ehrfurcht im Umgang mit den Sakramenten, mit dem Heiligen gerade auch unter kirchlichen Angestellen breit. Von solcher „Häresie der Unheiligkeit“ werde der Sinn für das Heilige verdunkelt und die Entkoppelung vom übernatürlichen Glauben habe eine „Verwüstung der Theologie“ zur Folge.
Akademisches Wissen dürfe nicht über Glaubenswissen gestellt werden, forderte der Referent. Joseph Ratzinger habe betont, dass die Praxis des Glaubens an der Wahrheit des Glaubens hänge. Für viele sei die Offenbarung aber nicht mehr der Bezugspunkt für den Glauben. Weimann zitiert Ratzinger: „An die Offenbarung glauben heißt aber gerade, jene unerhörte neue Wirklichkeit hinnehmen, in der Gott das Unmögliche möglich werden ließ. Das Maß des Möglichen setzt Gott und nicht wir.“
Den Theologen, Geistlichen und Gläubigen schrieb der Referent ins Stammbuch: „Gott ist die Quelle der Heiligkeit, und er ist in Christus offenbar geworden.“ Punkt, Ende der Diskussion. Aber Weimann hatte zum Schluss auch etwas Versöhnliches parat. Denn es liege an jedem selbst, den Weg der Heiligkeit zu gehen, auf Jesus Christus zuzugehen.
Forum Benedikt XVI. 2025 – Impressionen
Diesen Ball nahm Dr. Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg in seinem Vortrag am Mittwoch auf, indem er eingangs den französischen Philosophen Albert Camus aus dessen Roman „Die Pest“ zitierte: „Kann man ohne Gott ein Heiliger sein? Das ist das einzige konkrete Problem, das ich kenne.“ Man könne sehr wohl heilsmäßig handeln, so wie die Figuren in Camus‘ Roman, erklärte Voderholzer – heilig sein, oder auch ganz „heil sein“, das gelinge freilich nur, wenn man sich von dem Heiligen berühren lasse, von Gott selbst.
Dem Sinn für das Heilige beziehungsweise den Begriffen „Heil“ und „Heiligkeit“ näherten sich die Referenten des Benedikt XVI. Forums aus ganz verschiedenen Blickwinkeln: Von der Bibel her (Prof. Ludger Schwienhorst-Schönberger), vom Glauben als Schlüssel für das Erkennen und der Schönheit als Kriterium für das Heilige (Kardinal Kurt Koch), von Gott als der Quelle der Heiligkeit (Bischof Rudolf Voderholzer), von Sünde und Gnade als Wege zum Heiligen (Prof. Dr. Stefonos Athansiou), vom Gesetz der Wahrheit und Heiligkeit (Prof. Dr. Markus Graulich), von der Begegnung mit dem Heiligen in der Eucharistie und dem Antichristen als der Verdunkelung des Heiligen (Prof. Weimann) bis hin zu den Heiligen als glaubwürdige Zeugen (Prof. Dr. Andreas Wollbold).
Eine Auflockerung von den anspruchsvollen theologischen Ausführungen boten die beiden Podiumsrunden unter dem Motto „Begegnung mit Papst Benedikt“ am Donnerstag und Freitag. Hier erzählten Weggefährten und Zeitzeugen darüber, wie sie Joseph Ratzinger/Papst Benedikt kennengelernt und wie sie ihn erlebt haben. Willkommene Abwechslung vom hochsommerlichen Klima im Begegnungszentrum boten den Besuchern des Forums auch die heiligen Messen in der Stifts-pfarrkirche und der Abschlussgottesdienst mit Kardinal Kurt Koch am Sonntag, 6. Juli um 10 Uhr in der Wallfahrtsbasilika St. Anna.
So zeigte sich Stadtpfarrer Klaus Metzl – ähnlich wie Prof. Weimann (siehe vorige Seite) sehr zufrieden mit dem Verlauf der zweiten Auflage des Benedikt XVI. Forums: „Trotz der großen Hitze haben es sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nehmen lassen, den anspruchsvollen Vorträgen zu folgen, die den Sinn für das Heilige von verschiedenen Seiten her aus der Theologie Joseph Ratzingers erschließen wollen. Schön ist auch die Wiedersehensfreude, denn viele Gesichter sind schon vom ersten Papst Benedikt XVI. Forum bekannt. Es ist eine Gemeinschaft gewachsen, die gerade durch die Feier der Gottesdienste immer tiefer in das Geheimnis des Heiligen hineinwächst – ganz im Sinne der Theologie von Papst Benedikt XVI.“ Viele fragten sich schon, ob es nächstes Jahr wieder ein Papst Benedikt XVI. Forum geben werde. Er sei Gastgeber dazu gerne wieder bereit.
Das wird die Teilnehmer vor Ort sowie viele Tausend weitere freuen, die den fünf intensiven Tagen durch die Live-Übertragungen von EWTN am heimischen Fernseher folgen konnten.
Wolfgang
Terhörst
Redaktionsleiter



