Foto: Barbara Osdarty
Feierliche Benediktion in Tettenweis: Priester, Ordensleute, Freunde und Verwandte kamen in der Abtei St. Gertrud zusammen, um für M. Teresa Böcker OSB Gottes Segen zu erbitten.
Sonntagnachmittag, 16 Uhr. Schönstes Sommerwetter, ideal für Biergarten, Schwimmbad oder ein paar ruhige Stunden im Schatten. Keine Selbstverständlichkeit, dass an so einem Tag eine Kirche gut gefüllt ist, sogar bis auf den letzten Platz. Und doch: Menschen aus Nah und Fern kamen in der Abtei St. Gertrud zusammen, um mit M. Teresa Böcker OSB ihre Benediktion zu feiern, und damit Anteil zu nehmen an einem ganz besonderen Moment im Leben der neuen Äbtissin. Dass so viele mitfeiern wollten, zeigt, welch wichtigen Platz die Tettenweiser Schwestern im Leben vieler einnehmen, wie sehr sie ihr Umfeld prägen.
Gewählt worden war M. Teresa bereits im Mai, als ihre Vorgängerin, Altäbtissin Mutter Bernarda Schmidt OSB, deren besondere Anliegen stets Zusammenhalt, Einigkeit und ein gutes Miteinander im Konvent waren, nach 33 Jahren zurücktrat, um „die Verantwortung in jüngere Hände zu übergeben“.
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M. Teresa stammt ursprünglich aus Meckenheim im Rheinland und wuchs dort in behüteten Verhältnissen auf. Ihre Mutter, aber auch der Religionsunterricht in der Schule, führten sie an den Glauben heran. „Dass Gott existiert“, erinnert sie sich, „war mir eigentlich immer klar.“ Dass er in ihrem Leben eine so entscheidende Rolle spielen würde, zeigte sich aber erst mit den Jahren. Schon mit 17 verbrachte sie ihre Ferien erstmals in der Abtei St. Gertrud in Tettenweis, nach sechs weiteren Aufenthalten trat sie im Oktober 1985 schließlich in den Orden ein und erhielt die heilige Teresa von Ávila als Patronin für ihr Leben als Benediktinerin.
Seither hat sie viele Aufgaben im Orden übernommen. Die für sie wohl schönste ist der Dienst als Kantorin. „Wenn sie, zum Beispiel wegen einer Erkältung, einmal nicht mitsingen kann, bedeutet das für sie Höchststrafe“, das wissen all ihre Mitschwestern. Und so freute sich die Äbtissin ganz besonders darüber, dass ihre Benediktion, die Bischof Dr. Stefan Oster SDB gemeinsam mit Abtpräses Markus Eller OSB, Spiritual Pater Dr. Augustinus Weber OSB, Dekan Msgr. Josef Tiefenböck und Ordensreferent Dr. Franz Haringer zelebrierte, als Choralamt gefeiert werden konnte.
Ein sehr berührender Moment während der Feier war, als M. Teresa nach ihrer Befragung durch den Bischof ganz allein das Suscipe anstimmte, ehe der Konvent das Gloria Patri anfügte. Während sie sich, dem Ritus gemäß, auf den Boden warf, erflehten die Anwesenden für die Äbtissin den Beistand der Heiligen und den Segen Gottes: Dass er sie persönlich behüten möge und ihr die Kraft gebe, sich ihres Amtes würdig zu erweisen – zum Wohl der Gemeinschaft, der sie nun vorsteht, aber auch zum Wohl aller Gläubigen.
Foto: Barbara Osdarty
In seiner Predigt rückte Bischof Oster den Wahlspruch von M. Teresa, „Hört und ihr werdet leben!“ (Jesaja, Kapitel 55, Vers 3), der sie schon lang begleitet und zufällig gerade an dem für sie so entscheidenden Tag Teil der ersten Lesung war, ins Zentrum. Er zeigte auf, dass mitunter erst echtes, anteilnehmendes Zuhören „auch die Kraft zum Sprechen wachsen lässt: Ehrliches Hören gibt dem anderen oft erst die Kraft zum Sich-selber-öffnen, zum Sich-zeigen. Wirkliches Zuhören kann den anderen Menschen zu einer Art Offenbarung bringen.“ Der Sprecher gebe dann „ein Geschenk des Vertrauens an den, der hört.“ Er schlug eine Brücke zum Jesuswort: Niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. „Jesus zuhören, sein Wort meditieren, in sich aufnehmen, sich sein Wort nahe gehen lassen, das ist der Dienst der Gottsucherinnen, der Dienst der Frauen, die ihr Leben der Gottsuche verschrieben haben, der Dienst der Benediktinerinnen“, zeigte er auf. In letzer Konsequenz bedeute auf Jesus hören damit: „Zugang zum Vater finden – und damit zum wirklichen Leben.“
Die Liste der Ehrengäste aus Kirche, Politik und Kultur, die mit M. Teresa feierten, ist lang, doch ein besonderer Ehrengast hatte sich ganz kurzfristig angesagt: Abt Nikodemus Schnabel OSB von der Dormitio-Abtei Jerusalem hatte extra seinen Deutschland-Besuch verlängert, um der Benediktion beizuwohnen. M. Teresa, die sich seiner Abtei sehr verbunden fühlt und ihn darin unterstützen will, den Betrieb, der auf Spenden angewiesen ist, fortzuführen, bat ihre Gäste anstelle von Geschenken um eine Gabe für die Dormitio.


