Bistum

„Hört und ihr werdet leben!“

Redaktion am 03.08.2026

Info Icon Foto: Barbara Osdarty
Nach der Benediktion: M. Teresa Böcker (3.v.r.) mit Bischof Stefan, Sr. M. Veronika Popp, dem Ministranten und allen Konzelebranten.

Feierliche Benediktion in Tettenweis: Priester, Ordensleute, Freunde und Verwandte kamen in der Abtei St. Gertrud zusammen, um für M. Teresa Böcker OSB Gottes Segen zu erbitten.

Sonn­tag­nach­mit­tag, 16 Uhr. Schöns­tes Som­mer­wet­ter, ide­al für Bier­gar­ten, Schwimm­bad oder ein paar ruhi­ge Stun­den im Schat­ten. Kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, dass an so einem Tag eine Kir­che gut gefüllt ist, sogar bis auf den letz­ten Platz. Und doch: Men­schen aus Nah und Fern kamen in der Abtei St. Ger­trud zusam­men, um mit M. Tere­sa Böcker OSB ihre Bene­dik­ti­on zu fei­ern, und damit Anteil zu neh­men an einem ganz beson­de­ren Moment im Leben der neu­en Äbtis­sin. Dass so vie­le mit­fei­ern woll­ten, zeigt, welch wich­ti­gen Platz die Tet­ten­wei­ser Schwes­tern im Leben vie­ler ein­neh­men, wie sehr sie ihr Umfeld prägen.

Gewählt wor­den war M. Tere­sa bereits im Mai, als ihre Vor­gän­ge­rin, Alt­äb­tis­sin Mut­ter Ber­nar­da Schmidt OSB, deren beson­de­re Anlie­gen stets Zusam­men­halt, Einig­keit und ein gutes Mit­ein­an­der im Kon­vent waren, nach 33 Jah­ren zurück­trat, um die Ver­ant­wor­tung in jün­ge­re Hän­de zu übergeben“.

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Bischof Dr. Stefan Oster SDB überreichte der neuen Äbtissin, M. Teresa Böcker OSB, Ordensregel, Ring und Stab.

M. Tere­sa stammt ursprüng­lich aus Mecken­heim im Rhein­land und wuchs dort in behü­te­ten Ver­hält­nis­sen auf. Ihre Mut­ter, aber auch der Reli­gi­ons­un­ter­richt in der Schu­le, führ­ten sie an den Glau­ben her­an. Dass Gott exis­tiert“, erin­nert sie sich, war mir eigent­lich immer klar.“ Dass er in ihrem Leben eine so ent­schei­den­de Rol­le spie­len wür­de, zeig­te sich aber erst mit den Jah­ren. Schon mit 17 ver­brach­te sie ihre Feri­en erst­mals in der Abtei St. Ger­trud in Tet­ten­weis, nach sechs wei­te­ren Auf­ent­hal­ten trat sie im Okto­ber 1985 schließ­lich in den Orden ein und erhielt die hei­li­ge Tere­sa von Ávila als Patro­nin für ihr Leben als Benediktinerin.

Seit­her hat sie vie­le Auf­ga­ben im Orden über­nom­men. Die für sie wohl schöns­te ist der Dienst als Kan­to­rin. Wenn sie, zum Bei­spiel wegen einer Erkäl­tung, ein­mal nicht mit­sin­gen kann, bedeu­tet das für sie Höchst­stra­fe“, das wis­sen all ihre Mit­schwes­tern. Und so freu­te sich die Äbtis­sin ganz beson­ders dar­über, dass ihre Bene­dik­ti­on, die Bischof Dr. Ste­fan Oster SDB gemein­sam mit Abt­prä­ses Mar­kus Eller OSB, Spi­ri­tu­al Pater Dr. Augus­ti­nus Weber OSB, Dekan Msgr. Josef Tie­fen­böck und Ordens­re­fe­rent Dr. Franz Harin­ger zele­brier­te, als Cho­ral­amt gefei­ert wer­den konnte.

Ein sehr berüh­ren­der Moment wäh­rend der Fei­er war, als M. Tere­sa nach ihrer Befra­gung durch den Bischof ganz allein das Sus­ci­pe anstimm­te, ehe der Kon­vent das Glo­ria Patri anfüg­te. Wäh­rend sie sich, dem Ritus gemäß, auf den Boden warf, erfleh­ten die Anwe­sen­den für die Äbtis­sin den Bei­stand der Hei­li­gen und den Segen Got­tes: Dass er sie per­sön­lich behü­ten möge und ihr die Kraft gebe, sich ihres Amtes wür­dig zu erwei­sen – zum Wohl der Gemein­schaft, der sie nun vor­steht, aber auch zum Wohl aller Gläubigen.

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Benediktion von M. Teresa Böcker OSB: Teil des Ritus ist, dass die Äbtissin sich zur Allerheiligenlitanei zu Boden wirft.

In sei­ner Pre­digt rück­te Bischof Oster den Wahl­spruch von M. Tere­sa, Hört und ihr wer­det leben!“ (Jesa­ja, Kapi­tel 55, Vers 3), der sie schon lang beglei­tet und zufäl­lig gera­de an dem für sie so ent­schei­den­den Tag Teil der ers­ten Lesung war, ins Zen­trum. Er zeig­te auf, dass mit­un­ter erst ech­tes, anteil­neh­men­des Zuhö­ren auch die Kraft zum Spre­chen wach­sen lässt: Ehr­li­ches Hören gibt dem ande­ren oft erst die Kraft zum Sich-sel­ber-öff­nen, zum Sich-zei­gen. Wirk­li­ches Zuhö­ren kann den ande­ren Men­schen zu einer Art Offen­ba­rung brin­gen.“ Der Spre­cher gebe dann ein Geschenk des Ver­trau­ens an den, der hört.“ Er schlug eine Brü­cke zum Jesus­wort: Nie­mand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offen­ba­ren will. Jesus zuhö­ren, sein Wort medi­tie­ren, in sich auf­neh­men, sich sein Wort nahe gehen las­sen, das ist der Dienst der Gott­su­che­rin­nen, der Dienst der Frau­en, die ihr Leben der Gott­su­che ver­schrie­ben haben, der Dienst der Bene­dik­ti­ne­rin­nen“, zeig­te er auf. In let­zer Kon­se­quenz bedeu­te auf Jesus hören damit: Zugang zum Vater fin­den – und damit zum wirk­li­chen Leben.“

Die Lis­te der Ehren­gäs­te aus Kir­che, Poli­tik und Kul­tur, die mit M. Tere­sa fei­er­ten, ist lang, doch ein beson­de­rer Ehren­gast hat­te sich ganz kurz­fris­tig ange­sagt: Abt Niko­de­mus Schna­bel OSB von der Dor­mi­tio-Abtei Jeru­sa­lem hat­te extra sei­nen Deutsch­land-Besuch ver­län­gert, um der Bene­dik­ti­on bei­zu­woh­nen. M. Tere­sa, die sich sei­ner Abtei sehr ver­bun­den fühlt und ihn dar­in unter­stüt­zen will, den Betrieb, der auf Spen­den ange­wie­sen ist, fort­zu­füh­ren, bat ihre Gäs­te anstel­le von Geschen­ken um eine Gabe für die Dormitio.

Barbara
Osdarty

Redakteurin

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