Bistum

Und jetzt geh!

Redaktion am 10.11.2025

Info Icon Foto: Wolfgang Terhörst
Das Werk „Lichtblick“ von Andreas Kuhnlein.

In Kürze soll die wissenschaftliche Studie zu sexuellem Missbrauch und körperlicher Gewalt im Bistum Passau veröffentlicht werden. Das Passauer Bistumsblatt vereint mit dem Altöttinger Liebfrauenboten hat dazu in der aktuellen Ausgabe ein Sonderthema mit 20 Seiten gestaltet.

Und jetzt geh. Du hast noch ein gutes Stück Weg vor dir“ (nach 1 Kön 19,8) – die­ses bibli­sche Wort steht als Leit­ge­dan­ke über dem Auf­ar­bei­tungs­pro­zess des sexu­el­len Miss­brauchs im Bis­tum Pas­sau – und auch über unse­rem The­men­schwer­punkt in der Mit­te die­ser Aus­ga­be des Bis­tums­blatts. Es erin­nert uns dar­an, dass Auf­ar­bei­tung kein Ziel, son­dern ein Weg ist: ein Weg, der Mut braucht, Demut und die Bereit­schaft, immer wie­der neu zu lernen.

Der Zeit­punkt für die­ses Son­der­the­ma ist nicht zufäl­lig gewählt: In Kür­ze wird die wis­sen­schaft­li­che Stu­die zu sexu­el­lem Miss­brauch und kör­per­li­cher Gewalt im Bis­tum Pas­sau ver­öf­fent­licht. Stu­di­en­lei­ter Prof. Dr. Marc von Knor­ring hat dafür vie­le Inter­views mit Betrof­fe­nen geführt, Ber­ge von Akten gesich­tet, gele­sen und aus­ge­wer­tet (s. Sei­ten II/III). Eine Arbeit, die Spu­ren in der See­le hin­ter­ließ. Natür­lich wird da etwas in einem auf­ge­wühlt“, sag­te er im Inter­view. Ver­mut­lich wer­de er erst in ein paar Jah­ren sagen kön­nen, ob und wie ihn die­se Auf­ga­be ver­än­dert hat.

Es geht um die Betrof­fe­nen, um ihre Geschich­ten. Sie haben das Recht, gehört zu wer­den. Es ist wich­tig, dass jemand die Hin­ter­grün­de recher­chiert, nach­fragt, wie ihr Fall mit ande­ren zusam­men­hängt, auf­zeigt, wie es so weit kom­men konnte.”

Prof. Dr. Klaus Große Kracht. Der Historiker hat die Aufarbeitungsstudie für das Bistum Münster erstellt. Die Verantwortlichen in Passau haben sich für eine ähnliche Herangehensweise entschieden.

Neben ihm haben Dr. Bar­ba­ra Osdar­ty, Wolf­gang Ter­hörst und ich mit wei­te­ren Ver­ant­wort­li­chen gespro­chen, die mit der Auf­ar­bei­tung von Miss­brauch und Gewalt in der Kir­che befasst sind. Micha­el Stein­dorf­ner, der als Bub über Jah­re von einem Pries­ter sexu­ell miss­braucht wor­den war, erzähl­te uns, wel­che Last Betrof­fe­ne ihr gan­zes Leben zu tra­gen haben, wel­che Ris­se dadurch in den Fami­li­en ent­ste­hen (S VIII/IX). Bild­hau­er Andre­as Kuhn­lein erklär­te, was ihn dazu brach­te, Miss­brauch zu sei­nem künst­le­ri­schen Lebens­the­ma zu machen (S VI/VII). Und natür­lich kom­men auch die Hoff­nungs­men­schen zu Wort, die Prä­ven­ti­on und Kin­der­schutz vor­an­trei­ben und für ein acht­sa­mes Mit­ein­an­der einstehen.

Noch wis­sen nur die Macher und die prü­fen­den Juris­ten, was genau die Auf­ar­bei­tungs­stu­die ans Licht brin­gen wird. Eines aber steht fest: Viel zu vie­le Men­schen sind durch das Ver­hal­ten von Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern der Kir­che zutiefst ver­letzt wor­den – in ihrem Ver­trau­en, in ihrer Wür­de, in ihrer See­le, in ihrem Glau­ben. Die­se Wun­den hei­len wohl nie ganz. Aber sie hei­len auf kei­nen Fall durch Schwei­gen, son­dern nur durch das kla­re Bekennt­nis zur Wahr­heit. Es ist Auf­ga­be der Kir­che, hin­zu­se­hen, zuzu­hö­ren, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men und dar­aus Kon­se­quen­zen zu zie­hen. Die Stu­die ist eine Etap­pe auf dem lan­gen Weg der Auf­ar­bei­tung, der Ehr­lich­keit, der Umkehr, des reflek­tier­ten Aufbruchs.

Dass die­se Aus­ein­an­der­set­zung nicht ein­fach ist, wis­sen wir. Doch sie ist unver­zicht­bar, wenn Kir­che ihrem eige­nen Anspruch gerecht wer­den will – ein Ort des Lebens, der Hoff­nung und des Schut­zes zu sein. Als Kir­chen­zei­tung wol­len wir die­sen Pro­zess beglei­ten. Wir wol­len Raum schaf­fen für das Leid und die Ver­lo­ren­heit, aber auch für das Rin­gen um Gerech­tig­keit, Schutz und Heilung.

Und jetzt geh. Du hast noch ein gutes Stück Weg vor dir!“ Die­ses Wort erin­nert uns auch dar­an, dass nur eine Kir­che, die sich ehr­lich ihren Schat­ten stellt, glaub­wür­dig vom Licht spre­chen kann.

Wolfgang
Krinninger

Chefredakteur

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