Spannende Vorstandswahl: Diözesanrat künftig mit Doppelspitze. Darüber hinaus sind neue Sachausschüsse geplant, unter anderem zu "heißen" Themen wie "Demokratie und Extremismus".
Wahlen im Ehrenamt: sowieso nur Formsache? Nicht so bei der Diözesanratswahl 2026. Während bei früheren Vorstandswahlen des höchsten Laiengremiums im Bistum – bisher standen stets Männer an der Spitze des Rates –, meist durchaus vorher abzusehen war, wer das ebenso verantwortungsvolle wie arbeitsaufwändige Ehrenamt übernehmen wird, wurde es dieses Jahr spannend. Denn nie zuvor haben sich so viele Männer und Frauen zur Wahl gestellt, allein für das Amt der/des ersten Vorsitzenden gab es sechs Bewerbungen. So war der gesamte Konferenzteil am Samstag den Neuwahlen vorbehalten – Zeit, die dringend gebraucht wurde. Eigentlich sollte spätestens zum Zwölf-Uhr-Läuten feststehen, wer das Gremium künftig führen wird, doch bis weit in den Nachmittag hinein wurde diskutiert und abgestimmt; ein schönes Zeichen dafür, dass Demokratie im Diözesanrat gelebt wird, aber auch dafür, dass es dort nach wie vor viele Engagierte gibt, die sich einbringen und Verantwortung übernehmen wollen.
Vor der Neubesetzung der Ämter galt es jedoch, über eine Grundsatzfrage abzustimmen. Ob nämlich der Diözesanrat, wie bisher, vor einer Einzelperson geführt werden soll, oder aber von einer Doppelspitze, die, gemäß der Satzung, paritätisch von einem Mann und einer Frau zu besetzen ist. Gerade die Bedingung der gleichberechtigten Besetzung ließ jene, die sich schon lange eine Vorsitzende gewünscht haben und dieses Ziel erstmals in greifbarer Nähe sahen, zögern. Letztendlich überzeugten aber die Argumente für eine Aufteilung: die Entlastung, die sich dadurch für beide Ehrenamtliche ergeben wird, die Möglichkeit des Austausches, die Tatsache, dass eine gemischt besetzte Doppelspitze das christliche Verständnis von der Gleichwertigkeit aller Menschen abbildet, die Chance, unterschiedliche Perspektiven gegenüberzustellen. Mit überwältigender Mehrheit (46 von 50 Stimmen) sprach sich der Diözesanrat für die Etablierung der Doppelspitze aus.
Foto: Barbara Osdarty
Für die Position des Vorsitzenden gab es zwei Bewerber, für die der Vorsitzenden vier. Jede und jeder von ihnen bekam Zeit, sich vorzustellen, geplante Arbeitsschwerpunkte aufzuzeigen und Zukunftsvisionen zu entfalten. Im Anschluss wurde diskutiert, die Bewerber wurden auf „Herz und Nieren“ geprüft und mussten sich dabei fachlichen wie auch persönlichen Fragen stellen. Viele in der Versammlung waren erstaunt, welch unterschiedliche Perspektiven dabei eingebracht wurden: Schnell war klar, dass es nicht nur um eine Wahl von Personen und auch nicht die Auslotung von Sympathien geht, sondern um echte Alternativen bei Sachfragen, Führungsstil, Schwerpunktthemen. Bei den Männern konnte Hans Käser schon im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen (32 von 49 Stimmen) und stand somit früh als Vorsitzender fest. Spannender gestaltete sich die Wahl bei den Damen: Sowohl im ersten als auch im zweiten Wahlgang zeichnete sich keine eindeutige Mehrheit ab; im dritten Wahlgang wurde dann Maria Kölbl zur neuen Vorsitzenden gewählt (22 von 49 Stimmen). Stellvertreterinnen werden künftig Birgit Geier, Angelika Görmiller und Stefanie Pittner sein. Darüber hinaus wurden acht weitere Vorstandsmitglieder sowie die Vertreter beim Landeskomitee und beim ZDK gewählt.
Maria Kölbl und Hans Käser freuen sich über das Vertrauen, das ihnen durch die Wahl entgegengebracht wird. Kölbl betonte, dass es ihr darum geht, Probleme auch wirklich anzugehen: „Ich glaube, Konfliktfähigkeit ist schon etwas, das mich auch auszeichnet“, sagt sie von sich selbst. „Ich möchte nicht bequem sein, sondern Haltung zeigen.“ Ihr Motto ist: „Lass Dinge nicht einfach gut sein, sondern lass es sein, wenn es gut ist.“ Die Stärkung und Unterstützung des Ehrenamtes liegt ihr daneben besonders am Herzen und auch im Diözesanrat möchte sie sich genau dafür einsetzen. Hans Käser zeigte auf, dass er „für Synodalität brennt“ und möchte diese Methode künftig auch im Diözesanrat noch stärker verankern. Daneben will er Digitalisierungsprozesse vorantreiben – ein Anliegen, für das er als Programmierer und IT-Systemingenieur auch die fachliche Expertise mitbringt. Ihm ist es wichtig, als Vorsitzender keine „1‑Mann-Show“ zu liefern: „Ich setze auf alle.“ Dass er als nicht Verheirateter nun Teil einer gemischtgeschlechtlichen Doppelspitze ist, hat er mit einem Augenzwinkern quittiert: „Ich fühle mich da nicht überfordert, immerhin bin ich mit zwei Schwestern aufgewachsen!“
Neben den Wahlen ging es auch darum, die künftigen Sachausschüsse zu installieren. Es wurde beschlossen, die neun bestehenden Sachausschüsse vorerst fortzuführen – in der in Kürze stattfindenden Vorstandsklausur soll aber noch einmal überlegt werden, ob sich an der Aufteilung oder der Arbeitsweise eventuell noch etwas ändern wird. Die aktuellen Sachausschüsse arbeiten zu den Themen „Asyl, Migration und Integration“, „Bildung und Erziehung“, „Ehe, Familie und Partnerschaft“, „Mission, Entwicklung und Frieden“, „Jugend“, „Synodalität, Spiritualität und pastorale Entwicklung“, „Berufs- und Arbeitswelt“, „Schöpfung und Umwelt“ und „Senioren“. Viele Versammlungsmitglieder haben bereits ihre Bereitschaft zur Mitarbeit bei dem einen oder anderen Thema signalisiert, die konstituierenden Sitzungen finden in den nächsten Wochen statt. Spannend war der Vorschlag, zwei neue Sachausschüsse zu etablieren, und zwar zu den Themen „Demokratie und (Rechts)extremismus“, wobei die Mehrheit dafür plädierte, den Extremismus-Begriff weit zu fassen und nicht nur jede Art von politischem Extremismus, sondern auch beispielsweise religiöse Gruppierungen mit einzubeziehen, und „Welt und Religionen“, um bewusst über den eigenen Tellerrand zu schauen und auch als Diözesanrat religiöse Weite mehr in den Blick zu nehmen. Beide Sachausschüsse wurden im Rahmen der Versammlung noch nicht gegründet – der neue Vorstand wird sich aber auf seiner Klausur mit den Themen befassen und nach geeigneten Formen, sich damit zu beschäftigen, suchen.