Weltkirche

Entdeckungen in Afrika

Redaktion am 22.04.2024

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Teresa Stefenelli (r.) in Benin.

Teresa Stefenelli wird noch bis Ende August in Cotonou (Benin) als Freiwillige in einem Don-Bosco-Projekt mitwirken. Die junge Frau aus dem Bistum Passau hat ihr bequemes Leben in Deutschland gegen viele neue Erfahrungen in einer anderen Welt ausgetauscht. Eines ist jetzt schon klar: Sie wird aus den Monaten in der Fremde unheimlich viel fürs Leben mitnehmen.

Für Tere­sa Ste­fen­el­li war bereits nach dem Abitur klar, dass sie ein Jahr im Aus­land ver­brin­gen wol­le. Auf die Idee eines Frei­wil­li­gen­diens­tes im Rah­men von Welt­wärts“ hat­te sie ihre Mut­ter gebracht. Eine Bekann­te schlug ihr als Ent­sen­de­or­ga­ni­sa­ti­on die Sale­sia­ner Don Boscos vor. Tere­sa hat­te den Wunsch geäu­ßert, in einem fran­zö­sisch­spra­chi­gen afri­ka­ni­schen Land zu arbei­ten, und sie war glück­lich, dass sich die­ser Wunsch erfüll­te. Fran­zö­sisch hat­te mich seit der 8. Klas­se fas­zi­niert“, erzählt sie, und Afri­ka schien mir als ein Kon­ti­nent, über den wir rela­tiv wenig wis­sen und der haupt­säch­lich durch Spen­den­auf­ru­fe oder Schlag­zei­len bekannt ist. Ich war mir sicher, dass es noch viel mehr zu ent­de­cken gab.“

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Teresa Stefenelli.

Seit dem 13. Sep­tem­ber 2023 ist Tere­sa in Coto­nou und wird dort bis Ende August 2024 blei­ben. Sie lebt auf dem Don-Bosco-Gelän­de der Schwes­tern in Coto­nou mit ande­ren Frei­wil­li­gen, Schwes­tern und Prä­aspi­ran­tin­nen (Schwes­tern­an­wär­te­rin­nen) zusam­men. Das Gelän­de ist sehr viel­fäl­tig“, berich­tet Tere­sa, es umfasst eine wei­ter­füh­ren­de Schu­le mit über 1000 Schü­lern, ver­schie­de­ne Aus­bil­dungs­be­rei­che, die Éco­le Alter­na­ti­ve und das Mäd­chen­wohn­heim Foy­er Lau­ra Vicu­ña. Zudem gibt es einen Gar­ten mit Fisch­teich und Hüh­ner­stäl­len für die Foy­er­mä­dels sowie Büros für ver­schie­de­ne Diens­te wie Rechts­be­ra­tung und psy­cho­lo­gi­sche Betreu­ung und das Schwesternhaus.“ 

Tere­sas Auf­ga­ben vari­ie­ren. Ich arbei­te in sechs ver­schie­de­nen Pro­jek­ten“, erklärt sie, dar­un­ter die Betreu­ung von Babys und Klein­kin­dern, Alpha­be­ti­sie­rungs­kur­se für Mäd­chen, Bas­tel­ak­ti­vi­tä­ten und Frei­zeit­ge­stal­tung.“ Meist sei sie zwi­schen den Tatas (Erzie­he­rin­nen) und Fofos (Erzie­hern) und den Kin­dern zu fin­den. Ihr Tag sei dyna­misch, da sie jeden Tag ver­schie­de­ne Pro­jek­te betreue und die Pro­jekt­kom­bi­na­tio­nen sich täg­lich unterschieden.

Ein typi­scher Mitt­woch bei­spiels­wei­se beginnt um 8 Uhr mit der Betreu­ung der Babys und Klein­kin­der im Foy­er“, beschreibt Tere­sa. Lie­der sin­gen, Win­deln wech­seln, füt­tern, spie­len und klei­ne Spa­zier­gän­ge auf dem Gelän­de machen – so füllt sich der Vor­mit­tag.“ Gegen 12 Uhr mache sie sich meist auf den Weg zum Mit­tag­essen: Das Mit­tag­essen hole ich mir an einem der Essen­stän­de auf dem Gelän­de (die haben für die Schü­ler dort offen) oder außer­halb. Meis­tens Reis mit Boh­nen und einer bestimm­ten Soße: Ata­si.“ Danach gehe es mit dem Zem­su­che (Mor­o­rad­ta­xi) zur Bara­cke, um bei den Alpha­be­ti­sie­rungs­kurs der Mäd­chen zu hel­fen, gefolgt von Bas­tel­ak­ti­vi­tä­ten, die ich bereits zuhau­se vor­be­rei­tet und nun mit­ge­bracht habe. Oft sind es Gir­lan­den, Spie­le wie Him­mel und Höl­le oder Ori­ga­mi.“ Danach beginnt oft der locke­re Teil“: Klatsch­spie­le dür­fen dabei nie feh­len, und so ler­ne ich sol­che den Mäd­chen genau­so wie sie mir. Oft wird auch die Trom­mel aus­ge­packt und viel gesun­gen und getanzt. An ande­ren Tagen geht es etwas ruhi­ger zu und wir spie­len Kar­ten oder ande­re Spie­le.“ Das daue­re ca. bis 17 Uhr. Dann set­zen die Mäd­chen sich wie­der die Kör­be vol­ler Ware auf den Kopf und gehen ihrer Arbeit, dem Ver­kau­fen auf dem Markt, nach, wäh­rend die Bara­cke von uns noch­mal ordent­lich durch­ge­kehrt wird.“ Der Tag ende oft mit Ein­käu­fen auf dem Markt, der Suche nach einem Zem, der sie zurück aufs Gelän­de bringt und Vor­be­rei­tun­gen für den nächs­ten Tag.

