Weltkirche

Auf dem Weg zur Weltsynode

Redaktion am 26.09.2023

2023 09 25 pb alb weltsynode bischof gebet1 Foto: Susanne Schmidt/pbp
Im Gebet vereint: Bischof Stefan Oster, der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Passau und das Referat für Neuevangelisierung initiieren eine Aktion zum täglichen Gebet für die Weltsynode in Rom.

Die seit zwei Jahren laufende Weltsynode geht vom 4. bis 29. Oktober 2023 in eine entscheidende Phase. Dann werden im Vatikan rund 370 Teilnehmende über künftige Beratungs- und Entscheidungswege in der katholischen Kirche diskutieren. Den Abschluss dieses umfassenden Beratungsprozesses, an dem die gesamte Weltkirche teilhaben soll, bildet im Oktober 2024 eine zweite Bischofssynode im Vatikan. Bischof Stefan Oster ist einer der Teilnehmer an der Synode. Im Interview sprachen wir u.a. über seine Erwartungen an das Treffen.

Herr Bischof, die Sit­zung der Welt­syn­ode steht kurz bevor. Wie haben Sie sich dar­auf vor­be­rei­tet?
Bischof Ste­fan Oster:
Wir hat­ten ja den Vor­lauf zur Welt­syn­ode in unse­rem Bis­tum und uns zwei­mal mit einem Papier betei­ligt – nach­dem vie­le Men­schen zuvor online befragt wor­den waren. Ich bin zudem natür­lich seit Jah­ren mit dem deut­schen Syn­oda­len Weg beschäf­tigt, der ja auch mit sei­nen Ergeb­nis­sen ein­flie­ßen soll in die Welt­syn­ode. Zudem gab es inzwi­schen auch zwei Video­kon­fe­ren­zen mit den rund 100 euro­päi­schen Teil­neh­mern an der Welt­syn­ode. Außer­dem habe ich natür­lich das Vor­be­rei­tungs­do­ku­ment, das Instru­men­tum labo­ris“ gelesen. 

Mit wel­chen Erwar­tun­gen fah­ren Sie nach Rom?
Bischof Ste­fan Oster:
Ich freue mich auf ein inten­si­ves welt­kirch­li­ches Ereig­nis. Und tat­säch­lich inter­es­siert mich die Fra­ge sehr, wie es heu­te gehen kann, gemein­sam so Kir­che zu sein, dass wir dem Evan­ge­li­um für unse­re Zeit neue Kraft ver­lei­hen. Ich wün­sche mir Per­spek­ti­ven dar­auf, wie wir Pola­ri­sie­run­gen über­win­den kön­nen und wie wir uns mit­ein­an­der wirk­lich auf Got­tes Geist ein­las­sen kön­nen. Papst Fran­zis­kus sagt ja immer: Der eigent­li­che Prot­ago­nist der Syn­ode ist der Hei­li­ge Geist. 

Deutsch zählt bei die­ser Syn­ode nicht zu den offi­zi­el­len Spra­chen. Ist das ein Man­ko?
Bischof Ste­fan Oster:
Die Arbeits­wei­se der Syn­ode wech­selt zwi­schen Ple­num und Klein­grup­pen – nach Spra­chen orga­ni­siert. Bei der Jugend­syn­ode vor fünf Jah­ren war ich in einer deutsch­spra­chi­gen Klein­grup­pe. Das war natür­lich gut, weil man mit der eige­nen Spra­che auch fei­ne Nuan­cen bes­ser aus­drü­cken kann. Jetzt wird es aber so sein, dass wir deutsch­spra­chi­gen Teil­neh­mer nicht mehr unter uns sein wer­den – und das ist auch ein Vor­teil. Wir ord­nen uns den ande­ren zu. Außer­dem wird es die Mög­lich­keit geben, die Klein­grup­pe auch ein­mal zu wech­seln. Das war vor fünf Jah­ren auch nicht so. 

Gebet für die Weltsynode

Der Diö­ze­san­rat und das Refe­rat für Neue­van­ge­li­sie­rung rufen im Bis­tum Pas­sau gemein­sam zum täg­li­chen Gebet für die Welt­syn­ode auf. 

Kri­tik gab es dafür, dass die Bera­tun­gen nicht von Vati­kan-unab­hän­gi­gen Medi­en in Echt­zeit ver­folgt wer­den kön­nen. Wäre mehr Trans­pa­renz nicht sinn­voll gewe­sen? Wie erklä­ren Sie sich die­se Ent­schei­dung?
Bischof Ste­fan Oster:
Der Papst grenzt eine Syn­ode deut­lich von einem Par­la­ment ab. Jeder soll frei und unab­hän­gig und ohne Schie­len auf Alli­an­zen und poli­ti­sche Ziel­set­zun­gen sagen, was er denkt. Und das braucht einen geschütz­ten Raum. Die­se inne­re Frei­heit des geschütz­ten Rau­mes lässt nach sei­ner Über­zeu­gung den Geist leich­ter wirk­sam werden. 

