Wer würde sich angesichts des langen Winters nicht gerne wegträumen auf eine sonnige Insel? Bundesaußenminister Johann Wadephul hat nicht nur geträumt, sondern ist nach Neuseeland gereist, um dort den Ministaat Niue mit seinen 260 qkm und 1700 Einwohnern völkerrechtlich anzuerkennen. Das einsame Eiland, gelegen mitten im Südpazifik eignet sich freilich trotz durchschnittlich 26 Grad nur bedingt, um unter Palmen in der Hängematte auszuspannen. Denn Niue verfügt mangels Unterkünften und Erreichbarkeit über keinen Tourismus. Auch sonst ist der Vulkanfelsen angesichts Umweltschäden und Einwohnerflucht eher mit dem eigenen Überleben beschäftigt.
Gerade deshalb zeige die Anerkennung Niues, so Wadephul, „die Wertschätzung, die Deutschland diesem Land gegenüber bringt“. Denn die pazifischen Inseln seien „besonders bedroht vom Klimawandel, sie sind in ihrer Existenz bedroht“. Was das mit uns zu tun hat? Nun: „Niemand ist eine Insel“ wusste schon 1975 Bestseller-Autor Johannes Mario Simmel. Alles hängt mit allem zusammen. Unser Wohlstandsmüll verschmutzt tonnenweise gerade die Urlaubsgebiete, in denen wir uns so gerne erholen: im Pazifik, in Indonesien, im Mittelmeer oder der Nordsee.
„Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes. Wenn eine Scholle ins Meer gespült wird, wird Europa weniger, genauso als wenn’s eine Landzunge wäre, oder ein Landgut deines Freundes oder dein eigenes. Jedes Menschen Tod ist mein Verlust, denn ich bin Teil der Menschheit; und darum verlange nie zu wissen, wem die Stunde schlägt; sie schlägt dir selbst.”
Das alles soll jetzt niemandem die wohlverdiente Auszeit vermiesen. Aber gerade jetzt, wo angelockt von Frühbucherrabatten Millionen ihren Sommerurlaub planen, schadet ein kritischer Blick nicht. Es ist eben auch auf Bali oder anderswo nicht alles Gold, was glänzt, nicht unberührter Sandstrand, was frühmorgens von Reinigungskräften für die Touristen gesäubert wird. Gerne ab auf die Insel – aber vielleicht in dem Bewusstsein, was Mensch und Natur dort langfristiger hilft als unser Urlaubsbudget. Nämlich Verantwortung schon Zuhause. Gerade im Kleinen ist vieles möglich: Mehrweg statt Einweg, Bio statt billig, weniger statt immer mehr, Qualitäts- statt Wegwerfware …
„Heute wird die Natur um uns herum nicht mehr bewundert, sondern verschlungen. Konsumkrank hetzen wir uns ab, aber die Namen unserer Nachbarn kennen wir nicht mehr“, sagte Papst Franziskus, „geschweige denn, dass wir einen Baum von einem anderen unterscheiden können.“ Und, was noch schlimmer sei: „Mit dieser Lebensweise büßt man seine Wurzeln ein, man verliert die Dankbarkeit für das, was da ist.“ Helfen könne Kontemplation: „Man muss sich zum Beispiel aus der Gefangenschaft des Mobiltelefons befreien, um in die Augen derer schauen, die neben uns stehen, und in die Augen der Schöpfung, die uns geschenkt wurde.“
Was könnte dafür besser geeignet sein als die jetzt beginnende Fastenzeit? Der „Mut zur Stille“ kann nicht nur den Blick für den Anderen, für die Umwelt schärfen, sondern im besten Fall mit dem Blick nach innen auch die Frage beantworten: „Was nährt mein Leben wirklich?“ Das geht sogar ganz unkompliziert mit den Online-Fastenexerzitien des Bistums Passau.
Wolfgang
Terhörst
Redaktionsleiter



