Bistum

Demonstration des Zusammenhalts

Redaktion am 22.09.2025

In der prachtvoll ausgestalteten Pfarrkirche zelebrierte Bischof Stefan Oster den Festgottesdienst. Info Icon Foto: Alexander Hannes
200 Jahre Ludwigsthal: In der prachtvoll ausgestalteten Pfarrkirche zelebrierte Bischof Stefan Oster den Festgottesdienst. Unterstützt wurde er dabei u.a. von den Geistlichen Pater Adam Litwin (v.l.), Pfarrer Marco Stangl, Diakon Walter Kraus sowie den Pfarrern Carl Christian Snethlage und Martin Prellinger.

Mit einem erinnerungswürdigen Festtag hat Ludwigsthal (Landkreis Regen) am vergangenen Samstag sein 200-jähriges Bestehen in Anwesenheit von Bischof Stefan Oster und dem Wittelsbacher Prinz Ludwig von Bayern gefeiert.

Schon aus der Fer­ne war ersicht­lich, welch beson­de­rer Tag der ver­gan­ge­ne Sams­tag für den Ort Lud­wigs­thal sein wird: Das Schloss erstrahl­te mit grün-gel­ben Flag­gen, ein Fest­zelt stand auf dem Vor­platz bereit und zahl­rei­che Fah­nen­ab­ord­nun­gen der Ver­ei­ne und der Lind­ber­ger Feu­er­wehr gaben mit dem Zwie­se­ler Spiel­manns­zug den fei­er­li­chen Auf­takt für den Fest­tag anläss­lich der Orts­grün­dung, die 1825 mit der Bewil­li­gung einer Glas­hüt­te durch König Max I. ihren Anfang nahm.

Neben Bischof Oster und Prinz Lud­wig von Bay­ern reis­ten zahl­rei­che Ehren­gäs­te aus Poli­tik und Gesell­schaft in den klei­nen Ort am Kol­bers­bach, dar­un­ter die Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mar­tin Beh­rin­ger, Dr. Ste­fan Ebner, Johann Mül­ler und Wal­ter Nussel, Bezirks­rat Mar­kus Hes­se sowie die Lei­te­rin des Natio­nal­parks Baye­ri­scher Wald, Ursu­la Schuster.

In der nahe­zu voll­be­setz­ten Herz-Jesu-Kir­che, wel­che zum Pfarr­ver­band Zwie­sel-Lud­wigs­thal gehört, zele­brier­te Bischof Oster den Fest­got­tes­dienst unter Mit­wir­kung der Pfar­rer Carl Chris­ti­an Sneth­la­ge, Mar­tin Prel­lin­ger, Mar­co Stangl, Pater Adam Lit­win, Pfarr­vi­kar Xavier Binoy sowie Dia­kon Wal­ter Kraus.

Der Theo­lo­ge bezeich­ne­te die Grün­dung des Ortes vor 200 Jah­ren als sozi­al­po­li­ti­sches und kul­tu­rel­les Pro­jekt, wel­ches der dama­li­ge König Maxi­mi­li­an I. per Dekret bewil­lig­te. Die Bibel hin­ge­gen zei­ge ein ambi­va­len­tes Bild der Köni­ge, sag­te der Geist­li­che in sei­ner Pre­digt. So wer­den den Köni­gen David und Salo­mo einer­seits gro­ße Errun­gen­schaf­ten zuge­schrie­ben, wie die Bun­des­la­de nach Jeru­sa­lem gebracht oder den Bau des ers­ten Tem­pels ange­ord­net zu haben, ande­rer­seits gehör­ten wohl auch Macht­miss­brauch und Maß­lo­sig­keit zu ihren Eigenschaften.

Beim Festzug zum Schloss fuhr Bischof Stefan Oster in der Kutsche gemeinsam mit Prinz Ludwig von Bayern und Bürgermeister Gerd Lorenz. Info Icon Foto: Alexander Hannes
200 Jahre Ludwigsthal: Beim Festzug zum Schloss fuhr Bischof Stefan Oster in der Kutsche gemeinsam mit Prinz Ludwig von Bayern und Bürgermeister Gerd Lorenz.

