Echt wahr?

Redaktion am 29.09.2025

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Die Gesellschaft in den USA scheint gespalten und die aufgeheizte Stimmung schwappt auch zu uns nach Europa herüber. Da tuen Stimmen des Ausgleichs gut, kommentiert unser Autor des Editorials der aktuellen Ausgabe 40-2025.

Letz­tens habe ich mal wie­der die­se pfif­fi­ge Such­ma­schi­ne im Inter­net befragt: Es gibt immer noch kei­ne Welt­for­mel. Kei­ne Anlei­tung für das per­fek­te (Zusammen-)Leben. Nicht die­sen einen Satz, der die gan­ze Wahr­heit ent­hält. Immer­hin ser­vie­ren mir sozia­le Medi­en coo­le Musik­vor­schlä­ge, klas­se Fuß­ball­vi­de­os, lus­ti­ge Kat­zen­fo­tos – und poli­ti­sche Nach­rich­ten und Kom­men­ta­re, die mei­nen Puls in die Höhe treiben.

Bei vie­len die­ser Nach­rich­ten und Kom­men­ta­re ging es zuletzt um die USA. Auch bei einem Blog­ein­trag von Bischof Ste­fan Oster. Und auch mir geht es ähn­lich wie dem Bischof: Ich weiß nicht genug über den vor kur­zem ermor­de­ten Char­lie Kirk, um ihn zu beur­tei­len. Bei nähe­rem Hin­se­hen fällt mir auf: Er bespiel­te die sozia­len Medi­en so erfolg­reich wie nur weni­ge. Und in den zusam­men­ge­schnip­sel­ten Video-Clips der Debat­ten mit sei­nen Kon­tra­hen­ten ging er schein­bar immer als Sie­ger vom Platz.

Ers­te­res beein­druckt mich, der zwei­te Punkt lässt bei mir die Alarm­glo­cken schril­len. Wel­cher Rhe­to­ri­ker war so bril­lant, dass er immer gewon­nen hat? Wel­cher Poli­ti­ker so klug, dass er immer recht hat­te? Sogar im Fuß­ball gewinnt nicht immer der FC Bay­ern. Und so schön die­ses Spiel auch ist, lässt es sich eben nicht 1:1 auf Debat­ten über die gro­ßen Fra­gen des Lebens über­tra­gen: Ein­stein fegt Machia­vel­li vom Platz“ oder Augus­ti­nus zwingt Gan­dhi in die Knie“ sind Nach­rich­ten, auf die wir wei­ter­hin gut ver­zich­ten kön­nen. Span­nend hin­ge­gen bleibt die Fra­ge, wor­in sich die vie­len klu­gen Köp­fe der Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart einig sind … wel­che gemein­sa­men Nen­ner uns weiterbringen …

Wir Chris­ten dür­fen dem Hass und der Ver­ach­tung kei­nen Raum geben, schon gar nicht im Rah­men unse­res Glau­bens. Das Gegen­teil ist der Fall: Chris­tus ist auch für die gestor­ben, die ihn gehasst haben, für die, die ihm die Nägel in den Leib und die Lan­ze ins Herz getrie­ben haben.”

Ob Char­lie Kirk in die­ser Hin­sicht einen Bei­trag geleis­tet hat? Ich weiß es nicht. Aktu­ell habe ich jedoch nicht den Ein­druck, dass sei­ne Anhän­ger dar­auf Wert legen. Denn wer eine Trau­er­fei­er zu einer poli­ti­schen Show-Ver­an­stal­tung macht, der hat ganz offen­sicht­lich kei­nen Aus­gleich im Sinn. Wer so agiert und agi­tiert, der will spal­ten und nicht ver­söh­nen. Das ist nicht nur dahin­ge­hend gefähr­lich, weil ein US-Prä­si­dent und sei­ne Gefolgs­leu­te die auf­ge­brach­te Stim­mung dazu nut­zen, Medi­en zu zen­sie­ren und Anders­den­ken­de zu ver­leum­den. Das ist vor allem auch des­halb gefähr­lich, weil in der Welt der sozia­len Medi­en die Agi­ta­ti­on und die Pro­vo­ka­ti­on mehr Clicks gene­rie­ren als Ges­ten der Ver­söh­nung; weil das Inter­net die Spal­tung belohnt und nicht die Verständigung.

Vor die­sem Hin­ter­grund wird zurecht davor gewarnt, dass die­se selt­sa­me Alli­anz aus (selbst-)verliebten Trump-Fans, Tech-Mil­li­ar­dä­ren, (evan­ge­li­ka­len) Chris­ten, Ras­sis­ten und Natio­na­lis­ten die US-Demo­kra­tie der­art umbau­en könn­te, dass es zwar noch Wah­len geben wird, die jedoch obso­let wer­den, weil eh nur eine Sei­te gewin­nen kann. Der Kriegs­ver­bre­cher im Kreml hat bereits vor­ge­macht, wie so etwas geht …

Doch nach wie vor gibt es auch im Inter­net Stim­men, die den Aus­gleich suchen, und die den­noch gehört wer­den. Bischof Oster hat gera­de vor­ge­macht, wie es geht. Er hat auf­ge­zeigt: Es ist wich­tig und rich­tig, eine kla­re Hal­tung zu zei­gen – doch es ist eben­so wich­tig, damit zu rech­nen, falsch lie­gen zu kön­nen“ und ande­ren zu unter­stel­len, etwas Gutes zu wol­len, auch dann, wenn wir es für falsch halten“.

Goog­le wird uns kei­ne per­fek­te Lebens-Anlei­tung“ aus­spu­cken. Aber wir kön­nen die soge­nann­ten sozia­len Medi­en auf aus­glei­chen­de Art mit­ge­stal­ten. Auch wenn Face­book & Co. unschlag­bar schei­nen: Denk­bar immer­hin sind auch Medi­en, die tat­säch­lich das Sozia­le“ belohnen …

Michael
Glaß

Redakteur

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