Jugend

Zwischen Fakt und Fake

Redaktion am 24.08.2026

Info Icon Foto: Tamina Friedl / pbp
Die Online-Realität ist nicht immer so, wie sie auf den ersten Blick erscheint: Die Schülerinnen lernten schnell, worauf sie beim Umgang mit Social Media achten müssen und wie Desinformation verbreitet wird.

Im Rahmen der Projekttage zum Schuljahresende haben sich Schülerinnen einer 10. Klasse der Gisela-Schulen auf die Spuren von Desinformation, Algorithmen und Co. begeben. Organisiert hat den Workshop Tamina Friedl von der Abteilung Medien und Kommunikation des Bistums.

Im Lauf des Work­shops wur­de den Schü­le­rin­nen schnell klar: Die Online-Rea­li­tät ist nicht immer so, wie sie auf den ers­ten Blick scheint.

For­mel 1, Book­Tok oder Tik­Tok-Tän­ze: Was die Schü­le­rin­nen in den sozia­len Medi­en sehen, könn­te unter­schied­li­cher nicht sein und hängt stark von ihren per­sön­li­chen Inter­es­sen ab. Nach­rich­ten aus der Regi­on und der Welt spie­len dage­gen kei­ne all­zu gro­ße Rol­le auf der soge­nann­ten For You Page“ der Mäd­chen. Des­in­for­ma­ti­on wie­der­um ist der einen oder ande­ren durch­aus schon unter­ge­kom­men. Dass die­se per­sön­li­chen Erfah­run­gen zunächst ein­mal mit dem Algo­rith­mus, der sozia­len Medi­en zugrun­de liegt, zusam­men­hängt, damit star­te­te die Klas­se in den Work­shop. Die Fil­ter­bla­se, in der sich jede von ihnen – ange­trie­ben vom Algo­rith­mus – dadurch befin­det, sei dabei nicht zwin­gend etwas Schlech­tes, so Tami­na Friedl. So freue sich doch jeder über ziel­ge­rich­te­te Inhal­te, die einen beson­ders inter­es­sie­ren. Wich­tig sei jedoch, dass man sich der eige­nen Bla­se bewusst sei und sei­nen Infor­ma­ti­ons­pool gezielt erweitere.

In einem Werk­zeug­kof­fer gab Friedl den Schü­le­rin­nen für jeden The­men­be­reich prak­ti­sche Tipps an die Hand. Mit Blick auf Fil­ter­bla­sen sei es vor allem wich­tig, ver­schie­de­ne Quel­len zu kon­sul­tie­ren, auch ein­mal die gan­ze Nach­richt zu lesen und sich gele­gent­lich auf die Gegen­mei­nung ein­zu­las­sen – selbst wenn das manch­mal unan­ge­nehm ist. Am wich­tigs­ten ist und bleibt jedoch: Sprecht mit­ein­an­der!“ Egal, ob auf dem Pau­sen­hof oder mit den Eltern und Geschwis­tern am Küchen­tisch. Nur durch den Aus­tausch kön­ne man sich über die eige­ne Fil­ter­bla­se hin­aus informieren.

Beim Stich­wort Des­in­for­ma­ti­on waren die Schü­le­rin­nen selbst gefragt. Ein aktu­ell auf Face­book kur­sie­ren­des Bei­spiel von Des­in­for­ma­ti­on konn­ten die Mäd­chen mit Hil­fe eini­ger Fak­ten­check-Tricks schnell ent­tar­nen. Beson­ders ins Auge sprang ihnen das KI-gene­rier­te Bild des Face­book-Posts. Dass aber ins­be­son­de­re auch der zuge­hö­ri­ge Text den Post als Fake ent­larvt, zeig­te sich dann in der gemein­sa­men Dis­kus­si­on. Zwei-Quel­len-Prin­zip, Fak­ten­check-Sei­ten, Bil­der­rück­wärts­su­che: All die­se Tricks hal­fen den Schü­le­rin­nen bei ihrer Auf­ga­be. Stich­wort KI: Zwar wer­den KI-gene­rier­te Bil­der zuneh­mend rea­lis­tisch, doch sind so man­che Auf­fäl­lig­kei­ten wie eine unna­tür­li­che Tie­fen­schär­fe oder die eine Per­son, die im Bild­hin­ter­grund gleich mehr­mals zu sehen ist, Anhalts­punk­te für KI.

Das, was man sich selbst wünscht und hören möch­te, glaubt man auch gern.”

Schülerin beim Workshop in einer 10. Klasse der Gisela-Schulen

Beson­de­res Augen­merk leg­te Tami­na Friedl im Work­shop zudem auf Deepf­akes, ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund des aktu­el­len Falls Col­li­en Fer­nan­des, den sie mit den Schü­le­rin­nen kurz besprach.

Den Haupt­teil des Work­shops bil­de­te im Anschluss eine Redak­ti­ons- und Fak­ten­check-Chall­enge. In klei­nen Grup­pen erhiel­ten die Mäd­chen jeweils eine Nach­richt, die sie in einem Social Media Post ver­pa­cken sollten.

Der Clou: Bei drei der Nach­rich­ten han­del­te es sich um Des­in­for­ma­ti­on. Die­se Grup­pen durf­ten ein­mal direkt die Erfah­rung machen, wie leicht es eigent­lich ist, Des­in­for­ma­ti­on zu erstel­len – und auch zu ver­brei­ten. Zum Schluss wur­de näm­lich durch­ge­tauscht und an den Posts der ande­ren Fak­ten­checks durch­ge­führt. Der Post zur Eröff­nung der Fast-Food-Ket­te Taco Bell“ in Pas­sau beinhal­te­te so zum Bei­spiel so man­che irre­füh­ren­de Halb­wahr­heit – und doch woll­ten eini­ge Fak­ten­che­cke­rin­nen der Nach­richt gern glauben.

Das, was man sich selbst wünscht und hören möch­te, glaubt man auch gern“, so eine Schü­le­rin. Dazu Friedl: Ich möch­te euch damit selbst­ver­ständ­lich nicht ermu­ti­gen, Des­in­for­ma­ti­on in die Welt zu set­zen. Ganz im Gegen­teil: Statt­des­sen sol­len euch die Bei­spie­le zei­gen, wie leicht es tat­säch­lich geht, Des­in­for­ma­ti­on zu ver­brei­ten, und euch dafür sen­si­bi­li­sie­ren, dass man auch selbst schnell ein­mal dar­auf rein­fal­len kann, wenn man nicht ganz genau liest.“

Ins­ge­samt war der Work­shop geprägt von einem leben­di­gen Aus­tausch, mit dem auch die eine oder ande­re poli­ti­sche Dis­kus­si­on ein­her­ging. Eini­ge der Schü­le­rin­nen wuss­ten die gezeig­ten Bei­spie­le für Des­in­for­ma­ti­on poli­tisch ein­zu­ord­nen und äußer­ten selbst Beden­ken über ihre Erfah­run­gen in den sozia­len Medi­en. Dass KI und co. aus der Lebens­rea­li­tät nicht mehr ver­schwin­den wird, war dabei allen klar. Umso wich­ti­ger ist es, reflek­tiert und sicher mit all die­sen Phä­no­me­nen umge­hen zu lernen.

Text: pbp

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