Das Maß des Möglichen setzt Gott – nicht der Mensch

Redaktion am 08.07.2025

Bild von  Papst em. Benedikt XVI. Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Sein theologisches Vermächtnis wirkt nach: Fünf Tage lang stand Altötting (im Hintergrund die Gnadenkapelle) ganz im Zeichen von Papst em. Benedikt XVI.

Zweites Benedikt XVI. Forum vom 2. bis 6. Juli in Altötting forscht nach dem „Sinn für das Heilige“

In fünf Tagen dem Sinn für das Hei­li­ge, und damit einem der größ­ten Geheim­nis­se und Anlie­gen des katho­li­schen Glau­bens auf die Spur kom­men – kann das gelin­gen? Die Ant­wort kann nur ja“ lau­ten im Hin­blick auf das zwei­te Bene­dikt XVI. Forum“ in Alt­öt­ting. Das lag natür­lich an den hoch­ka­rä­ti­gen Exper­ten, die sich dem The­ma aus der Sicht des Theo­lo­gen Joseph Ratz­in­ger in gut auf­ein­an­der abge­stimm­ten Vor­trä­gen aus unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven widmeten.

Vor allem aber lag es auch am beglei­ten­den geist­li­chen Pro­gramm des Forums mit täg­li­chen hei­li­gen Mes­sen sowie Pon­ti­fi­kal­äm­tern und einer Eucha­ris­ti­schen Stun­de. Denn wo könn­te man dem Sinn für das Hei­li­ge näher­kom­men als in der Begeg­nung mit dem Hei­li­gen in der Eucha­ris­tie, mit Gott in der Gestalt Jesu Christi?

Nach­dem der Kir­chen­recht­ler Prof. Dr. Mar­kus Grau­lich zu Beginn des Eröff­nungs­abends am Mitt­woch, 2. Juli im Begeg­nungs­zen­trum St. Chris­to­pho­rus ein Gruß­wort des lang­jäh­ri­gen Pri­vat­se­kre­tärs von Papst Bene­dikt XVI. und jet­zi­gen Nun­ti­us im Bal­ti­kum, Erz­bi­schof Georg Gäns­wein ver­le­sen sowie Stadt­pfar­rer Dr. Klaus Metzl als Gast­ge­ber die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer herz­lich begrüßt hat­te, setz­te Prof. Dr. Dr. Ralph Wei­mann im ers­ten Vor­trag unmiss­ver­ständ­lich das Leit­mo­tiv der theo­lo­gi­schen Dis­kus­si­on in Alt­öt­ting: Heil ent­springt aus der Quel­le der Hei­lig­keit, aus Gott“. Das las­se sich nicht von­ein­an­der lösen, auch wenn es auf Sei­ten der Theo­lo­gie viel­fach ver­sucht wer­de. Schlim­mer noch, so Wei­mann, mache sich groß­flä­chig man­geln­de Ehr­furcht im Umgang mit den Sakra­men­ten, mit dem Hei­li­gen gera­de auch unter kirch­li­chen Ange­stel­len breit. Von sol­cher Häre­sie der Unhei­lig­keit“ wer­de der Sinn für das Hei­li­ge ver­dun­kelt und die Ent­kop­pe­lung vom über­na­tür­li­chen Glau­ben habe eine Ver­wüs­tung der Theo­lo­gie“ zur Folge.

Aka­de­mi­sches Wis­sen dür­fe nicht über Glau­bens­wis­sen gestellt wer­den, for­der­te der Refe­rent. Joseph Ratz­in­ger habe betont, dass die Pra­xis des Glau­bens an der Wahr­heit des Glau­bens hän­ge. Für vie­le sei die Offen­ba­rung aber nicht mehr der Bezugs­punkt für den Glau­ben. Wei­mann zitiert Ratz­in­ger: An die Offen­ba­rung glau­ben heißt aber gera­de, jene uner­hör­te neue Wirk­lich­keit hin­neh­men, in der Gott das Unmög­li­che mög­lich wer­den ließ. Das Maß des Mög­li­chen setzt Gott und nicht wir.“

Den Theo­lo­gen, Geist­li­chen und Gläu­bi­gen schrieb der Refe­rent ins Stamm­buch: Gott ist die Quel­le der Hei­lig­keit, und er ist in Chris­tus offen­bar gewor­den.“ Punkt, Ende der Dis­kus­si­on. Aber Wei­mann hat­te zum Schluss auch etwas Ver­söhn­li­ches parat. Denn es lie­ge an jedem selbst, den Weg der Hei­lig­keit zu gehen, auf Jesus Chris­tus zuzugehen.

