Heiliger der Verliebten

Redaktion am 07.02.2023

2023 02 06 valentinstag Foto: Roswitha Dorfner
„Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ (1 Kor 13): Aus der ursprünglich kirchlichen Verehrung eines Heiligen als Patron der Liebenden wurde im Laufe der Zeit ein weltlicher Brauch.

Als Urheber des Valentinstags ist der gleichnamige Heilige ein unsicherer Patron. Aus dem Kirchenkalender gestrichen, erfährt Valentin von Terni (oder Rom?) nur noch in den katholischen Bistümern Mainz, Limburg und Fulda besondere Verehrung.

Die Land­wir­te wuss­ten frü­her: Reg­net es an St. Valen­tin, ist die hal­be Ern­te hin“. Oder auch Kal­ter Valen­tin – frü­her Lenz­be­ginn“. Es waren Bau­ern­re­geln, die den Valen­tins­tag bestimm­ten – Volks­weis­hei­ten, die längst ver­ges­sen sind. Dafür rüh­ren heu­te zum Valen­tins­tag Hote­liers und Gas­tro­no­men über­all die Wer­be­trom­mel, machen Süß­wa­ren­lä­den und Blu­men­ge­schäf­te am 14. Febru­ar mit die bes­ten Umsät­ze im Jahr.

Alles im Namen eines Hei­li­gen namens Valentin(us), von dem aller­dings nie­mand genau weiß, ob es ihn je gege­ben hat. Es ist nicht ein­mal klar, ob Valen­tin von Rom und Valen­tin von Ter­ni nicht ein und die­sel­be Per­son waren – bei­der Legen­de und Reli­qui­en-Ver­eh­rung über­schnei­den ein­an­der jeden­falls. Kein Wun­der, dass die Amts­kir­che das Fest des hei­li­gen Valen­tin Anfang der 1970er-Jah­re aus dem Kir­chen­ka­len­der gestri­chen hat. Nur in den katho­li­schen Bis­tü­mern Mainz, Lim­burg und Ful­da wird an sei­nem Geden­ken noch festgehalten.

2023 02 06 valentin von terni Foto: KNA
Segen für Liebende: Heiliger Valentin, Fensterbild der Basilika Terni. Valentin wurde der Legende zufolge schon in jungen Jahren Bischof in Interamna Nahars an der Via Flaminia – dem heutigen Terni. Trotz kaiserlichen Verbots habe er Liebespaare nach christlichem Zeremoniell getraut und in Partnerschaftskrisen geholfen. Weil er das Götteropfer vor dem Kaiser verweigert hatte, wurde er schließlich enthauptet.

Dass Valen­tin noch immer Freun­de hat, ver­dan­ken wir einer Main­zer Syn­ode, die anno 813 das Weih­nachts­fest end­gül­tig auf den 25. Dezem­ber fest­schrieb. Bis dahin näm­lich fei­er­te man Chris­ti Geburt häu­fig am 6. Janu­ar, dem heu­ti­gen Drei­kö­nigs­tag. 40 Tage spä­ter, am 14. Febru­ar, stand nach mosai­schem Gesetz das Fest der Dar­stel­lung des Herrn (Mariä Licht­mess) auf dem Kalen­der, das heu­te am 2. Febru­ar gefei­ert wird. Mit der Ver­le­gung des Weih­nachts­fes­tes vom Janu­ar in den Dezem­ber war so eine kalen­da­ri­sche Fei­er-Lücke ent­stan­den, die es schnell wie­der zu fül­len galt.

Des­halb folg­ten die Men­schen gern den römi­schen Chris­ten, die damals am 14. Febru­ar eines Bischofs Valen­ti­nus gedach­ten, der im 3. Jahr­hun­dert in Ita­li­en gelebt und an eben die­sem Tag im Jahr 269 als Mär­ty­rer gestor­ben sein soll. Anfang des zwei­ten Jahr­tau­sends jeden­falls gelang­te eine Kopf­re­li­quie des Hei­li­gen aus Ita­li­en ins nor­man­ni­sche Klos­ter Jumiè­ges, damals eines der gro­ßen Boll­wer­ke christ­li­chen Glau­bens. Von dort, so glaubt die Wis­sen­schaft, habe sich der Valen­tins-Kult wei­ter­ver­brei­tet. Etwa nach Worms, wo ein Doku­ment anno 1311 das Dop­pel-Patro­zi­ni­um von Sil­ves­ter und Valen­ti­nus in einer zum Andre­as-Stift gehö­ren­den Kapel­le erst­mals beschreibt. Dort aus­ge­stell­te Valen­ti­nus-Reli­qui­en lock­ten jähr­lich vie­le Wall­fah­rer in die Nibe­lun­gen­stadt – vor allem im 14. und 15. Jahr­hun­dert, als mit der Pil­ger­rei­se auch man­cher Sün­den-Ablass ver­bun­den war. Jahr­hun­der­te spä­ter über­trug man die Valen­tins-Ver­eh­rung in die Worm­ser Lieb­frau­en­kir­che, wo heu­te eine baro­cke Valen­tins-Sta­tue und ein moder­nes Kir­chen­fens­ter an den Hei­li­gen erin­nern, dazu eine Reli­quie, die nach dem Wall­fahrts­got­tes­dienst den Pil­gern auf die Stirn gelegt wird. 

