Letztens habe ich mal wieder diese pfiffige Suchmaschine im Internet befragt: Es gibt immer noch keine Weltformel. Keine Anleitung für das perfekte (Zusammen-)Leben. Nicht diesen einen Satz, der die ganze Wahrheit enthält. Immerhin servieren mir soziale Medien coole Musikvorschläge, klasse Fußballvideos, lustige Katzenfotos – und politische Nachrichten und Kommentare, die meinen Puls in die Höhe treiben.
Bei vielen dieser Nachrichten und Kommentare ging es zuletzt um die USA. Auch bei einem Blogeintrag von Bischof Stefan Oster. Und auch mir geht es ähnlich wie dem Bischof: Ich weiß nicht genug über den vor kurzem ermordeten Charlie Kirk, um ihn zu beurteilen. Bei näherem Hinsehen fällt mir auf: Er bespielte die sozialen Medien so erfolgreich wie nur wenige. Und in den zusammengeschnipselten Video-Clips der Debatten mit seinen Kontrahenten ging er scheinbar immer als Sieger vom Platz.
Ersteres beeindruckt mich, der zweite Punkt lässt bei mir die Alarmglocken schrillen. Welcher Rhetoriker war so brillant, dass er immer gewonnen hat? Welcher Politiker so klug, dass er immer recht hatte? Sogar im Fußball gewinnt nicht immer der FC Bayern. Und so schön dieses Spiel auch ist, lässt es sich eben nicht 1:1 auf Debatten über die großen Fragen des Lebens übertragen: „Einstein fegt Machiavelli vom Platz“ oder „Augustinus zwingt Gandhi in die Knie“ sind Nachrichten, auf die wir weiterhin gut verzichten können. Spannend hingegen bleibt die Frage, worin sich die vielen klugen Köpfe der Vergangenheit und Gegenwart einig sind … welche gemeinsamen Nenner uns weiterbringen …
„Wir Christen dürfen dem Hass und der Verachtung keinen Raum geben, schon gar nicht im Rahmen unseres Glaubens. Das Gegenteil ist der Fall: Christus ist auch für die gestorben, die ihn gehasst haben, für die, die ihm die Nägel in den Leib und die Lanze ins Herz getrieben haben.”
Ob Charlie Kirk in dieser Hinsicht einen Beitrag geleistet hat? Ich weiß es nicht. Aktuell habe ich jedoch nicht den Eindruck, dass seine Anhänger darauf Wert legen. Denn wer eine Trauerfeier zu einer politischen Show-Veranstaltung macht, der hat ganz offensichtlich keinen Ausgleich im Sinn. Wer so agiert und agitiert, der will spalten und nicht versöhnen. Das ist nicht nur dahingehend gefährlich, weil ein US-Präsident und seine Gefolgsleute die aufgebrachte Stimmung dazu nutzen, Medien zu zensieren und Andersdenkende zu verleumden. Das ist vor allem auch deshalb gefährlich, weil in der Welt der sozialen Medien die Agitation und die Provokation mehr Clicks generieren als Gesten der Versöhnung; weil das Internet die Spaltung belohnt und nicht die Verständigung.
Vor diesem Hintergrund wird zurecht davor gewarnt, dass diese seltsame Allianz aus (selbst-)verliebten Trump-Fans, Tech-Milliardären, (evangelikalen) Christen, Rassisten und Nationalisten die US-Demokratie derart umbauen könnte, dass es zwar noch Wahlen geben wird, die jedoch obsolet werden, weil eh nur eine Seite gewinnen kann. Der Kriegsverbrecher im Kreml hat bereits vorgemacht, wie so etwas geht …
Doch nach wie vor gibt es auch im Internet Stimmen, die den Ausgleich suchen, und die dennoch gehört werden. Bischof Oster hat gerade vorgemacht, wie es geht. Er hat aufgezeigt: Es ist wichtig und richtig, eine klare Haltung zu zeigen – doch es ist ebenso wichtig, damit zu rechnen, „falsch liegen zu können“ und anderen zu „unterstellen, etwas Gutes zu wollen, auch dann, wenn wir es für falsch halten“.
Google wird uns keine perfekte „Lebens-Anleitung“ ausspucken. Aber wir können die sogenannten sozialen Medien auf ausgleichende Art mitgestalten. Auch wenn Facebook & Co. unschlagbar scheinen: Denkbar immerhin sind auch Medien, die tatsächlich das „Soziale“ belohnen …



