Zwei Jahrzehnte ist es her, dass ein bayerischer Papst sein Heimatland Bayern besuchte. Sehr wahrscheinlich wird es ein wenig länger als weitere 20 Jahre dauern, bis so etwas erneut passieren wird. Dass diese sehr persönliche Pilgerreise zu den Orten seiner Kindheit und Wirkungsstätten als Professor und Kardinal in Erinnerung bleibt, dafür sorgte der an Silvester 2022 verstorbene Pontifex selbst, indem er eine Botschaft hinterließ, die sich leicht einprägen lässt und darüber hinaus Hoffnung vermittelt und Halt gibt: „Wer glaubt, ist nie allein“ war das Motto der Reise vom 9. bis 14. September 2006 nach München, Altötting, Marktl am Inn, Regensburg und Freising.
Benedikts Besuch in der Wallfahrtsstadt im Herzen Bayerns am 11. September 2006 bleibt gewiss nicht nur im Gedächtnis der zahlreichen Besucher, die das Ereignis live miterlebten; etwa 40.000 nahmen damals an der Messe auf dem Kapellplatz teil, insgesamt weilten rund 60.000 in Altötting. Drei der Organisatoren und Mitfeiernden erinnern sich gerne zurück.
Papstbesuch in Altötting am 11. September 2006 – Impressionen
Prälat Günther Mandl etwa, damals Stadtpfarrer von Altötting und stark in die liturgische Vorbereitung des Papstbesuchs eingebunden, erinnert sich an ein für ihn „unvergessliches Ereignis“: „Es waren so viele optimale Umstände gegeben“, sagt er auf Nachfrage und zählt auf: „Ein prächtiger Spätsommerhimmel mit einer aromatischen Luft, eine deutlich spürbare Freude beim hohen Gast selber und bei allen anwesenden Einzelpersonen und Gruppierungen, bei den sehr vielen Bischöfen, Priestern, Diakonen Ordensleuten, Seminaristen und Novizen. Die Aufbruchsstimmung war überdeutlich!“
Auch Altöttings damaliger Bürgermeister Herbert Hofauer erinnert sich gerne zurück. Zwar sei die ganze Vorbereitung damals „ein Sprung ins kalte Wasser“ gewesen; „ein Schock, aber ein freudiger Schock, weil das so kurzfristig war“, wie er auf Nachfrage erzählt. Dann aber wurde offenbar angepackt, und das mit Erfolg: „Es war ein sonniger Septembertag. Alles hat wie am Schnürchen geklappt. Das Schlimmste, was passiert ist, war, dass ein Polizist von einer Biene gestochen worden ist und allergisch reagiert hat.“ Für Hofauer war dieser Tag weit mehr als nur ein kurzfristiges Ereignis: „Der Besuch Benedikt XVI. 2006 war der Beginn einer wirklich väterlichen Freundschaft mit ihm. Ich habe ihn die letzten Jahre im Vatikan jedes Jahr mindestens einmal besucht. Da ist eine ganze enge Verbindung entstanden.“
Jubiläum in Altötting und Marktl
In Altötting wird am Freitag, 11. September Erzbischof Georg Gänswein um 20.15 Uhr die renovierte Anbetungskapelle wiedereröffnen. Zuvor, um 19 Uhr findet in der Stiftspfarrkirche ein feierliches Pontifikalamt statt mit dem vormaligen Privatsekretär des Papstes und jetzigen Nuntius von Litauen, Lettland und Estland. Bereits um 18 Uhr wird im Kreuzgang der Stiftspfarrkirche die Ausstellung „Begegnung mit dem Eucharistischen Herrn“ eröffnet.
In Marktl/Inn wird bei einem Gottesdienst am Samstag, 12. September um 18 Uhr in der Papsttaufkirche an den Papstbesuch vor 20 Jahren erinnert. Anschließend wird Alfred Kleiner mit Bildern aus seinem reichhaltigen Archiv die eindrucksvollsten Momente rund um den Besuch ins Gedächtnis rufen.
Der damalige Generalvikar des Bistums Passau und heutige Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor in Altötting, Prälat Klaus Metzl, erinnert sich ebenfalls an eine herausfordernde, aber letztlich „sehr gut geglückte“ Organisation: „Die größte Herausforderung für uns war, dass wir von Passau aus den Papstbesuch in Altötting und Marktl vorbereiten mussten, was ja etwa neunzig Kilometer entfernt ist. Also das war ein großer Unterschied zu München oder Regensburg, die das alles vor Ort machen konnten“, schildert er auf Nachfrage. Viel wichtiger aber ist, was vom Tag selbst in Erinnerung bleibt: „Am meisten bewegt hat mich die Tatsache, dass man gesehen hat, gespürt hat, dass Papst Benedikt daheim war. Es war ein großer Friede auf der Feier“, blickt Metzl zurück. „Man hat eine große Dankbarkeit gespürt, dass er hier sein darf, die ihm von Kindesbeinen an so vertraute Gnadenkapelle noch einmal besuchen durfte und bei der Muttergottes für die erst begonnene Zeit seines Pontifikates auch Hilfe und Schutz zu erflehen.“
Foto: Roswitha Dorfner
Foto: Roswitha Dorfner
Heute erinnern Stelen mit Zitaten von Papst Benedikt XVI. am und rund um den Kapellplatz an den Besuch 2006 und natürlich das Geschenk, das der Papst damals der Muttergottes in der Gnadenkapelle hinterließ: sein Kardinalsring. Seit zehn Jahren grüßt Benedikt XVI. mit Bischofsstab und Mitra als eine 2,30 Meter große Statue die Besucher des Kapellplatzes und die Gottesmutter in der Gnadenkapelle. Die von dem Eggenfeldener Künstler Joseph Michael Neustifter entworfene und von der Kunstgießerei Otto Strehle gegossene Bronzebüste ist an der Westwand des Kongregationssaals angebracht – direkt neben der Statue seines Vorgängers, Papst Johannes Paul II.
