Kunst

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Redaktion am 29.09.2025

Dr. Bernhard Kirchgessner und Konrad Schmid vor ihren Bildern. Info Icon Foto: Stefan Rammer
Eindrucksvoll: Dr. Bernhard Kirchgessner (r.) und Konrad Schmid sind seit 25 Jahren freundschaftlich verbunden. Freundschaft und Kooperation haben großartige Kunst erzeugt.

Ausstellung im Haus Spectrum Kirche: Dr. Bernhard Kirchgessner und Konrad Schmid gewähren Einblick in 25 Jahre fruchtbare Zusammenarbeit.

Es ist nicht wich­tig, wie­viel Zeit es braucht, bis dein Traum sich erfüllt. Viel wich­ti­ger ist es, dass du einen Traum hast.“ Wie jeder Mensch hat Kon­rad Schmid Träu­me. Man­che wer­den erfüllt, man­che nicht. Den Traum, Kunst zu machen und damit Men­schen zu errei­chen, hat der Pockin­ger Holz­schnei­der sich erfüllt. Er lebt die Kunst und die Kunst lebt in ihm und bricht sich Bahn. Zeit, wer bist du?“ ist die Aus­stel­lung im Exer­zi­ti­en­haus Spec­trum Kir­che titu­liert, die sich des­sen Lei­ter Dr. Bern­hard Kirch­gess­ner und der Künst­ler gegen­sei­tig schen­ken. Sehr zur Freu­de der vie­len Besu­cher, die es zur Ver­nis­sa­ge auf den Maria­hilf­berg hin­auf­ge­zo­gen hat.

Stim­mungs­voll wie immer in der wun­der­schön mit Wand­ma­le­rei gestal­te­ten und far­big aus­ge­leuch­te­ten Kapel­le ist die­se Ver­an­stal­tung. Mari­us Schwem­mer an der Orgel und Flo­ri­an Hackl an der Oboe las­sen sich auf den Titel der Aus­stel­lung ein, demons­trie­ren, dass Musik wie Kunst die Zeit­lo­sig­keit gepach­tet haben. Die lang­sa­men Sät­ze der Sona­ti­na von Gor­don Jacob (1895 – 1984) stim­men ein auf die Begeg­nung mit Schmids Holz­schnit­ten, die ver­in­ner­li­chen, was Kunst ver­mag: den Men­schen anzu­spre­chen ohne Worte.

Dr. Bern­hard Kirch­gess­ner und Kon­rad Schmid sind seit 25 Jah­ren freund­schaft­lich ver­bun­den. Der Künst­ler­seel­sor­ger des Bis­tums hat dem Künst­ler auch über man­chen Schick­sals­schlag hin­weg beglei­tet. Er hat vor allem begin­nend in Win­zer Schmids Wer­ke über all die Jah­re in Aus­stel­lun­gen gezeigt. Ein ein­wö­chi­ges Sym­po­si­on zum Son­nen­ge­sang des hl. Franz von Assi­si gab, wie Kirch­gess­ner erzählt, der Freund­schaft und Koope­ra­ti­on gewal­ti­gen Schub. Der dazu ent­stan­de­ne sie­ben­tei­li­ge Zyklus ist gewiss einer der Höhe­punk­te der Schau, die auch bis­lang kaum oder lan­ge nicht mehr gezeig­te Expo­na­te prä­sen­tiert, etwa aus der 2008 gezeig­ten Schau Das Ant­litz Chris­ti“ oder Holz­dru­cke aus dem Jahr 2013 unter dem Titel Suchen und Finden“.

Die schöns­te Zeit im Leben sind die klei­nen Momen­te, in denen man spürt, man ist zur rich­ti­gen Zeit am rich­ti­gen Ort.”

Dr. Bernhard Kirchgessner

Ohne­hin sind die Bil­der zudem Aus­druck gro­ßer Spi­ri­tua­li­tät des Künst­lers. Er schafft aus einer fun­dier­ten Glau­bens­ba­sis her­aus. Ohne dies aber groß in den Vor­der­grund zu rücken, deu­tet er mit weni­gen Schnit­ten, sprich Stri­chen, an, dass es zu einer aus­sa­ge­kräf­ti­gen Iko­no­gra­fie kei­ne figür­li­che Dar­stel­lung braucht. Der Betrach­ter inter­pre­tiert es indi­vi­du­ell, inte­griert es aber in einen zutiefst christ­li­chen Metaphernkanon.

Kirch­gess­ner zitiert ange­sichts des Aus­stel­lungs­ti­tels den Pre­di­ger Kohe­let aus dem 3. Jahr­hun­dert vor Chris­tus: Alles hat sei­ne Stun­de. Für jedes Gesche­hen unter dem Him­mel gibt es eine bestimm­te Zeit: eine Zeit zum Gebä­ren und eine Zeit zum Ster­ben, eine Zeit zum Pflan­zen und eine Zeit zum Abern­ten der Pflan­zen, eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Hei­len … eine Zeit zum Schwei­gen und eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Lie­ben und eine Zeit zum Has­sen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit zum Frie­den.“ In sehr per­sön­li­chen Wor­ten teilt Kirch­gess­ner mit, was die bei­den Prot­ago­nis­ten all die Jah­re ver­bun­den und zusam­men­ge­schmie­det hat. Die Zeit ver­wan­delt uns nicht, sie ent­fal­tet uns nicht“, zitiert er Max Frisch und ver­weist dar­auf, wie er und Schmid Text und Gra­phik zusam­men­ge­bracht haben. Man­ches gemein­sa­me Buch und Blatt kün­det davon. Freund­schaft und Koope­ra­ti­on haben Kunst erzeugt. Ein Ergeb­nis ist der wun­der­bar bun­te, sym­bo­lisch aus­drucks­star­ke Son­nen­ge­sang. Die Strah­len der Schmid‘schen Son­ne schei­nen hell auf und beglü­cken den Betrach­ter. Kon­rad Schmid, ein Meis­ter des Stri­ches, der knap­pen Aus­sa­ge, ist kein Mann gro­ßer Wor­te. Er spricht durch sei­ne Dru­cke, far­bi­ge wie schwarz­wei­ße. Er dankt in knap­pen, aber ein­drück­li­chen Wor­ten. Zeit ist für mich Leben. Zeit kann man sich nicht kau­fen. Lebens­zeit ist end­lich. Das Kost­bars­te, was man ver­schen­ken kann, ist Lebens­zeit. Dan­ke, dass Sie mir die­se heu­te schen­ken.“ Bern­hard Kirch­gess­ner ergänzt: Die schöns­te Zeit im Leben sind die klei­nen Momen­te, in denen man spürt, man ist zur rich­ti­gen Zeit am rich­ti­gen Ort.“ In die­ser Aus­stel­lung wird das spürbar.

Text und Foto: Ste­fan Rammer

Die Aus­stel­lung dau­ert bis 25. Novem­ber, geöff­net Mon­tag bis Frei­tag 9 bis 16 Uhr, an den Wochen­en­den nach Vor­anmel­dung unter 0851 931440.

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