Foto: Pfarrer BGR Christian Kriegbaum
Es bedurfte eines langen Anlaufs, doch nun ist es vollbracht: Die Bestandssicherung der Feldkirche St. Mariä Namen mit Sanierung von Dachstuhl und Fundament ist abgeschlossen. Doch für den Erhalt der Kirche werden auch künftige Generationen gefordert sein. Ein Blick in die Geschichtsbücher.
Nachdem vermehrt Risse am Kreuzgewölbe im Innenraum der Feldkirche St. Mariä Namen sichtbar wurden, gab im Jahr 2017 die Pfarrkirchenstiftung Winhöring ein statisches Gutachten bei Josef Peindl aus Mitterskirchen in Auftrag. Dieses förderte einen erheblichen Sanierungsbedarf am historischen Dachstuhl und am Fundament der Kirche zutage. Nach mehreren Jahren Wartezeit genehmigte die Bischöfliche Finanzkammer Passau den Zuschuss für die Außenrenovierung mit dem Ziel einer Bestandssicherung. So wurde im Jahr 2024 die Voruntersuchung der genauen Schäden und die Planung der Renovierungsmaßnahme von der Bauleitung Fa. Wolfgang Wenger aus Marktl am Inn geleistet. Im Jahr 2025 kam dann die Baumaßnahme zur Ausführung. So stehen die Verantwortlichen der Pfarrgemeinde in der langen Reihe von Generationen, deren Sorge immer dem Erhalt der Feldkirche galt.
Über die Entstehung der Feldkirche und ihren Erbauer gibt es keine gesicherten Belege. Der Legende nach zog ein wohlhabender Kaufmann mit seinen Waren zum Markt in die Stadt Neuötting. Auf dem Weg wurde er von Räubern in einen Hinterhalt gelockt. Aus Angst um sein Leben schickte er ein Stoßgebet zur Mutter Gottes und gelobte, an dieser Stelle eine Kirche zu erbauen, wenn er mit heiler Haut davonkäme. In diesem Moment erschien Maria mit blendendem Glanz. Die Räuber flüchteten und der Kaufmann löste sein Versprechen ein.
Foto: Pfarrer BGR Christian Kriegbaum
Der historische Ursprung der Kirche dürfte um das Jahr 1400 liegen, worauf auch die Salzburger Steingussmadonna aus dem Jahr um 1420 hindeutet. Sie ist das bedeutendste Kunstwerk der Feldkirche. Das Original befindet sich heute als Leihgabe im Diözesanmuseum Passau. Ebenfalls diente die Feldkirche im 15. Jahrhundert als Grablege der Edlen zu Trenbeck.
Im Jahr 1466 ging sie schließlich durch Schenkung in das Eigentum der Pfarrgemeinde Winhöring über. Für das 18. Jahrhundert sind Wallfahrten aus der näheren Umgebung bekannt: Erharting, Pleiskirchen, Reischach, Alt- und Neuötting, Holzhausen, Burgkirchen am Wald und Unterneukirchen.
In der Zeit der Säkularisation drohte das letzte Stündlein der Feldkirche geschlagen zu haben. Laut Schreiben des Herzoglichen Landrichters von Burghausen vom 6. April 1804 sollte sie abgebrochen werden und der Erlös aus Steinen, Holz und Eisen dem Schulhausfonds zugeschlagen werden. Dies scheiterte am Widerstand von Teilen der Winhöringer Bevölkerung.
Seit 1889 steht die Feldkirche inmitten des Friedhofs der Gemeinde, nachdem der Friedhof rund um die Pfarrkirche zu klein geworden war.
Der „Hochmittwochsmarkt“ in Winhöring erinnerte lange an die feierlichen Gottesdienste in der Feldkirche am Quatember-Mittwoch. Nach der Kirche war ein bäuerlicher Viehmarkt, der sich schließlich zu einem Markt mit allerlei Fieranten wandelte, die Gebrauchsgegenstände, Kleidung und Süßigkeiten anboten. Dieser Markt fand 245 Jahre bis 1952 statt, bevor er auf Beschluss des Gemeinderates aus Kostengründen abgeschafft wurde.
Bis heute findet in den Sommermonaten der sonntägliche Bittgang zur Feldkirche statt. Dieser geht auf ein Gelübde aus dem Jahr 1898 zurück. Damals wurden weite Teile Bayerns von einer Naturkatastrophe mit Regen, Hagel und Stürmen heimgesucht, die die Ernten zerstörten. Daraufhin gelobten die Winhöringer, von Georgi bis Erntedank zur Mutter Gottes einen Bittgang zur Feldkirche zu unternehmen, um die Verschonung der Felder zu erbitten.
Foto: Pfarrer BGR Christian Kriegbaum
Neben der letztjährigen Bestandssicherung mit Sanierung von Dachstuhl und Fundament werden kommende Generationen gefordert sein, die Außenrenovierung mit Malerarbeiten und Abplatzungen am Turm und Langhaus, sowie gegebenenfalls eine Innenrenovierung in Angriff zu nehmen. Eine solche Innenrenovierung würde sich sicher lohnen. So entdeckten nach dem Verpressen der Risse am Kreuzgewölbe der Kirchenmaler Andreas Gruber und sein Team eine frühere Bemalung, die wohl aus dem 19. Jahrhundert stammt. Sie fiel später dem Zeitgeist mit einer durchgehenden ockerfarbenen Tünchung zum Opfer.
Die letztjährige Außensanierung einschließlich der Voruntersuchung und Planung beläuft sich auf ca. 540.000 Euro, wozu die Bischöfliche Finanzkammer Passau einen Zuschuss von 50 Prozent bzw. ca. 270.000 Euro gewährte. Die Zuschüsse der Gemeinde Winhöring und des Landkreises Altötting fallen vollständig der Pfarrkirchenstiftung zu und mindern so die Eigenleistung der Kirchenstiftung. Herzlichen Dank auch allen Spenderinnen und Spendern, die mithalfen, die Baumaßnahme vor Ort schultern zu können.
Ebenfalls dankt die Kirchenstiftung Winhöring für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit dem Büro für Bauplanung und Gestaltung Wolfgang Wenger, dem Statiker Josef Peindl, den beteiligten Baufirmen und dem Diözesanbauamt in Passau.
Text und Fotos: Pfarrer BGR Christian Kriegbaum