Für ewig an den Papstbesuch erinnern wird vor allem eine kleine Kapelle, in der der Papst im stillen Gebet verweilte und die er bei seinem Besuch 2006 als „neue Schatzkammer“ bezeichnete – die Anbetungskapelle. Diese wird gerade renoviert und heuer am 11. September wiedereröffnet, und zwar – wie könnte es anders sein – von Papst Benedikts langjährigem Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein. Die Anbetungskapelle befindet sich in den Räumen der ehemaligen Schatzkammer. In diesen, so formulierte es der Papst bei seinem Besuch 2006, seien einst die „Schätze der Vergangenheit“ aufbewahrt worden; nun seien die Räume „der Ort für den eigentlichen Schatz der Kirche: die ständige Gegenwart des Herrn“.
Der Anbetungsraum ist seither 24 Stunden, sieben Tage die Woche geöffnet. Anbeterinnen und Anbeter können hier vor dem Allerheiligsten ihre persönlichen Anliegen, aber auch die Anliegen stellvertretend für viele andere vortragen. Die Schätze der Wallfahrt haben unterdessen eine neue Heimat im Museum „Haus Papst Benedikt XVI.“ – und nicht nur dieses trägt den Namen des Pontifex aus Bayern, sondern auch ein eigener kleiner Platz im Herzen Bayerns, ganz nahe der Altöttinger Gnadenkapelle.
Foto: Werner Friedenberger
Auch seinen Geburtsort Marktl/Inn besuchte Papst Benedikt am 11. September 2006. Und auch dort bleibt er in Erinnerung. Dort vor allem in dem Haus, wo er am 16. April 1927 als jüngstes von drei Kindern zur Welt gekommen war. Seit April 2007 können Besucher der „Stiftung Geburtshaus Papst Benedikt XVI.“ nicht nur viel über den Lebensweg von Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. erfahren, sondern vor allem, wie es der Papst selbst wünschte, eine „würdige Begegnung mit den Fragen unseres Glaubens“ erleben und sich mit dem theologischen Vermächtnis des bayerischen Papstes auseinandersetzen. Der theologische Leiter des Geburtshauses, Dr. Franz Haringer, hat gerade erst ein neues Buch mit „geistlichen Impulsen“ herausgebracht (siehe Buchtipp unten).
Foto: Monika Zieringer
Sein später renoviertes und in eine Stiftung übergegangenes Geburtshaus konnte Benedikt XVI. bei seiner Stippvisite in Marktl 2006 noch nicht besuchen, wohl aber konnte er die vom Künstler Joseph Michael Neustifter am Marktplatz errichtete Benediktsäule bewundern. Die rund vier Meter hohe bronzene Säule in Form einer Schriftrolle erinnert an das Wirken und Lehren des heiligen Benedikt von Nursia. Benedikt XVI., der 2006 zuerst u.a. in seiner Taufkirche gebetet hatte, stieg damals entgegen des strengen Protokolls aus dem Papamobil, schüttelte Hände der rund 2000 Besucher und nahm das Kunstwerk unter die Lupe.
„Geistliche Impulse aus dem Papstgeburtshaus“
Foto: red
Der theologische Leiter des Hauses, Dr. Franz Haringer, unternimmt in seinem am 19. August frisch erschienenen Buch einen Gang durch das Papstgeburtshaus, erläutert dessen Kunstwerke und stellt Gegenstände aus dem Nachlass des bayerischen Papstes vor. Weitere geistliche Impulse orientieren sich am Kirchenjahr. Sie erschließen die Liturgie der Kirche und ihre Symbolik und zeigen auf, wie ein Leben in der Nachfolge Christi gelingen kann. So ist das Buch auch eine Einführung in das christliche Glaubensbekenntnis und bezeugt den Reichtum eines Lebensstils, der aus der Freude am Glauben erwächst.
Verlag Schnell & Steiner, ISBN 978−3−7954−9100−0
Im Gedächtnis haften bleiben neben den vielen Bildern von den vielen begeisterten Menschen und vom Papst, etwa wie er still in der Altöttinger Gnadenkapelle betete oder ein „Bad in der Menge“ genoss, vor allem auch die Worte, die Benedikt XVI. sprach; etwa seine Predigt auf dem Altöttinger Kapellplatz, in der er seine tiefe Marienfrömmigkeit ebenso wie seine große Gelehrsamkeit zum Ausdruck brachte – und die ein weiteres Mal das Motto „Wer glaubt, ist nie allein“ verdeutlichte. Denn Jesus bleibe präsent: Sowohl in der heiligen Eucharistie als auch auf die Fürbitte seiner Mutter nehme er die „Stunde Seiner Wiederkunft vorweg“, so der Papst, der resümierte: „Jesus bleibt da in der heiligen Hostie und wartet immerfort auf uns.“
Wolfgang
Terhörst
Redaktionsleiter



