Kirche vor Ort

Verfall abgewendet

Redaktion am 19.01.2026

Feldkirche in Winhöring. Info Icon Foto: Pfarrer BGR Christian Kriegbaum
Der Bestand der Feldkirche in Winhöring mit einer langen reichen Geschichte ist für die nächsten Jahre gesichert.

Es bedurfte eines langen Anlaufs, doch nun ist es vollbracht: Die Bestandssicherung der Feldkirche St. Mariä Namen mit Sanierung von Dachstuhl und Fundament ist abgeschlossen. Doch für den Erhalt der Kirche werden auch künftige Generationen gefordert sein. Ein Blick in die Geschichtsbücher.

Nach­dem ver­mehrt Ris­se am Kreuz­ge­wöl­be im Innen­raum der Feld­kir­che St. Mariä Namen sicht­bar wur­den, gab im Jahr 2017 die Pfarr­kir­chen­stif­tung Win­hö­ring ein sta­ti­sches Gut­ach­ten bei Josef Peindl aus Mit­ters­kir­chen in Auf­trag. Die­ses för­der­te einen erheb­li­chen Sanie­rungs­be­darf am his­to­ri­schen Dach­stuhl und am Fun­da­ment der Kir­che zuta­ge. Nach meh­re­ren Jah­ren War­te­zeit geneh­mig­te die Bischöf­li­che Finanz­kam­mer Pas­sau den Zuschuss für die Außen­re­no­vie­rung mit dem Ziel einer Bestands­si­che­rung. So wur­de im Jahr 2024 die Vor­un­ter­su­chung der genau­en Schä­den und die Pla­nung der Reno­vie­rungs­maß­nah­me von der Bau­lei­tung Fa. Wolf­gang Wen­ger aus Marktl am Inn geleis­tet. Im Jahr 2025 kam dann die Bau­maß­nah­me zur Aus­füh­rung. So ste­hen die Ver­ant­wort­li­chen der Pfarr­ge­mein­de in der lan­gen Rei­he von Gene­ra­tio­nen, deren Sor­ge immer dem Erhalt der Feld­kir­che galt.

Über die Ent­ste­hung der Feld­kir­che und ihren Erbau­er gibt es kei­ne gesi­cher­ten Bele­ge. Der Legen­de nach zog ein wohl­ha­ben­der Kauf­mann mit sei­nen Waren zum Markt in die Stadt Neuöt­ting. Auf dem Weg wur­de er von Räu­bern in einen Hin­ter­halt gelockt. Aus Angst um sein Leben schick­te er ein Stoß­ge­bet zur Mut­ter Got­tes und gelob­te, an die­ser Stel­le eine Kir­che zu erbau­en, wenn er mit hei­ler Haut davon­kä­me. In die­sem Moment erschien Maria mit blen­den­dem Glanz. Die Räu­ber flüch­te­ten und der Kauf­mann lös­te sein Ver­spre­chen ein.

Ölgemälde: Die Feldkirche Mariä Namen, wie sie der Maler Curt Koch sah. Info Icon Foto: Pfarrer BGR Christian Kriegbaum
Ort des Gebets: Die Feldkirche Mariä Namen, wie sie der Maler Curt Koch sah. Das Ölgemälde befindet sich im Eigentum der Gemeinde Winhöring.

Der his­to­ri­sche Ursprung der Kir­che dürf­te um das Jahr 1400 lie­gen, wor­auf auch die Salz­bur­ger Stein­guss­ma­don­na aus dem Jahr um 1420 hin­deu­tet. Sie ist das bedeu­tends­te Kunst­werk der Feld­kir­che. Das Ori­gi­nal befin­det sich heu­te als Leih­ga­be im Diö­ze­san­mu­se­um Pas­sau. Eben­falls dien­te die Feld­kir­che im 15. Jahr­hun­dert als Grab­le­ge der Edlen zu Trenbeck.

Im Jahr 1466 ging sie schließ­lich durch Schen­kung in das Eigen­tum der Pfarr­ge­mein­de Win­hö­ring über. Für das 18. Jahr­hun­dert sind Wall­fahr­ten aus der nähe­ren Umge­bung bekannt: Erh­ar­ting, Pleis­kir­chen, Rei­schach, Alt- und Neuöt­ting, Holz­hau­sen, Burg­kir­chen am Wald und Unterneukirchen.

In der Zeit der Säku­la­ri­sa­ti­on droh­te das letz­te Stünd­lein der Feld­kir­che geschla­gen zu haben. Laut Schrei­ben des Her­zog­li­chen Land­rich­ters von Burg­hau­sen vom 6. April 1804 soll­te sie abge­bro­chen wer­den und der Erlös aus Stei­nen, Holz und Eisen dem Schul­haus­fonds zuge­schla­gen wer­den. Dies schei­ter­te am Wider­stand von Tei­len der Win­hö­rin­ger Bevölkerung.

