Kirche vor Ort

Als der Gnadenort zur Filmstadt wurde

Redaktion am 17.11.2025

Präsentation des Films. Info Icon Foto: Wolfgang Terhörst
75 Jahre historischer Marienfilm. Präsentation im Gebäude des Altöttinger Marienwerks am Kapellplatz in Altötting.

75 Jahre historischer Marienfilm − Festakt mit Ehrengast und einem spannenden Blick zurück.

Den Urauf­füh­rungs­ort gibt es nicht mehr, aber er wird noch immer auf Wunsch an jedem Werk­tag gezeigt: der his­to­ri­sche Alt­öt­tin­ger Mari­en­film von 1950. Er ver­ewigt nicht nur Kul­tur­ge­schich­te, er ist auch selbst ein ech­ter Hei­mat­schatz Bay­erns“ – denn als sol­cher ist er 2018 in Mün­chen nach einem Wett­be­werb für nicht­staat­li­che Muse­en aus­ge­zeich­net wor­den. In sei­nem Ent­ste­hungs­ort selbst wur­de das Werk nun im Rah­men eines Fest­akts zum 75-jäh­ri­gen Jubi­lä­um am 12. Novem­ber in sei­ner aktu­el­len Spiel­stät­te, dem moder­nen Film­saal des Alt­öt­tin­ger Mari­en­werks, vor zahl­rei­chen Besu­chern gebüh­rend gefeiert.

Mit dabei als Ehren­gast: Der Sohn des Regis­seurs, Adri­an Kut­ter (82), der den Abend durch aller­lei Anek­do­ten zur Arbeit sei­nes Vaters Anton humor­voll berei­cher­te. Dabei spiel­te er sich die Bäl­le mit Jörg Zell­ner zu, sei­ner­seits Sohn eines berühm­ten Vaters, näm­lich des Schöp­fers der Diora­men­schau im Mari­en­werk, Rein­hold Zellner.

Filmszene. Die Mutter mit ihrem auf Fürsprache Mariens wundersam erretteten Kind im Arm.
Zeitdokument: Ein Standbild aus dem historischen Marienfilm. Die Mutter mit ihrem auf Fürsprache Mariens wundersam erretteten Kind im Arm.
Das Filmplakat von 1950.
Zeitdokument: Das Filmplakat von 1950.

Ent­stan­den ist der rund 45 Minu­ten lan­ge Schwarz-weiß-Film über das ers­te Mari­en­wun­der von 1489 und die Ent­ste­hung der Wall­fahrt zu Unse­rer Lie­ben Frau auf Initia­ti­ve des dama­li­gen Stifts­ka­pell­meis­ters Msgr. Lud­wig Utt­lin­ger. Die­sem war es durch Hart­nä­ckig­keit gelun­gen, den zunächst unwil­li­gen und viel gefrag­ten Pio­nier deutsch­spra­chi­ger Film­pro­duk­tio­nen Anton Kut­ter für das Pro­jekt zu gewin­nen – unter Mit­wir­kung der Mut­ter­got­tes selbst. Doch dazu mehr auf Sei­te zwei die­ser Ausgabe.

Die Umstän­de waren nur fünf Jah­re nach Ende des Zwei­ten Welt­kriegs nicht gera­de ide­al: das Geld war eben­so knapp wie ent­spre­chen­de Fach­leu­te. Utt­lin­ger und Kut­ter bil­de­ten ein kon­ge­nia­les Duo, das renom­mier­te Schau­spie­ler sowie einen her­vor­ra­gen­den Kame­ra­mann und Pro­duk­ti­ons­lei­ter eben­so gewin­nen konn­te wie die Unter­stüt­zung der ört­li­chen Bevöl­ke­rung, aus deren Rei­hen sich die vie­len Kom­par­sen rekru­tier­ten. Die Finan­zie­rung sicher­te Utt­lin­ger durch die Grün­dung der Alt­öt­tin­ger Musik­ge­mein­de (heu­te das Mari­en­werk) und die Bei­trä­ge sei­ner Mit­glie­der. So konn­te an nur weni­gen Dreh­ta­gen vom 6. bis 12. März 1949 ein Film ent­ste­hen, der durch die Leis­tung der Schau­spie­ler, ins­be­son­de­re aber durch das exzel­len­te Dreh­buch Anton Kut­ters und die Film­mu­sik Lud­wig Utt­lin­gers ein Meis­ter­werk wur­de, das die Pre­mie­ren­gäs­te am 18. Mai 1950 tief berühr­te (sie­he Kas­ten) – und nicht nur diese.

