Kirche vor Ort

Große Feier für „den wahren Schatz der Kirche“

Redaktion am 12.09.2026

Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Venite adoremus – Kommt, lasset uns anbeten. Mit dem Refrain des Weihnachtsliedes „Nun freut euch, ihr Christen“ lädt die Anbetungskapelle ihre Besucher ein zum Eucharistischen Gebet. Erzbischof Georg Gänswein trug das Allerheiligste zurück in die frisch renovierte Anbetungskapelle und feierte eine Andacht.

Zum 20. Jahrestag des Besuchs von Papst Benedikt XVI. am 11. September in Altötting hat dessen ehemaliger Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein die frisch renovierte Anbetungskapelle wiedereröffnet.

Papst Bene­dikt XVI. hat­te es sich nicht neh­men las­sen, selbst das Aller­hei­ligs­te zu tra­gen; und er war der ers­te Beter, der in der neu ein­ge­rich­te­ten Anbe­tungs­ka­pel­le vor der Mons­tranz nie­der­knie­te. Auf den Tag genau 20 Jah­re spä­ter trug nun sein lang­jäh­ri­ger Ver­trau­ter Erz­bi­schof Gäns­wein das Aller­hei­ligs­te in die klei­ne Kapel­le neben der Stift­s­pfarr­kir­che und bete­te. Zu deren Wie­der­öff­nung fei­er­te der Erz­bi­schof mit zahl­rei­chen Bete­rin­nen und Betern eine Andacht.

Heu­er im Früh­jahr war die Anbe­tungs­ka­pel­le geschlos­sen wor­den, um für das Jubi­lä­um des Papst­be­su­ches frisch her­aus­ge­putzt zu wer­den: Hand­wer­ker nah­men eine Grund­rei­ni­gung vor, stri­chen Wän­de und Gewöl­be, berei­te­ten die sakra­len Gegen­stän­de auf, erneu­er­ten die Beleuch­tung und die Elek­trik und reno­vier­ten die Fens­ter. Das Fens­ter direkt über dem Aller­hei­ligs­ten wur­de abge­dun­kelt –, um der beleuch­te­ten Mons­tranz mehr Auf­merk­sam­keit zu ver­schaf­fen und um für ein andäch­ti­ge­res Ambi­en­te zu sor­gen, aber auch um Betern und der Kame­ra direkt gegen­über dem Aller­hei­ligs­ten das Gegen­licht zu neh­men. Denn das ist neu: Seit der Wie­der­eröff­nung am Frei­tag­abend ist auf der Web­site des Gna­den­or­tes Alt­öt­ting ein dau­er­haf­ter Live­stream ein­ge­rich­tet (sie­he Link). Die Eucha­ris­ti­sche Anbe­tung, die jeden Tag und jede Nacht, 24 Stun­den an sie­ben Tagen der Woche statt­fin­det, kön­nen Bete­rin­nen und Beter nun auch weit ent­fernt und doch ganz nah online unter­stüt­zen. Übri­gens: Auch wäh­rend der Reno­vie­rung fand die ​„ewi­ge Anbe­tung“ statt: Die ​„Papst­mons­tranz“ war wäh­rend die­ser Mona­te in der Haus­ka­pel­le im Pro­vinz­haus der Schwes­tern vom Hei­li­gen Kreuz in Alt­öt­ting unter­ge­bracht. Aus­drück­lich dank­te Wall­fahrts­rek­tor Prä­lat Klaus Metzl dafür am Ende des Got­tes­diens­tes Pro­vinz­lei­te­rin Schwes­ter Mari­ka Wip­pen­beck. Eben­so dank­te er Fir­men und Hand­wer­kern für die Reno­vie­rung und deren rei­bungs­lo­sen Ablauf.

Live bei der Anbetung

Jetzt ist das Aller­hei­ligs­te wie­der an dem für ihn vor­ge­se­he­nen Platz in der klei­nen Kapel­le, wo einst die ​„Schatz­kam­mer“ war, und wo heu­te die Besu­cher dazu ermu­tigt wer­den, sich auf das Wesent­li­che zu kon­zen­trie­ren. Papst Bene­dikt XVI. hat­te es bei sei­nem Pas­to­ral­be­such 2006 in Alt­öt­ting mit fol­gen­den Wor­ten for­mu­liert: ​„Wo einst die Schät­ze der Ver­gan­gen­heit, Kost­bar­kei­ten der Geschich­te und der Fröm­mig­keit auf­be­wahrt wur­den, ist jetzt der Ort für den eigent­li­chen Schatz der Kir­che: die stän­di­ge Gegen­wart des Herrn in sei­nem Sakra­ment. (…) In der hei­li­gen Hos­tie ist er da, der wah­re Schatz, für uns immer zugänglich.”

