Zum 20. Jahrestag des Besuchs von Papst Benedikt XVI. am 11. September in Altötting hat dessen ehemaliger Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein die frisch renovierte Anbetungskapelle wiedereröffnet.
Papst Benedikt XVI. hatte es sich nicht nehmen lassen, selbst das Allerheiligste zu tragen; und er war der erste Beter, der in der neu eingerichteten Anbetungskapelle vor der Monstranz niederkniete. Auf den Tag genau 20 Jahre später trug nun sein langjähriger Vertrauter Erzbischof Gänswein das Allerheiligste in die kleine Kapelle neben der Stiftspfarrkirche und betete. Zu deren Wiederöffnung feierte der Erzbischof mit zahlreichen Beterinnen und Betern eine Andacht.
Heuer im Frühjahr war die Anbetungskapelle geschlossen worden, um für das Jubiläum des Papstbesuches frisch herausgeputzt zu werden: Handwerker nahmen eine Grundreinigung vor, strichen Wände und Gewölbe, bereiteten die sakralen Gegenstände auf, erneuerten die Beleuchtung und die Elektrik und renovierten die Fenster. Das Fenster direkt über dem Allerheiligsten wurde abgedunkelt –, um der beleuchteten Monstranz mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen und um für ein andächtigeres Ambiente zu sorgen, aber auch um Betern und der Kamera direkt gegenüber dem Allerheiligsten das Gegenlicht zu nehmen. Denn das ist neu: Seit der Wiedereröffnung am Freitagabend ist auf der Website des Gnadenortes Altötting ein dauerhafter Livestream eingerichtet (siehe Link). Die Eucharistische Anbetung, die jeden Tag und jede Nacht, 24 Stunden an sieben Tagen der Woche stattfindet, können Beterinnen und Beter nun auch weit entfernt und doch ganz nah online unterstützen. Übrigens: Auch während der Renovierung fand die „ewige Anbetung“ statt: Die „Papstmonstranz“ war während dieser Monate in der Hauskapelle im Provinzhaus der Schwestern vom Heiligen Kreuz in Altötting untergebracht. Ausdrücklich dankte Wallfahrtsrektor Prälat Klaus Metzl dafür am Ende des Gottesdienstes Provinzleiterin Schwester Marika Wippenbeck. Ebenso dankte er Firmen und Handwerkern für die Renovierung und deren reibungslosen Ablauf.
Live bei der Anbetung
Jetzt ist das Allerheiligste wieder an dem für ihn vorgesehenen Platz in der kleinen Kapelle, wo einst die „Schatzkammer“ war, und wo heute die Besucher dazu ermutigt werden, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Papst Benedikt XVI. hatte es bei seinem Pastoralbesuch 2006 in Altötting mit folgenden Worten formuliert: „Wo einst die Schätze der Vergangenheit, Kostbarkeiten der Geschichte und der Frömmigkeit aufbewahrt wurden, ist jetzt der Ort für den eigentlichen Schatz der Kirche: die ständige Gegenwart des Herrn in seinem Sakrament. (…) In der heiligen Hostie ist er da, der wahre Schatz, für uns immer zugänglich.”
Auf den „wahren Schatz“ ebenso wie auf die „Freude im Glauben“ legte Erzbischof Gänswein seinen Fokus in seiner Predigt während des Pontifikalamtes in der Stiftspfarrkirche vor der Eröffnung der Anbetungskapelle. Papst Benedikt XVI. habe „uns gezeigt, dass wahre Größe in der Demut liegt und im Blick auf den Herrn“, betonte Gänswein. Außerdem schilderte er Benedikts „tiefgründigen Humor“ und betonte: „Wo der Humor stirbt, da ist der Geist Christi gewiss nicht – Freude im Glauben ist ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Eingangs des Gottesdienstes erzählte der Erzbischof von Benedikts tiefer Beziehung zu Altötting: Oft habe er über den Wallfahrtsort im Herzen Bayerns gesprochen, häufig sei er auch noch in seinen letzten Jahren „gedanklich nach Altötting gewallfahrtet“. Und auch Gänswein selbst, der seit 2024 Päpstlicher Botschafter für die drei baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland ist und von seinem Dienstsitz in Vilnius nach Altötting gereist war, fühle sich hier „wie zuhause, nicht nur geografisch, sondern mit dem Herzen und mit der Seele“.