75 Jah­re his­to­ri­scher Mari­en­film. Auf dem ers­ten Bild: Adri­an Kut­ter (l.) und Jörg Zell­ner. Zwei­tes Bild: Msgr. Josef Fischer, Vor­sit­zen­der des Alt­öt­tin­ger Marienwerks.

Der Film Unse­re Lie­be Frau“, so der offi­zi­el­le Titel – Regis­seur Kut­ter nann­te das Gna­den­bild stets nur ehr­furchts­voll mei­ne Dame“ – wur­de zum Welt­erfolg. Bis zu fünf Mal am Tag vor­ge­führt, sahen ihn allein in Alt­öt­ting in den ers­ten Jah­ren bis zu 50.000 Besu­cher, in zir­ka 16.000 Auf­füh­run­gen von 1950 bis 1977 waren es über eine Mil­li­on, unzäh­li­ge wei­te­re kamen in Kinos und Pfarr­sä­len ganz Deutsch­lands hin­zu. Inter­na­tio­nal fand der Mari­en­film sei­nen Weg bis nach Rom in den Vati­kan und in die USA. Adri­an Kut­ter schätzt, dass das Werk sei­nes Vaters von ins­ge­samt 50 Mil­lio­nen Men­schen gese­hen wor­den sein könn­te. In jedem Fall war es der erfolg­reichs­te reli­giö­se Film Deutsch­lands. Und die­se Erfolgs­ge­schich­te ist noch nicht zu Ende.

Wolfgang
Terhörst

Redaktionsleiter

„ ... das mich erschütterte“ – Regisseur Anton Kutter zur Uraufführung in Altötting

Was ich, Anton Kut­ter, in der Däm­me­rung die­ses dritt­ran­gi­gen Kinos alles mit sei­ner viert­ran­gi­gen Bild- und Ton­vor­füh­rung sehen konn­te, recht­fer­tig­te aber die Erwar­tung die­ses eigen­sin­ni­gen, dick­köp­fi­gen, hals­star­ri­gen und unver­schämt opti­mis­ti­schen Kapell­meis­ters und Spiel­manns Unse­rer Lie­ben Frau in einem Aus­maß, das mich erschüt­ter­te. Ich sah, wie ein­fa­che Men­schen im Kino­saal das Kreuz schlu­gen, wie sie die Hän­de fal­te­ten und mit­be­te­ten und wie sie wein­ten. Und ich war Augen­zeu­ge wie ein Bischof, Sei­ne Exzel­lenz, der gefürch­te­te Vor­ge­setz­te, eine impo­nie­rend hohe Gestalt, vor der ich mir ein­mal wie ein Zwerg vor­ge­kom­men war, sein Taschen­tuch zog und sich damit über die Augen fuhr. Ich habe kei­ne Erin­ne­rung mehr dar­an, ob es nach einer Drei­vier­tel­stun­de einen Applaus gab. Aber ich glau­be es nicht.

Ich erin­ne­re mich nur dar­an, dass der Bischof von sei­nem Ses­sel auf­ge­stan­den war, dass sich alles Volk‘ eben­falls erho­ben und zu ihm sich gewen­det hat­te, und dass die­ser Bischof mit selt­sam wei­cher und sanf­ter Stim­me sprach und dabei Trä­nen in den Augen hat­te. Was er sag­te, habe ich ver­ges­sen, weil es für mich wahr­schein­lich gar nicht wich­tig war. Denn nun wuss­te ich, dass unse­re Arbeit nicht ver­geb­lich gewe­sen war.“

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