Glasklar: Der hl. Petrus ist auch Patron der Glaser

Redaktion am 21.06.2022

Info Icon Foto: Werner Friedenberger
Zeitreise in die Spätgotik: Norbert Stallbauer (Burghausen) schlüpfte in die Rolle eines spätgotischen Glasmalers, der, so die Dramaturgie des Glasfilmes, von einem Zisterzienserabt (gespielt von Roland Menzel, Egglham) den Auftrag für die Kirchenfenster in der Wallfahrtskirche Grongörgen erhielt. In Bild und Ton festgehalten haben diese Szenerie Kameramann Josef Sinzinger und Regisseur Günther Rauch.

Über 20 Berufsgruppen haben sich den Apostel Petrus als Schutzpatron ausgesucht, zum Beispiel die Glaser. Das ist der Grund, warum für den Dokumentarfilm „Glas im Wandel der Zeit“ jetzt in der Wallfahrtskirche Grongörgen ein Kamerateam vorbeigeschaut hat.

Glück und Glas, wie leicht bricht das. Vor die­sem Hin­ter­grund grenzt es an ein Wun­der, dass die spät­go­ti­schen Fens­ter­schei­ben in der Wall­fahrts­kir­che Grongör­gen im male­ri­schen nie­der­baye­ri­schen Hügel­land nörd­lich von Bad Gries­bach all die Jahr­hun­der­te heil geblie­ben sind. Kei­ne Natur­ge­wal­ten, kei­ne ver­irr­te Blei­ku­gel aus krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen konn­ten ihnen was anha­ben. Lang ist die Lis­te der Ant­wor­ten, was an die­ser irdi­schen Resi­denz Got­tes so ein­ma­lig ist. Natür­lich ist da die Tat­sa­che zu benen­nen, dass hier im obe­ren Wol­fach­tal die ein­zi­ge dem hei­li­gen Gre­gor geweih­te Kir­che in Deutsch­land steht. Und dann die um 1470/80 ein­ge­setz­ten Fens­ter­schei­ben! Dazu der Pas­sau­er Kreis­hei­mat­pfle­ger Dr. Wil­fried Hart­leb: Bibli­sche Gestal­ten und Hei­li­ge wer­den leben­dig, vom durch­schei­nen­den Licht in Sze­ne gesetzt. Hei­li­ge wer­den zu leuch­ten­den Vor­bil­dern des Glaubens.“

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Der heilige Petrus (mit Schlüssel) ist auf einem der spätgotischen Glasfenster in der Wallfahrtskirche von Grongörgen zu sehen; sein Gegenüber (mit Schwert) – wie könnte es anders sein – der heilige Paulus.

Genau so ein Motiv haben die Macher des Doku­men­tar­fil­mes Glas im Wan­del der Zeit“ gesucht – und sind in Grongör­gen fün­dig gewor­den. Auf­trag­ge­ber des Films, der Mit­te Sep­tem­ber in Kinos und ins Fern­se­hen kommt, ist die Gesell­schaft für gren­zen­lo­se Kul­tur und Geschich­te für Bay­ern, Böh­men und Öster­reich“. Deren Geschäfts­füh­rer Hein­rich Vier­lin­ger (Frey­ung): Seit Jahr­hun­der­ten wird Glas auch in den wei­ten Wäl­dern des Baye­ri­schen Wal­des und Böh­mer­wal­des her­ge­stellt. Es hat die­se Regio­nen geprägt, genau­so wie der Wald, in dem alles anfing und man­ches ende­te.“ Regis­seur Gün­ther Rauch (Alders­bach): Glas ist aus unse­rem Leben nicht mehr weg­zu­den­ken. Heu­er wur­de ihm eine beson­de­re Ehre zuteil: Die Ver­ein­ten Natio­nen haben das Jahr 2022 zum Inter­na­tio­na­len Jahr des Gla­ses‘ erklärt.“

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Blick auf Grongörgen – niederbayerisches Hügelland wie aus dem Bilderbuch.

Die Gotik gilt als ers­te gro­ße Blü­te­zeit der Glas­ma­le­rei. Die Far­ben­pracht erzeugt eine mys­ti­sche bis fei­er­li­che Stim­mung. Von die­ser Stim­mung in der Land­kir­che Grongör­gens lie­ßen sich schon die Fil­me­ma­cher vom Stern­stein­hof“ (1976) mit Volks­schau­spie­ler Gustl Bay­r­ham­mer und Der Boandl­kra­mer und die ewi­ge Lie­be“ (2019) mit Regis­seur Joseph Vils­mai­er anste­cken. Für den Glas­film hat Kame­ra­mann Josef Sin­zin­ger den glä­ser­nen“ Petrus (Namens­fest des Hei­li­gen am 29. Juni) im Auge: Unter­setz­te Gestalt, Rund­kopf mit kur­zem, gekräu­sel­tem Bart, Glat­ze mit Locken­kranz und Stirn­lo­cke; er trägt die übli­che Apos­tel­tracht mit lan­ger, gegür­te­ter Tuni­ka und rotem Man­tel. Unver­wech­sel­bar sein Attri­but: der Schlüs­sel des Himmelreiches.

Noch ein­mal Hei­mat­pfle­ger Hart­leb: Licht fass­ten die Men­schen des Mit­tel­al­ters als eine Erschei­nungs­form Got­tes auf, so dass ihnen die leuch­ten­den Bil­der der far­bi­gen Schei­ben als Abbil­der der Wor­te des Herrn erschie­nen. Gott ist das Licht der Welt. Erst das Licht gibt dem Kir­chen­ge­bäu­de die Schön­heit und Wür­de. Und es sind die Glas­fens­ter, die das gött­li­che Licht ins Inne­re lassen.“

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Großartiger Kopf: Der Baumeister der Wallfahrtskirche Grongörgen hat sich vor 550 Jahren beim Zugang zur Sakristei verewigt. Der dreidimensionale Kopf setzt sich als Fresko an der Wand fort. Der Oberkörper und die linke Hand sowie die Werkzeuge (Hammer und Zirkel) sind aufgemalt.

Grongör­gens Glas­fens­ter sol­len aus einer Lands­hu­ter Werk­statt kom­men – der meis­ter­haf­te Kön­ner ist nicht bekannt. Wohl aber der Name des Bau­meis­ters. Eine Inschrift teilt dem Leser mit, dass Meis­ter Tha­mann aus Brau­nau am Bar­tho­lo­mäus­tag (24. August) 1460 ange­fan­gen hat, Chor, Kir­che und Turm zu erbau­en, und dass er das Werk am Mar­tins­tag (11. Novem­ber) 1472 voll­endet hat“. Ob er den Spruch Glück und Glas, wie leicht bricht das“ kann­te? Im Kir­chen­in­ne­ren neben der Sakris­tei­tür hat sich der Meis­ter ver­ewigt: er wähl­te Stein, nicht Glas… 

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