Foto: Wolfgang Krinninger
„Herr des Lebens, wir danken dir für das Geschenk des Sports ...“, beginnt Papst Leo XIV. ein Gebet in seiner Videobotschaft zum Gebetsanliegen für den Monat Juni. Sport ist mehr als nur Bewegung, stellt auch der Autor des Editorials der aktuellen Ausgabe 24-2026 fest.
Das wird ja sowieso nichts! Davon gingen alle aus, als Herbert erzählte, dass er die ganze Radlergruppe zur „Maratona dles Dolomites“ angemeldet habe. Die Maratona gilt als eines der schönsten Jedermann-Radrennen der Welt – vor allem wegen der spektakulären Berglandschaft der Dolomiten und der komplett autofreien Passstraßen während der Veranstaltung. Tausende Hobby- und Amateur-Radsportler nehmen jedes Jahr daran teil. Doch die Nachfrage ist noch viel größer, weshalb die Startplätze über eine Verlosung vergeben werden. Und dann das: Wir wurden gezogen! Die ganze Gruppe wird am 5. Juli am Start stehen.
Das war im Oktober 2025. Seitdem vergeht keine Woche, in der wir nicht in kleineren oder größeren Gruppen miteinander unterwegs sind. Wir radeln gemeinsam, spornen uns gegenseitig an, haben Spaß miteinander und tauschen Bilder und Erfahrungen aus. Dabei spielt der Altersunterschied – die Jüngsten sind knapp über 20, der Älteste über 60 Jahre alt – keine Rolle. Jede und jeder bereitet sich mental und körperlich auf das Ereignis vor, so gut es Zeit und Möglichkeiten erlauben. Dass das nicht ganz ohne Schinderei geht, versteht sich von selbst.
Foto: Wolfgang Krinninger
Ereignisse wie dieses verdeutlichen einmal mehr die große Kraft des Sports für das Zusammenleben der Menschen. Sport ist weit mehr als körperliche Betätigung. Er schafft Begegnungen, fördert Freundschaften und vermittelt Werte. Diese Botschaft steht auch im Mittelpunkt des Gebetsanliegens von Papst Leo im Monat Juni. Der Papst beschreibt den Sport als Ort der Gemeinschaft, des Friedens und der Geschwisterlichkeit. In seiner Videobotschaft erinnert der Pontifex daran, dass sportlicher Erfolg nicht allein im Sieg liegt, sondern in Gemeinschaft, Respekt und der Erfahrung, Teil eines größeren Teams zu sein. Gerade junge Menschen könnten bei sportlichen Wettkämpfen „Werte wie Respekt, Solidarität und persönliches Wachstum“ einüben, so Leo XIV. Zugleich könnten sie dort aber auch mangelnde Fairness, persönliche Abwertung oder gar Gewalt erleben – so beschreibt er die Schattenseiten. Der Sport sei stets auch ein Spiegelbild der Gesellschaft, in der er betrieben, gefeiert und beurteilt wird. Wenn Christinnen und Christen also in diesem Monat dazu ermutigt werden, besonders für die Werte des Sports zu beten, könnte damit auch der Einsatz für diese Werte im eigenen Umfeld verbunden sein.
Auch die Macher der Maratona haben PAX, den Frieden, heuer als Leitmotiv für ihre Veranstaltung gewählt. Frieden sei „ein erfüllbarer Traum, ein Weg, den wir gemeinsam gehen können“, heißt es zur Begründung. Und weiter: Frieden entstehe aus kleinen Gesten der Solidarität. Als Beispiel wählte man ein ikonisches Bild, das Anfang der 1950er-Jahre bei einer Bergetappe der Tour de France entstanden ist: Gino Bartali und Fausto Coppi, die ewigen Rivalen, reichen sich eine Trinkflasche weiter. „Frieden ist, nicht zu wissen, wer dem anderen die Trinkflasche gereicht hat – wir werden es nie erfahren, die Geste allein genügt.“
Ich bin überzeugt: Beim Rennen im Juli und beim Training bis dahin wird es noch zu einigen Gesten und Erfahrungen kommen, die uns spüren lassen, was Menschsein ausmacht.
Wolfgang
Krinninger
Chefredakteur