Forum Benedikt XVI. 2025 – Impressionen

Die­sen Ball nahm Dr. Rudolf Voder­hol­zer, Bischof von Regens­burg in sei­nem Vor­trag am Mitt­woch auf, indem er ein­gangs den fran­zö­si­schen Phi­lo­so­phen Albert Camus aus des­sen Roman Die Pest“ zitier­te: Kann man ohne Gott ein Hei­li­ger sein? Das ist das ein­zi­ge kon­kre­te Pro­blem, das ich ken­ne.“ Man kön­ne sehr wohl heils­mä­ßig han­deln, so wie die Figu­ren in Camus‘ Roman, erklär­te Voder­hol­zer – hei­lig sein, oder auch ganz heil sein“, das gelin­ge frei­lich nur, wenn man sich von dem Hei­li­gen berüh­ren las­se, von Gott selbst.

Dem Sinn für das Hei­li­ge bezie­hungs­wei­se den Begrif­fen Heil“ und Hei­lig­keit“ näher­ten sich die Refe­ren­ten des Bene­dikt XVI. Forums aus ganz ver­schie­de­nen Blick­win­keln: Von der Bibel her (Prof. Lud­ger Schwi­en­horst-Schön­ber­ger), vom Glau­ben als Schlüs­sel für das Erken­nen und der Schön­heit als Kri­te­ri­um für das Hei­li­ge (Kar­di­nal Kurt Koch), von Gott als der Quel­le der Hei­lig­keit (Bischof Rudolf Voder­hol­zer), von Sün­de und Gna­de als Wege zum Hei­li­gen (Prof. Dr. Ste­fo­nos Athan­siou), vom Gesetz der Wahr­heit und Hei­lig­keit (Prof. Dr. Mar­kus Grau­lich), von der Begeg­nung mit dem Hei­li­gen in der Eucha­ris­tie und dem Anti­chris­ten als der Ver­dun­ke­lung des Hei­li­gen (Prof. Wei­mann) bis hin zu den Hei­li­gen als glaub­wür­di­ge Zeu­gen (Prof. Dr. Andre­as Wollbold).

Eine Auf­lo­cke­rung von den anspruchs­vol­len theo­lo­gi­schen Aus­füh­run­gen boten die bei­den Podi­ums­run­den unter dem Mot­to Begeg­nung mit Papst Bene­dikt“ am Don­ners­tag und Frei­tag. Hier erzähl­ten Weg­ge­fähr­ten und Zeit­zeu­gen dar­über, wie sie Joseph Ratzinger/​Papst Bene­dikt ken­nen­ge­lernt und wie sie ihn erlebt haben. Will­kom­me­ne Abwechs­lung vom hoch­som­mer­li­chen Kli­ma im Begeg­nungs­zen­trum boten den Besu­chern des Forums auch die hei­li­gen Mes­sen in der Stifts-pfarr­kir­che und der Abschluss­got­tes­dienst mit Kar­di­nal Kurt Koch am Sonn­tag, 6. Juli um 10 Uhr in der Wall­fahrts­ba­si­li­ka St. Anna.

So zeig­te sich Stadt­pfar­rer Klaus Metzl – ähn­lich wie Prof. Wei­mann (sie­he vori­ge Sei­te) sehr zufrie­den mit dem Ver­lauf der zwei­ten Auf­la­ge des Bene­dikt XVI. Forums: Trotz der gro­ßen Hit­ze haben es sich die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer nicht neh­men las­sen, den anspruchs­vol­len Vor­trä­gen zu fol­gen, die den Sinn für das Hei­li­ge von ver­schie­de­nen Sei­ten her aus der Theo­lo­gie Joseph Ratz­in­gers erschlie­ßen wol­len. Schön ist auch die Wie­der­se­hens­freu­de, denn vie­le Gesich­ter sind schon vom ers­ten Papst Bene­dikt XVI. Forum bekannt. Es ist eine Gemein­schaft gewach­sen, die gera­de durch die Fei­er der Got­tes­diens­te immer tie­fer in das Geheim­nis des Hei­li­gen hin­ein­wächst – ganz im Sin­ne der Theo­lo­gie von Papst Bene­dikt XVI.“ Vie­le frag­ten sich schon, ob es nächs­tes Jahr wie­der ein Papst Bene­dikt XVI. Forum geben wer­de. Er sei Gast­ge­ber dazu ger­ne wie­der bereit.

Das wird die Teil­neh­mer vor Ort sowie vie­le Tau­send wei­te­re freu­en, die den fünf inten­si­ven Tagen durch die Live-Über­tra­gun­gen von EWTN am hei­mi­schen Fern­se­her fol­gen konnten.

Wolfgang
Terhörst

Redaktionsleiter

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