Auf den ​„wah­ren Schatz“ eben­so wie auf die ​„Freu­de im Glau­ben“ leg­te Erz­bi­schof Gäns­wein sei­nen Fokus in sei­ner Pre­digt wäh­rend des Pon­ti­fi­kal­am­tes in der Stift­s­pfarr­kir­che vor der Eröff­nung der Anbe­tungs­ka­pel­le. Papst Bene­dikt XVI. habe ​„uns gezeigt, dass wah­re Grö­ße in der Demut liegt und im Blick auf den Herrn“, beton­te Gäns­wein. Außer­dem schil­der­te er Bene­dikts ​„tief­grün­di­gen Humor“ und beton­te: ​„Wo der Humor stirbt, da ist der Geist Chris­ti gewiss nicht – Freu­de im Glau­ben ist ein Zei­chen, dass wir auf dem rich­ti­gen Weg sind.“ Ein­gangs des Got­tes­diens­tes erzähl­te der Erz­bi­schof von Bene­dikts tie­fer Bezie­hung zu Alt­öt­ting: Oft habe er über den Wall­fahrts­ort im Her­zen Bay­erns gespro­chen, häu­fig sei er auch noch in sei­nen letz­ten Jah­ren ​„gedank­lich nach Alt­öt­ting gewall­fahr­tet“. Und auch Gäns­wein selbst, der seit 2024 Päpst­li­cher Bot­schaf­ter für die drei bal­ti­schen Staa­ten Litau­en, Lett­land und Est­land ist und von sei­nem Dienst­sitz in Vil­ni­us nach Alt­öt­ting gereist war, füh­le sich hier ​„wie zuhau­se, nicht nur geo­gra­fisch, son­dern mit dem Her­zen und mit der Seele“.

Impressionen vom Gottesdienst und von der Wiedereröffnung der Anbetungskapelle

Ein ​„his­to­ri­sches Ereig­nis“ sei der Besuch des Paps­tes in Alt­öt­ting vor 20 Jah­ren gewe­sen, wie Gäns­wein resü­mier­te, ​„die Begeis­te­rung über­schwäng­lich, die Atmo­sphä­re mit­rei­ßend und herz­lich fromm – oder mit einem Wort: baye­risch!“ Und doch sprach Gäns­wein auch mit einem Augen­zwin­kern über das dama­li­ge Ereig­nis: ​„Nack­te Panik“ habe im Vor­feld geherrscht, alles sei sorg­fäl­tig geprüft wor­den – ​„der rote Tep­pich tadel­los, das Weih­rauch­fass am rich­ti­gen Platz, der Blu­men­schmuck abge­stimmt“, etc. ​„Das per­fek­tio­nis­ti­sche Bal­ken-und-Split­ter-Spiel“ sei daher das im Hin­ter­grund iro­nisch gemein­te ​„inof­fi­zi­el­le Mot­to“ der Pas­to­ral­rei­se nach Bay­ern gewe­sen, wie Gäns­wein in Anleh­nung an das Tages­evan­ge­li­um über ​„Fal­sche und wah­re Fröm­mig­keit“ (Lk 6,39−42) ver­riet. Iro­nisch des­halb, weil eine gute Orga­ni­sa­ti­on natür­lich not­wen­dig sei, aber weil Bene­dikt XVI. nicht den Blick auf eben jene orga­ni­sa­to­ri­sche Per­fek­ti­on gelenkt habe, son­dern auf ​„das Wesent­li­che“ – ​„auf den Glau­ben, auf das Herz und auf das Herz des Glau­bens: die Gottesmutter.“

Erz­bi­schof Gäns­wein riet den Got­tes­dienst-Besu­chern, nicht wie im Evan­ge­li­um beschrie­ben ​„mit Adler­au­gen“ auf den ​„Split­ter im Auge“ der ande­ren zu schau­en, son­dern statt­des­sen den ​„Bal­ken im eige­nen Auge“ wahr­zu­neh­men und auch mit Humor zu neh­men. Aus­drück­lich beton­te er, wie befrei­end es sein kön­ne, über sich selbst lachen zu kön­nen. Papst Bene­dikt XVI. kön­ne ein Vor­bild sein: Er habe offen zuge­ge­ben, dass er sich manch­mal über­for­dert füh­le im Amt: ​„Ich tue, was ich kann, und den Rest über­las­se ich Gott“, zitier­te Gäns­wein den ehe­ma­li­gen Papst und beton­te: ​„Was für eine Ent­las­tung, wenn sogar der Papst sagen darf: ​‚Ich bin nicht per­fekt, mach du den Rest‘.“

Nahe­zu per­fekt orga­ni­siert war der Ablauf die­ses Abends den­noch. Ange­fan­gen bei der Eröff­nung der Aus­stel­lung ​„Begeg­nun­gen mit dem Eucha­ris­ti­schen Herrn“ im Kreuz­gang der Stift­s­pfarr­kir­che, über das auch musi­ka­lisch ein­drucks­voll gestal­te­te Pon­ti­fi­kal­amt in der voll besetz­ten Stift­s­pfarr­kir­che mit zahl­rei­chen Kon­ze­le­bran­ten, bis hin zur Wie­der­eröff­nung der Anbe­tungs­ka­pel­le. Auch der Rah­men stimm­te: Über ein ​„ähn­li­ches Kai­ser­wet­ter wie vor 20 Jah­ren“ freu­te sich nicht nur Prä­lat Metzl, son­dern auch vie­le wei­te­re ​„Mit­strei­ter“ der Vor­be­rei­tun­gen des dama­li­gen Papst­be­su­ches, u.a. Dom­de­kan Hans Bau­ern­feind, der Finanz­di­rek­tor im Bis­tum Pas­sau Josef Sonn­leit­ner, Alt­öt­tings ehe­ma­li­ger Land­rat Erwin Schnei­der und Alt­öt­tings ehe­ma­li­ger Bür­ger­meis­ter Her­bert Hof­au­er. Davon aus­ge­gan­gen, dass der an Sil­ves­ter 2022 ver­stor­be­ne Papst Bene­dikt XVI. ​„da oben“ ein biss­chen was mit­zu­re­den hat, war also auch er soweit einverstanden.

Michael
Glaß

Redakteur

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