Wallfahrt

Runterschalten und innehalten

Redaktion am 28.09.2026

Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Dank-Gottesdienst für Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer. Beim Vorbeifahren an der Gnadenkapelle segnete Kapuzinerbruder Georg Greimel die Biker.

Mit rund 2000 Teilnehmern hat am 27. September der 22. Dankgottesdienst für Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer auf dem Kapellplatz stattgefunden.

Schoit ma run­ter“, schallt es aus den Laut­spre­chern. Die Musik­grup­pe Musi­ca Nova aus Alt­öt­ting umrahmt mit ihren vie­len Lie­dern nicht nur den Got­tes­dienst, son­dern hat mit dem umge­tex­te­ten S.T.S.-Song ​„Kalt und Käl­ter“ auch einen Auf­tritt wäh­rend der Pre­digt von Haupt­ze­le­brant Kapu­zi­ner­bru­der Mari­nus Par­zin­ger. ​„Es hat oan gebn vor rund 800 Jahr (…) Fran­zis­kus hat uns zoagt wie’s geht“, singt die Grup­pe und nimmt mit dem Lied ​„Wir fah­ren durchs Land“ die Grund­ge­dan­ken von Bru­der Mari­nus auf, der bei den Lie­dern selbst eine Trom­pe­te zur Hand nimmt und mit­spielt. Run­ter­schal­ten, das gilt nicht nur für die Biker und für alle ande­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer auf der Stra­ße, son­dern im Leben all­ge­mein: ​„Ent­schleu­ni­gen“, nennt es Bru­der Mari­nus und ruft dazu auf, dass wir alle in die­ser hek­ti­schen Zeit immer wie­der mal ​„inne­hal­ten“ soll­ten, um neu­en Mut zu fas­sen, Geduld zu pro­ben, aber auch um ​„unse­ren unbe­grenz­ten Kon­sum“ zu über­den­ken, um uns zu fra­gen, was wir selbst etwa zum Zusam­men­halt in der Gesell­schaft oder zum Schutz der Umwelt bei­tra­gen kön­nen. Alle­samt sei­en dies ​„Vor­schlä­ge und Ein­la­dun­gen“, die – wie bereits im Musi­ca Nova-Lied ange­klun­gen – so oder ähn­lich bereits der hei­li­ge Fran­zis­kus gemacht hat­te; der Ordens­grün­der, der auch heu­te als Vor­bild für sozia­le Gerech­tig­keit, Umwelt­schutz und Frie­de gilt. Am 3. Okto­ber vor 800 Jah­ren ist der belieb­te Volks­hei­li­ge gestorben.

Das Zusam­men­spiel zwi­schen Pre­di­ger und Musi­ker wäh­rend der Mes­se am Kapell­platz steht sym­bo­lisch für das, was die­sen Dank­got­tes­dienst aus­macht. Trotz erns­ter und nach­denk­li­cher Bot­schaft, ist die Stim­mung locker und unkom­pli­ziert. Die Ver­an­stal­tung ist gut orga­ni­siert – das zeigt sich auch beim Blick auf die vie­len ehren­amt­li­chen Ord­ner, die bei all den Maschi­nen auf engem Raum dafür sor­gen, dass nichts passiert.

22. Dankgottesdienst für Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer – Impressionen

Die Motor­rad-Dank-Wall­fahrt ist, obwohl wenig Wer­bung gemacht wird, sehr bekannt und beliebt – weit über die baye­ri­schen Lan­des­gren­zen hin­aus. Es kamen auch heu­er vie­le aus der nähe­ren Umge­bung, meh­re­re nah­men aber auch län­ge­re Weg­stre­cken auf sich, etli­che etwa aus der Ober­pfalz und eini­ge auch aus Öster­reich. Der 41-jäh­ri­ge Dali­fi und sein zehn­jäh­ri­ger Sohn David woh­nen nahe Alt­öt­ting und kom­men oft zum Kapell­platz – für ihre ers­te Biker-Wall­fahrt sind sie mit dem Rol­ler gekom­men und freu­en sich über die zahl­rei­chen Bikes und noch mehr über die locke­re Atmo­sphä­re. Die­se genie­ßen auch der 60-jäh­ri­ge Micha­el und die 62-jäh­ri­ge Gabi, die mit ihrer BMW 1250 GS aus Mühldorf/​Inn her­ge­fah­ren sind – zum drit­ten Mal; ​„Wegen dem Segen und weil das echt ein super Event ist“, sagt Micha­el, ​„Schee is: Es ist jeder dabei – vom klei­nen Rol­ler­fah­rer bis zum coo­len Har­ley-Fan.“ Um zum ​„Sai­son­ab­schluss Dan­ke zu sagen“ und, ​„weil man hier immer wie­der Bekann­te trifft“, neh­men die 59-jäh­ri­ge Regi­na und der 61-jäh­ri­ge Hel­mut auf einer BMW R 80 R zusam­men mit ihrer Nach­ba­rin aus Gei­sen­hau­sen, der 58-jäh­ri­gen Petra auf ihrer Hon­da CB 500 bereits zum sechs­ten Mal an der Biker-Wall­fahrt teil. Sie loben die Stim­mung und den Got­tes­dienst und Hel­mut fügt hin­zu: ​„Die Musik ist immer a Wahn­sinn!“ Jedes Jahr kommt auch die 63-jäh­ri­ge Johan­na aus Töging zum Dank­got­tes­dienst und hat heu­er zum ers­ten Mal die 56-jäh­ri­ge Chris­ti­ne mit ihrer BMW GS 310 aus Kirch­see­on mit­ge­nom­men. Eigent­lich waren sie zu dritt: ​„Wir sind für eine Freun­din da, die es nicht geschafft hat“, erzählt Johan­na und Chris­ti­ne fügt hin­zu: ​„Aber sie ist bestimmt mit dabei.“ Auch das gehört dazu: das Geden­ken an ver­stor­be­ne Freun­de. Eben­so wie der Glau­be, dass es nach die­sem Leben nicht vor­bei ist. Johan­na jeden­falls ist zum Got­tes­dienst extra mit dem Bike ihrer ver­stor­be­nen Freun­din nach Alt­öt­ting gekommen.

Bru­der Mari­nus erin­nert in sei­ner Pre­digt, dass im Leben des Franz von Assi­si das Evan­ge­li­um der ​„rote Faden“ gewe­sen sei. Das Evan­ge­li­um ​„Der Lob­preis Jesu“ (Mt 11,25ff) hat er auch ganz bewusst im Geden­ken an den Hei­li­gen aus­ge­wählt: ​„Kommt alle zu mir, die ihr müh­se­lig und bela­den seid! (…) und ihr wer­det Ruhe fin­den für eure See­le (…).“ Das Ver­trau­en auf Gott habe Fran­zis­kus Kraft gege­ben, erin­nert Bru­der Mari­nus und ruft zu Rück­sicht und Zusam­men­halt auf: ​„Über­neh­men wir unse­ren Teil, dann wird’s gut.“

Michael
Glaß

Redakteur

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