Weltkirche

Ein Mann lernt das Loslassen

Redaktion am 05.09.2025

Blick in die Kapelle der Einsiedelei am Palfen am Steinernen Meer im Salzburger Pinzgau. Info Icon Foto: Franz Gruber
Blick in die Kapelle der Einsiedelei am Palfen am Steinernen Meer im Salzburger Pinzgau.

Bewohnte Einsiedeleien gibt es nicht mehr viele. Eine davon liegt auf 1006 Metern Höhe am Palfen am Steinernen Meer im Salzburger Pinzgau. Dort hat 2022 der pensionierte Landwirt Alois Penninger aus Bad Höhenstadt im Bistum Passau die Klause bezogen.

Bru­der Alo­is sah sei­nen alten Grund­zug zum Allein-Sein als Beweg­grund, dass er sich über­haupt um die Stel­le als Ein­sied­ler bewor­ben hat. Der heu­te 67-Jäh­ri­ge möch­te sich im Herbst sei­nes Lebens“, wie er selbst sagt, im Los­las­sen, in der Selbst­fin­dung, Selbst­er­for­schung und in der Selbst­für­sor­ge“ üben – und dabei habe er schon vie­le Fort­schrit­te gemacht. Er sieht sich als Teil eines gro­ßen Pla­nes, den Gott mit der Welt – und letzt­lich auch mit ihm – hat.

Als er im Mai 2022 ankam, woll­te er vor­erst nur für ein Jahr Ein­sied­ler sein. Inzwi­schen ist der Land­wirt aus dem Rot­tal schon in der vier­ten Sai­son im Pinz­gau und sorgt sich nicht nur vor­bild­lich um die Ere­mi­ta­ge am Fuße des Stei­ner­nen Mee­res, son­dern auch um die vie­len Besu­cher aus der gan­zen Welt.

Alois Penninger mit einem großen Pilz in seiner Hand. Info Icon Foto: Franz Gruber
Alois Penninger aus dem Rottal ist sprichwörtlich ein echter „Glückspilz“ als Eremit für Saalfelden.

Pen­nin­ger hat einen über­zeu­gen­den christ­li­chen Hin­ter­grund, das spürt man, wenn man mit ihm spricht. Er ist Ein­sied­ler aus Beru­fung. Zudem macht er sei­ne Tätig­keit zur gro­ßen Freu­de der Pfar­rei und der Stadt­ge­mein­de Saal­fel­den recht gut. Die Ein­sie­de­lei ober­halb von Schloss Lich­ten­berg exis­tiert bereits seit mehr als 350 Jah­ren. Die natür­li­che Fels­höh­le wur­de im 17. Jahr­hun­dert zu einer Kapel­le aus­ge­baut. Seit dem 16. Jahr­hun­dert wird dort oben ein Bild­nis des hei­li­gen Georgs, des Schutz­pa­trons der Tie­re, ver­ehrt. Alo­is Pen­nin­ger bewohnt die Klau­se von April bis Novem­ber. In die­ser Zeit ver­zich­tet er auf allen Kom­fort. Kein Strom und flie­ßen­des Was­ser. Für sei­nen Lebens­un­ter­halt muss der sym­pa­thi­sche Alt­bau­er selbst auf­kom­men. Alo­is Pen­nin­ger wirkt sehr zufrie­den, offen und zugänglich.

Der­zeit geht er ger­ne Schwam­merl suchen, rund um die Wäl­der in der Bür­ger­au. Kürz­lich hat er am Wald­rand auf einer Wie­se einen präch­ti­gen Para­sol­pilz gefun­den. Den schenk­te er aber wie­der einer Schwam­merl­freun­din wei­ter. Gäs­te, die zu ihm rauf­kom­men, begrüßt er freund­lich; man­chen, die Sor­gen aus dem oft schwer­fäl­li­gen Lebens­all­tag mit­brin­gen, ver­mit­telt er Zuver­sicht. Jetzt, nach fast vier Jah­ren, fühlt er sich sicht­lich wohl in der Ein­sam­keit. Er habe einen Platz in Got­tes Plan auf Got­tes Erd­bo­den gefun­den“. Gott ken­ne ihn und er ruft mich oft bei mei­nem Namen!“.

