Das glauben wir

Wenn Helden zu beten beginnen

Redaktion am 05.10.2026

Info Icon Foto: Roswitha Dorfner

Das Rosenkranzgebet schien lange Zeit ein wenig aus der Mode gekommen, ist für viele aber längst wieder eine echte Kraftquelle, wie der Autor des Editorials unserer aktuellen Ausgabe 41-2026 feststellt.

Eine Sze­ne für die Ewig­keit: Clint East­wood ali­as Walt Kowal­ski stellt sich ganz allein auf der Stra­ße einer gan­zen Ban­de ent­ge­gen. Er fragt die Gangs­ter, ob sie Feu­er haben, sagt dann, dass er selbst ein Feu­er­zeug hat, und wäh­rend er sei­ne Hand aus der Jacken­ta­sche zieht (wo die Gang eine Waf­fe ver­mu­tet), sagt er sei­ne letz­ten Wor­te: ​„Gegrü­ßet seist du, Maria, voll der Gna­de.“ Dann wird er von Kugeln durch­siebt – mit einem Zip­po-Feu­er­zeug in der Hand. Er opfert sich bewusst, um so sei­nen jun­gen Freund zu ret­ten. Das ist die fina­le Sze­ne aus Gran Tori­no, einem Meis­ter­werk von East­wood. Das Ave Maria ist wohl nie­mals ein­drück­li­cher in Sze­ne gesetzt worden.

Wir ken­nen das berühm­tes­te Mari­en­ge­bet vor allem in Ver­bin­dung mit dem Rosen­kranz. Der war lan­ge Zeit ziem­lich out. Das gebets­müh­len­ar­ti­ge Auf­sa­gen der immer glei­chen Gesät­ze schien aus der Zeit gefal­len. Zu lang­wei­lig, zu mono­ton, zu fromm, zu wenig indi­vi­du­ell. Gläu­bi­ge, die mur­melnd eine Per­len­ket­te durch ihre Fin­ger glei­ten lie­ßen, wur­den von man­chen sogar belä­chelt. Das scheint sich zu ändern.
Der Rosen­kranz führt hin ​„in eine ​‚ande­re‘ Welt, weil er den Rock­saum jener gro­ßen Tra­di­ti­on christ­li­cher Spi­ri­tua­li­tät berührt, die den Besu­cher in Kir­chen viel­leicht noch anweht, die er aber nicht mehr zu begrei­fen ver­mag“, schrei­ben Hen­ning Klin­gen und Mar­lies Mostögl auf ​„katho​lisch​.at“. Gera­de durch die medi­ta­ti­ven Rezi­ta­tio­nen wer­de der Rosen­kranz wie­der zeitgemäß.

„Der Rosen­kranz ist das Gebet, das mein Leben beglei­tet; das Gebet der Ein­fa­chen und der Hei­li­gen; das Gebet mei­nes Herzens.”

Bar­ba­ra Mau­rer kann dar­über ver­mut­lich nur lächeln. Für die Mes­ne­rin aus Zwie­sel ist der Rosen­kranz längst zu einer gro­ßen spi­ri­tu­el­len Kraft­quel­le gewor­den. Das Gebet hat ihr gehol­fen, nach einem schwe­ren Schick­sals­schlag wie­der ins Leben zurück­zu­fin­den. ​„Im Rosen­kranz“, sagt sie, ​„find i a unend­li­che Ruah!“ – selbst wenn sie mit Puls auf Anschlag mit dem Mou­tain­bike auf ihren Haus­berg hinaufkurbelt.

Damit befin­det sie sich in bes­ter Gesell­schaft. Papst Fran­zis­kus hat ein­mal gesagt: ​„Der Rosen­kranz ist das Gebet, das mein Leben beglei­tet; das Gebet der Ein­fa­chen und der Hei­li­gen; das Gebet mei­nes Her­zens.“ Und sein Nach­fol­ger Papst Leo XIV. hat in der ver­gan­ge­nen Woche gemein­sam mit rund 700 Jun­gen und Mäd­chen die welt­wei­te Akti­on ​„Eine Mil­li­on Kin­der beten den Rosen­kranz“ eröff­net. Am Don­ners­tag­abend in den Vati­ka­ni­schen Gär­ten rief er die Kin­der aus römi­schen Schu­len und Pfar­rei­en dazu auf, Jesus und Maria um das Geschenk des Frie­dens zu bit­ten. Mit dem Rosen­kranz­ge­bet ver­pflich­te­ten sich alle, ​„gut zu sein und sich gut zu beneh­men: zu Hau­se, in der Schu­le, im Reli­gi­ons­un­ter­richt, mit den Eltern, mit allen, auch beim Spie­len und Sport. Denn Gebe­te müs­sen immer von guten Taten, von Ges­ten der Lie­be beglei­tet wer­den. So wächst der Frie­den!“, sag­te Leo XIV.

Zwei Päps­te, eine nie­der­baye­ri­sche Mes­ne­rin und eine Hol­ly­wood-Legen­de kön­nen unmög­lich irren. Es tut schlicht und ein­fach gut, sich an Maria zu wen­den. In Not und Bedräng­nis, aus Freu­de und Dank­bar­keit oder ein­fach so. Sie hat uns vor­ge­lebt, was es heißt, auf Gott zu ver­trau­en. Sogar schon vor Clint Eastwood.

Wolfgang
Krinninger

Chefredakteur

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