Foto: Franz Gruber
Bewohnte Einsiedeleien gibt es nicht mehr viele. Eine davon liegt auf 1006 Metern Höhe am Palfen am Steinernen Meer im Salzburger Pinzgau. Dort hat 2022 der pensionierte Landwirt Alois Penninger aus Bad Höhenstadt im Bistum Passau die Klause bezogen.
Bruder Alois sah seinen alten Grundzug zum Allein-Sein als Beweggrund, dass er sich überhaupt um die Stelle als Einsiedler beworben hat. Der heute 67-Jährige möchte sich im „Herbst seines Lebens“, wie er selbst sagt, „im Loslassen, in der Selbstfindung, Selbsterforschung und in der Selbstfürsorge“ üben – und dabei habe er schon viele Fortschritte gemacht. Er sieht sich als Teil eines großen Planes, den Gott mit der Welt – und letztlich auch mit ihm – hat.
Als er im Mai 2022 ankam, wollte er vorerst nur für ein Jahr Einsiedler sein. Inzwischen ist der Landwirt aus dem Rottal schon in der vierten Saison im Pinzgau und sorgt sich nicht nur vorbildlich um die Eremitage am Fuße des Steinernen Meeres, sondern auch um die vielen Besucher aus der ganzen Welt.
Foto: Franz Gruber
Penninger hat einen überzeugenden christlichen Hintergrund, das spürt man, wenn man mit ihm spricht. Er ist Einsiedler aus Berufung. Zudem macht er seine Tätigkeit zur großen Freude der Pfarrei und der Stadtgemeinde Saalfelden recht gut. Die Einsiedelei oberhalb von Schloss Lichtenberg existiert bereits seit mehr als 350 Jahren. Die natürliche Felshöhle wurde im 17. Jahrhundert zu einer Kapelle ausgebaut. Seit dem 16. Jahrhundert wird dort oben ein Bildnis des heiligen Georgs, des Schutzpatrons der Tiere, verehrt. Alois Penninger bewohnt die Klause von April bis November. In dieser Zeit verzichtet er auf allen Komfort. Kein Strom und fließendes Wasser. Für seinen Lebensunterhalt muss der sympathische Altbauer selbst aufkommen. Alois Penninger wirkt sehr zufrieden, offen und zugänglich.
Derzeit geht er gerne Schwammerl suchen, rund um die Wälder in der Bürgerau. Kürzlich hat er am Waldrand auf einer Wiese einen prächtigen Parasolpilz gefunden. Den schenkte er aber wieder einer Schwammerlfreundin weiter. Gäste, die zu ihm raufkommen, begrüßt er freundlich; manchen, die Sorgen aus dem oft schwerfälligen Lebensalltag mitbringen, vermittelt er Zuversicht. Jetzt, nach fast vier Jahren, fühlt er sich sichtlich wohl in der Einsamkeit. Er habe einen Platz in „Gottes Plan auf Gottes Erdboden gefunden“. Gott kenne ihn und „er ruft mich oft bei meinem Namen!“.
So überzeugend klingt es aus seinem Munde. Viele Besucher bringen ihm Essen, Trinken und Nützliches mit. Vieles schenkt der bescheidene „Gottesdiener“ wieder weiter. Sogar der Saalfeldener Konditormeister Karli Pichlmaier besucht den Einsiedler ab und zu mit seiner Frau Hertha und bringt ihm Süßes aus seiner Backstube mit. Jährlich am 23. April (die Einsiedelei ist dem heiligen Georg geweiht) wird mit einem Gottesdienst die Saison eröffnet. So ist dies ein Wendepunkt im Jahreslauf: vom Winter in das Frühjahr – wo das Leben wieder neu beginnt. So war seinerzeit auch der Dienstbotenwechsel in dieser Gegend am Georgitag.
Foto: Franz Gruber
Ein Franziskaner namens Thomas Pichler vom III. Orden des heiligen Franziskus in Salzburg suchte 1664 beim Bischof um Genehmigung zur Errichtung einer Klause an. Die Einsiedler leisten auch schon jahrzehntelang Feuerwachdienst über dem Saalfeldener Becken. Wenn sie einen Brand wahrnahmen, hatten sie mit der Glocke zu läuten und machten so auf den Brand aufmerksam. Für diese Tätigkeit durften sie dann im Frühjahr und Herbst in den umliegenden Gemeinden sammeln gehen für Lebensmittel, von denen sie sich ernährten. Dabei lebten die Eremiten nach den Regeln des heiligen Franziskus. Sie trugen einen braunen Habit.
Die Menschen, die auf den Palfen hinaufgehen, suchen Ruhe und Erholung, sie wollen der Hektik des Alltags, die sie unten im Tal haben, entfliehen. Es gibt auch Menschen, die seelische Probleme haben und beim Einsiedler das Gespräch suchen. Der Einsiedler sieht seine Aufgabe auch darin, Menschen in Gesprächen wieder aufzubauen, so dass sie gestärkt ins Tal schreiten können und für den künftigen Lebensalltag wieder viel Mut und Zuversicht in den Rucksack mit eingepackt haben. So wurde dieser Ort schon für viele Menschen ein Kraftplatz mit Geschichte.
Und was war die größte Herausforderung? „Man muss loslassen lernen“, sagt Alois Penninger.
Übrigens, wer Bruder Alois jetzt im Spätsommer besuchen will, wird eingeladen, ihm vom Holzlagerplatz, gleich am beginnenden Steig auf Höhe des Schlosses Lichtenberg, ein Stück Holz mit hinaufzunehmen. Da wird er sich sicherlich freuen, damit es im Herbst in seiner Klause wohlig warm wird.
Text und Fotos: Franz Gruber



