Wallfahrt

Auf dem Sehnsuchtsweg des Lebens

Redaktion am 12.01.2026

Landschaft in Umbrien. Info Icon Foto: privat
Auf dem Franziskusweg. Impression aus Umbrien.

Drei Männer, drei Glaubenswege, ein Ziel

Wenn ein Pro­tes­tant, ein Katho­lik und ein Frei­kirch­ler gemein­sam durch eine ita­lie­ni­sche Land­schaft pil­gern, ist das geleb­te Öku­me­ne. Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten blei­ben dabei nicht aus – umso bemer­kens­wer­ter ist, wie es den drei Autoren aus Nie­der­bay­ern gelingt, Unter­schie­de anzu­er­ken­nen, ohne die Gemein­sam­kei­ten aus dem Blick zu ver­lie­ren. So ent­steht ein freund­schaft­li­cher, respekt­vol­ler Aus­tausch zwi­schen den Kon­fes­sio­nen, der Ver­ständ­nis schafft und zum Nach­ah­men einlädt.

Fred Hal­ler, gebo­ren 1967, lebt in Eggen­fel­den und arbei­tet als Qua­li­täts­spe­zia­list in einem gro­ßen Auto­mo­bil­kon­zern. Er ist Mit­glied des Lei­tungs­teams einer frei­kirch­li­chen Chris­ten­ge­mein­de und lei­tet einen Bibel­kreis. Als Autor his­to­ri­scher Roma­ne ver­mit­telt er das Evan­ge­li­um in erzäh­le­ri­scher Form.

Alfred Haller, Richard Stieglbauer und Peter Wolfrum. Info Icon Foto: privat
Christen, Pilger und Autoren: Alfred Haller, Richard Stieglbauer und Peter Wolfrum haben ihre tiefen Erlebnisse auf dem Franziskusweg in einem Buch zusammengefasst.

Richard Stiegl­bau­er (1969) aus Anzen­kir­chen ist Tech­ni­scher Ange­stell­ter in einem Fens­ter­bau­be­trieb. Er ist katho­li­scher Lek­tor, lei­tet einen kon­fes­si­ons­über­grei­fen­den Bibel­kreis, gehört dem 3. Fran­zis­ka­ni­schen Orden an und ist aus­ge­bil­de­ter Hospizbegleiter.

Peter Wolf­rum (1956) aus Pfarr­kir­chen war als Phy­sik­in­ge­nieur im tech­ni­schen Umwelt­schutz tätig. Ehren­amt­lich enga­giert er sich in sei­ner evan­ge­lisch-luthe­ri­schen Gemein­de als Prä­di­kant und Ver­trau­ens­mann sowie als Lei­ter über­kon­fes­sio­nel­ler Grup­pen (medi­ta­ti­ves Beten, regio­na­les Pil­gern, Bibliolog).

Gemein­sam bege­ben sich die drei Män­ner auf den Fran­zis­kus­weg. Sie gehen den Abschnitt von Gub­bio über Assi­si bis Spo­le­to: sechs Etap­pen, ein Ruhe­tag in Assi­si, rund 110 Kilo­me­ter. Ste­hen­las­sen und wei­ter­ge­hen“ erzählt von die­ser Pil­ger­rei­se, von der Suche nach Gott, vom Zusam­men­wach­sen der Freun­de und von ihren unter­schied­li­chen Ant­wor­ten auf zen­tra­le Fra­gen des christ­li­chen Glau­bens. Die Autoren beto­nen, kei­ne Fran­zis­kus-Exper­ten und kei­ne Theo­lo­gen zu sein. Uns erfüllt der christ­li­che Glau­be und es hat uns gereizt, unse­re Erleb­nis­se und Glau­bens­er­fah­run­gen zu tei­len.“ Wich­tig ist ihnen dabei, dass sie per­sön­li­che Posi­tio­nen dar­stel­len und kei­nen all­ge­mei­nen Wahr­heits­an­spruch erhe­ben. Die letz­te Wahr­heit lie­ge allein bei Gott – ganz im Sin­ne von ste­hen­las­sen und weitergehen“.

Hein­rich Bedford-Strohm, ehe­ma­li­ger Lan­des­bi­schof der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che in Bay­ern, schreibt im Vor­wort: In dem Buch gehen wir Lese­rin­nen und Leser den Weg mit. Neh­men teil an ihren Beob­ach­tun­gen, an ihren Gedan­ken, an ihren unter­schied­li­chen Wahr­neh­mun­gen, aber eben auch an ihrer Weg­ge­mein­schaft, die stär­ker ist als die Unter­schie­de in ihrem Glau­ben und ihrer Frömmigkeit.“

Das Buch berührt vie­le zen­tra­le The­men gläu­bi­ger Exis­tenz: Gebet, Umgang mit Besitz, Eucha­ris­tie- und Abend­mahls­ver­ständ­nis, die Bedeu­tung Mari­ens, die Fra­ge nach Leid und Krank­heit, Tod und Auf­er­ste­hung, die Zehn Gebo­te und die Kraft der Bil­der. Auch die Kir­che selbst und die Hin­der­nis­se auf dem Weg zur Ein­heit der Kon­fes­sio­nen kom­men zur Spra­che. Peter sagt: Ich fin­de es scha­de, wenn Ritua­le und Regeln sich in ihrer Bedeu­tung so stark aus­wach­sen, dass sie den Blick auf Jesus ver­stel­len und zum Selbst­zweck ver­kom­men.“ Richard ergänzt: Men­schen aus ande­ren Kon­fes­sio­nen sind für mich eine Berei­che­rung. Deren Glau­bens­le­ben, Ritua­le und Ansich­ten zei­gen mir oft­mals einen ande­ren Blick­win­kel und las­sen mich bestimm­te The­men in einem neu­en Licht betrach­ten.“ Für Fred steht fest: Die Kir­che, das sind die ernst­haf­ten Nach­fol­ger Jesu, ganz egal wel­chem christ­li­chen Stall‘ sie angehören.“