Heu­te gibt es eine Art Königs­nost­al­gie als ein­heits­stif­ten­des Ele­ment und Zei­chen gemein­sa­mer Wer­te – gera­de in Bay­ern“, befand Oster. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg such­ten vie­le Men­schen ein Ele­ment des Zusam­men­halts in den Kir­chen. Tau­fe, Kom­mu­ni­on, Fir­mung, Trau­ung, Beer­di­gung – alles wird in den ört­li­chen Sakral­bau­ten gefei­ert. Weil es uns wich­tig ist und weil wir hof­fen, dass es auch dem Herr­gott wich­tig ist“, erläu­ter­te der Bischof. Die neu­ro­ma­ni­sche Kir­che mit ihrer pracht­vol­len Bema­lung sei ein Sym­bol des Glau­bens an den einen König aus dem Hau­se Davids, Jesus Chris­tus, der die Men­schen zusam­men­hal­te. Was für ein Glück, dass wir in jedem Ort eine Kir­che haben. Wenn die Kir­che als Ort des Zusam­men­halts aus­fällt, fällt auch etwas Fun­da­men­ta­les für den Staat aus. Die Kir­che bil­det das Herz von Lud­wigs­thal“, schloss der Geist­li­che sei­ne Pre­digt unter den Klän­gen des Lud­wigs­tha­ler Liedes“.

Mit dem Sin­gen der Bay­ern­hym­ne und dem Aus­zug der Fah­nen­ab­ord­nun­gen ende­te der Got­tes­dienst und der Fest­zug mar­schier­te zum Fest­akt im Spie­gel­saal des Schlosses.

Die Ehre, die Fest­an­spra­che zu hal­ten, hat­te Staats­mi­nis­ter a. D. Hel­mut Brun­ner, der die his­to­ri­sche Bedeu­tung der Orts­grün­dung bis in die Gegen­wart bild­haft ver­an­schau­lich­te. König Maxi­mi­li­an I. bewil­lig­te im Jahr 1825 dem erfolg­rei­chen Glas­fa­bri­kan­ten Chris­toph Abe­le die Errich­tung einer Glas­hüt­te am Ödplatz beim Kol­bers­bach“, die schließ­lich die Keim­zel­le des Ortes bil­de­te. Ähn­lich wie heu­te exis­tier­ten auch damals Vor­be­hal­te gegen die Errich­tung einer Glas­hüt­te, da man Aus­wir­kun­gen auf die Wei­de­flä­chen fürch­te­te. Zwei Jah­re spä­ter wur­de die Hüt­te den­noch fer­tig­ge­stellt und in Lud­wigs­thal“ zu Ehren von König Lud­wig I. umbe­nannt. Ab 1830 ent­stand das Her­ren­haus, das heu­ti­ge Schloss, wel­ches bis nach dem zwei­ten Welt­krieg abwech­selnd glanz­vol­le Zei­ten und dra­ma­ti­sche Gescheh­nis­se erleb­te. Dass das Schloss wie­der ein Glanz­stück für die Regi­on dar­stellt, ver­dan­ken wir dem weit­sich­ti­gen und muti­gen Enga­ge­ment des Ver­eins Pro Natio­nal­park mit dem dama­li­gen Vor­sit­zen­den Eugen Stad­ler“, hob Brun­ner unter dem Bei­fall des Publi­kums hervor.

Neben der Herz-Jesu-Kir­che, die der ein­zi­ge neu­ro­ma­ni­sche Sakral­bau in Deutsch­land mit einem voll­stän­dig aus­ge­füll­ten Bild­pro­gramm ist, ver­fü­ge Lud­wigs­thal mit dem Natio­nal­park-Zen­trum Fal­ken­stein über ein wei­te­res Allein­stel­lungs­merk­mal und lie­ge dank der Grenz­öff­nung nicht mehr in der Grenz­re­gi­on, son­dern im Her­zen Euro­pas. Bür­ger­meis­ter Gerd Lorenz über­gab den Ehren­gäs­ten zum Dank ein Exem­plar der Ortschronik.

Der wei­te­re Fest­tag in Lud­wigs­thal zeich­ne­te sich durch eine gelun­ge­ne Mischung aus Lokal­ko­lo­rit, his­to­ri­scher Erin­ne­rung und leben­di­ger Gegen­wart aus: Musi­ka­li­sche Bei­trä­ge, Füh­run­gen, Vor­füh­run­gen alter Fil­me und Fotos im Schloss und Kutsch-Fahr­ten run­de­ten die Fei­er ab. Mit der durch Prinz Lud­wig von Bay­ern gepflanz­ten Jubi­lä­ums­lin­de wur­de dem beson­de­ren Ort ein wei­te­res blei­ben­des Ele­ment hinzugefügt.

Text: Alex­an­der Hannes

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