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Demokratie hautnah

Barbara Osdarty am 17.10.2026

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Der scheidende Diözesanratsvorsitzende Markus Biber (hinten, Mitte) mit dem neuen geschäftsführenden Vorstand (v.l.): Stefanie Pittner (stellv. Vorsitzende), Hans Käser (Vorsitzender), Thomas Huber (Geschäftsführer), Maria Kölbl (Vorsitzende), Birgit Geier (stellv. Vorsitzende), Dr. Hans Bauernfeind (Geistl. Beirat) und Angelika Görmiller (stellv. Vorsitzende).

Spannende Vorstandswahl: Diözesanrat künftig mit Doppelspitze. Darüber hinaus sind neue Sachausschüsse geplant, unter anderem zu "heißen" Themen wie "Demokratie und Extremismus".

Wah­len im Ehren­amt: sowie­so nur Form­sa­che? Nicht so bei der Diö­ze­san­rats­wahl 2026. Wäh­rend bei frü­he­ren Vor­stands­wah­len des höchs­ten Lai­en­gre­mi­ums im Bis­tum – bis­her stan­den stets Män­ner an der Spit­ze des Rates –, meist durch­aus vor­her abzu­se­hen war, wer das eben­so ver­ant­wor­tungs­vol­le wie arbeits­auf­wän­di­ge Ehren­amt über­neh­men wird, wur­de es die­ses Jahr span­nend. Denn nie zuvor haben sich so vie­le Män­ner und Frau­en zur Wahl gestellt, allein für das Amt der/​des ers­ten Vor­sit­zen­den gab es sechs Bewer­bun­gen. So war der gesam­te Kon­fe­renz­teil am Sams­tag den Neu­wah­len vor­be­hal­ten – Zeit, die drin­gend gebraucht wur­de. Eigent­lich soll­te spä­tes­tens zum Zwölf-Uhr-Läu­ten fest­ste­hen, wer das Gre­mi­um künf­tig füh­ren wird, doch bis weit in den Nach­mit­tag hin­ein wur­de dis­ku­tiert und abge­stimmt; ein schö­nes Zei­chen dafür, dass Demo­kra­tie im Diö­ze­san­rat gelebt wird, aber auch dafür, dass es dort nach wie vor vie­le Enga­gier­te gibt, die sich ein­brin­gen und Ver­ant­wor­tung über­neh­men wol­len.

Vor der Neu­be­set­zung der Ämter galt es jedoch, über eine Grund­satz­fra­ge abzu­stim­men. Ob näm­lich der Diö­ze­san­rat, wie bis­her, vor einer Ein­zel­per­son geführt wer­den soll, oder aber von einer Dop­pel­spit­ze, die, gemäß der Sat­zung, pari­tä­tisch von einem Mann und einer Frau zu beset­zen ist. Gera­de die Bedin­gung der gleich­be­rech­tig­ten Beset­zung ließ jene, die sich schon lan­ge eine Vor­sit­zen­de gewünscht haben und die­ses Ziel erst­mals in greif­ba­rer Nähe sahen, zögern. Letzt­end­lich über­zeug­ten aber die Argu­men­te für eine Auf­tei­lung: die Ent­las­tung, die sich dadurch für bei­de Ehren­amt­li­che erge­ben wird, die Mög­lich­keit des Aus­tau­sches, die Tat­sa­che, dass eine gemischt besetz­te Dop­pel­spit­ze das christ­li­che Ver­ständ­nis von der Gleich­wer­tig­keit aller Men­schen abbil­det, die Chan­ce, unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven gegen­über­zu­stel­len. Mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit (46 von 50 Stim­men) sprach sich der Diö­ze­san­rat für die Eta­blie­rung der Dop­pel­spit­ze aus.

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Spannend wurde es vor allem bei der Wahl der Vorsitzenden

Für die Posi­ti­on des Vor­sit­zen­den gab es zwei Bewer­ber, für die der Vor­sit­zen­den vier. Jede und jeder von ihnen bekam Zeit, sich vor­zu­stel­len, geplan­te Arbeits­schwer­punk­te auf­zu­zei­gen und Zukunfts­vi­sio­nen zu ent­fal­ten. Im Anschluss wur­de dis­ku­tiert, die Bewer­ber wur­den auf ​„Herz und Nie­ren“ geprüft und muss­ten sich dabei fach­li­chen wie auch per­sön­li­chen Fra­gen stel­len. Vie­le in der Ver­samm­lung waren erstaunt, welch unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven dabei ein­ge­bracht wur­den: Schnell war klar, dass es nicht nur um eine Wahl von Per­so­nen und auch nicht die Aus­lo­tung von Sym­pa­thien geht, son­dern um ech­te Alter­na­ti­ven bei Sach­fra­gen, Füh­rungs­stil, Schwer­punkt­the­men. Bei den Män­nern konn­te Hans Käser schon im ers­ten Wahl­gang die abso­lu­te Mehr­heit errei­chen (32 von 49 Stim­men) und stand somit früh als Vor­sit­zen­der fest. Span­nen­der gestal­te­te sich die Wahl bei den Damen: Sowohl im ers­ten als auch im zwei­ten Wahl­gang zeich­ne­te sich kei­ne ein­deu­ti­ge Mehr­heit ab; im drit­ten Wahl­gang wur­de dann Maria Kölbl zur neu­en Vor­sit­zen­den gewählt (22 von 49 Stim­men). Stell­ver­tre­te­rin­nen wer­den künf­tig Bir­git Gei­er, Ange­li­ka Gör­mil­ler und Ste­fa­nie Pitt­ner sein. Dar­über hin­aus wur­den acht wei­te­re Vor­stands­mit­glie­der sowie die Ver­tre­ter beim Lan­des­ko­mi­tee und beim ZDK gewählt.

