Eine Szene für die Ewigkeit: Clint Eastwood alias Walt Kowalski stellt sich ganz allein auf der Straße einer ganzen Bande entgegen. Er fragt die Gangster, ob sie Feuer haben, sagt dann, dass er selbst ein Feuerzeug hat, und während er seine Hand aus der Jackentasche zieht (wo die Gang eine Waffe vermutet), sagt er seine letzten Worte: „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade.“ Dann wird er von Kugeln durchsiebt – mit einem Zippo-Feuerzeug in der Hand. Er opfert sich bewusst, um so seinen jungen Freund zu retten. Das ist die finale Szene aus Gran Torino, einem Meisterwerk von Eastwood. Das Ave Maria ist wohl niemals eindrücklicher in Szene gesetzt worden.
Wir kennen das berühmteste Mariengebet vor allem in Verbindung mit dem Rosenkranz. Der war lange Zeit ziemlich out. Das gebetsmühlenartige Aufsagen der immer gleichen Gesätze schien aus der Zeit gefallen. Zu langweilig, zu monoton, zu fromm, zu wenig individuell. Gläubige, die murmelnd eine Perlenkette durch ihre Finger gleiten ließen, wurden von manchen sogar belächelt. Das scheint sich zu ändern.
Der Rosenkranz führt hin „in eine ‚andere‘ Welt, weil er den Rocksaum jener großen Tradition christlicher Spiritualität berührt, die den Besucher in Kirchen vielleicht noch anweht, die er aber nicht mehr zu begreifen vermag“, schreiben Henning Klingen und Marlies Mostögl auf „katholisch.at“. Gerade durch die meditativen Rezitationen werde der Rosenkranz wieder zeitgemäß.
„Der Rosenkranz ist das Gebet, das mein Leben begleitet; das Gebet der Einfachen und der Heiligen; das Gebet meines Herzens.”
Barbara Maurer kann darüber vermutlich nur lächeln. Für die Mesnerin aus Zwiesel ist der Rosenkranz längst zu einer großen spirituellen Kraftquelle geworden. Das Gebet hat ihr geholfen, nach einem schweren Schicksalsschlag wieder ins Leben zurückzufinden. „Im Rosenkranz“, sagt sie, „find i a unendliche Ruah!“ – selbst wenn sie mit Puls auf Anschlag mit dem Moutainbike auf ihren Hausberg hinaufkurbelt.
Damit befindet sie sich in bester Gesellschaft. Papst Franziskus hat einmal gesagt: „Der Rosenkranz ist das Gebet, das mein Leben begleitet; das Gebet der Einfachen und der Heiligen; das Gebet meines Herzens.“ Und sein Nachfolger Papst Leo XIV. hat in der vergangenen Woche gemeinsam mit rund 700 Jungen und Mädchen die weltweite Aktion „Eine Million Kinder beten den Rosenkranz“ eröffnet. Am Donnerstagabend in den Vatikanischen Gärten rief er die Kinder aus römischen Schulen und Pfarreien dazu auf, Jesus und Maria um das Geschenk des Friedens zu bitten. Mit dem Rosenkranzgebet verpflichteten sich alle, „gut zu sein und sich gut zu benehmen: zu Hause, in der Schule, im Religionsunterricht, mit den Eltern, mit allen, auch beim Spielen und Sport. Denn Gebete müssen immer von guten Taten, von Gesten der Liebe begleitet werden. So wächst der Frieden!“, sagte Leo XIV.
Zwei Päpste, eine niederbayerische Mesnerin und eine Hollywood-Legende können unmöglich irren. Es tut schlicht und einfach gut, sich an Maria zu wenden. In Not und Bedrängnis, aus Freude und Dankbarkeit oder einfach so. Sie hat uns vorgelebt, was es heißt, auf Gott zu vertrauen. Sogar schon vor Clint Eastwood.
Wolfgang
Krinninger
Chefredakteur