Das glauben wir

Blick zurück in Dankbarkeit

Redaktion am 20.07.2026

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Im Editorial der aktuellen Ausgabe 30-2026 schildert unser Autor ein Gänsehaut-Erlebnis der besonderen Art.

Es gibt Momen­te, die so groß sind, dass man sie nicht sofort fas­sen kann. Das Herz ist voll, doch man fühlt sich leer, weiß nicht, wohin mit all der Ener­gie und all dem Glück. Und bis die Augen zu fun­keln begin­nen, ver­ge­hen eini­ge Minu­ten. Die Geburt eines Kin­des ist so ein hym­nisch-himm­li­ches Ereig­nis. Oder auch das Ja-Wort bei der eige­nen Hoch­zeit oder das Bestehen einer wich­ti­gen Prüfung.

Mein letz­tes Gän­se­haut-Erleb­nis ist vie­le Num­mern klei­ner: die Ziel­an­kunft bei der Mara­to­na dles Dolo­mi­tes, einem der schöns­ten Jeder­mann-Rad­ren­nen der Welt. Gemein­sam mit Tau­sen­den ande­ren Berg­rad­lern stram­pel­ten wir auf für den Ver­kehr gesperr­ten Pass­stra­ßen durch die spek­ta­ku­lä­re Berg­land­schaft der Dolo­mi­ten – zwölf Frau­en und Män­ner, jung und alt, Anfän­ger und Erfah­re­ne – ver­eint durch eine ver­rück­te Idee und die Ent­schlos­sen­heit, sie umzusetzen.

Um 5 Uhr klin­gel­te am Renn­tag der Wecker. Um 5.30 Uhr roll­ten wir zum Start­ort La Vil­la. Der gan­ze Ort war vol­ler Rad­fah­rer, über uns kreis­ten zwei Hub­schrau­ber, über Laut­spre­cher gab es letz­te Instruk­tio­nen. Dann wur­den wir mit dem Segen des Dekans auf die Päs­se geschickt. Trotz der rie­si­gen Men­schen­men­ge war ab jetzt jeder auf sich allein gestellt. Die quir­li­ge Auf­re­gung vor dem Start wich einer Stil­le, die nur das gleich­mä­ßi­ge Kli­cken der Ket­te, das eige­ne Atmen, viel­leicht noch quiet­schen­de Brem­sen oder knack­sen­de Lager durch­bra­chen. Das Kur­beln wur­de zu einer Art Medi­ta­ti­on. Es ging – zumin­dest für mich – nicht mehr um Zeit oder Tem­po. Es ging dar­um, im Moment zu sein. Kon­zen­triert, ange­strengt, in sich ruhend. Erfah­re­ne Rad­ler hat­ten uns eini­ge Grund­re­geln mit­ge­ge­ben: Jeder fährt sein eige­nes Tem­po, bloß nicht über­zie­hen. Das könn­te am nächs­ten Anstieg das Aus bedeu­ten. Und: Essen, wann immer es mög­lich ist. Trotz der Anstren­gung berg­auf und der Kon­zen­tra­ti­on auf den rasan­ten Abfahr­ten blieb Zeit zum Stau­nen: die schnee­be­deck­te Mar­mo­la­ta in der Fer­ne, das gewal­ti­ge Sell­amas­siv und die vie­len ande­ren schrof­fen Gip­fel, die sich in den blau­en Him­mel reck­ten. Überwältigend.

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Nach dem Ren­nen tra­fen wir uns nicht sofort wie­der. Zu groß waren die Zeit­ab­stän­de und das Gewu­sel am Ziel. So konn­te jeder noch ein paar Minu­ten das Erleb­te mit sich selbst aus­ma­chen. Das war gut so. Spä­ter saßen wir gemein­sam auf einer Wie­se, stie­ßen mit­ein­an­der an, lach­ten, ratsch­ten und freu­ten uns. Wir waren ange­kom­men! Alle Anspan­nung fiel ab, das Hin­fie­bern und die Anstren­gung wichen einer wohl­tu­en­den Leich­tig­keit in einer schö­nen Gemeinschaft.

Bei der Rück­fahrt über den Bren­ner, die Räder auf dem Heck­trä­ger fest ver­zurrt, blieb vor allem eines: Dank­bar­keit. Für die Bei­ne, die uns getra­gen hat­ten. Für die Gemein­schaft unter Freun­den, für das Glück, von Unfäl­len ver­schont zu blei­ben, für die Ber­ge, die uns demü­tig gemacht und gleich­zei­tig groß­zü­gig belohnt hatten.

Natür­lich hat­te ich vor der Rück­fahrt im Kirch­lein unse­res Feri­en­orts eine Ker­ze ange­zün­det und mir all das Schö­ne noch ein­mal vor Augen geführt. Spä­tes­tens da war mir klar: Die For­mel für erfüll­te Tage ist manch­mal erstaun­lich einfach.

Wolfgang
Krinninger

Chefredakteur

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