Maria Kölbl und Hans Käser freu­en sich über das Ver­trau­en, das ihnen durch die Wahl ent­ge­gen­ge­bracht wird. Kölbl beton­te, dass es ihr dar­um geht, Pro­ble­me auch wirk­lich anzu­ge­hen: ​„Ich glau­be, Kon­flikt­fä­hig­keit ist schon etwas, das mich auch aus­zeich­net“, sagt sie von sich selbst. ​„Ich möch­te nicht bequem sein, son­dern Hal­tung zei­gen.“ Ihr Mot­to ist: ​„Lass Din­ge nicht ein­fach gut sein, son­dern lass es sein, wenn es gut ist.“ Die Stär­kung und Unter­stüt­zung des Ehren­am­tes liegt ihr dane­ben beson­ders am Her­zen und auch im Diö­ze­san­rat möch­te sie sich genau dafür ein­set­zen. Hans Käser zeig­te auf, dass er ​„für Syn­oda­li­tät brennt“ und möch­te die­se Metho­de künf­tig auch im Diö­ze­san­rat noch stär­ker ver­an­kern. Dane­ben will er Digi­ta­li­sie­rungs­pro­zes­se vor­an­trei­ben – ein Anlie­gen, für das er als Pro­gram­mie­rer und IT-Sys­tem­in­ge­nieur auch die fach­li­che Exper­ti­se mit­bringt. Ihm ist es wich­tig, als Vor­sit­zen­der kei­ne ​„1‑Mann-Show“ zu lie­fern: ​„Ich set­ze auf alle.“ Dass er als nicht Ver­hei­ra­te­ter nun Teil einer gemischt­ge­schlecht­li­chen Dop­pel­spit­ze ist, hat er mit einem Augen­zwin­kern quit­tiert: ​„Ich füh­le mich da nicht über­for­dert, immer­hin bin ich mit zwei Schwes­tern aufgewachsen!“

Neben den Wah­len ging es auch dar­um, die künf­ti­gen Sach­aus­schüs­se zu instal­lie­ren. Es wur­de beschlos­sen, die neun bestehen­den Sach­aus­schüs­se vor­erst fort­zu­füh­ren – in der in Kür­ze statt­fin­den­den Vor­stands­klau­sur soll aber noch ein­mal über­legt wer­den, ob sich an der Auf­tei­lung oder der Arbeits­wei­se even­tu­ell noch etwas ändern wird. Die aktu­el­len Sach­aus­schüs­se arbei­ten zu den The­men ​„Asyl, Migra­ti­on und Inte­gra­ti­on“, ​„Bil­dung und Erzie­hung“, ​„Ehe, Fami­lie und Part­ner­schaft“, ​„Mis­si­on, Ent­wick­lung und Frie­den“, ​„Jugend“, ​„Syn­oda­li­tät, Spi­ri­tua­li­tät und pas­to­ra­le Ent­wick­lung“, ​„Berufs- und Arbeits­welt“, ​„Schöp­fung und Umwelt“ und ​„Senio­ren“. Vie­le Ver­samm­lungs­mit­glie­der haben bereits ihre Bereit­schaft zur Mit­ar­beit bei dem einen oder ande­ren The­ma signa­li­siert, die kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zun­gen fin­den in den nächs­ten Wochen statt. Span­nend war der Vor­schlag, zwei neue Sach­aus­schüs­se zu eta­blie­ren, und zwar zu den The­men ​„Demo­kra­tie und (Rechts)extremismus“, wobei die Mehr­heit dafür plä­dier­te, den Extre­mis­mus-Begriff weit zu fas­sen und nicht nur jede Art von poli­ti­schem Extre­mis­mus, son­dern auch bei­spiels­wei­se reli­giö­se Grup­pie­run­gen mit ein­zu­be­zie­hen, und ​„Welt und Reli­gio­nen“, um bewusst über den eige­nen Tel­ler­rand zu schau­en und auch als Diö­ze­san­rat reli­giö­se Wei­te mehr in den Blick zu neh­men. Bei­de Sach­aus­schüs­se wur­den im Rah­men der Ver­samm­lung noch nicht gegrün­det – der neue Vor­stand wird sich aber auf sei­ner Klau­sur mit den The­men befas­sen und nach geeig­ne­ten For­men, sich damit zu beschäf­ti­gen, suchen.

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