Foto: Linus Krinninger
Ihr plötzlicher Tod erschütterte ganz Deutschland. Laura Dahlmeier war bekannt und beliebt. Ihr Tod reißt eine Lücke, doch die Faszination der Berge bleibt, stellt der Autor des Editorials unserer aktuellen Ausgabe 32/33-2025 fest.
Warum ausgerechnet sie? Dieser Wirbelwind der Leidenschaft, diese achtsame Grenzgängerin auf dem sturmumtosten Grat, der Freiheit verheißt, diese Frau, die wie wenig andere die Lebenslust am Limit verkörperte. Laura Dahlmeier war Extremsportlerin. Sie holte alles aus ihrem Körper heraus und war gleichzeitig gesegnet mit einer unbändigen mentalen Stärke. Deshalb sammelte sie so viele Titel, brach sie so viele Rekorde. Doch trotz ihrer Erfolge blieb sie immer Mensch: heimatverbunden, bodenständig, nahbar, freundlich, zugewandt. Vielleicht war gerade deshalb die Bestürzung im ganzen Land so groß, als die Nachricht in der vergangenen Woche um die Welt ging, dass ein Steinschlag im pakistanischen Karakorum-Gebirge sie getötet hatte.
Foto: Linus Krinninger
Laura Dahlmeier fehlt. Da sind sich alle einig. Die 31-Jährige stand immer für die Freude am Sport. Der emeritierte Eichtstätter Bischof Gregor Maria Hanke, selbst passionierter Bergsteiger, brachte gut zum Ausdruck, warum ihr Tod so eine große Lücke reißt: „Laura Dahlmeier war ein Mensch mit großer Ausstrahlung. Nicht allein Können und Ehrgeiz führte sie als Sportlerin zu großen Erfolgen, sondern die Haltung innerer Freude. Das ließ sie ihre sportlichen Aktivitäten spielerisch betreiben.“
Der ehemalige Innsbrucker Bischof Reinhold Stecher (1921−2013) hielt die Faszination der Bergwelt in hunderten Bildern und Geschichten fest. Wunderbar beschreibt er den Aufstieg in der Mondnacht durch den Eisbruch hinein in den ersten Morgenschimmer über den Gletscherfeldern, die luftige Gratkletterei in der Morgensonne oder die Abfahrt auf Skiern über den Firn. Dabei wird auch klar, dass erst der mühselige Weg hinauf das Gipfelerlebnis so besonders macht. Der Philosoph Friedrich Nietzsche drückte das einmal so aus: „Ohne den guten Willen zum Schmerze würden wir allzu viele Freuden fahren lassen müssen.“
Oben angekommen, wird wohl jeder und jede von Demut überwältigt. Die ehrfurchtsgebietende Majestät der Bergwelt „breitet den Teppich der Stille aus, auf dem das große Staunen Einzug halten kann“, schrieb Bischof Stecher einmal. Dabei seien die Berge keine „wortreichen, aufdringlichen, lästigen Sektenprediger. Sie bieten die Botschaft des Schöpfers in vornehmer Verhaltenheit an.“
„Der Wert Freiheit steht bei mir ganz weit oben und ist mir super wichtig. Der ist mir heilig. Ich versuche, dass ich mir die Freiheit immer behalte, egal was ich mache.”
Laura Dahlmeier wurde schon als Kind von dieser Faszination ergriffen und diese Begeisterung ließ sie nie mehr los. Ganz ähnlich erging es wohl auch dem Extremkletterer Thomas Huber, einem der beiden „Huberbuam“. Er war selbst zur Zeit des Unglücks am Karakorum unterwegs, brach sofort auf, als er von dem Notruf hörte und versuchte gemeinsam mit anderen vergeblich, zum Unglücksort zu gelangen. Laura Dahlmeier habe ihren Traum bis zuletzt, zu jeder Sekunde gelebt, schrieb er danach. Sie bleibe für immer ein Vorbild, dass das Leben ein unfassbares Geschenk sei, das mit Liebe, Leidenschaft und Feuer erfüllt werden soll. Das Ende seiner berührenden Botschaft klingt wie ein Vermächtnis: „Deine Energie strahlt in den Bergen bis hin zur Ewigkeit.“
Wolfgang
Krinninger
Chefredakteur