Impressionen vom Gottesdienst und von der Wiedereröffnung der Anbetungskapelle
Ein „historisches Ereignis“ sei der Besuch des Papstes in Altötting vor 20 Jahren gewesen, wie Gänswein resümierte, „die Begeisterung überschwänglich, die Atmosphäre mitreißend und herzlich fromm – oder mit einem Wort: bayerisch!“ Und doch sprach Gänswein auch mit einem Augenzwinkern über das damalige Ereignis: „Nackte Panik“ habe im Vorfeld geherrscht, alles sei sorgfältig geprüft worden – „der rote Teppich tadellos, das Weihrauchfass am richtigen Platz, der Blumenschmuck abgestimmt“, etc. „Das perfektionistische Balken-und-Splitter-Spiel“ sei daher das im Hintergrund ironisch gemeinte „inoffizielle Motto“ der Pastoralreise nach Bayern gewesen, wie Gänswein in Anlehnung an das Tagesevangelium über „Falsche und wahre Frömmigkeit“ (Lk 6,39−42) verriet. Ironisch deshalb, weil eine gute Organisation natürlich notwendig sei, aber weil Benedikt XVI. nicht den Blick auf eben jene organisatorische Perfektion gelenkt habe, sondern auf „das Wesentliche“ – „auf den Glauben, auf das Herz und auf das Herz des Glaubens: die Gottesmutter.“
Erzbischof Gänswein riet den Gottesdienst-Besuchern, nicht wie im Evangelium beschrieben „mit Adleraugen“ auf den „Splitter im Auge“ der anderen zu schauen, sondern stattdessen den „Balken im eigenen Auge“ wahrzunehmen und auch mit Humor zu nehmen. Ausdrücklich betonte er, wie befreiend es sein könne, über sich selbst lachen zu können. Papst Benedikt XVI. könne ein Vorbild sein: Er habe offen zugegeben, dass er sich manchmal überfordert fühle im Amt: „Ich tue, was ich kann, und den Rest überlasse ich Gott“, zitierte Gänswein den ehemaligen Papst und betonte: „Was für eine Entlastung, wenn sogar der Papst sagen darf: ‚Ich bin nicht perfekt, mach du den Rest‘.“
Nahezu perfekt organisiert war der Ablauf dieses Abends dennoch. Angefangen bei der Eröffnung der Ausstellung „Begegnungen mit dem Eucharistischen Herrn“ im Kreuzgang der Stiftspfarrkirche, über das auch musikalisch eindrucksvoll gestaltete Pontifikalamt in der voll besetzten Stiftspfarrkirche mit zahlreichen Konzelebranten, bis hin zur Wiedereröffnung der Anbetungskapelle. Auch der Rahmen stimmte: Über ein „ähnliches Kaiserwetter wie vor 20 Jahren“ freute sich nicht nur Prälat Metzl, sondern auch viele weitere „Mitstreiter“ der Vorbereitungen des damaligen Papstbesuches, u.a. Domdekan Hans Bauernfeind, der Finanzdirektor im Bistum Passau Josef Sonnleitner, Altöttings ehemaliger Landrat Erwin Schneider und Altöttings ehemaliger Bürgermeister Herbert Hofauer. Davon ausgegangen, dass der an Silvester 2022 verstorbene Papst Benedikt XVI. „da oben“ ein bisschen was mitzureden hat, war also auch er soweit einverstanden.
Michael
Glaß
Redakteur