1454 beleb­te der Worm­ser Dom­de­kan und spä­te­re Bischof von Bres­lau, Rudolf von Rüdes­heim (14021482), den Valen­tins-Kult im Rhein­gau, als er der Pfarr­kir­che Kied­rich einen Teil der Worm­ser Valen­tins-Reli­qui­en schenk­te. Die Kied­ri­cher jeden­falls – sie sol­len schon im 14. Jahr­hun­dert ers­te Valen­tins-Reli­qui­en aus dem benach­bar­ten Klos­ter Eber­bach geschenkt bekom­men haben – fühl­ten sich so ver­pflich­tet, anno 1875 den Worm­sern, deren Valen­tins-Kno­chen Ende des 17. Jahr­hun­derts im pfäl­zi­schen Erb­fol­ge­krieg ver­lo­ren gin­gen, einen Teil ihrer Reli­qui­en wie­der zurück­zu­ge­ben. Damit konn­te die Anfang des 19. Jahr­hun­derts ein­ge­schla­fe­ne Valen­ti­nus­wall­fahrt in Worms neu belebt wer­den. Bis heu­te wird der Valen­tins­tag in der Lieb­frau­en­kir­che so mit einem Hoch­amt und einer abend­li­chen Paar-Seg­nung, die dem Patro­nat der Lie­ben­den und Ver­lob­ten Rech­nung trägt, gefei­ert. Am Fest­tag selbst oder sonn­tags danach fin­det gewöhn­lich spät nach­mit­tags eine Ves­per mit anschlie­ßen­der Pro­zes­si­on statt. 

2023 02 06 valentinstag rose Foto: Roswitha Dorfner
Den Brauch, am Valentinstag Blumen zu schenken, gibt es schon lange.

Dass am Valen­tins­tag heu­te der Lie­ben­den gedacht wird, fußt übri­gens nicht in kirch­li­chem, son­dern eher welt­li­chen Brauch, bei dem wohl die römi­sche Göt­tin Juno Pate steht. Ihr, der Schüt­ze­rin von Ehe und Fami­lie, wur­den an die­sem Tag Blu­men geop­fert; den Frau­en schenk­te man an die­sem Tag Blumen. 

Im Mit­tel­al­ter ent­wi­ckel­te sich in Eng­land ein ähn­li­cher Brauch. Dem Volks­glau­ben nach such­ten sich an die­sem Tag die Vögel ihre Part­ner, was auch das im spä­ten 15. Jahr­hun­dert ent­stan­de­ne Lied von der Vogel­hoch­zeit doku­men­tier­te. Viel­leicht in Ana­lo­gie zur Vogel­hoch­zeit führ­te man schließ­lich zum Valen­tins­tag, häu­fig durch Los­ent­scheid, Män­ner und Frau­en zusam­men, die sich durch klei­ne Geschen­ke oder Gedich­te ihrer Lie­be ver­si­cher­ten. Der Brauch war eine Art Part­ner­bör­se, die ers­te Früh­lings­ge­füh­le kana­li­sier­te. Im spä­ten 17. Jahr­hun­dert soll es schließ­lich Sit­te gewor­den sein, im Rah­men die­ser Kon­tak­te Blu­men zu ver­schen­ken. Ein Brauch, den Euro­pas Aus­wan­de­rer dann mit nach Ame­ri­ka nah­men, von wo er Anfang der 1950er-Jah­re zurückkehrte.

