Ein Mensch mit Ausstrahlung

Redaktion am 04.08.2025

Ausblick unweit der Meilerhütte im Wettersteingebirge, der Heimat von Laura Dahlmeier Info Icon Foto: Linus Krinninger
Ausblick unweit der Meilerhütte im Wettersteingebirge, der Heimat von Laura Dahlmeier. Sie kannte vermutlich jeden Weg ...

Ihr plötzlicher Tod erschütterte ganz Deutschland. Laura Dahlmeier war bekannt und beliebt. Ihr Tod reißt eine Lücke, doch die Faszination der Berge bleibt, stellt der Autor des Editorials unserer aktuellen Ausgabe 32/33-2025 fest.

War­um aus­ge­rech­net sie? Die­ser Wir­bel­wind der Lei­den­schaft, die­se acht­sa­me Grenz­gän­ge­rin auf dem sturm­um­tos­ten Grat, der Frei­heit ver­heißt, die­se Frau, die wie wenig ande­re die Lebens­lust am Limit ver­kör­per­te. Lau­ra Dah­l­mei­er war Extrem­sport­le­rin. Sie hol­te alles aus ihrem Kör­per her­aus und war gleich­zei­tig geseg­net mit einer unbän­di­gen men­ta­len Stär­ke. Des­halb sam­mel­te sie so vie­le Titel, brach sie so vie­le Rekor­de. Doch trotz ihrer Erfol­ge blieb sie immer Mensch: hei­mat­ver­bun­den, boden­stän­dig, nah­bar, freund­lich, zuge­wandt. Viel­leicht war gera­de des­halb die Bestür­zung im gan­zen Land so groß, als die Nach­richt in der ver­gan­ge­nen Woche um die Welt ging, dass ein Stein­schlag im paki­sta­ni­schen Kara­ko­rum-Gebir­ge sie getö­tet hatte.

Ausblick unweit der Meilerhütte im Wettersteingebirge, der Heimat von Laura Dahlmeier. Info Icon Foto: Linus Krinninger
Ausblick unweit der Meilerhütte im Wettersteingebirge, der Heimat von Laura Dahlmeier. Sie kannte vermutlich jeden Weg ...

Lau­ra Dah­l­mei­er fehlt. Da sind sich alle einig. Die 31-Jäh­ri­ge stand immer für die Freu­de am Sport. Der eme­ri­tier­te Eicht­stät­ter Bischof Gre­gor Maria Han­ke, selbst pas­sio­nier­ter Berg­stei­ger, brach­te gut zum Aus­druck, war­um ihr Tod so eine gro­ße Lücke reißt: Lau­ra Dah­l­mei­er war ein Mensch mit gro­ßer Aus­strah­lung. Nicht allein Kön­nen und Ehr­geiz führ­te sie als Sport­le­rin zu gro­ßen Erfol­gen, son­dern die Hal­tung inne­rer Freu­de. Das ließ sie ihre sport­li­chen Akti­vi­tä­ten spie­le­risch betreiben.“

Der ehe­ma­li­ge Inns­bru­cker Bischof Rein­hold Ste­cher (19212013) hielt die Fas­zi­na­ti­on der Berg­welt in hun­der­ten Bil­dern und Geschich­ten fest. Wun­der­bar beschreibt er den Auf­stieg in der Mond­nacht durch den Eis­bruch hin­ein in den ers­ten Mor­gen­schim­mer über den Glet­scher­fel­dern, die luf­ti­ge Grat­klet­te­rei in der Mor­gen­son­ne oder die Abfahrt auf Ski­ern über den Firn. Dabei wird auch klar, dass erst der müh­se­li­ge Weg hin­auf das Gip­fel­er­leb­nis so beson­ders macht. Der Phi­lo­soph Fried­rich Nietz­sche drück­te das ein­mal so aus: Ohne den guten Wil­len zum Schmer­ze wür­den wir all­zu vie­le Freu­den fah­ren las­sen müssen.“

Oben ange­kom­men, wird wohl jeder und jede von Demut über­wäl­tigt. Die ehr­furchts­ge­bie­ten­de Majes­tät der Berg­welt brei­tet den Tep­pich der Stil­le aus, auf dem das gro­ße Stau­nen Ein­zug hal­ten kann“, schrieb Bischof Ste­cher ein­mal. Dabei sei­en die Ber­ge kei­ne wort­rei­chen, auf­dring­li­chen, läs­ti­gen Sek­ten­pre­di­ger. Sie bie­ten die Bot­schaft des Schöp­fers in vor­neh­mer Ver­hal­ten­heit an.“

Der Wert Frei­heit steht bei mir ganz weit oben und ist mir super wich­tig. Der ist mir hei­lig. Ich ver­su­che, dass ich mir die Frei­heit immer behal­te, egal was ich mache.”

Die ehemalige Weltklasse-Biathletin Laura Dahlmeier (31) ist bei einer Klettertour in Pakistan ums Leben gekommen.

Lau­ra Dah­l­mei­er wur­de schon als Kind von die­ser Fas­zi­na­ti­on ergrif­fen und die­se Begeis­te­rung ließ sie nie mehr los. Ganz ähn­lich erging es wohl auch dem Extrem­klet­te­rer Tho­mas Huber, einem der bei­den Huber­buam“. Er war selbst zur Zeit des Unglücks am Kara­ko­rum unter­wegs, brach sofort auf, als er von dem Not­ruf hör­te und ver­such­te gemein­sam mit ande­ren ver­geb­lich, zum Unglücks­ort zu gelan­gen. Lau­ra Dah­l­mei­er habe ihren Traum bis zuletzt, zu jeder Sekun­de gelebt, schrieb er danach. Sie blei­be für immer ein Vor­bild, dass das Leben ein unfass­ba­res Geschenk sei, das mit Lie­be, Lei­den­schaft und Feu­er erfüllt wer­den soll. Das Ende sei­ner berüh­ren­den Bot­schaft klingt wie ein Ver­mächt­nis: Dei­ne Ener­gie strahlt in den Ber­gen bis hin zur Ewigkeit.“

Wolfgang
Krinninger

Chefredakteur

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