Impressionen

Ob in der Schu­le oder in der Küche oder unter­wegs in der Stadt: Der All­tag in Ben­in unter­schei­det sich fun­da­men­tal vom gewohn­ten Leben in Nie­der­bay­ern. Doch gera­de das macht für Tere­sa Ste­fen­el­li die Zeit so auf­re­gend. Mit ihrer Offen­heit gelingt es ihr schnell, mit den Men­schen ins Gespräch zu kom­men. Sie weiß frei­lich inzwi­schen auch, wie wich­tig es ist, Gren­zen zu ziehen.

Fotos: pri­vat

Was ich aus die­ser Erfah­rung mit­neh­me“, reflek­tiert Tere­sa, ist die Fähig­keit, klar Nein‘ zu sagen.“ Auch liegt die Her­aus­for­de­rung vor Ort oft dar­in, mit den Erwar­tun­gen der Men­schen umzu­ge­hen. Es gibt vie­le Anfra­gen nach mei­ner Num­mer, Geld oder Geschen­ken von den Men­schen in der Gemein­schaft“, erklärt Tere­sa. Doch auch wenn es teil­wei­se her­aus­for­dernd sei, neh­me sie etwas davon mit: Ich habe gelernt, Gren­zen zu set­zen und klar mei­ne Posi­ti­on zu kom­mu­ni­zie­ren, was manch­mal auf Unver­ständ­nis oder Ableh­nung stößt.“ Oft ver­su­che sie jedoch gera­de aus sol­chen Situa­tio­nen mit Kin­dern Wege zu fin­den, nicht ein­fach immer nur Nein“ zu sagen, son­dern eine lus­ti­ge Situa­ti­on dar­aus ent­ste­hen zu las­sen, die ihren Stand­punkt trotz­dem deut­lich mache.

Vortrag, Blog und Spendentipp

Vor­trag: Agnes Ste­fen­el­li besuch­te über Ostern ihre Toch­ter Tere­sa in Ben­in. Über ihre Erfah­run­gen und die Situa­ti­on vor Ort wird sie in einem Vor­trag am 25. April um 19 Uhr im Pfarr­saal St. Peter in Pas­sau berichten. 

Spen­den: Spen­den für das Mäd­chen­wohn­heim Lau­ra Vicu­ña kön­nen auf fol­gen­des Spen­den­kon­to über­wie­sen wer­den: Emp­fän­ger: Mis­si­ons­pro­kur FMA, VWZ: Sr. Han­ni Deni­fl Foy­er Coto­nou Ben­in; IBAN: DE12 3702 0500 0001 0739 00, BIC: BFSWDE33XXX

Online: Was sie alles erlebt und wie sie Land und Leu­te ken­nen­lernt, schil­dert Tere­sa Ste­fen­el­li beglei­tend zu ihrem Auf­ent­halt auch auf ihrem Inter­net-Blog Mit­ten­drin in Ben­in“, der lau­fend fort­ge­schrie­ben wird:

Einen wei­te­ren Aspekt nimmt Tere­sa nach eige­ner Aus­sa­ge mit: offen auf Men­schen zuzu­ge­hen. Die inten­si­ve Zusam­men­ar­beit und das Zusam­men­le­ben mit mei­ner Mit­frei­wil­li­gen Vale­rie hat mir viel über offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on und zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hun­gen bei­gebracht. Auch mein Blick auf The­men wie Ras­sis­mus hat sich erwei­tert. Hier habe ich gese­hen, wie das Leben anders­wo auf unse­rer Welt statt­fin­det und funk­tio­niert, oder eben auch nicht, und das sind inter­es­san­te Erfah­run­gen.“ Ein Bei­spiel dafür ist die Kin­der­er­zie­hung: Wäh­rend sich in Deutsch­land das Leben der Men­schen durch ein Kind oft sehr ver­än­dert, wirkt es hier, als wäre es kei­ne all­zu gro­ße Sache. Gene­rell sieht man viel mehr Kin­der über­all, die Kin­der sind frü­her selbst­stän­di­ger und lau­fen oft ein­fach bei dem, was die Eltern machen, mit.“

Schmidt Susanne

Susanne Schmidt

Bischöfliche Pressesprecherin

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