Sie gel­ten nicht unbe­dingt als gro­ßer Anhän­ger des Syn­oda­len Wegs in Deutsch­land. Was unter­schei­det die Welt­syn­ode vom Dia­log­pro­zess in Deutsch­land?
Bischof Ste­fan Oster:
Eben zum Bei­spiel die­ser letz­te Punkt: Ich habe unse­ren Syn­oda­len Weg als sehr poli­tisch erlebt – mit dem Wil­len vie­ler Prot­ago­nis­ten, end­lich etwas durch­zu­set­zen. Und die media­le Öffent­lich­keit und der Live­stream wur­den sehr bewusst dafür ein­ge­setzt, um Druck zu machen. Zuletzt hat man alle Teil­neh­mer auch in den hei­kels­ten The­men dazu gebracht, nament­lich und öffent­lich abzu­stim­men. Ich ken­ne tat­säch­lich eini­ge Syn­oda­le, die mir nach­her gestan­den haben, sie hät­ten eigent­lich gegen ihr Gewis­sen oder gegen ihre Über­zeu­gung abge­stimmt. Wegen des öffent­li­chen Drucks! Und Sie wis­sen auch, dass eini­ge Teil­neh­mer auf­grund die­ser bewuss­ten poli­ti­schen Steue­rung den Syn­oda­len Weg vor­zei­tig ver­las­sen haben. Sol­che Din­ge kön­nen nicht syn­odal sein im Sinn des Paps­tes. Ein ande­rer wesent­li­cher Punkt: Man hat Din­ge beschlos­sen, die im Grun­de eine Ver­än­de­rung der Leh­re über den Men­schen schon vor­aus­set­zen. Und man scheint viel­fach nicht beson­ders gewillt, hier auf eine Bestä­ti­gung der ver­meint­lich ver­än­der­ten Leh­re aus Rom zu waren. 

2023 09 25 pb alb bischof und papst Foto: Vatican Media
Ad-limina-Besuch der Deutschen Bischofskonferenz in Rom am 17.11.2022: Audienz bei Papst Franziskus – im Bild Bischof Stefan Oster und Franziskus.

Inwie­fern kann das Apos­tel­kon­zil in Jeru­sa­lem ein Vor­bild für die Welt­syn­ode sein?
Bischof Ste­fan Oster:
Inso­fern die Apos­tel wirk­lich vol­ler Glau­ben auf Got­tes Geist gehört haben. Sie haben damals ja am Ende ihrer Ver­samm­lung vol­ler Über­zeu­gung gesagt: Der Hei­li­ge Geist und wir haben beschlos­sen.…“ Das kann man in der Apos­tel­ge­schich­te (15,28) nach­le­sen. Also, wenn uns in Rom ein Mit­ein­an­der gelingt, in dem wir eben­falls in die­se Über­zeu­gung fin­den, dann wäre ich über­aus dank­bar und zufrieden. 

Die Orga­ni­sa­to­ren war­nen, bei den The­men Wei­he­amt für Frau­en oder einer Locke­rung der Ehe­lo­sig­keit bei Pries­tern zu hohe Erwar­tun­gen zu haben. Ist damit nicht schon gro­ße Ent­täu­schung bei vie­len Katho­li­ken in Deutsch­land vor­pro­gram­miert?
Bischof Ste­fan Oster:
Ja, natür­lich. Es wird nach mei­ner Ein­schät­zung und nach der Ankün­di­gung der die Ver­samm­lung lei­ten­den Kar­di­nä­le Grech und Hol­le­rich nicht um ent­schei­den­de Ver­än­de­rung der Leh­re gehen, son­dern letzt­lich um unse­ren Stil, Kir­che in der Welt von heu­te zu sein. Wie leben wir Gemein­schaft? Wie kön­nen wir mög­lichst vie­le ein­la­den und mit­neh­men? Und wie gelingt heu­te Ver­kün­di­gung? Dazu kommt, dass man ver­mut­lich schon von die­sem ers­ten Teil der Syn­ode gro­ße Ergeb­nis­se erwar­tet. Aber der Papst hat die Syn­ode um ein Jahr ver­län­gert. Das heißt: Kon­kre­te Ergeb­nis­se wird es erst Ende Okto­ber nächs­ten Jah­res geben. Und außer­dem: Die­se Ergeb­nis­se sind dann auch wie­der nur ein Bera­tungs­er­geb­nis für den Papst. Er wird aller Vor­aus­sicht nach auch nach die­ser Syn­ode noch ein­mal ein eige­nes nach­syn­oda­les Schrei­ben ver­fas­sen. So war es zumin­dest in der Ver­gan­gen­heit. Er wird dabei man­ches aus dem Abschluss­do­ku­ment auf­grei­fen und man­ches nicht. Das heißt: Auch hier ist der Papst nicht gebun­den. Er wird am Ende sei­ne Sicht der Din­ge deut­lich machen – und die ist es dann, die zählt. Denn dazu ist er der Papst.

Wolfgang krinninger

Wolfgang Krinninger

Chefredakteur

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