Das glauben wir

Gesucht sind: Echte Helden

Redaktion am 27.07.2026

Info Icon Foto: Adobe Stock

Blockbuster im Kino wie aktuell „Odysseus“ sagen manchmal mehr über uns und unsere Zeit, als uns lieb ist, stellt unser Autor im Editorial der aktuellen Ausgabe 31-2026 fest.

Sym­pa­thisch ist die­ser Typ ja nicht gera­de. Erst zet­telt er einen Krieg an, dann fin­det er sei­nen Heim­weg nicht, über­all erzählt er Lügen­ge­schich­ten, und bei der Lösung von Kon­flik­ten neigt er zur Gewalt. Wer mag schon die­sen Odys­seus? Und was inter­es­sie­ren uns eigent­lich die­se alten Grie­chen in ihren San­da­len und Stoffkleidern?

Und doch hat‘s der Wüten­de“, wie sich der Name Odys­seus aus dem Alt­grie­chi­schen über­set­zen lässt, mal wie­der ins Kino geschafft. Die­ses Mal mit Matt Damon in der Haupt­rol­le, der ja sonst recht sym­pa­thisch rüber­kommt. Ich ken­ne noch den alten Schin­ken aus dem Jahr 1954 mit Kirk Dou­glas in der Titel­rol­le – und zuge­ge­ben, span­nend fand ich den frü­her schon: Die vie­len Aben­teu­er in einer mythi­schen Welt mit den Göt­tern Posei­don, Athe­ne etc., der mäch­ti­gen Zau­be­rin Kir­ke, dem Mee­res­un­ge­heu­er Skyl­la, dem ein­äu­gi­gen Zyklo­pen Poly­phem, den men­schen­fres­sen­den Rie­sen … Das hat schon was.

Wenn ein fast 3000 Jah­re altes Epos so lan­ge über­dau­ert, zählt es zurecht zum klas­si­schen Bil­dungs­ka­non, das ab und an neu ver­filmt wer­den will. Der Zeit­punkt für eine Neu­ver­fil­mung kommt aber viel­leicht nicht zufäl­lig und ver­rät womög­lich mehr über uns selbst, als uns lieb ist:

Trifft die Geschich­te der Irr­fahr­ten des Odys­seus einen Nerv? Krie­ge, Kata­stro­phen, Kli­ma­wan­del sind die Unge­heu­er“, die unse­re Moder­ne beu­teln und dank neu­er Medi­en auch den Sofa­hel­den in sei­nem ganz pri­va­ten Itha­ka im Wohn­zim­mer erreichen.

Wie Odys­seus lie­ben wir unse­re Hei­mat, alles Frem­de aber schät­zen vie­le nur auf maß­ge­schnei­der­ten Pau­schal­rei­sen; Irr­fahr­ten und Aben­teu­er nur im TV. Vie­le aber seh­nen sich nach ech­ten Hel­den, die anpa­cken und sich was trau­en. So einer wie Odysseus …?

Sind wir viel­leicht sogar ein biss­chen Odys­seus? Auch wir sind doch ger­ne die Herr­scher über unser eige­nes Geschick und las­sen uns nur ungern drein­re­den, weder von unse­ren Nächs­ten noch von Göttern.

Aber mit­re­den wol­len wir. Auch die Neben­schau­plät­ze und die Debat­ten, die die­sen Film beglei­ten, erzäh­len viel über uns. Zum Bei­spiel die Fra­ge, ob die schö­ne Hele­na von Tro­ja im Film eine dunk­le Haut­far­be haben darf. Auf der Platt­form X hat sich u.a. ein berühm­ter US-Tech-Unter­neh­mer dar­über beschwert, dass die laut Epos schöns­te Frau der Welt“ nicht von einer Schau­spie­le­rin mit wei­ßer Haut­far­be besetzt wor­den sei. Ziem­lich klein­ka­riert. Und ein in die­sen Neu­en Main­stream Medi­en“ ver­mit­tel­ter Zeit­geist“, bei dem sich Odys­seus nur ver­wun­dert die Augen gerie­ben hät­te, denn die Fra­ge, wel­che Haut­far­be jemand hat­te, spiel­te im anti­ken Grie­chen­land kei­ne beson­de­re Rol­le. In die­sem Punkt sind wir Katho­li­ken uns mit den alten Grie­chen übri­gens einig.

Aller­dings machen wir Katho­li­ken lie­ber Wall­fahr­ten statt Irr­fahr­ten. Gemein­sam mit Men­schen, die wir gern haben, egal wer sie schön fin­det. Und als Chris­ten wis­sen wir, dass nicht vie­le Göt­ter mit uns spie­len, son­dern ein Gott uns beglei­tet; dass der ganz nor­ma­le täg­li­che Wahn­sinn und die vie­len Irr­fahr­ten auf unse­ren Lebens­we­gen nicht auf einer klei­nen Insel im Ioni­schen Meer enden, son­dern in einem himm­li­schen Para­dies; dass auf dem Weg dort­hin nicht die Aben­teu­er zäh­len, son­dern die Taten, die aus Nächs­ten­lie­be gesche­hen – die klei­nen in der Nach­bar­schaft eben­so wie die gro­ßen, die das welt­wei­te Zusam­men­le­ben för­dern. Mit die­sem Wis­sen lässt sich ein altes Epos auf gro­ßer Lein­wand erst so rich­tig genie­ßen. Viel Spaß im Kino wünscht Ihnen:

Michael
Glaß

Redakteur

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