Foto: Tamina Friedl / pbp
Im Rahmen der Projekttage zum Schuljahresende haben sich Schülerinnen einer 10. Klasse der Gisela-Schulen auf die Spuren von Desinformation, Algorithmen und Co. begeben. Organisiert hat den Workshop Tamina Friedl von der Abteilung Medien und Kommunikation des Bistums.
Im Lauf des Workshops wurde den Schülerinnen schnell klar: Die Online-Realität ist nicht immer so, wie sie auf den ersten Blick scheint.
Formel 1, BookTok oder TikTok-Tänze: Was die Schülerinnen in den sozialen Medien sehen, könnte unterschiedlicher nicht sein und hängt stark von ihren persönlichen Interessen ab. Nachrichten aus der Region und der Welt spielen dagegen keine allzu große Rolle auf der sogenannten „For You Page“ der Mädchen. Desinformation wiederum ist der einen oder anderen durchaus schon untergekommen. Dass diese persönlichen Erfahrungen zunächst einmal mit dem Algorithmus, der sozialen Medien zugrunde liegt, zusammenhängt, damit startete die Klasse in den Workshop. Die Filterblase, in der sich jede von ihnen – angetrieben vom Algorithmus – dadurch befindet, sei dabei nicht zwingend etwas Schlechtes, so Tamina Friedl. So freue sich doch jeder über zielgerichtete Inhalte, die einen besonders interessieren. Wichtig sei jedoch, dass man sich der eigenen Blase bewusst sei und seinen Informationspool gezielt erweitere.
In einem Werkzeugkoffer gab Friedl den Schülerinnen für jeden Themenbereich praktische Tipps an die Hand. Mit Blick auf Filterblasen sei es vor allem wichtig, verschiedene Quellen zu konsultieren, auch einmal die ganze Nachricht zu lesen und sich gelegentlich auf die Gegenmeinung einzulassen – selbst wenn das manchmal unangenehm ist. Am wichtigsten ist und bleibt jedoch: „Sprecht miteinander!“ Egal, ob auf dem Pausenhof oder mit den Eltern und Geschwistern am Küchentisch. Nur durch den Austausch könne man sich über die eigene Filterblase hinaus informieren.
Beim Stichwort Desinformation waren die Schülerinnen selbst gefragt. Ein aktuell auf Facebook kursierendes Beispiel von Desinformation konnten die Mädchen mit Hilfe einiger Faktencheck-Tricks schnell enttarnen. Besonders ins Auge sprang ihnen das KI-generierte Bild des Facebook-Posts. Dass aber insbesondere auch der zugehörige Text den Post als Fake entlarvt, zeigte sich dann in der gemeinsamen Diskussion. Zwei-Quellen-Prinzip, Faktencheck-Seiten, Bilderrückwärtssuche: All diese Tricks halfen den Schülerinnen bei ihrer Aufgabe. Stichwort KI: Zwar werden KI-generierte Bilder zunehmend realistisch, doch sind so manche Auffälligkeiten wie eine unnatürliche Tiefenschärfe oder die eine Person, die im Bildhintergrund gleich mehrmals zu sehen ist, Anhaltspunkte für KI.
„Das, was man sich selbst wünscht und hören möchte, glaubt man auch gern.”
Besonderes Augenmerk legte Tamina Friedl im Workshop zudem auf Deepfakes, insbesondere vor dem Hintergrund des aktuellen Falls Collien Fernandes, den sie mit den Schülerinnen kurz besprach.
Den Hauptteil des Workshops bildete im Anschluss eine Redaktions- und Faktencheck-Challenge. In kleinen Gruppen erhielten die Mädchen jeweils eine Nachricht, die sie in einem Social Media Post verpacken sollten.
Der Clou: Bei drei der Nachrichten handelte es sich um Desinformation. Diese Gruppen durften einmal direkt die Erfahrung machen, wie leicht es eigentlich ist, Desinformation zu erstellen – und auch zu verbreiten. Zum Schluss wurde nämlich durchgetauscht und an den Posts der anderen Faktenchecks durchgeführt. Der Post zur Eröffnung der Fast-Food-Kette „Taco Bell“ in Passau beinhaltete so zum Beispiel so manche irreführende Halbwahrheit – und doch wollten einige Faktencheckerinnen der Nachricht gern glauben.
„Das, was man sich selbst wünscht und hören möchte, glaubt man auch gern“, so eine Schülerin. Dazu Friedl: „Ich möchte euch damit selbstverständlich nicht ermutigen, Desinformation in die Welt zu setzen. Ganz im Gegenteil: Stattdessen sollen euch die Beispiele zeigen, wie leicht es tatsächlich geht, Desinformation zu verbreiten, und euch dafür sensibilisieren, dass man auch selbst schnell einmal darauf reinfallen kann, wenn man nicht ganz genau liest.“
Insgesamt war der Workshop geprägt von einem lebendigen Austausch, mit dem auch die eine oder andere politische Diskussion einherging. Einige der Schülerinnen wussten die gezeigten Beispiele für Desinformation politisch einzuordnen und äußerten selbst Bedenken über ihre Erfahrungen in den sozialen Medien. Dass KI und co. aus der Lebensrealität nicht mehr verschwinden wird, war dabei allen klar. Umso wichtiger ist es, reflektiert und sicher mit all diesen Phänomenen umgehen zu lernen.
Text: pbp



