Foto: Christine Limmer
Das Seelsorgeteam des Pfarrverbandes Feichten erhält Verstärkung: Der 44-jährige Benjamin Bößenroth hat am 1. September seine Stelle als Diakon angetreten. Hat er damit seine Berufung gefunden? Über einen Glaubensweg, der in Taizé begann.
Offiziell gehört Bößenroth organisatorisch zum Seelsorgeraum Burghausen, sein Dienstvorgesetzter ist Prodekan Erwin Jaindl. Schwerpunktmäßig wird er jedoch im Pfarrverband Feichten sowie im Pfarrverband Burgkirchen tätig sein. Fachlich begleitet ihn Pfarrer Michael Witti. Welche Aufgabenfelder er im Seelsorgeteam übernehmen wird, steht noch nicht endgültig fest. Sicher ist aber: Als Religionslehrer wird er an den Grundschulen Heiligkreuz, Hart (Nikodem-Caro-Grundschule) und Burgkirchen jeweils die dritten Klassen im Fach Religion unterrichten. Weitere 25 Wochenstunden widmet er dem pastoralen Dienst – „von der Wiege bis zur Bahre“, wie er seine vielfältigen Aufgaben selbst beschreibt.
Zum Beruf des Diakons kam Benjamin Bößenroth nicht auf dem klassischen Weg, sondern über eine intensive Glaubenserfahrung in Taizé. Geboren in Fulda und in Neubeuern aufgewachsen, führte ihn sein Lebensweg über Haag, Burghausen und Arbing. Beruflich war er zunächst in der Finanz- und Versicherungsbranche tätig, unter anderem als Bankkaufmann, selbstständiger Versicherungsfachmann und Projektleiter in München.
Seine spätere Frau brachte ihn zu einer Jugendmesse in Braunau, wo er auf einen Flyer für eine Reise nach Taizé aufmerksam wurde – der Beginn einer entscheidenden spirituellen Wegmarke. Die dortige Atmosphäre ließ ihn nicht mehr los, besonders der Satz aus dem Taizé-Liederbuch „Herr, mach mich zu deinem Werkzeug“.
Zurück in der Heimat, engagierte er sich zunächst im Pfarrgemeinderat in Burghausen, gestaltete Familiengottesdienste mit, sang im Spontichor und arbeitete in der Öffentlichkeitsarbeit. Parallel besuchte er regelmäßig den Jugendgebetskreis in Braunau, wo er beim damaligen Kaplan Martin Truttenberger, bekannt als „Motorradpfarrer“, neue Impulse fand.
Ein geplantes Sabbatjahr führte das Ehepaar schließlich nach Barreiras im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Statt einer Weltreise verbrachten beide dort ein soziales Jahr bei der Kinderhilfe „Cater Vento“, die von Benediktinern und Benediktinerinnen aus Oberösterreich gegründet wurde. Bößenroth engagierte sich in der Kurie für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising, lernte Portugiesisch und erlebte hautnah, wie Diakone vor Ort die Seelsorge maßgeblich tragen. Musizieren und Gemeinschaft stärkten seinen Wunsch, selbst diesen Weg einzuschlagen.
Nach der Rückkehr begann er ein Theologie-Fernstudium. Praktische Erfahrungen sammelte er in der Pfarrei Altötting und im dortigen Krankenhaus. Am 9. November 2019 wurde er von Bischof Stefan Oster in Hacklberg zum Diakon geweiht. Zunächst war er als „Diakon im Zivilberuf“ im Pfarrverband Reischach tätig – neben seiner Arbeit als europaweit tätiger IT-Projektleiter. Firm- und Erstkommunionvorbereitung erfüllten ihn, doch der Wunsch nach mehr Raum für die Seelsorge wuchs.
Ein Gespräch mit Bischof Oster brachte den entscheidenden Schritt: Ab 2022 absolvierte er eine dreijährige Ausbildung zum Religionslehrer und legte die zweite Dienstprüfung zum Gemeindereferenten ab. Während dieser Zeit wirkte er in den Pfarrverbänden Winhöring und Altötting. Mit Abschluss der Ausbildung ergriff er die Chance, sich voll in die Seelsorge einzubringen – und folgte der Ausschreibung nach Feichten. „Ich wollte dorthin, wo Not am Mann oder an der Frau ist“, sagt er mit einem Schmunzeln.
Neben seinem kirchlichen Engagement ist Bößenroth bei der Freiwilligen Feuerwehr Arbing aktiv. 2022 wurde er dort Feuerwehrseelsorger, seit März 2025 ist er zudem Fachberater für die psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV‑E) auf Landkreisebene. Reisen und Wandern gehören zu seinen liebsten Freizeitbeschäftigungen.
Einige Gemeinden hat er bereits in Gottesdiensten besucht. In Feichten wird er sich am Sonntag, 21. September, um 8.30 Uhr vorstellen, in Heiligkreuz anschließend um 10 Uhr.
Text und Foto: Christine Limmer



