Aufbruch und Heimkehr

Redaktion am 07.12.2025

Info Icon Foto: Wolfgang Krinninger

Bald ist Weihnachten, ein Fest für die Familie. Für den Autor des Editorials unserer aktuellen Ausgabe 50-2025 ein Anlass für einen Blick zurück auf ebenso turbulente wie fröhliche Jahre.

Man weiß es lan­ge vor­her und ist dann doch erstaunt: Auf ein­mal sind sie weg! Mit Beginn des Win­ter­se­mes­ters war es soweit: Unse­re Zwil­lin­ge sind aus­ge­zo­gen, um ihr Stu­di­um zu begin­nen. Die ältes­te Toch­ter steht schon län­ger auf eige­nen Füßen. Zurück bleibt unse­re Jüngs­te (14). Sie muss es noch eine Wei­le mit uns Eltern ​„aus­hal­ten“.

Es ist ver­mut­lich eine Bin­sen­weis­heit, aber ich kom­me nicht umhin, sie zu wie­der­ho­len: Die Zeit vom ers­ten Schrei ins Leben bis heu­te ist im Nu ver­flo­gen! Mit der Geburt der Kin­der hat das Lebens­ka­rus­sell mas­siv Fahrt auf­ge­nom­men. Natür­lich blen­de ich Fie­ber­näch­te, ers­te Zäh­ne, schlaf­lo­se Stun­den und ande­re ​„Här­te­fäl­le“ gern aus: jene Cha­os-Tage, an denen man sich ein schnel­le­res Vor­über­se­geln wünsch­te und der Sekun­den­zei­ger wirk­te, als müs­se er sich durch zähen Honig kämp­fen. Doch in der Gesamt­schau erscheint das zurück­lie­gen­de Vier­tel­jahr­hun­dert wie eine Galopp­stre­cke: Klei­ne Schram­men und ver­wein­te Stun­den flie­gen dabei eben­so vor­bei wie Freu­den­tän­ze und glück­lich-ver­spiel­te Son­nen­ta­ge. Die ers­ten wack­li­gen Meter auf dem Fahr­rad wech­seln sich ab mit der Erin­ne­rung an wil­de Schlit­ten­fahr­ten, schrä­ge Flö­ten­tö­ne, flot­te Tanz­schrit­te und hun­der­te Stun­den in den Turn­hal­len des Frei­staats. Manch­mal reicht ein Bild, um eine Kas­ka­de schö­ner Erin­ne­run­gen wach zu rufen. Puber­tä­re Eska­pa­den, an denen ja bekannt­lich immer die Eltern schuld sind, las­sen wir groß­zü­gig bei­sei­te. Schließ­lich kön­nen die Kin­der ja nichts dafür, wenn sich ihr Gehirn neu sor­tiert und Hor­mo­ne sie durch eine Ach­ter­bahn der Gefüh­le jagen. Auch das gehört zum Groß­wer­den dazu. Und irgend­wann stre­cken sie dann die Flü­gel aus…

Mit dem Erwach­sen­wer­den der Kin­der schlägt die Fami­lie ein neu­es Kapi­tel auf. Es ist auch die Zeit des Über­flü­gelns. Dass der Bub grö­ßer und stär­ker ist als ich, habe ich längst hin­ge­nom­men. Doch es bleibt nicht dabei: Die Kin­der den­ken schnel­ler, sind ver­sier­ter im Umgang mit allen (digi­ta­len) Werk­zeu­gen, die das Leben leich­ter machen, und in vie­len Berei­chen auch bes­ser infor­miert. Wir älter wer­den­den Eltern punk­ten vor allem mit Lebens­er­fah­rung – und der Gelas­sen­heit, die sie mit sich bringt. Gebraucht wer­den wir wei­ter­hin: als Zuhö­rer und Rat­ge­ber, als Schul­ter zum Anleh­nen, als Umzugs­hel­fer, Geld­ge­ber, Maler und Lam­pen­mon­teu­re. Und als Bewah­rer jener Hei­mat, zu der man immer wie­der zurück­kehrt – ein Bedürf­nis, das tief im Men­schen ver­wur­zelt ist.

Und so wächst die Vor­freu­de. Bald erfüllt für ein paar Tage wie­der geball­tes Fami­li­en­le­ben das Haus. Vie­le Stim­men ver­we­ben sich zu einem war­men Grund­rau­schen der Nähe. Geschich­ten, Anek­do­ten und Erleb­nis­se der ver­gan­ge­nen Wochen und Mona­te wer­den wie Per­len auf einer Schnur zwi­schen Küche, Kin­der­zim­mern und Wohn­stu­be auf­ge­reiht. Wenn schließ­lich alle wie­der daheim sind – dann ist es auch Weihnachten.

Wolfgang
Krinninger

Chefredakteur

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