Weltkirche

„Wer glaubt, ist nie allein“

Redaktion am 31.08.2026

Info Icon Foto: Werner Friedenberger
Daheim. Papst Benedikt XVI. am 11. September 2006 im „Bad in der Menge“ auf dem Altöttinger Kapellplatz.

Der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Altötting und Marktl jährt sich zum 20. Mal.

Zwei Jahr­zehn­te ist es her, dass ein baye­ri­scher Papst sein Hei­mat­land Bay­ern besuch­te. Sehr wahr­schein­lich wird es ein wenig län­ger als wei­te­re 20 Jah­re dau­ern, bis so etwas erneut pas­sie­ren wird. Dass die­se sehr per­sön­li­che Pil­ger­rei­se zu den Orten sei­ner Kind­heit und Wir­kungs­stät­ten als Pro­fes­sor und Kar­di­nal in Erin­ne­rung bleibt, dafür sorg­te der an Sil­ves­ter 2022 ver­stor­be­ne Pon­ti­fex selbst, indem er eine Bot­schaft hin­ter­ließ, die sich leicht ein­prä­gen lässt und dar­über hin­aus Hoff­nung ver­mit­telt und Halt gibt: Wer glaubt, ist nie allein“ war das Mot­to der Rei­se vom 9. bis 14. Sep­tem­ber 2006 nach Mün­chen, Alt­öt­ting, Marktl am Inn, Regens­burg und Freising.

Bene­dikts Besuch in der Wall­fahrts­stadt im Her­zen Bay­erns am 11. Sep­tem­ber 2006 bleibt gewiss nicht nur im Gedächt­nis der zahl­rei­chen Besu­cher, die das Ereig­nis live mit­er­leb­ten; etwa 40.000 nah­men damals an der Mes­se auf dem Kapell­platz teil, ins­ge­samt weil­ten rund 60.000 in Alt­öt­ting. Drei der Orga­ni­sa­to­ren und Mit­fei­ern­den erin­nern sich ger­ne zurück.

Papstbesuch in Altötting am 11. September 2006 – Impressionen

Prä­lat Gün­ther Man­dl etwa, damals Stadt­pfar­rer von Alt­öt­ting und stark in die lit­ur­gi­sche Vor­be­rei­tung des Papst­be­suchs ein­ge­bun­den, erin­nert sich an ein für ihn unver­gess­li­ches Ereig­nis“: Es waren so vie­le opti­ma­le Umstän­de gege­ben“, sagt er auf Nach­fra­ge und zählt auf: Ein präch­ti­ger Spät­som­mer­him­mel mit einer aro­ma­ti­schen Luft, eine deut­lich spür­ba­re Freu­de beim hohen Gast sel­ber und bei allen anwe­sen­den Ein­zel­per­so­nen und Grup­pie­run­gen, bei den sehr vie­len Bischö­fen, Pries­tern, Dia­ko­nen Ordens­leu­ten, Semi­na­ris­ten und Novi­zen. Die Auf­bruchs­stim­mung war überdeutlich!“

Auch Alt­öt­tings dama­li­ger Bür­ger­meis­ter Her­bert Hof­au­er erin­nert sich ger­ne zurück. Zwar sei die gan­ze Vor­be­rei­tung damals ein Sprung ins kal­te Was­ser“ gewe­sen; ein Schock, aber ein freu­di­ger Schock, weil das so kurz­fris­tig war“, wie er auf Nach­fra­ge erzählt. Dann aber wur­de offen­bar ange­packt, und das mit Erfolg: Es war ein son­ni­ger Sep­tem­ber­tag. Alles hat wie am Schnür­chen geklappt. Das Schlimms­te, was pas­siert ist, war, dass ein Poli­zist von einer Bie­ne gesto­chen wor­den ist und all­er­gisch reagiert hat.“ Für Hof­au­er war die­ser Tag weit mehr als nur ein kurz­fris­ti­ges Ereig­nis: Der Besuch Bene­dikt XVI. 2006 war der Beginn einer wirk­lich väter­li­chen Freund­schaft mit ihm. Ich habe ihn die letz­ten Jah­re im Vati­kan jedes Jahr min­des­tens ein­mal besucht. Da ist eine gan­ze enge Ver­bin­dung entstanden.“

