Mit rund 2000 Teilnehmern hat am 27. September der 22. Dankgottesdienst für Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer auf dem Kapellplatz stattgefunden.
Schoit ma runter“, schallt es aus den Lautsprechern. Die Musikgruppe Musica Nova aus Altötting umrahmt mit ihren vielen Liedern nicht nur den Gottesdienst, sondern hat mit dem umgetexteten S.T.S.-Song „Kalt und Kälter“ auch einen Auftritt während der Predigt von Hauptzelebrant Kapuzinerbruder Marinus Parzinger. „Es hat oan gebn vor rund 800 Jahr (…) Franziskus hat uns zoagt wie’s geht“, singt die Gruppe und nimmt mit dem Lied „Wir fahren durchs Land“ die Grundgedanken von Bruder Marinus auf, der bei den Liedern selbst eine Trompete zur Hand nimmt und mitspielt. Runterschalten, das gilt nicht nur für die Biker und für alle anderen Verkehrsteilnehmer auf der Straße, sondern im Leben allgemein: „Entschleunigen“, nennt es Bruder Marinus und ruft dazu auf, dass wir alle in dieser hektischen Zeit immer wieder mal „innehalten“ sollten, um neuen Mut zu fassen, Geduld zu proben, aber auch um „unseren unbegrenzten Konsum“ zu überdenken, um uns zu fragen, was wir selbst etwa zum Zusammenhalt in der Gesellschaft oder zum Schutz der Umwelt beitragen können. Allesamt seien dies „Vorschläge und Einladungen“, die – wie bereits im Musica Nova-Lied angeklungen – so oder ähnlich bereits der heilige Franziskus gemacht hatte; der Ordensgründer, der auch heute als Vorbild für soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und Friede gilt. Am 3. Oktober vor 800 Jahren ist der beliebte Volksheilige gestorben.
Das Zusammenspiel zwischen Prediger und Musiker während der Messe am Kapellplatz steht symbolisch für das, was diesen Dankgottesdienst ausmacht. Trotz ernster und nachdenklicher Botschaft, ist die Stimmung locker und unkompliziert. Die Veranstaltung ist gut organisiert – das zeigt sich auch beim Blick auf die vielen ehrenamtlichen Ordner, die bei all den Maschinen auf engem Raum dafür sorgen, dass nichts passiert.
22. Dankgottesdienst für Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer – Impressionen
Die Motorrad-Dank-Wallfahrt ist, obwohl wenig Werbung gemacht wird, sehr bekannt und beliebt – weit über die bayerischen Landesgrenzen hinaus. Es kamen auch heuer viele aus der näheren Umgebung, mehrere nahmen aber auch längere Wegstrecken auf sich, etliche etwa aus der Oberpfalz und einige auch aus Österreich. Der 41-jährige Dalifi und sein zehnjähriger Sohn David wohnen nahe Altötting und kommen oft zum Kapellplatz – für ihre erste Biker-Wallfahrt sind sie mit dem Roller gekommen und freuen sich über die zahlreichen Bikes und noch mehr über die lockere Atmosphäre. Diese genießen auch der 60-jährige Michael und die 62-jährige Gabi, die mit ihrer BMW 1250 GS aus Mühldorf/Inn hergefahren sind – zum dritten Mal; „Wegen dem Segen und weil das echt ein super Event ist“, sagt Michael, „Schee is: Es ist jeder dabei – vom kleinen Rollerfahrer bis zum coolen Harley-Fan.“ Um zum „Saisonabschluss Danke zu sagen“ und, „weil man hier immer wieder Bekannte trifft“, nehmen die 59-jährige Regina und der 61-jährige Helmut auf einer BMW R 80 R zusammen mit ihrer Nachbarin aus Geisenhausen, der 58-jährigen Petra auf ihrer Honda CB 500 bereits zum sechsten Mal an der Biker-Wallfahrt teil. Sie loben die Stimmung und den Gottesdienst und Helmut fügt hinzu: „Die Musik ist immer a Wahnsinn!“ Jedes Jahr kommt auch die 63-jährige Johanna aus Töging zum Dankgottesdienst und hat heuer zum ersten Mal die 56-jährige Christine mit ihrer BMW GS 310 aus Kirchseeon mitgenommen. Eigentlich waren sie zu dritt: „Wir sind für eine Freundin da, die es nicht geschafft hat“, erzählt Johanna und Christine fügt hinzu: „Aber sie ist bestimmt mit dabei.“ Auch das gehört dazu: das Gedenken an verstorbene Freunde. Ebenso wie der Glaube, dass es nach diesem Leben nicht vorbei ist. Johanna jedenfalls ist zum Gottesdienst extra mit dem Bike ihrer verstorbenen Freundin nach Altötting gekommen.
Bruder Marinus erinnert in seiner Predigt, dass im Leben des Franz von Assisi das Evangelium der „rote Faden“ gewesen sei. Das Evangelium „Der Lobpreis Jesu“ (Mt 11,25ff) hat er auch ganz bewusst im Gedenken an den Heiligen ausgewählt: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! (…) und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele (…).“ Das Vertrauen auf Gott habe Franziskus Kraft gegeben, erinnert Bruder Marinus und ruft zu Rücksicht und Zusammenhalt auf: „Übernehmen wir unseren Teil, dann wird’s gut.“
Michael
Glaß
Redakteur

