Ski fahren und schöne Worte

Redaktion am 02.02.2026

Info Icon Foto: Wolfgang Krinninger

Bald beginnen die olympischen Winterspiele. Der Wintersport steckt voller Leben und gehört zu den schönsten Nebensachen der Welt, kommentiert der Autor des Editorials der aktuellen Ausgabe 6-2026.

Dabei sein war alles. Ein­mal im Jahr rief der Brei­ten­ber­ger Ski-Pio­nier Wal­ter Oggol­ter die wage­mu­ti­ge Jugend auf den Höpf­l­berg zu Rie­sen­sla­lom und Abfahrts­lauf. Weg­du­cken war nicht drin. Wer sich drück­te, ris­kier­te nicht nur Spott, son­dern die sozia­le Ver­ban­nung – ein Schick­sal, schlim­mer als jeder Sturz. Doch Augen zu und durch!“ haut halt auch nicht immer hin. Selbst fünf Jahr­zehn­te spä­ter erin­ne­re ich mich nur wider­wil­lig an den Renn­ver­lauf: die Panik in mei­nem Hirn, die auf der Hälf­te der Stre­cke den ein­deu­ti­gen Befehl an mei­ne Knie aus­gab, den Hin­tern jetzt und sofort mit Wumms in den Schnee zu wuch­ten. Offi­zi­ell war natür­lich die Skib­in­dung schuld, dass ich als mensch­li­che Lawi­ne ins Tal kugelte.

Die Freu­de am Ski­fah­ren ist geblie­ben, doch die wil­de Lust am alpi­nen Wett­kampf hat sich in stil­le Bewun­de­rung ver­wan­delt. Tief im Sofa ver­sun­ken, nip­pe ich heu­te am Kräu­ter­tee, wenn sich die toll­küh­nen Hel­den aus dem Start­häu­serl in die Tie­fe stür­zen oder die Biath­le­ten von Schieß­stand zu Schieß­stand het­zen. Der Höhe­punkt 2026: die Olym­pi­schen Win­ter­spie­le in Mai­land und Cor­ti­na d’Ampezzo. 19 Tage pures Adre­na­lin, vom 4. bis 22. Febru­ar. 2900 Ath­le­ten aus 90 Natio­nen, die um Sekun­den, Zen­ti­me­ter, um den Traum von Gold kämp­fen. Ein Fest des Sports – und ein Fest für uns, die wir mit­fie­bern, mit­ju­beln, mitleiden.

Die­se gro­ßen Sport­ver­an­stal­tun­gen sind ein star­kes Zei­chen der Geschwis­ter­lich­keit und wecken die Hoff­nung auf eine Welt in Frie­den. Dies ist auch der Sinn des olym­pi­schen Frie­dens, einem uralten Brauch, der die Spie­le beglei­tet. Ich wün­sche mir, dass alle, denen der Frie­den zwi­schen den Völ­kern am Her­zen liegt und die in ver­ant­wor­tungs­vol­len Posi­tio­nen sind, bei die­ser Gele­gen­heit kon­kre­te Ges­ten der Ent­span­nung und des Dia­logs setzen.”

Doch schon vor dem olym­pi­schen Feu­er­werk bot die Sai­son Dra­ma­tik pur: Emma Aicher und Linus Stra­ßer, die sich im Welt­cup noch ein­mal aufs Podest kämpf­ten. Leon­hard Pfund und Mar­le­ne Ficht­ner, die ihren ers­ten Welt­cup-Sieg nach 30 Minu­ten Glück­se­lig­keit wie­der ver­lo­ren – dis­qua­li­fi­ziert wegen einer nicht geschul­ter­ten Flin­te. Man hät­te mit­heu­len kön­nen. Und dann Kitz­bü­hel: Als Fuß­ball-Legen­de Bas­ti­an Schwein­stei­ger nach dem Ren­nen auf Ski-Star Lucas Pin­hei­ro Bra­at­hen war­te­te – nicht um zu geben, son­dern zu bit­ten. Gerührt über­reich­te der Bra­si­lia­ner sein signier­tes Renn­leib­chen. Selbst Ido­le sind manch­mal auch ein­fach Fans.

Span­nung, Mut, Wil­lens­kraft, pure Freu­de – der Win­ter­sport steckt vol­ler Leben und gehört zu den schöns­ten Neben­sa­chen der Welt. Bei Wett­be­wer­ben im Schnee oft vorn dabei: die Öster­rei­cher. Da ist es nur fol­ge­rich­tig, dass auch Josef Grün­widl bei sei­ner Amts­ein­füh­rung zum Erz­bi­schof von Wien dar­auf zu spre­chen kam. Wir haben heu­te alle in Öster­reich ein bewe­gen­des Erleb­nis mit­fei­ern dür­fen, das sogar inter­na­tio­nal Beach­tung gefun­den hat“, sag­te er bei sei­ner Wei­he. Ich mei­ne natür­lich die Abfahrt in Kitz­bü­hel, die Streif“, fuhr er fort – und hat­te die Lacher auf sei­ner Sei­te. Da sei es dar­um gegan­gen, wer der Schnells­te sei und am Schluss auf dem Sto­ckerl ste­he. Ich ste­he hier jetzt auch auf einem Podest“, mein­te er lächelnd, aber des­halb bin ich nicht der Wich­tigs­te in der Erz­diö­ze­se Wien. Denn in der Kir­che geht es nicht dar­um, wer vor­ne steht und oben steht, son­dern es geht dar­um, wer groß ist in der Liebe.“

Was für ein schö­nes Wort! Ein Mot­to, das olym­pisch klingt und das auch dann noch gilt, wenn in Mai­land und Cor­ti­na längst alle Hym­nen ver­klun­gen und die Sie­ger­po­des­te abge­baut und gut ver­staut sind.

Wolfgang
Krinninger

Chefredakteur

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