Wir alberten herum, genossen Sonne, Meer und die Leichtigkeit des Seins, wanderten über Berge und Ebenen und ratschten viele Stunden – Leben ist manchmal ganz einfach. Einfach schön.
Eine Woche lang war ich vor Kurzem mit zwei meiner Töchter, 14 und 22 Jahre alt, im Urlaub. Das ist nicht ungewöhnlich: In großen Familien kommt es immer wieder vor, dass nur ein Teil der Familie gemeinsam verreist. Gründe gibt es viele: Nicht alle haben gleichzeitig Zeit, die großen Kinder gehen oft eigene Wege, daheim muss sich jemand um Haus und Tiere kümmern. Worüber aber sowohl meine Töchter als auch ich staunten: Wir waren in dieser Konstellation in unserem großen Feriendomizil Exoten. Wir trafen vor allem auf Großfamilien mit Eltern, Kindern und Großeltern. In unserer Nachbarschaft genossen zudem sehr viele „Durchschnitts“-Familien – Mutter, Vater, ein oder zwei Kinder – das Frühstück. Vereinzelt sahen wir Mütter, die allein mit ihren Kindern unterwegs waren. Und auch das ein oder andere lesbische oder schwule Paar, das mit Nachwuchs dem Winter in den Süden entflohen war, konnten wir ausmachen. Aber nirgends sahen wir einen Vater mit seinen Sprösslingen.
Hätte mir vor 20 Jahren jemand gesagt, dass diese Konstellation im Jahr 2026 außergewöhnlich sein würde, hätte ich ihn ausgelacht. Damals, im Jahr 2003, begann eines meiner größten Lebensabenteuer: Elternzeit. Ich ließ meinen Berufsalltag als Redaktionsleiter hinter mir und kümmerte mich vier Jahre lang vorwiegend um Haushalt und die damals drei kleinen Kinder, während meine Frau das Familieneinkommen sicherte. Es waren herausfordernde Jahre. Ein Kleinkind plus Zwillinge im Säuglingsalter – das zehrt an den Nerven, bringt Eltern gelegentlich zur Verzweiflung und lässt das ein oder andere graue Haar sprießen. Und es waren großartige Jahre. Ich wurde mit einem Reichtum an Erfahrungen beschenkt, der durch nichts zu ersetzen ist, durfte das Wachsen meiner Kinder ganz nah mitverfolgen und lernte unglaublich viel. Der schönste Lohn ist das tiefe Vertrauen, das in dieser Zeit gewachsen ist.
Ich genoss den Exoten-Status als Elternzeit-Vater. Aber ich war auch überzeugt: Das würde sich bald ändern. Der Fortschritt würde weitergehen. Immer mehr Paare würden erkennen, dass beide profitieren, wenn sie Erwerbsarbeit und Elternzeit aufteilen. Was für ein Irrtum! Am Exotenstatus hat sich in zwei Jahrzehnten erstaunlich wenig geändert. Klar nehmen viele Väter inzwischen die zwei „Alibi“-Monate, um den vollen Elterngeldanspruch zu sichern, aber sie kehren dann gleich wieder in den Beruf zurück. Und verpassen so viel.
Traditionelle Rollenbilder, Karriereängste und fehlende betriebliche Unterstützung tragen dazu bei, dass Elternzeit weiterhin überwiegend von Frauen genommen wird. Vielleicht lassen sich manche Paare aber auch zu sehr von gesellschaftlichen Erwartungen einengen. Mein Appell an die Männer: Springt über euren Schatten, lasst euch auf dieses Abenteuer ein! Keine berufliche Karriere kann das ersetzen. Und an die Frauen: Lasst sie machen! Traut ihnen das zu! Es lohnt sich – für die ganze Familie. Nicht nur an herrlichen Urlaubstagen am Meer.
Wolfgang
Krinninger
Chefredakteur