Text: Gün­ter Schenk

Violett als Farbe der Liebe – Wie ein Edelstein als Vorbild dienen kann

Es wird über­lie­fert, dass der hei­li­ge Valen­tin, der Schutz­pa­tron aller Lie­ben­den, in sei­nem Bischofs­ring einen vio­let­ten Edel­stein, einen Ame­thys­ten“, ver­ar­bei­ten ließ. Er könn­te mit sei­ner wun­der­schö­nen vio­let­ten Far­be zum Stein aller Lie­ben­den wer­den. In die­ser vio­let­ten Far­be haben die bei­den Grund­far­ben Rot und Blau gewis­ser­ma­ßen eine unver­wech­sel­ba­re Ein­heit gebil­det, sie sind eine Ehe mit­ein­an­der ein­ge­gan­gen. Ein sehr behut­sa­mer und doch gelun­ge­ner, krea­ti­ver Kom­pro­miss, ein Gleich­ge­wicht zwei­er Kräf­te, die ein­an­der die­nen. In die­ser neu­en Far­be Vio­lett“ lässt jede der bei­den Far­ben Rot und Blau der jeweils ande­ren gewis­ser­ma­ßen den Vor­tritt und bleibt gleich­zei­tig im Hin­ter­grund, ein ech­tes Geheim­nis. So, wie zwei Men­schen, die sich lie­ben, ihren Part­ner immer wie­der ger­ne in den Vor­der­grund las­sen, ohne sich jedoch selbst dahin­ter zu ver­ste­cken. Das ist krea­tiv. Das ist eine Kom­pro­miss­be­reit­schaft, die gewinnt, wenn sie ver­liert, die erfüllt wird, wenn sie teilt. 

Wenn man schon am Valen­tins­tag nicht gänz­lich auf die übli­chen Geschen­ke ver­zich­ten möch­te, dann könn­te es ja aus­nahms­wei­se auch ein­mal ein klei­nes Schmuck­stück sein, in dem die­ser schö­ne Ame­thyst“ ver­ar­bei­tet wur­de. Ein gemein­sa­mes Gespräch über die Sinn­bild­lich­keit die­ses Steins wür­de die­ses Erleb­nis noch wesent­lich vertiefen.

Wenn man wei­ter bedenkt, dass die Far­be Rot das Sym­bol für die Lie­be und die Far­be Blau das Sym­bol für die Treue dar­stellt, so scheint die­se neue Far­be Vio­lett mit einer gro­ßen Über­zeu­gungs­kraft auf etwas hin­zu­wei­sen, das man in jeder Bezie­hung beden­ken soll­te, näm­lich: Es gibt kei­ne Lie­be ohne Treue – es gibt aber auch kei­ne Treue ohne Lie­be.“ Wenn wir manch­mal gereizt und genervt auf unse­re Uhr schau­en, weil wir mei­nen, kost­ba­re Zeit zu ver­geu­den, dann könn­te die Bot­schaft des Valen­tins­ta­ges auf uns beru­hi­gend wir­ken und uns wie­der auf das Wesent­li­che hin­wei­sen, dass näm­lich das schöns­te Geschenk die gemein­sa­me Zeit ist, die wir mit einem gelieb­ten Men­schen ver­brin­gen dür­fen. Denn die gemein­sam ver­brach­te Zeit kön­nen wir nie­mals verlieren.

Text: Sta­nis­laus Klemm

Verwirrende Valentin-Vielfalt

Der Lie­bes-Hei­li­ge“ Valen­tin von Ter­ni (bzw. Rom) ist nicht zu ver­wech­seln mit ande­ren Bischö­fen oder Mär­ty­rern glei­chen Namens – und allein das Mar­ty­ro­lo­gi­um Roma­n­um führt um die 20 davon auf.

2023 02 06 valentin bistumspatron passau Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
Bistumspatron: Darstellung des hl. Valentin auf einem Seitenaltar im Passauer Dom.

Für das Bis­tum Pas­sau am bedeu­tungs­volls­ten ist sicher­lich der hei­li­ge Bischof Valen­tin von Räti­en – einer römi­schen Pro­vinz, zu der auch Bata­via (Pas­sau) gehör­te. Über das Leben und Wir­ken des hei­li­gen Valen­tin gibt es nur dürf­ti­ge Zeug­nis­se. Als gesi­chert gilt der Todes­tag am 7. Janu­ar. Sei­ne Wirk­sam­keit fällt wohl auf die Zeit zwi­schen 430 und 450. Als Bischof von Räti­en wirk­te er wahr­schein­lich in dem Gebiet zwi­schen Inn und Iller, dem Bren­ner und der Donau. Wo der Bischofs­sitz war, lässt sich nicht mehr sicher fest­stel­len. Die Ver­bun­den­heit Valen­tins mit dem Pas­sau­er Pries­ter Lucil­lus lässt wohl auf ein zeit­wei­li­ges Wir­ken in Batavia/​Passau schlie­ßen. Um das Jahr 764 ließ Her­zog Tas­si­lo die hoch­ver­ehr­ten Reli­qui­en nach Pas­sau über­füh­ren und dort in der Bischofs­kir­che bestatten. 

Bischof Ste­fan Oster ver­leg­te das Hoch­fest des hl. Valen­tin mit vati­ka­ni­scher Erlaub­nis im Bis­tum vom 7. Janu­ar auf den 1. Juli, weil des­sen Namens­tag bis­her nach Weih­nach­ten und Drei­kö­nig etwas unter­ge­gan­gen sei. Bis­tums­pa­tron Valen­tin von Räti­en wird u.a. gegen Krämp­fe und Epi­lep­sie („Fall­sucht“) angerufen.

Text: Wolf­gang Terhörst

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