Das glauben wir

Vom Suchen und Finden ...

Redaktion am 06.07.2026

Info Icon Foto: Wolfgang Terhörst

Das Suchen ist ein Grundbedürfnis des Menschen, schreibt unsere Autorin im Editorial der Ausgabe 28-2026 – und stellt fest, dass viele das Suchen verlernt haben. Von Kindern wiederum können wir es lernen ...

Wenn ich zur Zeit auf die Social-Media-Pro­fi­le mei­ner Freun­de schaue, gibt es da eigent­lich nur ein The­ma: Urlaub. Vie­le sind schon unter­wegs, ande­re berei­ten sich auf eine Rei­se vor, wie­der ande­re freu­en sich auf eine Aus­zeit daheim. Sobald ich Bil­der vom Meer sehe, von Son­ne, Strand und Muscheln, fan­ge ich an zu träu­men. Fernweh.

Apro­pos Muscheln: Da den­ke ich sofort an mei­ne Kind­heit. Stun­den­lang bin ich mit mei­nem Papa geschnor­chelt oder mit Mama am Strand ent­lang gewan­dert, über die Jah­re haben wir bestimmt hun­der­te Muscheln in allen Far­ben und For­men gefun­den. Es waren unver­gess­li­che Momen­te. Eini­ge beson­ders schö­ne Fund­stü­cke habe ich heu­te noch, fili­gra­ne Schät­ze, die weit mehr sind als nur schö­ne Mit­bring­sel: klei­ne Anker, die die Erin­ne­rung leben­dig hal­ten. Kein Wun­der, dass ich mich gefreut habe, als mein klei­ner Sohn im letz­ten Urlaub das Muschel­su­chen für sich ent­deckt hat.

Der Tag war per­fekt: Es hat­te kurz vor­her einen Sturm gege­ben und so stan­den die Chan­cen für eine beacht­li­che Aus­beu­te durch­aus gut. Als der Zwerg also beschloss, mit sei­nem Eimer los­zu­zie­hen, war ich guter Din­ge. Dann kam er zurück – und ich war, nun ja, über­rascht, oder, wenn ich ehr­lich bin, ent­täuscht. Kei­ne ein­zi­ge Muschel. Es tat mir so leid für ihn. Umsonst unterwegs.

Unser Suchen kann kein Ende fin­den. Unser Ziel ist in der ande­ren Welt.”

Michel de Montaigne, der bekannte französische Philosoph und Essayist lebte von 1533-1592.

Mein Sohn dage­gen emp­fand das Gan­ze gar nicht als Miss­erfolg, son­dern war total glück­lich. Macht doch nichts, es war lus­tig“, mein­te er nur. Und schau mal, ich hab Stei­ne gefun­den.“ Hm – ein Hau­fen von, zumin­dest für mich, sehr gewöhn­li­chen Kie­sel­stei­nen, wie es sie daheim auch gibt. Ein adäqua­ter Ersatz für bun­te, schil­lern­de Muscheln?

Ich habe mich gefragt, war­um ich so ent­täuscht war, der Klei­ne aber so zufrie­den. Er woll­te doch eigent­lich auch Muscheln finden …

Ich den­ke, es hat zum Teil mit den eige­nen Erwar­tun­gen zu tun. Ich hat­te mich so sehr auf Muscheln gefreut, dass ich ganz fixiert dar­auf war; der Klei­ne dage­gen war offen, war bereit, das wahr- und anzu­neh­men, was der Moment bietet.

Er hat mir übri­gens gezeigt, dass die Stei­ne kei­nes­wegs so lang­wei­lig sind wie gedacht: Sind sie nass, zei­gen sie ganz außer­ge­wöhn­li­che Mus­ter, fast ein wenig magisch. Es sind wür­di­ge Stü­cke für sein Erin­ne­rungs­schatz­käst­chen“. Doch ich wäre dar­an vorbeigegangen!

Ich glau­be, ihm ging es von Anfang an, anders als mir, weni­ger ums Fin­den als ums Suchen. Suchen aber heißt: bereit sein, die Kom­fort­zo­ne zu ver­las­sen, Neu­es zu wagen, genau hin­zu­schau­en, zu ent­de­cken, anders zu sehen. Kurz gesagt: dem Uner­war­te­ten zu begeg­nen und es zuzulassen.

Das Suchen, davon bin ich über­zeugt, ist ein Grund­be­dürf­nis des Men­schen. Es ist der Motor jeg­li­cher Ent­wick­lung – beruf­lich, per­sön­lich, aber auch spi­ri­tu­ell. So vie­le Men­schen wie viel­leicht noch nie wäh­nen sich heu­te auf der Suche – und mer­ken dabei nicht, dass sie das Suchen ver­lernt haben. Denn sie sind, wie ich an jenem Tag am Strand, nicht frei, haben, auch wenn es ihnen kaum bewusst ist, längst eine Idee, wie das Ziel“ aus­sieht, was sie zu fin­den hof­fen. So ver­hin­dern sie letzt­lich selbst, was sie doch eigent­lich erseh­nen: Erneue­rung, Berüh­rung, Begeg­nung – mit ande­ren Men­schen, viel­leicht auch mit Gott.

Barbara
Osdarty

Redakteurin

Weitere Nachrichten

Das glauben wir
14.07.2026

Der gute Gott und das Leid

Ob Gott Leid zulässt und wie sich Schmerz mit dem Glauben an seine Liebe vereinbaren lässt, gehört zu den…

Wallfahrt
14.07.2026

Mosaike aus der Wallfahrt

Der Juli ist der Monat der landsmannschaftlichen Wallfahrten. Aber auch viele andere Pilger (-gruppen) kommen…

Vorträge
06.07.2026

„Der Glaube ist eine Kraft, die verwandelt, reinigt und heilt“

Drittes Benedikt XVI. Forum vom 1. bis 5. Juli in Altötting widmet sich der „Heilung durch den Glauben“.

Bistum
06.07.2026

Ein unvergesslicher Tag

Mathias Eder aus Donauwetzdorf feierte nach seiner Priesterweihe Heimatprimiz in Thyrnau und Donauwetzdorf.