Bedford-Strohm schätzt beson­ders, dass das Buch nicht von Theo­lo­gen, son­dern von enga­gier­ten Chris­ten geschrie­ben wur­de: Viel­leicht erreicht es genau dadurch Men­schen, die die glei­chen Fra­gen haben wie die Autoren.“

Br. Tho­mas Frei­del, Fran­zis­ka­ner-Mino­rit aus Assi­si, sieht die trei­ben­de Kraft der Rei­se in der Sehn­sucht: Die Sehn­sucht nach einem Leben, das mehr ist, als das, was uns jeden Tag begeg­net und beschäf­tigt. Man kann es auch die Sehn­sucht nach Gott nen­nen, mit allen Fra­gen und Gedan­ken, die sich mit die­sem Wort ver­bin­den.“ Beein­dru­ckend sei die Viel­falt der Glau­bens­we­ge in ihrer Gemein­sam­keit und Ver­schie­den­heit. Alle drei bezeu­gen auf ihre Wei­se, dass es sich lohnt, dran­zu­blei­ben an den Fra­gen des Lebens und des Glau­bens, bei denen es kei­ne vor­schnel­len Ant­wor­ten gibt.“ Franz von Assi­si wei­se die­sen Weg als Beglei­ter und Anknüp­fungs­per­son, ja, als eine Art Sehnsuchtsgestalt“.

Basilica San Francesco in Assisi. Info Icon Foto: privat
Auf dem Franziskusweg. Natürlich stand für die Autoren Alfred Haller, Richard Stieglbauer und Peter Wolfrum auch ein Besuch der Basilica San Francesco in Assisi auch auf dem Programm.

In fran­zis­ka­ni­scher Tra­di­ti­on nimmt das Gebet – ins­be­son­de­re das Vater­un­ser – einen zen­tra­len Platz ein. Immer wie­der set­zen sich die Autoren mit Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­den der christ­li­chen Bekennt­nis­se aus­ein­an­der. Dies geschieht respekt­voll, tole­rant und ohne Pole­mik – Aus­druck eines gereif­ten Glau­bens, der sich nicht durch Abgren­zung defi­niert. Auf der gemein­sa­men Basis des Christ­seins ent­fal­tet sich ein frucht­ba­rer Aus­tausch über Bibel­ver­ständ­nis, Besitz und Macht, Eucha­ris­tie und Abend­mahl, Leid, Hei­lung und die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Tod.

Am Ende zie­hen die drei Män­ner per­sön­li­che Bilanz. Fred schreibt: Gott die Ehre zu geben, beginnt nicht mit Wor­ten, son­dern im Sein vor ihm. Inne­hal­ten. Still wer­den. Im Her­zen sagen: Abba, hier bin ich.‘ Nicht mehr. Nicht weniger.“

Peter berich­tet von einer Ver­tie­fung sei­nes Glau­bens: Jeden­falls bin ich dank­bar für die Ver­tie­fung des Glau­bens, die ich erfah­ren durf­te und ich bin gespannt, wie die Pil­ger­rei­se, die ja mit die­sem Buch eine Fort­set­zung fin­det, mei­nen Glau­ben und mein Tun in unse­rer heu­ti­gen Lebens­rea­li­tät wei­ter­hin beein­flusst und fördert.“

Richard beschreibt, wie das Gehen in der Abge­schie­den­heit sein Ver­hält­nis zur Schöp­fung ver­tieft hat: Ich kann die Herr­lich­keit Got­tes in allem um mich her­um ent­de­cken … Bei allem aber gilt: Der Wil­le Got­tes gesche­he und nicht der meine.“

Zum Schluss noch ein­mal Br. Tho­mas Frei­del: Auch wenn die gemein­sa­men Tage in Umbri­en irgend­wann Ver­gan­gen­heit sein wer­den, der Pil­ger­weg, der Sehn­suchts­weg des Lebens ist noch lan­ge nicht zu Ende. So gilt der Pil­ger­gruß Buon Cammi­no!‘ nicht nur den drei Autoren, son­dern allen, die sich mit ihnen auf den Weg machen.“

Wolfgang
Krinninger

Chefredakteur

„Stehenlassen und weitergehen“

Buchpräsentation in Pfarrkirchen mit ehemaligem Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Cover Buch „Stehenlassen und weitergehen“. Info Icon Foto: red
Das Buch „Stehenlassen und weitergehen“ erscheint am 30. Januar in der Edition Chrismon. Es hat 180 Seiten und kostet 18 Euro.

Die drei Freun­de Alfred Hal­ler aus Eggen­fel­den, Richard Stiegl­bau­er aus Anzen­kir­chen und Peter Wolf­rum aus Pfarr­kir­chen sind im Mai 2024 auf dem Fran­zis­kus­weg in Ita­li­en von Gub­bio bis Assi­si und dann noch bis Spo­le­to gepil­gert und haben ihre Gedan­ken und Erleb­nis­se in einem kurz­wei­li­gen, gut les­ba­ren Buch zusam­men­ge­fasst. Am Sams­tag, 31. Janu­ar, um 15 Uhr stel­len sie es im Hans-Reif­fen­stuel­haus in Pfarr­kir­chen vor.

Als beson­de­rer Gast mit dabei ist der ehe­ma­li­ge baye­ri­sche Lan­des­bi­schof Hein­rich Bedford-Strohm, der für das Buch ein Vor­wort ver­fasst hat und auch kurz über die Öku­me­ne refe­rie­ren wird.

Text: red

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