Ab auf die Insel

Redaktion am 09.02.2026

Info Icon Foto: Wolfgang Terhörst

Niemand ist eine Insel, alles ist mit allem verbunden – eine Tatsache, der wir uns gerade jetzt in der beginnenden Fastenzeit bewusst werden können, stellt der Autor des Editorials unserer aktuellen Ausgabe 7-2026 fest.

Wer wür­de sich ange­sichts des lan­gen Win­ters nicht ger­ne weg­träu­men auf eine son­ni­ge Insel? Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Johann Wade­phul hat nicht nur geträumt, son­dern ist nach Neu­see­land gereist, um dort den Mini­staat Niue mit sei­nen 260 qkm und 1700 Ein­woh­nern völ­ker­recht­lich anzu­er­ken­nen. Das ein­sa­me Eiland, gele­gen mit­ten im Süd­pa­zi­fik eig­net sich frei­lich trotz durch­schnitt­lich 26 Grad nur bedingt, um unter Pal­men in der Hän­ge­mat­te aus­zu­span­nen. Denn Niue ver­fügt man­gels Unter­künf­ten und Erreich­bar­keit über kei­nen Tou­ris­mus. Auch sonst ist der Vul­kan­fel­sen ange­sichts Umwelt­schä­den und Ein­woh­ner­flucht eher mit dem eige­nen Über­le­ben beschäftigt.

Gera­de des­halb zei­ge die Aner­ken­nung Niues, so Wade­phul, ​„die Wert­schät­zung, die Deutsch­land die­sem Land gegen­über bringt“. Denn die pazi­fi­schen Inseln sei­en ​„beson­ders bedroht vom Kli­ma­wan­del, sie sind in ihrer Exis­tenz bedroht“. Was das mit uns zu tun hat? Nun: ​„Nie­mand ist eine Insel“ wuss­te schon 1975 Best­sel­ler-Autor Johan­nes Mario Sim­mel. Alles hängt mit allem zusam­men. Unser Wohl­stands­müll ver­schmutzt ton­nen­wei­se gera­de die Urlaubs­ge­bie­te, in denen wir uns so ger­ne erho­len: im Pazi­fik, in Indo­ne­si­en, im Mit­tel­meer oder der Nordsee.

„Nie­mand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kon­ti­nents, ein Teil des Fest­lan­des. Wenn eine Schol­le ins Meer gespült wird, wird Euro­pa weni­ger, genau­so als wenn’s eine Land­zun­ge wäre, oder ein Land­gut dei­nes Freun­des oder dein eige­nes. Jedes Men­schen Tod ist mein Ver­lust, denn ich bin Teil der Mensch­heit; und dar­um ver­lan­ge nie zu wis­sen, wem die Stun­de schlägt; sie schlägt dir selbst.”

John Donne (1572-1631) – Der englische Schriftsteller und Prediger in seinen „Andachten zu besonderen Anlässen“.

Das alles soll jetzt nie­man­dem die wohl­ver­dien­te Aus­zeit ver­mie­sen. Aber gera­de jetzt, wo ange­lockt von Früh­bu­cher­ra­bat­ten Mil­lio­nen ihren Som­mer­ur­laub pla­nen, scha­det ein kri­ti­scher Blick nicht. Es ist eben auch auf Bali oder anders­wo nicht alles Gold, was glänzt, nicht unbe­rühr­ter Sand­strand, was früh­mor­gens von Rei­ni­gungs­kräf­ten für die Tou­ris­ten gesäu­bert wird. Ger­ne ab auf die Insel – aber viel­leicht in dem Bewusst­sein, was Mensch und Natur dort lang­fris­ti­ger hilft als unser Urlaubs­bud­get. Näm­lich Ver­ant­wor­tung schon Zuhau­se. Gera­de im Klei­nen ist vie­les mög­lich: Mehr­weg statt Ein­weg, Bio statt bil­lig, weni­ger statt immer mehr, Qua­li­täts- statt Wegwerfware …

„Heu­te wird die Natur um uns her­um nicht mehr bewun­dert, son­dern ver­schlun­gen. Kon­sum­krank het­zen wir uns ab, aber die Namen unse­rer Nach­barn ken­nen wir nicht mehr“, sag­te Papst Fran­zis­kus, ​„geschwei­ge denn, dass wir einen Baum von einem ande­ren unter­schei­den kön­nen.“ Und, was noch schlim­mer sei: ​„Mit die­ser Lebens­wei­se büßt man sei­ne Wur­zeln ein, man ver­liert die Dank­bar­keit für das, was da ist.“ Hel­fen kön­ne Kon­tem­pla­ti­on: ​„Man muss sich zum Bei­spiel aus der Gefan­gen­schaft des Mobil­te­le­fons befrei­en, um in die Augen derer schau­en, die neben uns ste­hen, und in die Augen der Schöp­fung, die uns geschenkt wurde.“

Was könn­te dafür bes­ser geeig­net sein als die jetzt begin­nen­de Fas­ten­zeit? Der ​„Mut zur Stil­le“ kann nicht nur den Blick für den Ande­ren, für die Umwelt schär­fen, son­dern im bes­ten Fall mit dem Blick nach innen auch die Fra­ge beant­wor­ten: ​„Was nährt mein Leben wirk­lich?“ Das geht sogar ganz unkom­pli­ziert mit den Online-Fas­ten­ex­er­zi­ti­en des Bis­tums Pas­sau.

Wolfgang
Terhörst

Redaktionsleiter

Weitere Nachrichten

Bistum
19.10.2026

Neue Wege gehen

Der Auftaktgottesdienst zum „Pastoralen Raum Osterhofen“ in der Pfarrkirche Kurzenisarhofen bot eine…

Nachricht
19.10.2026

Mit der Kraft der Sonne

Das Bistum Passau nimmt seine Schöpfungsverantwortung ernst:  Auf den Dächern rund um den Domplatz sind in…

Wallfahrt
19.10.2026

Gemeinsam durchs Wallfahrtsjahr

Der neue „Wallfahrtskalender Unserer Lieben Frau von Altötting“ ist ab sofort erhältlich

Wallfahrt
19.10.2026

Ein Tag „für die wichtigsten Mitarbeiter der Muttergottes“

Bei der Pilgerleitertagung am 17. Oktober stellte Wallfahrtsrektor Prälat Klaus Metzl das Motto für die…