Foto: Alois Kreipl
Was bewegt die Christen gestern und heute – eine Diskussion mit offenem Ausgang
Der Seniorentreff stellt für seine monatlichen Zusammenkünfte immer wieder interessante Themen in den Fokus und lädt dazu Experten als Referenten und Diskussionspartner ein. Dieses Mal hatte man gleich zwei kompetente Ansprechpartner zur Hand. Das Thema, über das man mehr erfahren wollte, war in gemeinsamer Runde mit Kaplan Pater Johannes Strahl während des Pfarrausflugs die Woche davor schnell gefunden: „Kirchgang – ein Glaubensweg im Wandel der Zeit – eine Betrachtung damals und heute“.
Organisatorin Karola Schuster konnte auch den Zweiten Bürgermeister Alois Kreipl und neben dem Hauptreferenten Pater Johannes auch seinen Regens vom Priesterseminar Regensburg, Christoph Leuchtner, begrüßen. Dieser betonte in seinen Grußworten, dass er immer noch mit der Gemeinde Aicha verbunden sei, immerhin habe er vor zehn Jahren als Diakon im Pfarrverband Aicha/Fürstenstein seine ersten klerikalen Schritte getan. Das Impuls-Referat begann mit dem markanten Satz: „Ich komme zu euch, weil –ihr kommt damit auch zu mir.“ Was ist die Bedeutung des Kirchgangs im religiösen Kontext? Das ist der Kern des Sonntagsgebots, denn seit der Urkirche seien die Christen regelmäßig zusammengekommen, um gemeinsam das Brot zu brechen und zu beten und um damit auch Gemeinschaft zu pflegen. Viele Rituale und kirchlichen Feste hätten sich daraus entwickelt. Die religiös-kulturelle Verbundenheit äußere sich auch in einer gewissen Feierkultur und dem Brauchtum, das sich meist aus den religiösen Festen heraus entwickelte. Die Älteren wüssten noch ganz genau, dass man im Schrank seine gute Sonntagskleidung aufbewahrte, um zu zeigen, dass der sogenannte Tag des Herrn etwas Besonderes war.
Natürlich sei die Gesellschaft in stetem Wandel und vielen Einflüssen wie technischen Entwicklungen ausgesetzt und die allgemeine Säkularisierung und die Macht der Medien seien überall zu spüren. Auch sei ein Vertrauensverlust nicht zu leugnen und die Individualisierung der Menschen tue ihr Übriges. Nicht mehr die allgemeine Tradition des Kirchgangs sei Richtschnur, sondern die individuelle Entscheidung jedes Einzelnen und damit inzwischen quasi reine Privatsache. Und da gebe es heute jede Menge anderer Möglichkeiten, wie man seine Zeit gestalten könne. Wie man das Erlebnis der Gemeinschaft im Glauben den jungen Leuten wieder nahe bringen kann, darüber streiten sich die Gelehrten. Das sei aber nicht lediglich eine Erscheinung der Neuzeit, denn schon der Apostel Paulus habe in einem Brief an eine Gemeinde geschrieben: „Verlasst nicht eure Zusammenkünfte, pflegt diesen gemeinsamen Ausdruck des Glaubens und der Gemeinschaft!“
Man könne vieles versuchen, um die Gottesdienste attraktiver zu gestalten, aber letztlich komme es darauf an, dass die Menschen wieder die Gemeinschaft suchen und in der Kirche auch finden. Dies gehöre zum Leben wie die Luft zum Atmen. In der anschließenden Diskussion wurde der Appell vorgebracht, die erprobte jahrtausendealte Kultur doch besser zu pflegen. Als Beispiel wurde genannt, dass heute viele Beerdigungen nur noch im engsten Familienkreis stattfänden, ohne dass Weggefährten, Freunde und Nachbarn die Möglichkeit hätten, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Abschied nehmen zu können von einem lieben Menschen, sei doch auch ein Grundbedürfnis und die Trauer in Gemeinschaft oft sehr hilfreich. Nach reger Diskussion bedankte sich Pater Johannes für die zahlreiche Teilnahme und beendete den offiziellen Teil mit einem kurzen Gebet.
Text und Foto: Alois Kreipl