Jubiläum in Altötting und Marktl

In Alt­öt­ting wird am Frei­tag, 11. Sep­tem­ber Erz­bi­schof Georg Gäns­wein um 20.15 Uhr die reno­vier­te Anbe­tungs­ka­pel­le wie­der­eröff­nen. Zuvor, um 19 Uhr fin­det in der Stift­s­pfarr­kir­che ein fei­er­li­ches Pon­ti­fi­kal­amt statt mit dem vor­ma­li­gen Pri­vat­se­kre­tär des Paps­tes und jet­zi­gen Nun­ti­us von Litau­en, Lett­land und Est­land. Bereits um 18 Uhr wird im Kreuz­gang der Stift­s­pfarr­kir­che die Aus­stel­lung Begeg­nung mit dem Eucha­ris­ti­schen Herrn“ eröffnet.

In Marktl/​Inn wird bei einem Got­tes­dienst am Sams­tag, 12. Sep­tem­ber um 18 Uhr in der Papst­tauf­kir­che an den Papst­be­such vor 20 Jah­ren erin­nert. Anschlie­ßend wird Alfred Klei­ner mit Bil­dern aus sei­nem reich­hal­ti­gen Archiv die ein­drucks­volls­ten Momen­te rund um den Besuch ins Gedächt­nis rufen.

Der dama­li­ge Gene­ral­vi­kar des Bis­tums Pas­sau und heu­ti­ge Stadt­pfar­rer und Wall­fahrts­rek­tor in Alt­öt­ting, Prä­lat Klaus Metzl, erin­nert sich eben­falls an eine her­aus­for­dern­de, aber letzt­lich sehr gut geglück­te“ Orga­ni­sa­ti­on: Die größ­te Her­aus­for­de­rung für uns war, dass wir von Pas­sau aus den Papst­be­such in Alt­öt­ting und Marktl vor­be­rei­ten muss­ten, was ja etwa neun­zig Kilo­me­ter ent­fernt ist. Also das war ein gro­ßer Unter­schied zu Mün­chen oder Regens­burg, die das alles vor Ort machen konn­ten“, schil­dert er auf Nach­fra­ge. Viel wich­ti­ger aber ist, was vom Tag selbst in Erin­ne­rung bleibt: Am meis­ten bewegt hat mich die Tat­sa­che, dass man gese­hen hat, gespürt hat, dass Papst Bene­dikt daheim war. Es war ein gro­ßer Frie­de auf der Fei­er“, blickt Metzl zurück. Man hat eine gro­ße Dank­bar­keit gespürt, dass er hier sein darf, die ihm von Kin­des­bei­nen an so ver­trau­te Gna­den­ka­pel­le noch ein­mal besu­chen durf­te und bei der Mut­ter­got­tes für die erst begon­ne­ne Zeit sei­nes Pon­ti­fi­ka­tes auch Hil­fe und Schutz zu erflehen.“

Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Zum zehnjährigen Jubiläum des Papstbesuchs im September 2016 wurde eine Papst Benedikt XVI.-Statue am Kapellplatz gesegnet. An dem Tag fand ein Pontifikalgottesdienst mit dem damaligen Kurienerzbischof Georg Gänswein, Bischof Stefan Oster, Altbischof Wilhelm Schraml und vielen weiteren Geistlichen in der St. Anna-Basilika statt.
Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Heute erinnern Stelen mit Zitaten von Papst Benedikt XVI. am und rund um den Altöttinger Kapellplatz an den Besuch 2006.

