Wir haben die Wahl – immer

Redaktion am 08.01.2024

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Haben Sie auch etwas herumgeschildkrötelt in der Zeit "zwischen den Jahren" ...?

Wie sollen wir zuversichtlich in das noch junge Jahr blicken? Das fragt sich Wolfgang Terhörst im Editorial der aktuellen Ausgabe – und hat auch ein paar Mut machende Antworten parat ...

Haben Sie auch etwas her­um­ge­schild­krö­telt in der Zeit zwi­schen den Jah­ren”, wenn alles irdi­sche Getrie­be ein wenig still­zu­ste­hen scheint? Das hat der Kaba­ret­tist Ger­hard Polt ein­mal über die Muße gesagt. Ein herr­li­ches Wort! Die Schild­krö­te ver­mit­telt mit ihrer bedäch­ti­gen Art tat­säch­lich eine benei­dens­wer­te Wider­stands­kraft gegen Stress, Hek­tik und Sor­gen. Alles scheint an ihrem Pan­zer abzuprallen.

Und wir? Na ja, mit der Betu­lich­keit ist es schnell wie­der vor­bei, wenn uns Teil­zeit-Schild­krö­ten der All­tag im neu­en Jahr wie­der ein­holt. Kos­ten­stei­ge­run­gen bei Ener­gie, Lebens­mit­teln und Woh­nen? Immer noch da. Krieg in der Ukrai­ne und im Nahen Osten? Immer noch da. Maro­de Bahn? Immer noch da. Kli­ma- und Migra­ti­ons­kri­sen? Immer noch da. Zer­strit­te­ne Poli­tik? Immer noch da. Wie sol­len wir denn da zuver­sicht­lich in das noch jun­ge Jahr blicken?

Nach dem jüngs­ten ARD-Deutsch­land-Trend vom 4. Janu­ar tun das nur noch 55 Pro­zent der Men­schen hier­zu­lan­de – sat­te sie­ben Pro­zent weni­ger als vor einem Jahr. Neun Pro­zent mehr (ins­ge­samt 32 Pro­zent) erwar­ten gar ein per­sön­lich schlech­te­res Jahr. Und unge­recht geh­t’s sowie­so zu: Lok­füh­rer und Ärz­te strei­ken, weil sie sich unge­recht behan­delt füh­len. Die Bau­ern set­zen aus dem­sel­ben Grund mit ihren Trak­to­ren eine Geschwin­dig­keits­be­gren­zung auf deut­schen Stra­ßen durch. Nicht nur Gering­ver­die­ner betrach­ten das Bür­ger­geld als unge­recht und vie­le die Sozi­al­leis­tun­gen für Migran­ten und Flücht­lin­ge überhaupt.

Aber haben wir uns nicht erst vor weni­gen Tagen fröh­lich ein gutes neu­es Jahr gewünscht? Ja, haben wir. Und zwar zu Recht. Wir glau­ben nur offen­bar selbst nicht dar­an. Uns Deut­schen sagt man ja nach, dass eine tie­fe Grund­angst vor Ver­lust (ob nun an Wohl­stand, Sicher­heit oder ande­rem) in uns ver­an­kert ist – die berühm­te Ger­man Angst”.

Was hilft dage­gen? Ein­mal nach links und nach rechts” schau­en, in die Nach­bar­schaft oder in die wei­te Welt. Dann rela­ti­viert sich man­ches. Auf den gro­ßen Zusam­men­halt in der Bevöl­ke­rung bei Umwelt­ka­ta­stro­phen oder ande­ren Her­aus­for­de­run­gen schau­en – aktu­ell die Über­flu­tun­gen in Nord- und Ost­deutsch­land. Auf das kon­stant hohe Niveau an ehren­amt­li­chem Enga­ge­ment in Kir­chen, Ver­ei­nen oder Ver­bän­den schau­en: Rund 29 Mil­lio­nen Men­schen enga­gie­ren sich über­all in unse­rer Gesell­schaft für das Gemein­wohl. Auf die trotz gestie­ge­ner Lebens­hal­tungs­kos­ten und Infla­ti­on nach wie vor hohe Spen­den­be­reit­schaft schau­en … usw.

Wir haben die Wahl: Wir kön­nen den Kopf in den Sand ste­cken oder die Ärmel hoch­krem­peln. Wir kön­nen uns für Melan­cho­lie, Schwarz­ma­le­rei und Pes­si­mis­mus ent­schei­den. Oder für die Hoff­nung – jeden Tag des neu­en Jah­res aufs Neue. Wer wüss­te das bes­ser, als wir Chris­ten? Nach­dem wir gera­de erst an Weih­nach­ten die Hoff­nung der Welt gefei­ert haben.

Wolfgang
Terhörst

Redaktionsleiter

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