Foto: Alexander Hannes
Mit einem erinnerungswürdigen Festtag hat Ludwigsthal (Landkreis Regen) am vergangenen Samstag sein 200-jähriges Bestehen in Anwesenheit von Bischof Stefan Oster und dem Wittelsbacher Prinz Ludwig von Bayern gefeiert.
Schon aus der Ferne war ersichtlich, welch besonderer Tag der vergangene Samstag für den Ort Ludwigsthal sein wird: Das Schloss erstrahlte mit grün-gelben Flaggen, ein Festzelt stand auf dem Vorplatz bereit und zahlreiche Fahnenabordnungen der Vereine und der Lindberger Feuerwehr gaben mit dem Zwieseler Spielmannszug den feierlichen Auftakt für den Festtag anlässlich der Ortsgründung, die 1825 mit der Bewilligung einer Glashütte durch König Max I. ihren Anfang nahm.
Neben Bischof Oster und Prinz Ludwig von Bayern reisten zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Gesellschaft in den kleinen Ort am Kolbersbach, darunter die Landtagsabgeordneten Martin Behringer, Dr. Stefan Ebner, Johann Müller und Walter Nussel, Bezirksrat Markus Hesse sowie die Leiterin des Nationalparks Bayerischer Wald, Ursula Schuster.
In der nahezu vollbesetzten Herz-Jesu-Kirche, welche zum Pfarrverband Zwiesel-Ludwigsthal gehört, zelebrierte Bischof Oster den Festgottesdienst unter Mitwirkung der Pfarrer Carl Christian Snethlage, Martin Prellinger, Marco Stangl, Pater Adam Litwin, Pfarrvikar Xavier Binoy sowie Diakon Walter Kraus.
Der Theologe bezeichnete die Gründung des Ortes vor 200 Jahren als sozialpolitisches und kulturelles Projekt, welches der damalige König Maximilian I. per Dekret bewilligte. Die Bibel hingegen zeige ein ambivalentes Bild der Könige, sagte der Geistliche in seiner Predigt. So werden den Königen David und Salomo einerseits große Errungenschaften zugeschrieben, wie die Bundeslade nach Jerusalem gebracht oder den Bau des ersten Tempels angeordnet zu haben, andererseits gehörten wohl auch Machtmissbrauch und Maßlosigkeit zu ihren Eigenschaften.
Foto: Alexander Hannes
„Heute gibt es eine Art Königsnostalgie als einheitsstiftendes Element und Zeichen gemeinsamer Werte – gerade in Bayern“, befand Oster. Nach dem Zweiten Weltkrieg suchten viele Menschen ein Element des Zusammenhalts in den Kirchen. „Taufe, Kommunion, Firmung, Trauung, Beerdigung – alles wird in den örtlichen Sakralbauten gefeiert. Weil es uns wichtig ist und weil wir hoffen, dass es auch dem Herrgott wichtig ist“, erläuterte der Bischof. Die neuromanische Kirche mit ihrer prachtvollen Bemalung sei ein Symbol des Glaubens an den einen König aus dem Hause Davids, Jesus Christus, der die Menschen zusammenhalte. „Was für ein Glück, dass wir in jedem Ort eine Kirche haben. Wenn die Kirche als Ort des Zusammenhalts ausfällt, fällt auch etwas Fundamentales für den Staat aus. Die Kirche bildet das Herz von Ludwigsthal“, schloss der Geistliche seine Predigt unter den Klängen des „Ludwigsthaler Liedes“.
Mit dem Singen der Bayernhymne und dem Auszug der Fahnenabordnungen endete der Gottesdienst und der Festzug marschierte zum Festakt im Spiegelsaal des Schlosses.
Die Ehre, die Festansprache zu halten, hatte Staatsminister a. D. Helmut Brunner, der die historische Bedeutung der Ortsgründung bis in die Gegenwart bildhaft veranschaulichte. König Maximilian I. bewilligte im Jahr 1825 dem erfolgreichen Glasfabrikanten Christoph Abele die Errichtung einer Glashütte am „Ödplatz beim Kolbersbach“, die schließlich die Keimzelle des Ortes bildete. Ähnlich wie heute existierten auch damals Vorbehalte gegen die Errichtung einer Glashütte, da man Auswirkungen auf die Weideflächen fürchtete. Zwei Jahre später wurde die Hütte dennoch fertiggestellt und in „Ludwigsthal“ zu Ehren von König Ludwig I. umbenannt. Ab 1830 entstand das Herrenhaus, das heutige Schloss, welches bis nach dem zweiten Weltkrieg abwechselnd glanzvolle Zeiten und dramatische Geschehnisse erlebte. „Dass das Schloss wieder ein Glanzstück für die Region darstellt, verdanken wir dem weitsichtigen und mutigen Engagement des Vereins Pro Nationalpark mit dem damaligen Vorsitzenden Eugen Stadler“, hob Brunner unter dem Beifall des Publikums hervor.
Neben der Herz-Jesu-Kirche, die der einzige neuromanische Sakralbau in Deutschland mit einem vollständig ausgefüllten Bildprogramm ist, verfüge Ludwigsthal mit dem Nationalpark-Zentrum Falkenstein über ein weiteres Alleinstellungsmerkmal und liege dank der Grenzöffnung nicht mehr in der Grenzregion, sondern im Herzen Europas. Bürgermeister Gerd Lorenz übergab den Ehrengästen zum Dank ein Exemplar der Ortschronik.
Der weitere Festtag in Ludwigsthal zeichnete sich durch eine gelungene Mischung aus Lokalkolorit, historischer Erinnerung und lebendiger Gegenwart aus: Musikalische Beiträge, Führungen, Vorführungen alter Filme und Fotos im Schloss und Kutsch-Fahrten rundeten die Feier ab. Mit der durch Prinz Ludwig von Bayern gepflanzten Jubiläumslinde wurde dem besonderen Ort ein weiteres bleibendes Element hinzugefügt.
Text: Alexander Hannes