So über­zeu­gend klingt es aus sei­nem Mun­de. Vie­le Besu­cher brin­gen ihm Essen, Trin­ken und Nütz­li­ches mit. Vie­les schenkt der beschei­de­ne Got­tes­die­ner“ wie­der wei­ter. Sogar der Saal­fel­de­ner Kon­di­tor­meis­ter Kar­li Pichl­mai­er besucht den Ein­sied­ler ab und zu mit sei­ner Frau Her­tha und bringt ihm Süßes aus sei­ner Back­stu­be mit. Jähr­lich am 23. April (die Ein­sie­de­lei ist dem hei­li­gen Georg geweiht) wird mit einem Got­tes­dienst die Sai­son eröff­net. So ist dies ein Wen­de­punkt im Jah­res­lauf: vom Win­ter in das Früh­jahr – wo das Leben wie­der neu beginnt. So war sei­ner­zeit auch der Dienst­bo­ten­wech­sel in die­ser Gegend am Georgitag.

Blick auf die Einsiedelei am Palfen am Steinernen Meer im Salzburger Pinzgau. Info Icon Foto: Franz Gruber
Für viele Urlauber ist die Einsiedelei am Palfen am Steinernen Meer im Salzburger Pinzgau ein richtiger Kraftplatz und ein Ort zum Loslassen.

Ein Fran­zis­ka­ner namens Tho­mas Pich­ler vom III. Orden des hei­li­gen Fran­zis­kus in Salz­burg such­te 1664 beim Bischof um Geneh­mi­gung zur Errich­tung einer Klau­se an. Die Ein­sied­ler leis­ten auch schon jahr­zehn­te­lang Feu­er­wach­dienst über dem Saal­fel­de­ner Becken. Wenn sie einen Brand wahr­nah­men, hat­ten sie mit der Glo­cke zu läu­ten und mach­ten so auf den Brand auf­merk­sam. Für die­se Tätig­keit durf­ten sie dann im Früh­jahr und Herbst in den umlie­gen­den Gemein­den sam­meln gehen für Lebens­mit­tel, von denen sie sich ernähr­ten. Dabei leb­ten die Ere­mi­ten nach den Regeln des hei­li­gen Fran­zis­kus. Sie tru­gen einen brau­nen Habit.

Die Men­schen, die auf den Pal­fen hin­auf­ge­hen, suchen Ruhe und Erho­lung, sie wol­len der Hek­tik des All­tags, die sie unten im Tal haben, ent­flie­hen. Es gibt auch Men­schen, die see­li­sche Pro­ble­me haben und beim Ein­sied­ler das Gespräch suchen. Der Ein­sied­ler sieht sei­ne Auf­ga­be auch dar­in, Men­schen in Gesprä­chen wie­der auf­zu­bau­en, so dass sie gestärkt ins Tal schrei­ten kön­nen und für den künf­ti­gen Lebens­all­tag wie­der viel Mut und Zuver­sicht in den Ruck­sack mit ein­ge­packt haben. So wur­de die­ser Ort schon für vie­le Men­schen ein Kraft­platz mit Geschichte.

Und was war die größ­te Her­aus­for­de­rung? Man muss los­las­sen ler­nen“, sagt Alo­is Penninger.

Übri­gens, wer Bru­der Alo­is jetzt im Spät­som­mer besu­chen will, wird ein­ge­la­den, ihm vom Holz­la­ger­platz, gleich am begin­nen­den Steig auf Höhe des Schlos­ses Lich­ten­berg, ein Stück Holz mit hin­auf­zu­neh­men. Da wird er sich sicher­lich freu­en, damit es im Herbst in sei­ner Klau­se woh­lig warm wird.

Text und Fotos: Franz Gruber 

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