Heu­te erin­nern Ste­len mit Zita­ten von Papst Bene­dikt XVI. am und rund um den Kapell­platz an den Besuch 2006 und natür­lich das Geschenk, das der Papst damals der Mut­ter­got­tes in der Gna­den­ka­pel­le hin­ter­ließ: sein Kar­di­nals­ring. Seit zehn Jah­ren grüßt Bene­dikt XVI. mit Bischofs­stab und Mitra als eine 2,30 Meter gro­ße Sta­tue die Besu­cher des Kapell­plat­zes und die Got­tes­mut­ter in der Gna­den­ka­pel­le. Die von dem Eggen­fel­de­ner Künst­ler Joseph Micha­el Neu­stif­ter ent­wor­fe­ne und von der Kunst­gie­ße­rei Otto Streh­le gegos­se­ne Bron­ze­büs­te ist an der West­wand des Kon­gre­ga­ti­ons­saals ange­bracht – direkt neben der Sta­tue sei­nes Vor­gän­gers, Papst Johan­nes Paul II.

Für ewig an den Papst­be­such erin­nern wird vor allem eine klei­ne Kapel­le, in der der Papst im stil­len Gebet ver­weil­te und die er bei sei­nem Besuch 2006 als neue Schatz­kam­mer“ bezeich­ne­te – die Anbe­tungs­ka­pel­le. Die­se wird gera­de reno­viert und heu­er am 11. Sep­tem­ber wie­der­eröff­net, und zwar – wie könn­te es anders sein – von Papst Bene­dikts lang­jäh­ri­gem Pri­vat­se­kre­tär, Erz­bi­schof Georg Gäns­wein. Die Anbe­tungs­ka­pel­le befin­det sich in den Räu­men der ehe­ma­li­gen Schatz­kam­mer. In die­sen, so for­mu­lier­te es der Papst bei sei­nem Besuch 2006, sei­en einst die Schät­ze der Ver­gan­gen­heit“ auf­be­wahrt wor­den; nun sei­en die Räu­me der Ort für den eigent­li­chen Schatz der Kir­che: die stän­di­ge Gegen­wart des Herrn“.

Der Anbe­tungs­raum ist seit­her 24 Stun­den, sie­ben Tage die Woche geöff­net. Anbe­te­rin­nen und Anbe­ter kön­nen hier vor dem Aller­hei­ligs­ten ihre per­sön­li­chen Anlie­gen, aber auch die Anlie­gen stell­ver­tre­tend für vie­le ande­re vor­tra­gen. Die Schät­ze der Wall­fahrt haben unter­des­sen eine neue Hei­mat im Muse­um Haus Papst Bene­dikt XVI.“ – und nicht nur die­ses trägt den Namen des Pon­ti­fex aus Bay­ern, son­dern auch ein eige­ner klei­ner Platz im Her­zen Bay­erns, ganz nahe der Alt­öt­tin­ger Gnadenkapelle.

Info Icon Foto: Werner Friedenberger
Papst Benedikt XVI. am 11. September 2006 in der neu eröffneten Anbetungskapelle in Altötting.

Auch sei­nen Geburts­ort Marktl/​Inn besuch­te Papst Bene­dikt am 11. Sep­tem­ber 2006. Und auch dort bleibt er in Erin­ne­rung. Dort vor allem in dem Haus, wo er am 16. April 1927 als jüngs­tes von drei Kin­dern zur Welt gekom­men war. Seit April 2007 kön­nen Besu­cher der Stif­tung Geburts­haus Papst Bene­dikt XVI.“ nicht nur viel über den Lebens­weg von Joseph Ratzinger/​Papst Bene­dikt XVI. erfah­ren, son­dern vor allem, wie es der Papst selbst wünsch­te, eine wür­di­ge Begeg­nung mit den Fra­gen unse­res Glau­bens“ erle­ben und sich mit dem theo­lo­gi­schen Ver­mächt­nis des baye­ri­schen Paps­tes aus­ein­an­der­set­zen. Der theo­lo­gi­sche Lei­ter des Geburts­hau­ses, Dr. Franz Harin­ger, hat gera­de erst ein neu­es Buch mit geist­li­chen Impul­sen“ her­aus­ge­bracht (sie­he Buch­tipp unten).

