Wer am Mittwoch, 17. Juni, nachmittags die Tür zur „KT“, dem Department der katholischen Theologie der Universität Passau, öffnete, dem schallte fröhliches Stimmengewirr entgegen: Die Lernwerkstatt Religionsunterricht feierte Geburtstag, sie hatte das Vierteljahrhundert vollgemacht.
Doch diese Geburtstagsfeier war kein entspanntes Zusammensitzen bei Kaffee und Kuchen, sondern vielmehr ein echtes Erlebnis für alle Sinne. Denn die Gäste waren eingeladen, bei Workshops Einblicke in das Programm der Lernwerkstatt zu bekommen und für einen Moment selbst wieder zu Lernenden zu werden.
So wurde gezeigt, wie biblische Salben zum Segnungsritual selbst hergestellt werden können. Des Weiteren konnte man sehen, wie sich bei den „JesusSprayern“ – ein Programm, in dem religiöse Sprüche auf verschiedene Stadtbilder von Passau gesprüht werden – neue, manchmal auch provozierende Zugänge zu bekannten Orten und vertrauten Texten ergeben können. Beim Labyrinth luden verschiedene Stationen im Gehen zum Nachdenken und Reflektieren ein, während beim Lachyoga ohne Grund herzlich gelacht werden durfte.
Im Workshop „Erlebnispädagogische Spiele“ bekamen die Interessierten gezeigt, wie man dadurch Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl in einer Klasse stärken kann, während beim sogenannten „Kamishibai“, ein japanisches Papiertheater, demonstriert wurde, wie sich die Kraft der Bilder und Erzählungen umsetzen und gestalten lässt. All diese Einblicke sind nur ein kleiner Teil der in den 25 Jahren über 254 entworfenen Konzepte, bei denen es jeweils darum geht, die Inhalte des Religionsunterrichts den Kindern und Jugendlichen der jeweiligen Schulformen greifbar und spürbar zu machen.
Foto: Lisa Schregle
Doch was ist die Lernwerkstatt Religionsunterricht eigentlich? Es geht um ein pädagogisches Konzept, das unter der Leitung des Inhabers des Lehrstuhls für Religionspädagogik, Prof. Dr. Hans Mendl, entstanden ist und zusammen mit seinem Mitarbeiter Dr. Rudolf Sitzberger, Akademischer Direktor an der Universität Passau, seit vielen Jahren entwickelt und gepflegt wird. Hinter der Werkstatt steht ein ganzes Team aus Referenten, wissenschaftlichen Mitarbeitern, studentischen Hilfskräften und Studierenden, die Verantwortung übernehmen und nach einigen Projekten Zertifikate erwerben können. Pädagogische und didaktische Programme werden in Zusammenarbeit von Studierenden mit bereits mit dem Studium fertigen und an allen Schulformen, teilweise seit vielen Jahren tätigen Lehrkräften entworfen. Von- und miteinander lernen, weiterkommen und die Konzepte später im eigenen Unterricht anwenden – genau darum geht es.
Die auf die Workshops folgende Feierstunde wurde von Prof Dr. Bettina Noltenius, Vizepräsidentin der Universität Passau, eingeleitet, die über das Lernen in Zeiten der Digitalisierung und KI sprach. Anschließend verglich Rudolf Lentner, Leiter des Religionspädagogischen Seminars am Bistum Passau, die Lernwerkstatt mit einer Baustelle, deren Betreten jedoch ausdrücklich erwünscht sei. Lernwerkstätten seien gekennzeichnet durch ein hohes Maß an Unfertigkeit. Der Studienrat i.K. beschrieb Lernen auch als das Verlassen des eigenen Sicherheitsbereichs.
Im Anschluss folgte Professor Dr. Markus Weißer, Inhaber des Lehrstuhls für Dogmatische Theologie und Gegenwartsfragen sowie Departmentsprecher, der sich beim kompletten Team inklusive aller beteiligten Studierenden bedankte und ebenfalls an die Wichtigkeit einer stabilen und funktionierenden Lernwerkstatt, gerade in der jetzigen Zeit, erinnerte.
Schließlich berichteten Mendl und Sitzberger über die Geschichte und Entwicklung der Lernwerkstatt und zeigten Fotos von Beginn an, was im Publikum für Erheiterung sorgte, da auch Teilnehmende der ersten Stunde im gut gefüllten Hörsaal waren.
Zum Schluss wurden noch Zertifikate an zwei sehr aktive Studierende – Anna Eichinger und Annalena Stoiber – überreicht, die nun bei mehreren Projekten am Stück engagiert waren.
Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von den drei Studierenden Anna Eichinger, Kilian Niedersteiner und Sarah Schönstetter.
Es folgte ein gut besuchter Wortgottesdienst in der Kirche St. Michael. Abgerundet wurde die rundum gut gelungene und sehr schön gestaltete Veranstaltung mit dem Sommerfest der KT.
Text und Fotos: Lisa Schregle