Seit 1889 steht die Feld­kir­che inmit­ten des Fried­hofs der Gemein­de, nach­dem der Fried­hof rund um die Pfarr­kir­che zu klein gewor­den war.

Der Hoch­mitt­wochs­markt“ in Win­hö­ring erin­ner­te lan­ge an die fei­er­li­chen Got­tes­diens­te in der Feld­kir­che am Qua­tem­ber-Mitt­woch. Nach der Kir­che war ein bäu­er­li­cher Vieh­markt, der sich schließ­lich zu einem Markt mit aller­lei Fier­an­ten wan­del­te, die Gebrauchs­ge­gen­stän­de, Klei­dung und Süßig­kei­ten anbo­ten. Die­ser Markt fand 245 Jah­re bis 1952 statt, bevor er auf Beschluss des Gemein­de­ra­tes aus Kos­ten­grün­den abge­schafft wurde.

Bis heu­te fin­det in den Som­mer­mo­na­ten der sonn­täg­li­che Bitt­gang zur Feld­kir­che statt. Die­ser geht auf ein Gelüb­de aus dem Jahr 1898 zurück. Damals wur­den wei­te Tei­le Bay­erns von einer Natur­ka­ta­stro­phe mit Regen, Hagel und Stür­men heim­ge­sucht, die die Ern­ten zer­stör­ten. Dar­auf­hin gelob­ten die Win­hö­rin­ger, von Geor­gi bis Ern­te­dank zur Mut­ter Got­tes einen Bitt­gang zur Feld­kir­che zu unter­neh­men, um die Ver­scho­nung der Fel­der zu erbitten.

Morsche Balken, marode Substanz: Der historische Dachstuhl und die Fundamente der Feldkirche in Winhöring bedurften dringend einer Renovierung. Info Icon Foto: Pfarrer BGR Christian Kriegbaum
Morsche Balken, marode Substanz: Der historische Dachstuhl und die Fundamente der Feldkirche in Winhöring bedurften dringend einer Renovierung. Nun ist der Bestand der Kirche mit einer langen reichen Geschichte für die nächsten Jahre gesichert.

Neben der letzt­jäh­ri­gen Bestands­si­che­rung mit Sanie­rung von Dach­stuhl und Fun­da­ment wer­den kom­men­de Gene­ra­tio­nen gefor­dert sein, die Außen­re­no­vie­rung mit Maler­ar­bei­ten und Abplat­zun­gen am Turm und Lang­haus, sowie gege­be­nen­falls eine Innen­re­no­vie­rung in Angriff zu neh­men. Eine sol­che Innen­re­no­vie­rung wür­de sich sicher loh­nen. So ent­deck­ten nach dem Ver­pres­sen der Ris­se am Kreuz­ge­wöl­be der Kir­chen­ma­ler Andre­as Gru­ber und sein Team eine frü­he­re Bema­lung, die wohl aus dem 19. Jahr­hun­dert stammt. Sie fiel spä­ter dem Zeit­geist mit einer durch­ge­hen­den ocker­far­be­nen Tün­chung zum Opfer.

Die letzt­jäh­ri­ge Außen­sa­nie­rung ein­schließ­lich der Vor­un­ter­su­chung und Pla­nung beläuft sich auf ca. 540.000 Euro, wozu die Bischöf­li­che Finanz­kam­mer Pas­sau einen Zuschuss von 50 Pro­zent bzw. ca. 270.000 Euro gewähr­te. Die Zuschüs­se der Gemein­de Win­hö­ring und des Land­krei­ses Alt­öt­ting fal­len voll­stän­dig der Pfarr­kir­chen­stif­tung zu und min­dern so die Eigen­leis­tung der Kir­chen­stif­tung. Herz­li­chen Dank auch allen Spen­de­rin­nen und Spen­dern, die mit­hal­fen, die Bau­maß­nah­me vor Ort schul­tern zu können.

Eben­falls dankt die Kir­chen­stif­tung Win­hö­ring für die gute und ver­trau­ens­vol­le Zusam­men­ar­beit dem Büro für Bau­pla­nung und Gestal­tung Wolf­gang Wen­ger, dem Sta­ti­ker Josef Peindl, den betei­lig­ten Bau­fir­men und dem Diö­ze­san­bau­amt in Passau.

Text und Fotos: Pfar­rer BGR Chris­ti­an Kriegbaum

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