Info Icon Foto: Monika Zieringer
Papst Benedikt XVI. am 11. September 2006 in Marktl an der „Benediktsäule“ auf dem Marktplatz.

Sein spä­ter reno­vier­tes und in eine Stif­tung über­ge­gan­ge­nes Geburts­haus konn­te Bene­dikt XVI. bei sei­ner Stipp­vi­si­te in Marktl 2006 noch nicht besu­chen, wohl aber konn­te er die vom Künst­ler Joseph Micha­el Neu­stif­ter am Markt­platz errich­te­te Bene­dikt­säu­le bewun­dern. Die rund vier Meter hohe bron­ze­ne Säu­le in Form einer Schrift­rol­le erin­nert an das Wir­ken und Leh­ren des hei­li­gen Bene­dikt von Nur­sia. Bene­dikt XVI., der 2006 zuerst u.a. in sei­ner Tauf­kir­che gebe­tet hat­te, stieg damals ent­ge­gen des stren­gen Pro­to­kolls aus dem Papa­mo­bil, schüt­tel­te Hän­de der rund 2000 Besu­cher und nahm das Kunst­werk unter die Lupe.

„Geistliche Impulse aus dem Papstgeburtshaus“

Info Icon Foto: red

Der theo­lo­gi­sche Lei­ter des Hau­ses, Dr. Franz Harin­ger, unter­nimmt in sei­nem am 19. August frisch erschie­ne­nen Buch einen Gang durch das Papst­ge­burts­haus, erläu­tert des­sen Kunst­wer­ke und stellt Gegen­stän­de aus dem Nach­lass des baye­ri­schen Paps­tes vor. Wei­te­re geist­li­che Impul­se ori­en­tie­ren sich am Kir­chen­jahr. Sie erschlie­ßen die Lit­ur­gie der Kir­che und ihre Sym­bo­lik und zei­gen auf, wie ein Leben in der Nach­fol­ge Chris­ti gelin­gen kann. So ist das Buch auch eine Ein­füh­rung in das christ­li­che Glau­bens­be­kennt­nis und bezeugt den Reich­tum eines Lebens­stils, der aus der Freu­de am Glau­ben erwächst.

Ver­lag Schnell & Stei­ner, ISBN 9783795491000

Im Gedächt­nis haf­ten blei­ben neben den vie­len Bil­dern von den vie­len begeis­ter­ten Men­schen und vom Papst, etwa wie er still in der Alt­öt­tin­ger Gna­den­ka­pel­le bete­te oder ein Bad in der Men­ge“ genoss, vor allem auch die Wor­te, die Bene­dikt XVI. sprach; etwa sei­ne Pre­digt auf dem Alt­öt­tin­ger Kapell­platz, in der er sei­ne tie­fe Mari­en­fröm­mig­keit eben­so wie sei­ne gro­ße Gelehr­sam­keit zum Aus­druck brach­te – und die ein wei­te­res Mal das Mot­to Wer glaubt, ist nie allein“ ver­deut­lich­te. Denn Jesus blei­be prä­sent: Sowohl in der hei­li­gen Eucha­ris­tie als auch auf die Für­bit­te sei­ner Mut­ter neh­me er die Stun­de Sei­ner Wie­der­kunft vor­weg“, so der Papst, der resü­mier­te: Jesus bleibt da in der hei­li­gen Hos­tie und war­tet immer­fort auf uns.“

Michael
Glaß

Redakteur

Wolfgang
Terhörst

Redaktionsleiter

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