Foto: Stefan Rammer
Ausstellung im Haus Spectrum Kirche: Dr. Bernhard Kirchgessner und Konrad Schmid gewähren Einblick in 25 Jahre fruchtbare Zusammenarbeit.
„Es ist nicht wichtig, wieviel Zeit es braucht, bis dein Traum sich erfüllt. Viel wichtiger ist es, dass du einen Traum hast.“ Wie jeder Mensch hat Konrad Schmid Träume. Manche werden erfüllt, manche nicht. Den Traum, Kunst zu machen und damit Menschen zu erreichen, hat der Pockinger Holzschneider sich erfüllt. Er lebt die Kunst und die Kunst lebt in ihm und bricht sich Bahn. „Zeit, wer bist du?“ ist die Ausstellung im Exerzitienhaus Spectrum Kirche tituliert, die sich dessen Leiter Dr. Bernhard Kirchgessner und der Künstler gegenseitig schenken. Sehr zur Freude der vielen Besucher, die es zur Vernissage auf den Mariahilfberg hinaufgezogen hat.
Stimmungsvoll wie immer in der wunderschön mit Wandmalerei gestalteten und farbig ausgeleuchteten Kapelle ist diese Veranstaltung. Marius Schwemmer an der Orgel und Florian Hackl an der Oboe lassen sich auf den Titel der Ausstellung ein, demonstrieren, dass Musik wie Kunst die Zeitlosigkeit gepachtet haben. Die langsamen Sätze der Sonatina von Gordon Jacob (1895 – 1984) stimmen ein auf die Begegnung mit Schmids Holzschnitten, die verinnerlichen, was Kunst vermag: den Menschen anzusprechen ohne Worte.
Dr. Bernhard Kirchgessner und Konrad Schmid sind seit 25 Jahren freundschaftlich verbunden. Der Künstlerseelsorger des Bistums hat dem Künstler auch über manchen Schicksalsschlag hinweg begleitet. Er hat vor allem beginnend in Winzer Schmids Werke über all die Jahre in Ausstellungen gezeigt. Ein einwöchiges Symposion zum Sonnengesang des hl. Franz von Assisi gab, wie Kirchgessner erzählt, der Freundschaft und Kooperation gewaltigen Schub. Der dazu entstandene siebenteilige Zyklus ist gewiss einer der Höhepunkte der Schau, die auch bislang kaum oder lange nicht mehr gezeigte Exponate präsentiert, etwa aus der 2008 gezeigten Schau „Das Antlitz Christi“ oder Holzdrucke aus dem Jahr 2013 unter dem Titel „Suchen und Finden“.
„Die schönste Zeit im Leben sind die kleinen Momente, in denen man spürt, man ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort.”
Ohnehin sind die Bilder zudem Ausdruck großer Spiritualität des Künstlers. Er schafft aus einer fundierten Glaubensbasis heraus. Ohne dies aber groß in den Vordergrund zu rücken, deutet er mit wenigen Schnitten, sprich Strichen, an, dass es zu einer aussagekräftigen Ikonografie keine figürliche Darstellung braucht. Der Betrachter interpretiert es individuell, integriert es aber in einen zutiefst christlichen Metaphernkanon.
Kirchgessner zitiert angesichts des Ausstellungstitels den Prediger Kohelet aus dem 3. Jahrhundert vor Christus: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen, eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen … eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit zum Frieden.“ In sehr persönlichen Worten teilt Kirchgessner mit, was die beiden Protagonisten all die Jahre verbunden und zusammengeschmiedet hat. „Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet uns nicht“, zitiert er Max Frisch und verweist darauf, wie er und Schmid Text und Graphik zusammengebracht haben. Manches gemeinsame Buch und Blatt kündet davon. Freundschaft und Kooperation haben Kunst erzeugt. Ein Ergebnis ist der wunderbar bunte, symbolisch ausdrucksstarke Sonnengesang. Die Strahlen der Schmid‘schen Sonne scheinen hell auf und beglücken den Betrachter. Konrad Schmid, ein Meister des Striches, der knappen Aussage, ist kein Mann großer Worte. Er spricht durch seine Drucke, farbige wie schwarzweiße. Er dankt in knappen, aber eindrücklichen Worten. „Zeit ist für mich Leben. Zeit kann man sich nicht kaufen. Lebenszeit ist endlich. Das Kostbarste, was man verschenken kann, ist Lebenszeit. Danke, dass Sie mir diese heute schenken.“ Bernhard Kirchgessner ergänzt: „Die schönste Zeit im Leben sind die kleinen Momente, in denen man spürt, man ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ In dieser Ausstellung wird das spürbar.
Text und Foto: Stefan Rammer
Die Ausstellung dauert bis 25. November, geöffnet Montag bis Freitag 9 bis 16 Uhr, an den Wochenenden nach Voranmeldung unter 0851 931440.



